Black Milk – neues Album noch dieses Jahr

Die Gründung seines eigenen Labels Computer Ugly hat Black Milk zweifellos beflügelt. Ende letzten Jahres veröffentlichte er mit der Sängerin Mel die EP „Burning Stones“, im März folgte die EP „Glitches In The Break“ und nun kündigt er bereits den Nachfolger zu „No Poison No Paradise“ an.

Nur rund acht Monate nach seinem äusserst positiven aufgenommenen letzten Album lässt er die Fangemeinde über Twitter wissen, dass noch dieses Jahr ein neues Album namens „If There’s A Hell Below“ erscheinen wird.

Weitere Infos gibt es natürlich noch keine, bestätigt ist aber bereits, dass der kürzlich veröffentlichte Song „What It’s Worth“ darauf zu finden sein wird.

Umse – „Hauptsache“ zum Download

Wie schon berichtet, wird Umse gemeinsam mit seinem Produzenten Deckah am 25. Juli das neue Album „Kunst für sich“ bei Jakarta Records veröffentlichen. Darauf zu hören geben wird es 12 Tracks mit Gastbeiträgen von Megaloh, Flo Mega, Pimpf und Abroo.

Nicht auf das Album geschafft hat es der Song „Hauptsache“, den er nun dafür zur Überbrückung als kostenlosen Download spendiert. Produziert natürlich wie gewohnt von Deckah.

Was Umse als „Hauptsache“ sieht erfahrt ihr wenn ihr unten auf Play drückt.

9th Wonder – „Farewell To The Soul Man (Bobby Womack Tribute)“

Vergangenen Freitag verlor die Musikwelt mit Bobby Womack eine weitere Soullegende. Anlässlich dessen hat 9th Wonder den Tribut „Farewell To The Soul Man“ veröffentlicht.

Auf diesem gibt es 11 Beats zu hören, bei denen 9th Wonder sich am reichhaltigen Repertoire von Bobby Womack bedient hat.

Hier könnt ihr euch „Farewell To The Soul Man“ kostenlos herunterladen.

Checkt auch unser Interview mit 9th Wonder.

Lo & Leduc – im Aightgenossen.ch Interview

Lo & Leduc haben sich Zeit gelassen für ihr erstes offizielles Album. Mit kostenlosen Veröffentlichungen und steter Präsenz auf den Bühnen des Landes bauten sie sich ihre Fanbase kontinuierlich auf und das zahlt sich nun aus. Mit ihrem Debüt „Zucker fürs Volk“ schafften sie es bis auf Platz 2 der Schweizer Charts und die Scheibe ist auch zehn Wochen nach Release noch immer in den Top 40 vertreten.

Nach der Show am Touch the Air setzten wir uns mit Leduc hin und sprach mit ihm über ihre Vergangenheit, die Entstehung von „Zucker fürs Volk“, die Reaktionen der Fans, Popmusik oder die Cüpli-Gesellschaft.

Das vollständige Interview findet hier.

Fotos: Lukas Mäder (lukasmaeder.ch)

Common – Tracklist von „Nobody’s Smiling“

Seit kurzem ist bekannt, dass Common’s neues Album „Nobody’s Smiling“, sein erstes für Def Jam, am 22. Juli erscheinen wird. Nun sind die detaillierten Infos zu der Platte aufgetaucht.

Die reguläre Version des Albums wird zehn Tracks beinhalten, auf der Deluxe Edition sind weitere drei Songs vertreten. Produziert wurde bekanntlich alles von No I.D., nun ist auch die Gästeliste bekannt. Neben dem bereits bekannten Feature von Vince Staples gesellen sich auch Cocaine 80’s, Lil Herb, Big Sean, Jhené Aiko, Snoh Aalegra, Dreezy und Elijah Blake dazu.

Inhaltlich dreht sich vieles um Common’s Heimat Chicago, dies unterstreicht er ausserdem mit Gastbeiträgen von Dreezy und Lil Herb, zwei aufstrebenden Acts aus Chi City.

Unten findet ihr neben der Tracklist auch ein Video über die Entstehung und die Hintergründe der verschiedenen Cover.

1. The Neighborhood f. Lil Herb & Cocaine 80s

2. No Fear

3 Diamonds f. Big Sean

4. Blak Majik f. Jhené Aiko

5. Speak My Piece

6. Hustle Harder f. Snoh Aalegra & Dreezy

7. Nobody’s Smiling

8. Real f. Elijah Blake

9. Kingdom f. Vince Staples

10. Rewind That

Deluxe edition:
11. Out On Bond f. Vince Staples

12. 7 Deadly Sings

13. Young Hearts Run Free f. Cocaine 80s

BET – die Gewinner 2014

Dieses Wochenende gingen in Los Angeles die alljährlichen BET Awards über die Bühne. Grosse Gewinnerin des Abends war wenig überraschend Beyoncé.

Miss Carter konnte in den Kategorien „Best Female R&B/Pop Artist“ sowie „Best Collaboration“ („Drunk in Love“ mit Gatte Jay Z) triumphieren und bekam zudem den „Fandemonium Award“ zugesprochen. Da sie sich gerade mit Jigga auf Tour befindet war Bey selbst nicht anwesend, es wurde jedoch eine im Voraus aufgezeichnete Liveperformance von „Partition“ ausgestrahlt, für den auch Hova noch einen Part beisteuerte.

Zu den weiteren Gewinnern des Abends zählen Pharrell („Best Male R&B/Pop Artist“ sowie „Best Video“ für Happy“), Young Money („Best Group“) oder der XXL Freshman August Alsina („Best New Artist“).

Als bester Rap-Künstler wurde Drake geehrt während Nicki Minaj zum fünften Mal in Folge den Titel als „Best Female HipHop Artist“ erhielt. Die komplette Liste der Gewinner sowie die Performance von Beyoncé und Jay Z.

Best Female R&B/Pop Artist: Beyoncé
Best Male R&B/Pop Artist: Pharrell Williams
Best Group: Young Money
Best Collaboration: Beyoncé f/ JAY Z – „Drunk In Love“
Best Male Hip-Hop Artist: Drake
Best Female Hip-Hop Artist: Nicki Minaj
Video of the Year: Pharrell Williams – „Happy“
Video Director of the Year: Hype Williams
Best New Artist: August Alsina
Best Gospel Artist: Tamela Mann
Best Actress: Lupita Nyong’o
Best Actor: Chiwetel Ejiofor
YoungStars Award: KeKe Palmer
Best Movie: 12 Years a Slave
Subway Sportswoman of the Year: Serena Williams
Subway Sportsman of the Year: Kevin Durant
Centric Award: Jhené Aiko – „The Worst“
Best International Act: Africa: Davido (Nigeria)
Best International Act: UK: Krept & Konan
Coca-Cola Viewers‘ Choice Award: August Alsina f/ Trinidad Jame$ – „I Luv This Sh*t“
Fandemonium: Beyoncé

Make The Hood Look Good – Large Professor ersetzt Tha Alkaholiks

Am nächsten Samstag ist es soweit und in Aarau geht zum fünften Mal das Make The Hood Look Good Festival über die Bühne. Kurz zuvor müssen die Veranstalter nun noch eine kleine Programmänderung bekanntgeben.

Da Tash von Tha Alkaholiks offenbar die USA nicht verlassen darf, muss das Trio aus Cali die Show leider absagen. Mit Large Professor wurde aber innert kürzester Zeit ein mehr als würdiger Ersatz aufgeboten.

Folgendes Statement erreichte uns von den Organisatoren: „Wir bedauern sehr Euch mitteilen zu müssen, dass Tha Alkaholiks ihren Auftritt am Make the Hood Look Good 2014 aufgrund einer Ausreisesperre der USA für Tash sowie rechtlicher Probleme in Europa leider abgesagt haben. Als Ersatz für Tha Alkaholiks wird die grossartige Golden-Era-Legende LARGE PROFESSOR (USA) das Make the Hood look Good Festival beehren.“

Alle wichtigen Infos zum Festival findet ihr hier.

Blumentopf – Raportage zu Deutschland gegen USA

Die Nationalelf aus Deutschland hat erwartungsgemäss den Sprung in die Achtelfinals geschafft, wo sie heute Abend auf den krassen Aussenseiter Algerien treffen.

Der Blumentopf schaut in seiner Raportage, die sie wie gewohnt für die ARD aufnehmen, aber nochmals auf das Spiel gegen die US-Boys von Jürgen Klinsmann zurück. Holunder baut dabei eine kleine Hommage an „A-N-N-A“ von Freundeskreis mit ein.

G-Unit – „Don’t Tell Em-Remix mit Jeremih“

G-Unit haben grosse Pläne für dieses Jahr, erst soll ein Mixtape und dann im November oder Dezember das neue Album kommen. Zumindest an der Veröffentlichung lassen sie keinerlei Zweifel aufkommen, da sie fleissig neue Remix-Tracks ins Netz stellen.

Neuster Streich ist ihre Neubearbeitung der Jeremih Single „Don’t Tell Em“. Auf dem Beat von DJ Mustard lassen es 50 Cent, Lloyd Banks, Young Buck, Tony Yayo und Kidd Kidd etwas ruhiger angehen als auch schon.

Lo & Leduc – „wenn ich es ins Singbuch der Pfadi geschafft habe kann ich eigentlich sterben“

Wenn man die bisherigen Gratis-Veröffentlichungen, ihre Gastbeiträge oder die Performances auf den Freestylebühnen und sonstigen Stages des Landes ein wenig mitverfolgt hat, sah man es irgendwie kommen. Nein ihr Einstieg in die Top 3 der Charts war keine Überraschung, sondern die logische Konsequenz ihrer musikalischen Entwicklung der letzten Jahre. Lo ist längst mehr als nur der unangefochtene Meister in Sachen Freestyle-Rap und Leduc nicht einfach nur eine Hookmaschine, sondern ein Rapper, der neben einem Vollblut-MC wie Lo bestehen kann. Das auf den ersten Blick ungleiche Duo hat eine eigene Mixtur gefunden und gemeinsam mit Dodo als Produzent haben sie mit „Zucker fürs Volk“ein Album geschaffen das mehr als nur liebäugelt mit dem Pop. Rap-Puristen werden sicherlich lieber auf Youtube gehen und sich dort anschauen, wie Lo seine Gegner im Battle alt aussehen lässt oder mit der Freestyle Convention bessere improvisierte Reime kickt als andere Texte schreiben. Der etwas aufgeschlossenere Rap-Fan und mancher Durchschnittsradiohörer hat aber mit „Zucker fürs Volk“ ein Album bekommen das ihn noch ein Weilchen durch den Sommer begleiten wird. Wir trafen Leduc zum Gespräch nach ihrer Show am Touch the Air Festival.

Ihr seid von aussen betrachtet zwei sehr unterschiedliche Künstler mit verschiedenen musikalischen Backgrounds. Wie entsteht trotzdem eine Symbiose und wie kann man sich die Entstehung eines Songs bei euch vorstellen?
Diese Symbiose war nichts, dass wir hätten planen können. Es waren eher glückliche Zufälle, dass wir aufeinandergestossen sind. Unsere Fähigkeiten ergänzen sich und sobald man dies merkt kann man damit spielen und es auch noch zusätzlich betonen. Wir haben also eher schon vorhandene Dinge noch verstärkt. Dies fliesst auch in die Entstehung der Songs. Es kann vorkommen, dass ich etwas schreibe ihm dann aber sage, er solle diesen Teil übernehmen oder er schreibt etwas und meint, ich solle das singen. Es ist im Rap ja nicht üblich für andere zu schreiben bei uns vermischt sich das aber ständig. Wir vergessen jeweils auch wieder, wer was geschrieben hat und streiten uns dann darüber. Da Lo nun auch singt und ich wieder mehr rappe hat sich das noch mehr ausgeweitet. So bleibt es immer spannend.

Bei Lo kennt man den Background durch seine Zeit als Freestyler, wie würdest du deine musikalische Sozialisierung und deinen bisherigen Werdegang beschreiben?
Sehr lange kam ich mit Rap nicht in Verbindung. Ich spielte zehn Jahre Schlagzeug und das sehr diszipliniert, ich überlegte mir sogar dies zu meinem Job zu machen. Lange spielte ich auch Klavier. Mit etwa sieben Jahren gründete ich schon die erste Kinderband und ich hatte seit jeher Vorstellungen und Ideen für Arrangements, die man mit einer grossen Band umsetzen könnte. Das ist die Schiene von der ich herkomme. Erst durch das Freundeskreis Live-Album, welches halt sehr musikalisch war, fand ich erstmals Zugang zu Rap. Zuvor machte mich Rap immer sehr depressiv im Sinn von, dass dies ja immer nur vier Takte sind. Ich hatte einfach keinen Zugang. Irgendwann machte es Klick und ich erkannte, wie man auch mit dieser Musikrichtung spielen kann. Genau zu dieser Zeit traf ich auch Lo, der damals blöde gesagt als MC schon fertig ausgebildet war. Dies obwohl er noch keinen Output hatte und an keinem Battle teilgenommen hatte. In der Stadt Bern kannte ihn niemand aber er hatte drei Jahre Proberaum hinter sich und war so gut wie er es jetzt ist in Sachen Freestyles, würde ich behaupten.

Du sagst, du hättest immer eine sehr klare Vorstellung von der Umsetzung der Musik gehabt, kann man davon ausgehen, dass du Dodo bei der Produktion von „Zucker fürs Volk“ viel reingeredet hast?
Sehr, sehr viel reingeredet (lacht). Das ist aber auch gut so, dadurch entsteht Reibung und aus Reibung entsteht bekanntlich Feuer. Dodo war der Executive Producer des Albums und sehr viele Grundbeats stammen von ihm aber wir nahmen auch Beats mit von Produzenten, mit denen wir an den „Updates“ gearbeitet hatten und eben auch etwa drei, vier Skizzen von mir. Wir haben viel miteinander gedealt und manchmal gestritten aber wir haben uns schlussendlich immer gefunden. Es braucht Diskussionen, weil der erste Versuch meistens gut ist im Ansatz aber es immer noch besser geht. Das mussten wir auch bei den Texten lernen.

Was hat bei dir und Lo das grösste Streitpotential?
Wir lernten uns zwar über die Musik kennen aber dies noch auf Hobby-Level und später wurden wir sehr gute Freunde durch das zusammen abhängen im Bandraum. Das sind wir natürlich immer noch aber mittlerweile stehen so viele Businesssachen an und jeden Tag muss man irgendetwas besprechen. Es ist daher sehr wichtig, dass man sich zwischendurch auch mal einen Abend nimmt, wo man nur über Privates spricht. Da hat sicherlich das grösste Reibungspotential aber wenn man gut befreundet ist, kann man das immer wieder regeln.

Kann dieser ganze Businesskram auch dazu führen, dass man zwischendurch ein wenig die Lust an der Musik verliert?
Sagen wir es so: ich kann es sehr gut verstehen, wenn Künstler schön gesagt den „Läckmer“ bekommen oder gewisse Burnout Erscheinungen haben und das auch nur schon im kleinen Schweizer Markt. Es steht immer viel an und vieles davon ist halt nicht Lieder schreiben oder Konzerte spielen. Der Vorteil eines Duos ist, dass man sich diese Aufgaben teilen kann, man kann die Freude teilen aber auch die anstrengenden Aufgaben. Man muss sich natürlich auch das Money teilen, was vielleicht ein Nachteil ist.

Nach drei Gratis-Alben ist „Zucker fürs Volk“ nun das erste reguläre Album. Wie fielen die Reaktionen der eingefleischten Fans auf die Scheibe aus?
Bis jetzt sind zu mir durchwegs sehr positive Rückmeldungen durchgedrungen. Das muss man aber relativieren, weil diejenigen die wirklich enttäuscht sind vielleicht gar nicht bis zu mir gelangen (lacht). Was ich als Kritik höre ist, dass es ein wenig poppig geworden ist. Das versteche ich natürlich aber wenn man unsere Sachen vor den „Updates“ anhört oder auch die Gratis-Alben selbst im Vergleich zur sonstigen Schweizer Rap-Szene, ist es nicht von einem Tag auf den anderen süss oder melodiös geworden. Es ist eigentlich eine logische Fortsetzung aber jeder hat seine Grenzen an einem anderen Ort und ich verstehe es gut, wenn es einigen zu wenig roh ist. Es werden aber sicherlich auch wieder solche Sachen kommen. Interessant ist eher, dass die Leute den Erfolg an diese Musik koppeln und uns fragen, ob wir das nun gemacht haben um Erfolg zu haben. Ich sehe musikalisch keinen Unterschied, wir haben aber viel mehr Zeit investiert und deshalb klingt es zum Glück auch anders. Aber es war nicht so, dass wir uns sagten wir machen nun Pop und dann haben wir Erfolg. So einfach ist es nicht, dann hätte noch mancher Erfolg.

Ihr habt also kein Verständnis wenn man quasi von einem Verlust der Realness spricht?
Ich glaube wir standen schon immer ziemlich quer in dieser Szene und fanden es auch lustig, sie damit ein wenig herauszufordern. Wir machen das Blickfeld auf überzeugen Qualitativ aber trotzdem in ihrer Sprache. Zum Glück habe ich natürlich Lo an meiner Seite der auch heute noch immer alles kaputt macht in einer der realsten Disziplinen.
Mein Anspruch ist es, zum einen im Glanz & Gloria zu sein und dort von einer Grossmutter erkannt zu werden, weil die von ihrem Grosskind gehört hat, dass ich in einer Halle alles kaputt gemacht habe. Ich will sowohl in der Cüpli-Gesellschaft funktionieren wie auch in der ganz anderen Welt. Das sehe ich als persönliches Experiment und ich finde es funktioniert weil das was mir machen voll ehrlich ist. Realness ist schlussendlich ja nichts anderes als Ehrlichkeit und nicht an einen Musikstil gebunden. Was unsere Musik von der Popmusik, wie wir sie abgespeichert haben, unterscheidet, ist die Sprache. Rap ist sprachlich sehr weit gekommen in den letzten 20 Jahren und dies auch nur schon in der Schweiz. Wenn du diese Essenz, die Brisanz und die Technik, welche viele junge Künstler bringen, übernimmst kannst du eigentlich irgendetwas daraus machen und bleibst darin real. Pop ist ein Begriff den man wieder ein bisschen lockern sollte.

Wenn du von einem Experiment sprichst kann man sagen ihr wolltet einfach mal eintauchen in diese Glanz& Gloria und Cüpli-Welt und schauen, wie das so ist?
Schlussendlich ist das ein Format für eine gewisse Altersgruppe und eine gewisse Bevölkerungsschicht. Ich versuche Lieder zu schreiben, die sowohl die älteren wie auch die jüngeren Hörer kennen. Vielleicht bin ich dabei geprägt durch meine vielen Aufenthalte in Lateinamerika. Dort gibt es Reggaeton Tracks die, egal wie pervers sie sind, zum Volksgut wurden. Auch wenn ein Track vielleicht erst vor zwei Jahren erschien, kann ihn wirklich jeder von jung bis alt mitsingen. Eine gemeinsame Basis zu finden ist für mich das Experiment. Dafür braucht es aber beide Seiten, sowohl aightgenossen wie auch SF oder was auch immer. Die Frage ist einfach, kann man dieses Format prägen und das was dir in deinen Texten und deiner Musik wichtig ist ausdrücken. Das ist das einzige Kriterium, wenn es nur darum geht ob ich eine Freundin habe bin ich am falschen Ort. Wenn es aber um das Produkt geht bin ich für sehr vieles zu haben, was manche andere wohl nicht machen würden.

Ist dieses Experiment denn bislang geglückt? Häufig gibt man vielleicht ein fünfzehnminütiges Interview und am Schluss verwenden sie doch nur die Frage zu der Freundin.
Im Moment ist bei mir eine unglaubliche Medienschulung im Gange. Es gibt Endprodukte die besser sind als man es erwartet hätte und bei anderen erscheint man nicht wirklich im richtigen Licht. Das gilt es anzupassen und man muss auch in Kauf nehmen, dass es immer wieder Leute geben wird, die irgendetwas nicht cool finden.

Auf der Zugfahrt zu einem Radiointerview habt ihr einen Text geschrieben, in welchem ihr sagt eure Lieder würden von Kindern auf dem Schulhof gesungen. Habt ihr diese Zielgruppe also auch bereits erreicht oder war das einfach eine Punchline?
Nein gar nicht, genau solche Rückmeldungen sind es, die einen neben dem ganzen Kopffick wegen Businesskram wieder antreiben. Wenn uns ein Musiklehrer fragt welche Akkorde das Lied hat weil seine Schüler unseren Song singen wollen und er dann ein Handyvideo schickt, wie seine Klasse „All die Büecher“ singt ist das eine riesige Motivation. Wenn ich es dann mal in ein Singbuch mit der die Pfadi in den Wald geht geschafft habe und sie singen dort „Räuber u Poli“ kann ich eigentlich sterben (Gelächter).

Eure Musik lebt ja sehr von der metaphorischen Sprache. Kommt dies davon, dass ihr sehr belesen seid oder versucht ihr einfach neue Stilmittel in eure Musik einzubauen?
Es gibt sicher sehr viel belesenere Leute als mich. Aber ich habe sehr viele Leute in meinem Umfeld, die mir immer wieder Inputs geben aus Büchern. Das ist also sicherlich ein Einfluss, denn in diesen Büchern in Bibliotheken stehen einfach tausende Lines. Der andere Punkt ist sicher, dass wir ein bisschen Freaks sind. Andere sind das auch und Gamen vielleicht gerne, für mich waren es immer die Wörter die ich auseinandergenommen und vor mich hingeredet habe, bis sie lustig geklungen haben. Das ist ein Hobby, welches man auch übertreiben kann. Es ist eine Herausforderung eine Technik zwar zu erlernen, diese dann aber nicht in den Vordergrund zu stellen. Es gibt bei vielen Rappern eine Entwicklungsphase, in der sie technisch richtig gut werden, die Lieder dann aber auch nur noch rein auf der Technik basieren. Dies wieder einzuschränken und nur zwischendurch aufschimmern zu lassen ist die Phase in der ich mich gerade befinde.

„Zucker fürs Volk“ schafft es auf Platz zwei der Charts und mehr oder weniger zur gleichen Zeit stieg Mimiks auf Platz 1 ein und auch die Möchtegang schaffte es in die Top 10. Ist das Zufall oder bricht da eine neue Epoche an für Schweizer Rap?
Diese Entwicklung ist sehr, sehr interessant. Ich denke sehr grosse Vorarbeit geleistet diesbezüglich hat Steff la Cheffe. Ihr zweites Album hat meiner Meinung nach die äussere Wahrnehmung sehr verändert und aufgerissen. Es kann aber natürlich auch Zufall sein, es waren sicherlich die richtigen Monate. Die Schweizer Acts müssen sich immer genau überlegen, wann sie releasen wollen. Mimiks ist natürlich das Extrembeispiel weil er doch sehr puristischen Rap macht, den ich selber zwar pumpe ich aber nicht erwarten würde, dass so viele Leute effektiv die CD kaufen. Da ist schon eine Entwicklung zu verorten es wäre aber auch komisch wenn nicht, weil die alten Hasen mittlerweile auch schon 40 sind und das Ganze halt immer weiter wächst. Vielleicht ist es auch eine Tendenz, dass wieder Musik von Schweizer Künstlern gekauft wird. Es ist schon eklatant auch verglichen mit dem Mundartpop, da ging schon sehr viel im Schweizer HipHop. Es herrscht auch eine Loyalität zwischen den Künstlern und wenn nicht das, dann lässt man sich zumindest leben. Die Schweiz ist zu klein um irgendwelche Kriege zu führen wie etwa in Deutschland. Das ist wichtig und schön zu beobachten.

Was darf man als nächstes von euch erwarten?
Live haben wir uns etabliert, unser Set ist so gut wie nie zuvor und mein Kopf ist nun nicht mehr einzig bei den Shows. Mittlerweile ist er wieder bei neuen Songs und gerade diese Woche haben wir damit begonnen, neue Lieder zu schreiben. Die werden kommen auch wenn ihr natürlich wisst, dass es bei uns immer ziemlich lange dauert.

Interview: Emanuel Ernst & Fabian Merlo
Foto: Lukas Mäder (lukasmaeder.ch)