B.o.B. – „Ich will alle Musikstile die mir gefallen auch selber machen“

Int. Rap

„They say my music’s pop, I call it buyin’ cribs for my mama, shakin’ hands with Obama“ schmetterte B.o.B seinen Kritikern beim BET Cypher entgegen. Tatsächlich hat sich der erst 23-Jährige mit seinem Debüt „B.o.B Presents: The Adventures Of Bobby Ray“ mitten in die Pop-Welt katapultiert. Zuvor hatten diverse Mixtapes mehr als nur angedeutet, dass der Rapper, Sänger und Produzent, der auch noch mehrere Instrumente beherrscht, zu den verheissungsvollsten Artists aus Atlanta gehört. Wie es oft bei Künstlern der Fall ist, die mit ihren Mixtapes hohe Erwartungen schüren, konnte das Album dann viele der Fans nicht überzeugen. Die breite Masse allerdings schon: In den USA schoss die Platte direkt auf Platz 1 der Charts und ja, auch für den Mr. President durfte er performen. Der Erfolg mag ihm Recht geben, trotzdem muss man sein Debüt auch als eine vertane Chance bezeichnen. Nur selten trifft man auf einen Künstler, der über das Potential verfügt, eines Tages in die Fussstapfen von Outkast treten zu können und kommerziell erfolgreiche Musik zu machen, die aber eben auch vor Kreativität strotzt. Auf Bobby Ray’s Debüt schien aber vieles doch etwas gar kalkuliert und wenn man Songs wie den potentiellen Sommerhit „So Good“ zum Massstab nimmt, scheint man auch mit dem zweiten Album „Strange Clouds“ das neugewonnene Publikum nicht vergraulen zu wollen.

Wie ich gelesen habe, verkauftest du bereits mit 14 Jahren deinen ersten Beat. Wie kam es dazu, dass du bereits in so jungen Jahren deine ersten kleinen Spuren im Game hinterlassen konntest?
Das war definitiv ein Gewinn und sehr überraschend für mich. Natürlich verändert es dein Leben nicht in diesem Sinne, dass du plötzlich viel Kohle hast und dir ein Haus kaufen kannst, aber es gibt dir die Gewissheit, dass es wirklich möglich ist. Das hat auf jeden Fall den Funken gezündet und mich zusätzlich motiviert, zu produzieren.

Du sollst auch schon ziemlich früh einige Instrumente gelernt haben. Würdest du sagen, dass du in einem musikalischen Umfeld gross geworden bist?
Es war nicht unbedingt sehr musikalisch, mein Vater wollte einfach, dass ich und meine Schwester sehr früh damit beginnen, Instrumente zu spielen. Sie spielt übrigens auch heute noch Keyboard in meiner Band. Unser Vater hat damals wohl die richtige Psychologie angewendet, dass wir das Gefühl hatten, Instrumente zu spielen sei cool.

Im 2006 wolltest du mit der Musik aufhören oder zumindest eine Pause einlegen und dir einen normalen Job suchen. Was waren die Gründe? Hattest du das Gefühl, der Erfolg würde nicht kommen, weil du nicht wirklich in die gängigen Schemen gepasst hast?
Aufhören wollte ich nicht, es ging mehr darum, mir neben der Musik ein regelmässiges Einkommen zu sichern. Aber du weisst ja wie das im Internet läuft, solche Geschichten werden schnell verdreht.

Einer deiner ersten Songs den ich hörte war „I’ll Be in the Sky“. Der Track und besonders auch das später folgende Video zeigten, dass du wirklich Spass an der Sache hast und du bist auch einer der Rapper, die das zeigen können. Denkst du es ist Teil deines Erfolgs, dass du in einem gewissen Sinn den Spass zurück bringst?
Ich denke bei mir sind es verschiedene Aspekte. Ich kann problemlos mit einem Rapper arbeiten, der viel härter rüberkommt, genauso aber auch mit einer Rockgruppe. Ich war schon immer eine Art Chamäleon, das sich sowohl in der Hood wie auch in ganz anderen Welten wohl fühlte. Viele Leute hören ganz unterschiedliche Musikstile, bei mir geht es noch einen Schritt weiter; ich will alle Musikstile die mir gefallen auch selber machen.

Deine Vielseitigkeit ist natürlich ein Pluspunkt, war es zu Beginn aber auch ein Hindernis, weil man dich nicht so einfach in eine Schublade packen und entsprechend vermarkten kann?
Bestimmt, schlussendlich ist aber der Künstler selber dafür verantwortlich, dass er entsprechend repräsentiert wird. Es dauerte eine Weile, bis ich mein Publikum verstanden habe und man könnte sagen, ich bin gemeinsam mit ihnen gewachsen.

Viele Leute kennen dich vor allem aufgrund der beiden Hits „Nothing On You“ und „Airplanes“. Vor einiger Zeit tauchten auf den Blogs diese Songs mit Raps von Lupe aber genau denselben Refrains und Beats auf und seine Versionen entstanden vor deinen Tracks. Wie ging das genau vor sich?
In der Musikindustrie weisst du nie genau, wo etwas landen wird. Ich kann es dir nicht genau sagen und ich hatte auch noch nie die Möglichkeit, mich mit Lupe darüber zu unterhalten. Wir wussten aber beide nichts davon, dass der andere an demselben Song arbeitet. Es ist schon komisch, denn selbst auf den Versionen von Lupe hatte ich einen Part drauf. Es ist schon interessant, wie so etwas passieren kann, denn Lupe hätte sicherlich keinen Song verwenden wollen, der schon bei jemand anderem gelandet ist. Manchmal wird man als Künstler in die Irre geführt und dann stellt sich die Frage, in welche Richtung man gehen will und welche Standards man sich setzt und wie hoch du die Moral bewertest.

Sprechen wir über das kommende Album „Strange Clouds“. Du sagtest, mit der Scheibe wollest du die Fans, die vor allem deine Hits lieben mit den Hörern, die vor allem deine Mixtape gefeiert haben, vereinen. Wie willst du das erreichen?
Für mich ging das alles sehr natürlich, ich hatte einfach Spass und meine Geisteshaltung war es, Mixtape und Album zu kombinieren. Vor allem wollte ich mich selber herausfordern und besser sein, als jemals zuvor, was ich sehr wichtig finde.

Sind denn aber nun einige Songs eher für die Mixtape- Leute und die anderen, für diejenigen die neue Hits wollen oder sprechen alle Tracks beide Gruppen an?
Jeder der Songs soll alle ansprechen können!

Du sollst über ein Jahr an „Strange Clouds“ getüftelt haben, liegt das auch daran, dass du mit dem zweiten Album viel mehr Leute zufriedenstellen und auch an den kommerziellen Erfolg des Vorgängers anschliessen musst?
Dass es länger dauerte liegt vor allem daran, dass ich ein besseres Album abliefern wollte. Ich bin nicht wirklich der Typ, der sich unter Druck setzen lässt. Oder wenn ich einen Druck verspüre, dann führt das eher dazu, dass meine Motivation weiter ansteigt. Es dauerte nur so lange, weil ich mir diese Zeit auch wirklich nehmen wollte.

Mehr als die Hälfte der Tracks sollen von dir selber produziert sein und du sagtest auch, du hättest das Album wie ein Kind behandelt, weil du in allen Phasen der Produktion, bis hin zum Mix, involviert warst. Brauchte es diese volle Kontrolle, um genau das Album zu bekommen, dass du wolltest?
Genau, ich habe es grossgezogen und gepflegt. Das hat mir definitiv ermöglicht, genau das zu bekommen, was ich wollte. Es ist als ob man ein Haus baut oder Essen kocht. Man braucht die richtigen Zutaten, diese muss man richtig vorbereiten und alles richtig abwägen. Natürlich hatte ich immer noch Spass bei der Produktion aber ich war auf jeden Fall sehr perfektionistisch.

Hattest du diese Kontrolle auch schon beim ersten Album?
Das Problem beim ersten Album war, dass ich nicht genügend Songs drauf nehmen konnte. Auf dem neuen Album wird man 20 neue Tracks zu hören bekommen, wenn man die Songs auf der Special-Edition oder bei iTunes dazurechnet.

Du sagtest Mal, du machest deine Musik, um sie dann performen zu können. Inwiefern beeinflusst dies den Produktionsprozess oder das Songwriting?
(überlegt) Nun, alles kann natürlich performt werden aber ich will, dass die Songs genau so klingen, wie ich sie dann live spielen will.

Denkst du aber über solche Sachen bereits nach, wenn du einen Beat programmierst?
Ja, das muss man. Genauso muss man auch schon überlegen, wie das in einem Video funktionieren könnte. Aber ich erzähle nun nicht alle Geheimnisse (lacht).

Du sagtest das Album sei reifer und führe die Leute näher an dich als Mensch. Gib uns ein Beispiel!
Die Fans, die meine Karriere vor „The Adventures Of Bobby Ray“ nicht verfolgt haben, bekommen auf dem Album die besten Elemente von all meinen Mixapes. Ein gutes Beispiel wäre wohl „Where Are You (B.o.B vs. Bobby Ray)“. Das geht in einem gewissen Sinn zurück zu dem Mixtape „B.o.B vs. Bobby Ray“, dreht sich aber gleichzeitig um die Gegenwart. Es ist wie eine Erinnerung an diese Zeiten. Das dürfte der persönlichste Song des Albums sein.

Endlich hat nun auch die Zusammenarbeit mit Andre 3000 geklappt. Du nanntest dies einen „pass the torch-moment“. Wie meintest du das genau?
Schon meine ganze Karriere über werde ich mit Andre verglichen und da wir nun endlich einen Song zusammen haben, kann der Hörer jetzt erkennen, dass wir beide unseren eigenen Sound haben. Es ist schon ein Ereignis, uns beide auf demselben Song hören zu können, auch weil wir beide Gitarre spielen und er auf dem Song sogar ein Gitarrensolo performt.

Das wohl überraschendste Feature auf dem Album ist die Country-Pop Sängerin Taylor Swift. Wie kam es dazu?
Ich hörte mir mit meinem Team den Song an und plötzlich sagte jemand, wir sollten Taylor Swift auf diesem Track haben. Ich sagte nur: Schön wär’s! Rund einen Monat später rief sie mich an und lud mich zu ihrer Show in Dallas ein. Wir performten zusammen und danach zeigte ich ihr den Song, sie liebte ihn und der Rest ist Geschichte.

Dann hast du bereits mit einem anderen Projekt begonnen, nämlich „The Man & The Martian“ mit T.I.. Wird dieses Album vergleichbar mit euren Alben als Solokünstler oder wird es etwas völlig anderes?
Es ist ein wenig von allem, vor allem ist es eine Partnerschaft. Wir nehmen das Beste von dem was er macht und das Beste aus meiner Welt. Das wird fantastisch.

Ich weiss nicht, ob das erst gemeint war aber du sagtest Mal, du würdest gerne eine Album für einen Country-Sänger produzieren und eine Meditationsplatte machen. Müssen wir den rappenden B.o.B. noch so lange geniessen, wie wir können?
Nein, das wären nur Projekte, die ich nebenbei machen würde. Es wäre aber sicherlich sehr viel Spass. Wann das geschehen wird, weiss ich aber nicht, es muss einfach passieren. Ich mag mich nicht zu schnell festlegen, ich überdenke meine Ideen gerne und entwickle sie so Schritt für Schritt weiter. Das wird aber keinerlei Einfluss auf meine Musik haben.

Interview: Fabian Merlo

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