Charles Bradley – „Das Leben gönnt mir keine Pausen“

Die schon fast etwas märchenhafte Geschichte von Charles Bradley sollte mittlerweile landläufig bekannt sein. Falls jemand die Geschichte dieser ungewöhnlichen Karriere tatsächlich noch nie gehört hat hier die Kurzfassung: Charles Bradley wuchs in armen Verhältnissen auf, lebte zwischendurch sogar auf der Strasse. Später schlug er sich mit verschiedenen Jobs quer durch Amerika, dabei verfolgte er immer seinen Traum von der Musik. Doch verschiedene persönliche Rückschläge verhinderten diesen. Sein Bruder wurde ermordet, er selbst entging auch nur knapp dem Tod und so lebte er mit wenig Geld in den Projects in Brooklyn. Erst mit 63 Jahren veröffentlicht er 2011 sein erstes Album „No Time For Dreaming“. Seine pure Soulstimme, in die er all seinen Schmerz legte, begeisterte die Hörer rund um den Globus. Die gekonnte Adaption traditioneller Soul- und Funkrhythmen der Menahan Street Band tat ihr übriges. Während bei dem Debüt vor allem seine Erlebnisse verarbeitet wurden steht beim zweiten Album seine Dankbarkeit im Vordergrund. Tatsächlich gibt es kaum einen Künstler, dem man die Dankbarkeit gegenüber seinem Publikum mehr abnimmt als Charles Bradley. Es ist manchmal richtiggehend rührend wie er sich über seine späte Karriere freut. Dass der Schmerz aber noch nicht gänzlich verschwunden ist zeigt alleine schon unser Gespräch mit dem grundehrlichen Sänger, der zwar nicht immer auf die Fragen eingeht aber trotzdem viel zu erzählen hat.

Die meisten kennen mittlerweile deine Geschichte viele wissen wohl aber nicht, dass du bereits 2002 mit den Daptone-Leuten gearbeitet hast. Wieso dauerte es noch weitere neun Jahre bis schliesslich das erste Album erschien?
Tom Brenneck lud mich nach Staten Island ein, da eine Band namens The Bullets einen Soulsänger suchte. Mir gefiel was sie spielten, ich nahm das Mikrofon und begann zu singen. Tom gefiel was er hörte woraufhin er mir sagte, er wolle mit mir aufnehmen. Daraufhin entstanden zwei Single mit The Bullets. Während dieser Zeit trat ich regelmässig als James Brown-Imitator auf. Ich meldete mich auch immer wieder bei Tom um mehr Arbeit zu bekommen. Ich war am Strugglen und versuchte irgendwie mit dem Singen Geld zu verdienen. Tom sagte mir zwar er wolle mit mir aufnehmen, es dauerte aber fünf Jahre bis es soweit war. Ein Jahr zuvor war mein Bruder ermordet worden und ich war völlig am Boden und lief wie ein Zombie durch die Stadt. Tom zog dann nach Brooklyn und rief mich an. Ich brauchte zu dieser Zeit jemanden zum Reden und erzählte ihm die Geschichte mit meinem Bruder. Er begann dieses Gespräch aufzunehmen, was mich erst störte. Tom kommt aus einer netten Mittelschichtfamilie während ich ein sehr raues Leben hatte. Wenn er mir aus seinem Leben erzählte war ich ein wenig neidisch, denn ich wollte auch so ein Leben. Irgendwann wurde mir aber klar, dass er damit nicht angeben will, sondern einfach die Wahrheit erzählt. Aus diesen Gesprächen über meinen Bruder entstand schliesslich der Song „Heartaches & Pain“. Wir nahmen die Vocals auf und sie vervollständigten später die Musik. Als sie fertig waren riefen sie mich an, ich ging vorbei und hörte mir den fertigen Song an. Ich musste das Studio jedoch verlassen, ich hielt es nicht aus den Song zu hören. Daraufhin sagten sie mir, dass sie ein komplettes Album mit mir machen wollen und die Dinge nahmen ihren Lauf.

Als ich letztes Jahr mit Neal Sugarman (Gründer von Daptone Records) sprach sagte er, du hättest du Beginn zu sehr wie James Brown geklungen und daher sei es noch zu früh für ein Album gewesen. Musstest du zuerst von einem grossartigen Sänger zu einem individuellen Künstler wachsen?
Der Grund wieso ich mir James Brown aussuchte war schlicht weil er zu meiner Zeit der heisseste Act war. Ich habe mir also den schwierigsten Künstler ausgesucht, um mich selbst herauszufordern und mir zu beweisen, dass ich mir dieselben Qualitäten aneignen kann. Ein anderer Grund war, dass James Brown ein sehr schweres Leben hatte. Deshalb konnte ich mich so gut mit ihm identifizieren, da ich ähnliche Dinge durchmachte. Tom sagte mir dann er wolle nicht James Brown, sondern Charles Bradley sehen. Er zeigte mir jeweils Songs und wenn mir etwas gefiel bugsierte er mich direkt ins Studio damit ich etwas dazu singe. Wenn mir die Musik gefällt sprudeln die Texte wie von alleine aus mir heraus und ich kann ja auf genügend Erlebnisse zurückblicken. Wir arbeiteten einfach immer auf diese Weise weiter bis wir ein Album beisammen hatten.

Ein einschneidendes Erlebnis war es für dich als du mit 14 Jahren James Brown im Apollo in Harlem sahst. Vor wenigen Monaten hast du nun selbst dort gespielt. Wie war das für dich?
Das war verrückt! Ich lud den einstigen Bassisten von James Brown, Fred Thomas, zu der Show ein. Zwei Tage nach der Show rief er mich an und sagt: „Charles, ich habe 35 Jahre mit James Brown gespielt. Jedes Mal im Apollo drehten die Leute völlig durch. Ich muss dir nun aber etwas erzählen, dass James Brown nie geschafft hat“. Ich fragte natürlich was er damit meinte und er sagte, als ich auf die Bühne kam seien die Leute aufgestanden und bis zum Schluss hätten sie sich nie mehr hingesetzt. Ich hätte den grössten Applaus bekommen, denn er je im Apollo Theater gehört habe. Dies von ihm zu hören ist eine Riesenehre.

Mit dem Geld deines ersten Albums hast du dir einen Van gekauft damit du mit diesem Handlanger-Jobs erledigen kannst sollte es mit der Musik nicht so weitergehen. Bist du dir so unsicher?
Woher weisst du das? Ja das stimmt absolut. Mein ganzes Leben lang taten sich Möglichkeiten auf, die dann wieder zunichte gemacht wurden. Deshalb behielt ich irgendwann meine Meinung für mich egal ob ich richtig oder falsch lag, denn ich verlor zu oft meinen Job. Ich musste immer dafür kämpfen zumindest meine Miete bezahlen zu können und für die nächste Woche etwas zu essen zu haben. Nun bin ich Teil dieser Musikwelt, das ist bittersüss aber auch beängstigend. Denn ich will, dass es nie mehr aufhört. Schau an wie lange ich auf diese Chancen warten musste, auf die ich mein ganzes Leben gehofft hatte. Wieso dauerte es so lange? Weil ich ehrlich war, fair und niemanden betrogen habe. Ich frage mich oft was die Guten tun müssen um eine wirkliche Chance zu bekommen. Wenn man lügt und betrügt bekommt man mehr Chancen. Aber ich habe meine Ehre.

In der Dokumentation „Soul Of America“ sieht man wie du vor der Veröffentlichung deines Debüts gelebt hast. Deine Lebensumstände haben sich unterdessen aber hoffentlich verbessert?
Ich bin vor eineinhalb Monaten aus meiner Wohnung in den Projects ausgezogen. Meine Mutter hat ein Haus und als sie dieses kaufte war es die Idee, dass ich im Keller wohne und sie sich die Dreizimmerwohnung oben mit meiner Schwester teilt. Es war ein neues Haus aber jedes Mal wenn es regnete begann es im Keller zu schimmeln. Davon wurde ich krank und deshalb konnte ich meine Wohnung in den Projects nicht aufgeben. Als ich begann Geld mit meinen Shows zu verdienen holte ich einen befreundeten Architekten, der das reparieren konnte. Zwei Wochen bevor ich auf diese Tour ging zog ich dort ein. Als ich bereits auf Tour war erhielt ich einen Anruf und es wurde mir mitgeteilt, dass bei mir eingebrochen wurde und der Fernseher und noch einige andere Sachen gestohlen wurden. Ich bin doch erst gerade eingezogen! Das Leben gönnt mir einfach keine Pausen. Ich werde wohl erst sehen was alles fehlt wenn ich wieder zurück bin von der Tour. Aber ich danke Gott für die Möglichkeit die ich habe, denn so werde ich die Sachen wohl ersetzen können.

Bis vor wenigen Wochen hast du also in der genau gleichen Wohnung gelebt die man in dem Film sehen kann während du gleichzeitig Tausende von Fans rund um die Welt mit deiner Musik begeisterst?
Das ist das Geld das ich kriege und welches ich ausgeben kann. Das Haus zu flicken hat Geld gekostet. Ja ich reise um die Welt aber finanziell hat dies noch nicht sehr viel verändert.

Lass uns über das neue Album sprechen. Auf „No Time For Dreaming“ ging es vor allem um deinen Struggle und deine Erlebnisse. War es schwierig eine neue Richtung das zweite Album zu finden?
Ich war schon immer ein Suchender. Ich reiste quer durch die USA in der Hoffnung meine Träume verwirklichen zu können. Ich ging in die Hölle und wieder zurück auf der Suche nach meinen Träumen. Ich lebte in U-Bahn-Stationen und kam bei Freunden unter immer auf der Suche nach meinen Träumen doch ich habe es geschafft und das mit Ehrlichkeit. Ich musst niemals jemanden verletzen oder betrügen, ich wusste, dass Gott mir den Weg zeigen wird. Die Optionen wären sich da gewesen hätte ich mich anders verhalten doch das hätte ich nicht mit meinen Herzen vereinbaren können. So habe ich meine Herz und meinen Verstand rein gehalten und einfach weitergemacht.

Musikalisch unterscheidet sich „Victim Of Love“ ebenfalls leicht vom Vorgänger. Gab es bestimmte Bands oder Platten die euch speziell beeinflussten?
Beim ersten Album hatte Tom die Musik schon zusammen und wenn mir etwas gefällt kommen die Texte wie von alleine. Wenn mir die Musik nicht gefällt ist es für mich hingegen völlig unmöglich darauf zu singen, das passt einfach nicht. Als sie mich fragten ob ich den Neal Young Song „Heart Of Gold“ singen würde wollten sie, dass ich wie Neal Young singe. Doch das funktionierte für mich nicht. Ich mochte den Text, da sie einen Teil meines Lebens reflektieren aber ich musste es auf die Art und Weise singen, wie ich es fühle.

Funktioniert es bei euch immer so, dass sie die Musik bringen und du dann darauf deine Texte schreibst oder entsteht dies manchmal auch gemeinsam?
Es ist immer ein wenig unterschiedlich. Tom und ich sitzen immer zuerst im Studio zusammen, unterhalten uns und schreiben. Manchmal geschieht es auch auf Tour bei einem Soundcheck. Die Band spielt etwas das mir gefällt, ich singe dazu und sie nehmen es auf. Wenn wir dann wieder zurück sind von der Tour sitzen wir ins Studio und hören uns die Aufnahmen an und entscheiden woraus ein Song entstehen könnte. Tom gibt mir dann jeweils noch einige textliche Inputs. So arbeiten wir eigentlich die ganze Zeit.

Einer der wichtigsten Künstler des letzten Jahrzehnts hat kürzlich ein Sample von dir verwendet nämlich Jay-Z auf dem Song „Open Letter“. Was bedeutet dir das?
Das wusste ich gar nicht. Es zeigt mir, dass meine Begabung immer vorhanden war und nun, wo ich mir dessen bewusst bin, habe ich so viel zu geben. Ich bin nun über 60 Jahre alt aber ich werde nie vergessen, was ich alles durchlebt habe. Es heisst was du nicht willst was man dir tut das füg auch keinem anderen zu. Danach lebe ich. Ich glaube daran, dass ich der Welt etwas zu geben habe. Wenn ich auf der Bühne stehe und die Liebe des Publikums zurückkommt bin ich komplett in meinem Element. Das trifft mein Herz und das gebe ich wieder.

Man spürt stets, dass deine Musik von Herzen kommt du sagtest jedoch, dass dies bei vielen Künstlern nicht der Fall sei. Sie hätten zwar schöne Stimmen aber sie würden nicht mit dem Herzen singen.
Alles was ich den jungen Künstlern mitgeben kann ist, dass sie von ihrem Herzen singen sollen. Es ist einfach rauszugehen, einen Reim zu finden, Musik dazuzutun und zu singen. Aber da steckt kein Leben drin. Manchmal singe ich eine Note und lege alle meine Schmerzen rein. Vielleicht treffe ich den Ton gar nicht genau, doch durch die Emotionen werden es die Zuschauer trotzdem spüren. Viele Künstler von heute haben schöne Songs und gute Stimmen aber es kommt nicht von Herzen.

Vielleicht liegt es daran, dass sie nicht so viel durchlebt haben wie du?
Man kann gute Texte haben und die beste Band im Rücken, das Publikum wird es trotzdem nicht fühlen, wenn du ihnen nicht deinen Spirit gibst. Die Hörer erkennen, wer echt ist und wer nicht die Wahrheit erzählt. Es ist wie wenn dich jemand umarmt und du sofort merkst, ob es diese Person ehrlich meint oder nicht.

Interview: Fabian Merlo
Fotos: Lukas Mäder (lukasmaeder.ch)

IAM – „Wir verpacken Kritik in Poesie“

Vor etwas weniger als einem Jahr traf ich IAM um mit ihnen über ihre illustere Vergangenheit aber auch ihr geplantes Album „IAM Morricone“ zu sprechen. Dieses sollte ausschliesslich auf Samples des legendären Filmkomponisten Ennio Morricone basieren. Im April dieses Jahres erschien dann jedoch ein komplett neues Album namens „Arts Martiens“. Natürlich wollte ich bei ihrem Auftritt am Touch the Lake herausfinden wieso das geplante Projekt nicht zustande kam. Unter dem Strich zählt aber vor allem, dass IAM nach sechs Jahren endlich ihr sechstes Album veröffentlichten. Auch wenn manche die Pioniere bereits abgeschrieben hatten, sprechen die Zahlen ein ganz anderes Bild: In Frankreich enterte „Arts Martiens“ direkt den ersten Platz und auch hierzulande schaute ein amtlicher vierter Rang heraus. Einige sehen in der neuen Platte sogar den würdigen Nachfolger ihres Überalbums „L’Ecole du Mirco d’Argent“.

Das war ja eine richtige Classics-Show heute, sogar „La Saga“ habt ihr gespielt. Ich erinnere mich, dass ihr vor einigen Jahren die alten Songs nicht spielen wolltet. Was hat euch zum Umdenken bewogen?

Akhenaton:
Bei unserer normalen Show sind vielleicht 45 Prozent der Songs Classics. Dies war aber nur eine kurze Show also spielten wir sogar rund 60 Prozent, besonders weil wir ein vorwiegend deutschsprachiges Publikum hatten und ich gar nicht weiss, ob das neue Album hier schon erhältlich ist. Deshalb entschieden wir uns nur drei der neuen Songs zu spielen. Unsere Meinung geändert haben wir, weil wir Konzerte von Künstlern wie Nas oder Busta Rhymes sahen und von ihnen natürlich die Classics hören wollten. Selbst in der Rolle des Fans zu sein hat uns zum Umdenken bewogen.

Als wir uns letztes Mal unterhielten sprachen wir über das geplante „IAM Morricone“ Album nun erschien aber eine Platte namens „Arts Martiens“. Unsere Leser interessiert sicherlich, wieso nun plötzlich ein anderes Album erschienen ist!

Akhenaton:
Um es kurz zu halten: Wir hatten das Einverständnis von Ennio Morricone aber wir konnten die Samples nicht clearen. Uns fehlten die richtigen Kontakte.
Shurik’n: Nun haben wir die Kontakte. Man wird sehen was die Zukunft bringt. Wir halten das Material vorläufig zurück und werden dann sehen.

Ist vom ursprünglich geplanten Album gar nichts übriggeblieben auf „Arts Martiens“?

Akhenaton:
Nein, denn alle diese Songs beinhalteten Samples und somit war das nicht möglich.
Imhotep: Wir mussten alle Samples neu einspielen lassen. Wir haben vieles geändert und arbeiteten mit Musikern und Komponisten.

Wie ging es genau weiter nachdem die Nachricht kam, dass es nicht möglich sein wird, das Album umzusetzen?

Akhenaton:
Für zwei Tage fielen wir komplett in ein Loch. Daraufhin fingen wir ganz bei Null an und machten neue Tracks. Jeder hat seinen Platz im Studio, die einen an der MPC, andere am Schreiben, am Scratchen oder bereits am Videos drehen. Anstatt alle in einem Raum zu versammeln hatten wir in dem Studio sechs verschiedene Spots, in denen jeder am arbeiten war. Trotzdem war es richtiges Teamwork.

Dachtet ihr nie daran das Album kostenlos als Mixtape zu veröffentlichen?

Akhenaton:
Willst du uns ins Gefängnis bringen? In den USA wäre das kein Problem aber in Frankreich sind die Copyright-Gesetze anders. Man kann auch für kostenlose Musik verklagt werden.

Einige Leute vergleichen „Arts Martiens“ mit „L’Ecole du Micro d’Argent“. Ich sehe zumindest eine Gemeinsamkeit: Ihr habt dasselbe Album zwei Mal gemacht. Gibt es noch weitere?

Shurik’n:
Da hast du völlig recht, wir haben tatsächlich zwei Alben gemacht.
Akhenaton: Vielleicht der Engineer Prince Charles Alexander. Wir arbeiteten seit rund zwölf Jahren nicht mehr mit ihm doch nun ist das alte Team wieder zurück. „Arts Martiens“ ist ein Album das…
Imhotep: Sehr aufrichtig ist.
Akhenaton: Genau, es kommt vom Herzen und aus dem Bauch heraus. Wir hatten nicht viel Zeit und überlegten daher nicht zu viel, wir machten einfach Tracks. Am Schluss entstanden über 40 Songs.

Wie ihr sagt kommt das Album vom Herzen und es orientiert sich auch nicht an aktuellen Trends oder hat eine kalkulierte Radiosingle. Trotzdem ging es in Frankreich auf Platz 1. Liegt das an eurem Legendenstatus oder denkt ihr, dass die Konsumenten wieder härteren Sound und Messages wollen?

Akhenaton:
HipHop ist in den letzten Jahren sehr poppig geworden aber es gibt noch immer ein Publikum, das diese Art von HipHop mag. Dieses Publikum wächst in den USA, in Frankreich und auch in der Schweiz.
Imphotep: Und vor allem war dieses Publikum immer da. Die Trends kommen und gehen aber echter HipHop bleibt.
Akhenaton: Man kann es auch so sagen, dass diese Künstler nun wieder besser promotet werden. Das war die letzten Jahre nicht der Fall. Ich will nicht sagen es sei wieder wie in den Neunzigern als der New York HipHop Mainstream war, aber es geht wieder ein bisschen in diese Richtung.

New York ist allgemein sehr wichtig für euch. Was ist es genau, sind es die Engineers dort oder einfach der Vibe der Stadt?

Imhotep:
Es ist beides. Man fühlt einfach, dass dies die Quelle von HipHop ist.
Akhenaton: Vor zwei Wochen spielten wir mit Rakim im Central Park in New York. Auch die New School war mit Termanology oder The Kid Daytona dabei. Für uns war das vergleichbar mit unserem Konzert in Ägypten, das ist ein Traum der wahr wird.

Wie reagierte denn das Publikum, die verstehen ja kein Wort.

Akehanton:
Das Publikum war gemixt, die Hälfte waren Amerikaner und die andere Franzosen.
Imhotep: Die meisten französischen Rap-Hörer mögen US-Rap doch sie verstehen höchstens zehn Prozent der Inhalte. Sie mögen die Flows und die Beats.
Akhenaton: Die US-Fans die unseren Sound lieben sind meistens Hardcore-HipHop-Heads.

Viele der neuen Songs sollen auf klassischen Maschinen wie der MPC 3000 oder der SP-1200 entstanden sein. Wieso habt ihr auf diese zurückgegriffen?

Imhotep:
Wir versuchen einen Mix zu finden, es sind nicht alle Songs mit diesen Maschinen entstanden. Aber es ist einfach nicht möglich, denselben Sound mit Reason oder Plug-Ins zu erzeugen. Diese Maschinen haben einen charakteristischen Sound, deshalb könnte ich ohne sie nicht leben.

Nicht zuletzt gibt es auch viele Scratches zu hören auf dem Album.

DJ Kheops:
HipHop sind Scratches!

Trotzdem ist es nicht mehr normal heute.

Shurik’n:
Für uns ist es normal.
DJ Kheops: Auch bei neueren Sachen hört man wieder Scratches wie bei Statik Selektah oder Prodigy.
Akhenaton: In den USA ist es womöglich auch ein Problem des Clearings, da man jeden Scratch wie ein Sample clearen muss. Die Rapper benehmen sich wie Soulsänger und wollen Geld wenn du ihre Stimme scratchst.
Shurik’n: Man muss wirklich jede verdammte Note die man verwendet clearen.
Akhenaton: MC’s killed the DJ!
Imhotep: Publishers killed the Sampling!

Ich würde ja gerne tiefer auf die Texte eingehen nur leider reicht mein Französisch bei weitem nicht aus besonders da die Texte sehr poetisch sind. Was ich aber verstanden habe ist, dass ihr wiederum einige Sozialkritik anbringt. Was könnt ihr mir darüber erzählen?

Akhenaton:
Das wird es immer geben bei IAM. Wir kommen aus einer Ära in der es zwar auch ums Partymachen oder Egotrippen ging aber das Wichtigste für uns war stets, Geschichten zu erzählen und über die Gesellschaft oder Rassismus zu sprechen. Es ist wahr, die Songs sind poetischer. Anstatt direkt mit dem Finger auf etwas zu zeigen verpacken wir es in Poesie. Wir geben dem ganzen einen neuen Blickwinkel.

Oftmals schlüpft ihr auch in verschiedene Rollen in euren Texten.

Akhenaton:
Genau etwa als Obdachlose oder auf „Sombres manœuvres/Manœuvres sombres“, welches eine Geschichte von zwei Freunden erzählt, der eine wird eifersüchtig und versucht den anderen umzubringen. Das war auch schon immer so bei IAM, dass wir Charaktere erschaffen haben für unsere Songs.

Auf „Les Raisons de la Colere“ sagt ihr: „J’ai du rater un truc: Peace, Love et Having Fun“ sont devenues „Bitch, Drug et Heavy Gun“. Das klingt als würde euch einiges stören an HipHop heutzutage.

Imhotep:
Nicht HipHop als ganzes, nur die kommerzielle Version davon. Genau so wie die Gesellschaft. Es geht nicht nur um Rap, sondern auch um Reality Shows oder andere negative kulturelle Entwicklungen.

Natürlich gibt es mit „Notre Dame veille“ auch einen Song über Marseille.

Akhenaton:
Es ist nicht unbedingt ein positiver Track über Marseille, wir malen ein düsteres Bild. Die Fakten sind klar und um etwas zu verändern müssen wir Kritik anbringen. Die Leute welche die Stadt lenken sind gescheitert. In Marseille ist es wie in Brasilien mit vielen sehr reichen und noch mehr sehr armen Menschen. Das ist eine sehr explosive Mischung.

Im King of HipHop Artikel im Juice Magazin schreibt der Autor, dass ihr mehr für Marseille gemacht habt als jede Tourismusbehörde es je könnte. Dieses Jahr ist Marseille die europäische Kulturhauptstadt aber ihr seid daran nicht beteiligt.

Akhenaton:
Dieser Artikel war eine grosse Ehre für uns.
Shurik’n: Zu Beginn waren wir involviert als die Planung 2007 losging.
Akhenaton: Wir sagten ihnen, dass wir einen Ort für HipHop brauchen. Wir sind aber keine Festival-Booker, alles war wir wollen ist ein Ort, an welchem Künstler wie Kendrick Lamar oder A$ap Rocky performen können, genau wie das in Paris der Fall ist. Genau so könnte man dort Raum schaffen für Graffitikünstler oder Open Mic Sessions. Aber passiert ist nichts. Was er mit dieser Aussage in dem Artikel wohl auch meint ist, dass Leute in Deutschland Dinge sehen, die vielen Leuten in unserer Stadt gar nicht bewusst sind. Viele Leute in Marseille verstehen nicht, was wir für diese Stadt gemacht haben.
Imhotep: Marseille wurde bekannt durch Olympique Marseille, Zidane und dann IAM. Und Eric Cantona.

In einigen Wochen fahre ich erstmals nach Marseille. Was muss ich dort sehen oder erleben?

DJ Kheops:
Pass auf deine Kreditkarte auf (lacht).
Akehenaton: Wenn du Zeit hast nimm ein Boot und fahre nach Les Calanques und verbringe dort einen Tag. Du wirst dort wunderschön blaues Wasser und eine herrliche Landschaft sehen.
DJ Kheops: Es ist ein anderes Marseille.
Akhenaton: Es ist eine sehr grosse Stadt was die Distanzen angeht also würde ich vorschlagen einen Wagen oder ein Motorrad zu mieten.
Imphotep: Einen Ausflug auf eine der Inseln vor Marseille lohnt sich ebenfalls.

Nun habt ihr endlich euer sechstes Album releast. Was steht nu als Nächstes an? Widmet ihr euch wieder Soloprojekten?

Akhenaton:
Für den Moment ist nur klar, dass wir bis im Oktober 2014 auf Tour sein werden. Es stehen also sehr viele Shows an und was danach kommt weiss nur Gott.

Es ist aber schon klar, dass dies nicht das letzte IAM-Album war?

DJ Kheops:
Das gute an IAM ist, dass das nächste Album immer das Beste ist (Gelächter)

Interview: Fabian Merlo

Ikara & Didi – Gratis-Mixtape „DIDIpendence Day Vol. 2 zum Download“

Der Zürcher Rapper Didi will sich bei seinen Fans für den grossen Support seines Albums „Karma“ bedanken und hat daher ein kostenloses Mixtape aufgenommen, welches ab heute zum Download bereit steht.

Darauf zu hören gibt es 12 Songs mit denen er die Mixtape-Kultur aus den Staaten endlich nach Zürich holen will. Das Konzept beschreibt er folgendermassen: „Man pickt einige seiner persönlichen Lieblings-Instrumentals und droppt auf jedes ein paar Reime, dann ladet man noch seine Rap-Freunde ein und lässt das ganze von seinem Lieblings-DJ zusammen mixen. Fertig!“

Kollaboriert hat er darauf mit Bossnak, Chekaa, Chilli Mari, Ikara, KomA, KID, Layo und Libero während Chekaa und MAK-Beats exklusive Produktionen beigesteuert haben.

„DIDIpendenceday“ kann ab sofort hier heruntergeladen werden. Als Appetitanreger findet ihr unten den Clips zum Song „Du kennsch mini Stimm“.

Jay-Z – heisst nun Jay Z und bleibt die Nummer 1

Bahnbrechende News erreichen uns heute und zwar hat Jay-Z bekanntgegeben, dass er den Bindestrich aus seinem Namen entfernt hat und von nun an Jay Z heisst.

Ausserem wird „Magna Carta Holy Grail“ wohl auch nächste Woche vom obersten Platz der Charts der Konkurrenz zuwinken. Zwei Wochen in Folge auf Platz 1 hat übrigens kein Rap-Album mehr geschafft seit Lil Wayne’s „Tha Carter IV“ im Jahr 2011.

Jay-Z, pardon Jay Z, gehört definitiv zu den Künstlern, die sich für Parodien bestens eignen. Einer der besten seines Fachs ist Jay Pharoah, der Hova vor versammelter Prominenz an den ESPY Awards imitierte. Das Video findet ihr unten.

Für uns wird Yasiin Bey wohl für immer Mos Def heissen, Snoop Dogg heisst nicht Snoop Lion und auch Jay-Z ist und bleibt Jay-Z. Schönes Wochenende!

Odd Future – „Earl Part II: Road To Doris-Mixtape zum Download“

Wie wir berichteten veröffentlicht Earl Sweatshirt am 20. August sein Album „Doris“, auf welchem er mit Tyler, The Creator, Frank Ocean, RZA, Mac Miller, Domo Genesis, Vince Staples, Casey Veggies und SK La’Flare zusammenarbeitet.

Um die Fans darauf einzustimmen veröffentlicht er nun das Mixtape „Earl Part II: Road To Doris“ auf welchem er 32 neuere und ältere Songs vereint und dabei mit Gästen wie Tyler, The Creator, Action Bronson, SpaceGhostPurp, Domo Genesis, Casey Veggies, Vince Staples, Mellowhype oder Hodgy Beats kollaboriert.

Average – Video zu „Dolce Notte“

Average wuchs auf zwischen Linz und Marseille und ist somit sowohl von Soprano wie auch von Texta beeinflusst. Letztere nahmen ihn schon in jungen Jahren unter ihre Fittiche und später kam es dann auch zur Zusammenarbeit mit Texta und Soprano. Mit Huckey releaste er ausserdem eine EP und mit Flip zwei Teile von „Tuesday Classics“, auf welchen sie HipHop-Klassiker auf grossartige Weise neu interpretierten.

Nun meldet er sich aber Solo zurück und zwar mit dem Video zum Song „Dolce Notte“. Dieser wurde produziert vom mailändischen Produzenten A&R und so entschied sich Average den Clip auch gleich in Milano zu drehen.

Schon bald soll noch mehr neues Material von Average erscheinen, mehr wird aber noch nicht verraten.

Jay Dee – unveröffentlichte Beats auf dem Yancey Boys-Album

J Dilla’s Bruder Illa J und Frank Nitt werden unter dem namen Yancey Boys ein Album namens „Sunset Blvd.“ veröffentlichen auf welchem sie ausschliesslich unveröffentlichte Beats von Dilla verwenden. Zudem haben sie diverse ehemalige Kollaborateure des Ausnahmeproduzenten ins Studio gebeten.

Auf der Single „Quicksand“ wird Common zu hören sein, weitere Gäste sind Posdnous von De La Soul, SlimKid3 (Pharcyde), Guilty Simpson, Eric Roberson oder T3 von Slum Village. Frank Nitt, der verantwortlich ist für die Verwaltung des musikalischen Nachlasses von Dilla, ist überzeugt, dass ihn dieses Album stolz gemacht hätte: „We’ve created an album that would make Dilla proud.“ Es sei jedoch keine nostalgische Angelegenheit, da die Produktionen von Dilla stets so futuristisch gewesen seien, dass sie auch 2013 noch absolut frisch klingen: „But this isn’t a nostalgia trip. Dilla’s beats were so future-forward that they’re right on time in 2013, and we’ve assembled the best artists possible to represent that.”

„Sunset Blvd.“ wird ab dem 17. September in den Läden stehen.

Joey Bada$$ – Video zu „Alohwa“

Kürzlich tourte Joey Bada$$ durch Europa im Gepäck sein neues Gratis-Projekt „Summer Knights“. Bei dieser Gelegenheit drehte er einen Clip, in welchem er mit seinen Homies sowie seinem Tour-DJ Statik Selektah auf dem Wasser abhängt und natürlich auch die Stage rockt. Man sieht zudem auch wie er mit Macklemore, Action Bronson oder Q-Tip abhängt und auch sein Aufenthalt am Touch the Lake wird festgehalten.

Joey Bada$$ arbeitet momentan an seinem ersten offiziellen Album „B4.DA.$$“. Wann dieses erscheinen wird ist jedoch noch nicht bekannt.

Kendrick Lamar – im Aightgenossen.ch Interview

Kendrick Lamar gibt in unserem Interview unumwunden zu, dass der Druck auf seinen Schultern vor der Veröffentlichung von „good kid, m.A.A.d city“ immens war. Doch er hat ihm standgehalten und genau das Album abgeliefert, welches er seit Jahren im Kopf hatte.

Der Druck wird nun natürlich kaum kleiner werden nach diesem Meisterstück. Nicht nur die Rap-Welt wird ganz genau hinschauen bei seinem nächsten Album, der Platte mit seinen nicht minder talentierten Black Hippy-Kollegen oder dem geplanten Collabo-Werk mit J. Cole.

Wie er es trotz des ganzen Rummels schafft den Fokus weiterhin auf die Musik zu legen, ob er glaubt mit seinem Album eine neue Balance im HipHop hergestellt zu haben oder wie er es geschafft hat im rohen Umfeld von Compton ein Träumer zu bleiben erfahrt ihr in unserem Interview.

Kendrick Lamar – „Alles existiert nur aufgrund der Musik“

Wenn ein junger Rapper aus Compton von der gesamten Westküsten-Elite die Fackel überreicht bekommt und Dr. Dre dessen Album, ohne selbst wirklich involviert zu sein, zur obersten Priorität erklärt, ist ein Hype natürlich garantiert. Das Kendrick Lamar aber praktisch von allen Seiten als der neue Rap-Messias gepriesen wird ist alles andere als selbstverständlich. Dies nicht wegen seines Talents, denn der 26-jährige ist tatsächlich ein kompletter MC, der poetische Texte schreiben kann, variantenreiche Flows spittet, über eine unverkennbare Stimme verfügt und zumindest das Potential mitbringt auch live zu den Besten gezählt zu werden. Das wirklich erstaunliche an seinem Erfolg ist das Album „good kid, m.A.A.d city“ selbst. Anstatt auf Hitsingles und tonnenweise namhafte Gäste setzt er auf das vermeintlich veraltete Stilmittel Konzeptalbum. Wenn ein Album nicht gerade die ganze Themenpalette abdecken will wird dieser Begriff häufig vorschnell aus dem Hut gezaubert, doch auf Kendrick’s Album könnte er nicht besser passen. Jeder Track steht im direkten Zusammenhang zu den anderen und die Songs werden zusätzlich von zahlreichen Skits und Querverweisen zusammengehalten. Es ist nicht ohne Grund, dass auf rapgenius.com praktisch jede einzelne Line detailliert auseinandergenommen wird. Bildhaft erzählt Kendrick von den Strassen Comptons und schafft es dabei völlig authentisch zu sein ohne den Gang-Lifestyle zu glorifizieren. Es ist seine Geschichte und die wollte er der Welt erzählen. Das Konzept zum Album, der Titel und sogar die Idee für das Cover waren schon lange in seinem Kopf, doch er wartete auf den richtigen Moment. Dieser ist nun gekommen. Jahrelang hat er grossen Namen im Rap-Game genauestens studiert und mittlerweile ist er selbst einer davon. Und das ist gut so!

Es scheint fast niemanden zu geben, der „good kid, m.A.A.d city“ nicht als ein Meisterwerk bezeichnet. Ist das manchmal schon fast ein wenig beängstigend?
Nein überhaupt nicht. Es war mein Ziel, das jeder das Album mag. Schliesslich will man so viele Hörer wie nur möglich haben.

Das erstaunliche daran ist vor allem, dass es sich um ein Konzeptalbum handelt, welches den Fokus nicht auf Hitsingles, sondern auf die Geschichte genau so wie die Flows legt.
Ich habe einfach das gemacht was ich wollte. Entstanden ist das, was ich unter einem Album verstehe. Dafür habe ich sehr viele Alben die ich mag genau studiert und daraus ist dann mein eigenes entstanden.

Momentan will wohl ziemlich jeder etwas von dir. Wie schaffst du es dich auf das zu konzentrieren was wirklich zählt: die Musik?
Man muss sich Freiräume schaffen, in welchen man sich völlig abgrenzt, damit man sich voll und ganz auf die Musik konzentrieren kann. Man sollte sich von dem Hype, den Medienberichten und den Awards nicht zu sehr blenden lassen. Ich weiss das alles zu schätzen, doch am Ende des Tages existiert dies alles nur aufgrund der Musik.

Wenn du auf deine bisherige Karriere zurückblickst, was war wichtiger die Arbeitsmoral oder das Talent?
Ohne Zweifel die Arbeitsmoral. Ich denke ich sollte die am härtesten arbeitende Person in dieser Industrie sein. Zumindest hoffe ich das. Ich habe immer alle meine Energie in die Musik investiert, denn dies ist mein Fokus. Es gibt viele Leute mit Talent doch nicht viele haben den Willen so viel Arbeit zu investieren. Sie versuchen den einfach Weg zu nehmen und machen womöglich etwas, dass sie gar nicht wollen aber dies ist schlussendlich einfacher als kreativ zu sein.

Was bei dir enorm auffällt sind deine ständig wechselnden Flows, die verschiedenen Stimmlagen und deine Betonungen. Hat es Jahre gebraucht dies zu perfektionieren?
Viele Leute sehen mich als neuen Künstler dabei hatte ich bereits viele Mixtapes draussen. Meine Technik zu verfeinern hat tatsächlich Jahre gedauert und dies nicht unbedingt nur im Studio sondern auch auf der Bühne. Das ist sehr tricky da man zum Beispiel sehr genau auf die Atemtechnik achten muss. Ich habe Eminem sehr genau studiert, denn ich denke er hat eine der besten Betonungen, ebenso Jay-Z. Ich habe das sehr genau analysiert, ging zurück ins Studio und habe sichergestellt, dass meine Stimme einen charakteristischen Klang bekommt.

Viele Künstler erwähnen deinen Namen wenn es um die Balance im Rap geht da du mit sehr textfixiertem, echtem HipHop solch grosse Erfolge feiern konntest. Wie siehst du das?
Ich denke schon. Mein Album verkaufte sich eine Million Mal und es ist überhaupt kein kommerzielles Album. Einige Songs vielleicht ein wenig aber trotzdem sind es nicht die typischen grossen Radiosongs und sie wurden auch nicht massiv gespielt. Das zeigt auch, dass die Leute noch immer bereits sind für solche Alben und nicht nur nach Singles Ausschau halten. Ich denke das ist der Anfang von Balance, einer neuen Balance.

Du denkst also nicht, dass du eine Ausnahme bist, sondern dass es für HipHop im Allgemeinen ein Zeichen ist?
Für HipHop im Allgemein sofern es richtig gemacht wird. Das ist jedoch schwierig (lacht). Ein paar gute Raps reichen nicht, da braucht es mehr. Mein Geheimnis kann ich natürlich nicht verraten, denn das hat mich sehr viel Zeit gekosten. Es war ein langer Prozess herauszufinden, wie ich die Verbindung zu den Leuten herstellen kann. Ich komme aus Compton doch wie kann ich auch Leute zum Beispiel hier in Europa ansprechen? Dafür muss man eine bestimmte Nische entdecken.

Du hattest das Konzept für das Album schon im Kopf bevor du „Section 80“ releast hast und du wusstest immer, dass dies dein Debüt werden soll. Hast du auch schon einen Plan für das nächste Album oder sogar darüber hinaus?
Ich habe Ideen. Es soll mindestens so gut werden wie mein aktuelles Album.

Dir war es wichtig Compton auf deiner Platte von einer anderen Seite zu porträtieren. Wie ist die Lage momentan in Compton, hat sich etwas verändert seit der Zeit als du dort aufgewachsen bist?
Es ist immer noch dasselbe. Eine gewisse Positivität kommt durch die Musik, das ist zumindest ein Anfang. Nur schon dass ich bei den BET Awards gewinne und jeder der mich sieht weiss, dass ich aus dieser Stadt komme, ist der Beginn von etwas. Ich weiss nicht von was genau aber wenn ich nach einer solchen TV-Show zurück nach Compton gehe, bedanken sich die Leute bei mir.

Du sagtest was dich von deinen Homeboys unterschied war, dass du nicht in der Realität gefangen warst und trotz allem ein Träumer geblieben bist. Wie ist es möglich, in einem solchen Umfeld ein Träumer zu bleiben?
Das ist wirklich schwierig. Sehr schwierig sogar. Das ist schwer zu sagen und hängt wohl mit meiner Persönlichkeit zusammen. Ich habe schon immer ein wenig weitergedacht und hatte eine grosse Vorstellungskraft. Meine ausgeprägte Fantasie hat mich wohl auch zur Musik gebracht. So bin ich einfach, meine Gedanken sind immer in Bewegung und schon bei der nächsten Idee. Das hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin.

Ich muss wohl bald Schluss machen deshalb möchte ich noch kurz auf einige zukünftige Projekte eingehen. Du sagtest es werde kein Black Hippy-Album geben bevor nicht alle Mitglieder ihre Solosachen releast haben. Was kann man als Nächstes erwarten?
Als erstes ist ScHoolboy Q an der Reihe, er hat auch schon ein Datum aber das lasse ich ihn selber verkünden (lacht). Dann kommt Ab-Soul und anschliessend wird es hoffentlich ein Black Hippy-Album geben.

Natürlich darf die Frage nach dem Album mit J. Cole nicht fehlen.
Wir sprechen die ganze Zeit darüber. Wir müssen uns wohl bald irgendwo einschliessen denn alle wollen dieses Album unbedingt! Das macht mir schon fast ein wenig Angst, da haben wir definitiv einen grossen Druck.

Mehr Druck als bei „good kid, m.A.A.d city“?
Nein, das ist fast nicht möglich (lacht)! Die ganze Welt hat auf mich geschaut und beobachtet ob ich scheitere. Der Druck war immens!

Um so mehr nach dem Moment als dir Snoop, The Game und Dr. Dre die Fackel übergaben. Gab es eigentlich jemals einen besseren Moment in deiner Musikkarriere?
Ich denke als ich begann in Übersee zu spielen. Das war wie der nächste Schritt nachdem sie mir die Fackel übergaben in Compton und ich dann auch ausserhalb meiner Heimat so viel Liebe bekam. Aber dieser Moment hat mein Leben natürlich grundlegend verändert.

Interview: Fabian Merlo
Foto: Lukas Mäder (lukasmaeder.ch)