Run The Jewels – „Run The Jewels 2 bereits jetzt zum Download“

Was für eine schöne Überraschung. Nicht nur Apollo Brown und Ras Kass juckte es in den Fingern, auch Run The Jewels wollten nicht mehr länger warten und haben nun anstatt nächste Woche bereits heute ihr zweites, schlicht „Run The Jewels 2“ betiteltes, Album releast. Wiederum völlig kostenlos wohlbemerkt!

Auf „Run The Jewels 2“ gibt es 11 Tracks zu hören, die natürlich allesamt von El-P gebastelt wurden. Unterstützung bekommen Killer Mike und El-P von Zack de la Rocha, Boots, Travis Barker, Diane Coffee sowie Gangsta Boo.

Unter runthejewels.net
kann man sich das Teil kostenlos heruntersaugen. Wer die beiden Herren supporten will, kann sich das Album auch auf CD oder Vinyl bestellen.

Ach ja, das „Meow The Jewels“ Album wird tatsächlich auch passieren. Siehe Video unten.

Apollo Brown – & Ras Kass: „Blasphemy bereits jetzt erhältlich“

Apollo Brown und Ras Kass überraschen ihre Fans in dem sie ihr Album einige Tage früher als geplant releasen. Anstatt am 27.10 wie ursprünglich geplant ist das Album bereits jetzt auf iTunes erhältlich. Leider allerdings nur im US-Store, hier in der Schweiz müssen wir weiterhin bis zum ursprünglichen Datum warten. Wer darauf keine Lust hat kann aber auf Bandcamp ausweichen, wo die Scheibe ebenfalls bereits erhältlich ist. Den Link findet ihr unten dort könnt ihr auch bereits alle Songs in voller Länge anhören.

Auf „Blasphemy“ gibt es 15 Songs auf denen Pharoahe Monch, Rakaa Iriscience, Royce da 5’9“, Xzibit, Bishop Lamont, Slane, Sick Jacken und Sean Price zu Gast sind.

Wer das Album in physischer Form will muss übrigens noch etwas warten. Die CD erscheint nächste Woche, das Doppelvinyl folgt dann am 11. November.

Curse – im Aightgenossen.ch Interview

In exakt einer Woche ist die Rückkehr von Curse perfekt. Dann erscheint mit „Uns“ sein erstes Album seit dem 2008 releasten „Freiheit“.

Sechs Jahre sind eine lange Zeit, in denen sich musikalische Präferenzen wenn nicht ändern, dann doch zumindest verschieben können. So hat auch Curse viel neue Musik entdeckt, deren Einflüsse er einfliessen lassen wollte, als er sich endlich dazu durchgerungen hatte, wieder ein Projekt zu starten. Mit seinem langjährigen Weggefährten Claud und den Beatgees hat er dazu die richtigen Partner gefunden, um diese musikalische Vision umzusetzen.

Da wir mit Curse bereits im Sommer über die vergangenen Jahre geredet hatten (das Interview findet ihr hier), fokussierten wir uns bei diesem Gespräch ganz auf die aktuelle Platte, deren Entstehung, die musikalischen Veränderungen oder auch die Reaktionen, die „Uns“ wohl hervorrufen dürfte.

Hier geht es zu unserem Interview. „Uns“ steh dann ab dem 31.10. in den Läden.

M.O.P. – „Broad Daylight mit Busta Rhymes“

Beim Stichwort M.O.P. und Busta Rhymes fällt einem natürlich als erstes der Remix des unzerstörbaren Partytunes „Ante Up“ ein. Nun haben die New Yorker Veteranen ihrer Discographie einen weiteren Song hinzugefügt.

Dieser trägt den Titel „Broad Daylight“ und wird auf der kommenden M.O.P. EP „Street Certified“ zu finden sein. Auch wenn die drei Rapper ordentlich motiviert klingen wird der Track nur schon aufgrund des schleppenden Beats kein Tune für lange Partynächte werden.

„Street Certified“ erscheint nun offenbar doch nicht zu Halloween, sondern erst am 18. November.

MC Lyte – „Dear John-Video mit Common“

Letzten Monat veröffentlichte MC Lyte den Song „Dear John“, der als erster Vorbote für ihr elftes Album dienen soll. Zudem soll der Track aufmerksamkeit generieren für Lyte’s Foundation und das Programm #EducateOurMen, welches Afroamerikanern ermöglichen soll Colleges und Unis zu besuchen.

Auf dem Song zu Gast ist Common, der in letzter Zeit wirklich den Spass an der Musik wiederentdeckt hat und mit zahlreichen Features auffällt. In dem gelungenen Video sieht man die beiden Protagonisten zwar nicht, dafür viele ausdrucksstarke Bilder, welche die Messages des Songs unterstreichen. Väter sollen für ihre Kinder da sein und als Vorbild dienen, so wie die grossen schwarzen Persönlichkeiten, die man in dem Video ebenfalls zu sehen bekommt.

Das neue MC Lyte Album soll dann zu Beginn des kommenden Jahres erscheinen.

Swollen Members – „The Jackel“-Video von Madchild

Ende September veröffentlichte Madchild seine EP „Switched On“, die 10 Songs umfasst und somit auch gut und gerne als Album durchgehen könnte. Der Swollen Members MC hält den Output also weiterhin hoch.

Dies unterstreicht auch seine neueste Videoauskopplung zum Song „The Jackel“, dieser ist nämlich gar nicht auf „Switched On“ zu finden. Ob der Kanadier wohl schon wieder ein neues Projekt in Planung hat?

Begleitet von einem pumpenden Beat von Young Aspect cruist Madchild mit weiblicher Begleitung durch die Gegend und gelegentlich sieht man ihn auch live auf der Bühne. Dass er unterdessen seinen Wohnsitz nach L.A. verlegt hat dringt durchaus auch durch in dem Clip.

Haftbefehl – Video zu „1999 Part 1“

Das neue Haftbefehl Album „Russisch Roulette“ kommt mit grossen Schritten näher und somit ist es an der Zeit für die zweite Videoauskopplung aus dem Majordebüt von Hafti.

Für diese nimmt uns der Babo zurück in der Zeit genauer gesagt ins Jahr 1999. Auf rohen Drums wirft er einen Blick zurück auf vergangene, nicht unbedingt einfache Zeiten. Gemäss Haft wird „Russisch Roulette“ ein hartes Album, nach diesem Song will man ihm auf jeden Fall glauben.

Auf der „Limited Babo Edition“ des Albums wird es übrigens noch zwei weitere Teile des Songs geben. Bei Part 2 sind Milionair und Hanybal zu Gast auf dem dritten Teil Bausa. Auf der „Babo Edition“ sind weiter auch Eko Fresh, MoTrip, Abdi, Miss Platnum, Capo, Doe, Xatar, Celo und Olexesh zu hören.

„Russisch Roulette“ erscheint am 28. November.

Slaine – Video zu „Destroy Everything“

Bevor er wieder mit La Coka Nostra unterwegs ist und mit Madchild ein Album einspielt, hat Slaine nochmals ein neues Soloalbum veröffentlicht. Wie berichtet trägt dies den Titel „The King Of Everything Else“ und begrüsst als Gäste Jaysaun, Apathy, Bishop Lamont, Ill Bill, Vinnie Paz, Checkmark, Reks, Termanology, Tech N9ne und den erwähnten Madchild.

Für die neuste Videoauskopplung „Destroy Everything“ gibt es zwar keine rappende Unterstützung dafür übernimmt ein Herr namens Rite Hook den Refrain. Ob die beiden damit wirklich alles zerstören könnt ihr unten herausfinden.

LL Cool J – „Tell Tha World“

Die Song welche LL Cool J bislang von seinem kommenden Album „G.O.A.T. 2“ veröffentlicht hat überraschen mit einer Rohheit, die man dem 46-jährigen nicht unbedingt zugetraut hätte.

Auch auf dem neusten Song „Tell Tha World“ muss der Lady Lover zu Hause bleiben, viel eher gibt es einige Geschichten von den Blocks die er längst verlassen hat. Der soulige Beat könnte natürlich durchaus auch bei der Damenwelt auf Gegenliebe stossen.

Ob dieser auf „G.O.A.T. 2“ zu finden sein wird ist momentan nicht bekannt. Auf dem Album sollen übrigens J. Cole oder T.I. als Gäste zu hören sein.

Curse – Besinnung auf das Wesentliche

Als bekannt wurde, dass Curse ein neues Album veröffentlicht, hat wohl jeder, der früher schon die Musik des Mindeners gehört hat, eine Vorstellung gehabt, wie die neuen Songs klingen könnten. Nach dem ersten Vorboten „Wir brauchen nur uns“ musste diese Vorstellung womöglich etwas zurechtgerückt werden. Noch besser wirft man seine Ideen aber ganz über Bord und geht komplett unvoreingenommen an „Uns“ heran. Auch wenn Curse gerne in eine Schublade gedrückt wurde, war er eigentlich immer ein überaus vielschichtiger Künstler. Natürlich gab es die emotionalen Songs auf die er so gern reduziert wird, ebenso hat er aber gekonnte Flowabfahrten veranstaltet, auf die Kacke gehauen, gesellschaftskritische Statements abgegeben oder sich als Storyteller fernab von Ex-Freundinnen bewiesen. Auch musikalisch wagte der inzwischen 36-jährige viele Experimente ausserhalb verschiedener Rap-Strömungen. Sei es eine Pianoballade, Stadionpop mit Silbermond, Rock-Elemente, Reggae-Ausflüge oder natürlich eine gute Prise Soulmusik. So konsequent wie auf „Uns“ hat er seine musikalische Vorstellung aber noch nie umgesetzt. Gemeinsam mit den Beatgees und Claud hat er die unterschiedlichsten Einflüsse der vergangenen Jahre zu einem völlig neuen Sound verarbeitet, dessen Inspiration von Indierock, Chillwave, zeitgemässem R&B und auch ganz unverkrampft poppigen Melodien kommt. Laute Drums, viele Pianos und verspielte Synthieflächen laden Curse dazu ein, auch textlich Neues zu versuchen. Die Emotionen sind noch da, nur die Verpackung ist anders oder wie Curse es sagt, reduzierter. Ist es ein musikalischer Neubeginn oder doch die logische Fortsetzung, so wie Curse dies selbst sieht? Auf jeden Fall ist „Uns“ ein mutiges Comeback, welches wirklich nach Lust auf Kunst klingt und nicht nach einem Album, welches als Ausrede dient um wieder ein bisschen Geld auf den Konzerbühnen zu verdienen. Willkommen zurück!

Als wir uns diesen Sommer unterhielten, verrietst du mir zwar nicht, ob ein neues Album kommt, du sagtest aber „ein neues Curse Album würde schon anders klingen“. Dies ist nun auch der Fall. Wie würdest du dieses „anders klingen“ mit eigenen Worten beschreiben?
Ich denke bei den Texten fällt als erstes und ganz offensichtlich auf, dass sie im Vergleich zu früher reduzierter sind. Es sind weniger Silben und es gibt keine Flowmassaker. Ich habe beim Schreiben stark reduziert und viele Silben und Worte weggestrichen. Auch versuchte ich mich immer für die einfachere Formulierung und die einfacheren Worte zu entscheiden. Immer wenn ich das Gefühl hatte, es werde zu abstrus oder philosophisch habe ich das unterbunden. Textlich gesehen habe ich versucht einen Raum zu schaffen, in dem die Worte wirken können. Soll heissen mit weniger Worten einen emotionalen Impact zu erreichen, gleichzeitig aber auch Platz zu schaffen damit man nicht von einer Wortflut erschlagen wird. Das ist in meinen Augen der grosse offensichtliche Unterschied zu früher. Es ist ein Album, das überhaupt nicht den Anspruch hat mich als Rapper, Flower und generell in Sachen Skills im klassischen Sinne zu positionieren oder definieren. Eigentlich ist es das krasse Gegenteil von dem was Savas macht. Es geht weniger um mich und mein Rapperdasein, sondern vielmehr um die Geschichten die darauf erzählt werden. Ich hatte auch früher schon immer Storytelling-Songs, dies ist aber das erste Album, auf dem man ausschliesslich Tracks findet in der Tradition von „Herbstwind“, „Wahre Liebe“, „Und was ist jetzt“ oder „Heilung“. Ich denke das war immer die Essenz dessen was mich ausgemacht hat und weshalb die Leute mich gut oder schlecht fanden. Dieses Album ist eine Essenzierung von genau diesen Inhalten.

Gerade der Sound dürfte viele überraschen.
Musikalisch ist es, wenn man ganz genau hinhört und sich auch meine Historie vor Augen führt, tatsächlich gar nicht so unlogisch. Wir haben auf dem Album sehr breite Einflüsse aber das gab es zum Beispiel auch schon 2003 auf „Innere Sicherheit“ mit Einflüssen aus Reggae, Gospel oder Rock. Diese musikalische Öffnung gab es schon immer und es war auch stets mein Wunsch, mein Anspruch oder meine Idee die Inspiration aus ganz vielen Quellen zu holen. Im Gegensatz zu „Innere Sicherheit“ sind die Einflüsse nicht Kraut und Rüben, das Soundbild ist sehr durchgängig und die ganzen Einflüsse wurden zu einem Sound zusammengeschmolzen. Es wird vielleicht einige überraschen aber eigentlich hat sich das in meiner Karriere schon immer so abgezeichnet. „Uns“ ist sowohl in textlicher wie musikalischer Hinsicht eine Besinnung auf das Wesentliche.

Die Reduktion die du erwähnt hast ist mir auch sofort aufgefallen. Die Musik bekommt sehr viel Platz, die Raps funktionieren teilweise wie ein zusätzliches Instrument. War es ein schwieriger Prozess für dich, den Rapper hinten anzustellen und dich in einem gewissen Sinn der Musik unterzuordnen?
In der Zeit in der ich nicht aktiv Rapmusik gemacht und veröffentlicht habe, machte ich sehr viel im Bereich Songwriting für andere Künstler. Sehr oft war es der Fall, dass die Künstler zu mir kamen mit einer Idee, einigen Akkorden und einer Gesangsmelodie. Durch die schon vorhandene Melodie ist die Anzahl der Silben ganz klar vorgegeben und auf diese muss man irgendwie den Inhalt draufsetzen. Es ist nicht wie bei Rap, wo man einfach drauflos schreibt. Der Text muss in eine vorgegebene Form passen. Das war zu Beginn eine krasse Herausforderung, die aber wahnsinnig viel Spass gemacht hat. Ich versuchte jeweils einige zusätzliche Silben reinzuschmuggeln aber für die Sänger hat sich das einfach nicht richtig angefühlt. Diese Erfahrung ist stark eingeflossen in den Schreibprozess des neuen Albums. Teilweise hatte ich auch gar keinen Text und habe einfach mit Blindtext herausgefunden, wo ich die Pausen setzen muss oder wie ich die Stimme wirken lassen kann, wie du gesagt hast als weiteres Instrument. Der Ansatz war halt nicht einen Beat zu nehmen und diesen zu zerstören, sondern die Stimme als Teil des Gesamtkonzepts eines Songs zu nutzen. Ich bin sehr dankbar, dass ich dies lernen konnte durch das Songwriting.

Das Songwriting hatte quasi in technischer Hinsicht einen Einfluss, hat es dich denn auch inhaltlich geprägt? In meinen Augen sind die Texte noch poetischer geworden, du erzeugst mehr Bilder als die Dinge direkt beim Namen zu nennen. Einige Songs kann man womöglich mehrfach hören ohne sich ganz sicher zu sein, was du genau damit ausdrücken willst und man interpretiert einfach selber etwas hinein. Einverstanden?
Ja obwohl das ehrlich gesagt nicht unbedingt geplant war. Ich hoffe schon, dass ich in gewissen Punkten sehr konkret bin weil alle Songs sehr, sehr konkrete Auslöser haben. Seien es Situationen, Bilder, Emotionen, Momente oder Gefühle die total konkret sind. Ich habe versucht sowohl sehr konkrete Aussagen zu machen wie auch Bilder zu nutzen um beide Ebenen zu vereinen. Als Beispiel beim Song „Millionen mal schon“ kann man gross gefasst sagen es gehe um Widergeburt und ganz grosse Konzepte. Im Kleinen sage ich aber auch mach deine Hausaufgaben oder wir spielen Lego auf gebeizten Dielen. Das sind ganz kleine, konkrete und sehr alltägliche Dinge. Ich persönlich finde es sehr schön wenn beides zusammen in einem Song existiert, sowohl das ganz Grosse wie auch das ganz Kleine. Dasselbe haben wir auch musikalisch gemacht. In vielen Songs sind die Strophen sehr nah wie bei „Tattoine“ und der Chorus dann riesig. Diese Achterbahnfahrt, diese emotionale Berg- und Talfahrt, das kleine Intime und das ganz Grosse, schafft auch eine gewisse Stimmung. Ich versuchte dies auch textlich so umzusetzen.

Wie ich gelesen habe sollst du zwei Jahre im Geheimen an der Platte gearbeitet haben. Zu Beginn sagtest du den Produzenten auch es sei ohne Gewähr und du wüsstest nicht, ob die Musik dann auch wirklich erscheinen werde. Kannst du diesen Weg vom Moment wo du entschieden hast wieder als Curse Musik zu machen bis zur Entscheidung, „Uns“ zu veröffentlichen nachzeichnen?
Es hat damit angefangen indem ich bemerkte, dass eine musikalische Idee vorhanden ist. Es gab verschiedenste Einflüsse und ich wusste, dass Claud und die Beatgees einen sehr ähnlichen Musikgeschmack haben und so wollte ich mich einfach mal mit denen zusammensetzen und ausprobieren, ob man alle diese Einflüsse zusammenbringen und in eine Form bringen kann, auf der man dann auch rappen kann. Der Anfang der Idee war eigentlich eine musikalische Herausforderung. Etwa ein Dreivierteljahr haben wir nur Musik gemacht und ich habe gar nichts geschrieben. Immer regelmässiger fragten die Jungs dann, ob ich endlich mit dem Schreiben beginnen würde. Ich habe das dann immer vor mich hingeschoben, bis mir die Ausreden ausgegangen sind. Irgendwann habe ich mich hingesetzt, sonst wäre es wirklich ein bisschen absurd geworden. Ich begann mir Gedanken zu machen, wie das Album klingen könnte. Was kann ich inhaltlich erzählen und wie? Ich habe lange gebrütet und vieles auch wieder weggestrichen. Der erste Song den ich dann tatsächlich geschrieben und aufgenommen habe war „Kristallklarer Februar“ für Patrick Ahrend. Die Art wie ich den geschrieben habe war dann quasi der Blueprint für die anderen Songs des Albums. Als wir so drei, vier Songs aufgenommen hatten und sie uns anhörten, merkten wir, dass es genau in die Richtung geht, die wir uns vorgestellt hatten. Wir merkten, dass wir auf dem richtigen Weg sind und es funktioniert, somit gingen mir auch die Argumente aus, die Musik nicht zu veröffentlichen. Das war der Punkt als mir klar war: wir haben begonnen, nun führen wir das auch zu Ende und wir bringen es raus mit allen Konsequenzen. Es war tatsächlich ein Prozess und ich muss den Producern sehr viel Props geben für ihre Geduld, für ihre Inputs und auch dafür, dass sie mich hie und da getreten haben um den Weg weiterzugehen. Es steht zwar Curse vorne drauf aber es ist ein gemeinsam entstandenes Album.

Wie kann man sich die Zusammenarbeit genau vorstellen? Warst du mit Claud und den Beatgees immer zusammen im Studio oder wie ging dieser ganze Prozess vonstatten?
Bei der allerersten Session sass ich mit Claud zusammen und wir haben zwei Instrumentale gemacht. Eine Woche später war ich bei den Beatgees, stellte die Idee vor und zeigte die Sachen, die mit Claud bereits entstanden waren. Dann entstanden auch mit den Beatgees zwei, drei Skizzen. Beim dritten Mal trafen sich die Jungs als Claud für fünf Tage in Berlin war. Wir arbeiteten in drei Räumen, Philip, Hannes und Claud hatten alle ihren eigenen Raum und wir haben rotiert und uns ausgetauscht. Claud hat zum Beispiel die Horns von „Tattoine“ arrangiert, der eigentlich von Philip stammt während Philip Drumpatterns von einem Beat von Claud umgebaut hat oder Hannes die Arrangements von „Ende“ machte, bei dem das Piano von Claud kommt. Zusammengefasst kann man sagen, dass alle Involvierten auch an allen Songs irgendwie mitgearbeitet haben. Alles zusammen zu machen war der Spirit der Produktion und deshalb steht nun bei allen Songs produziert von den Beatgees, Claud und Curse.

Ich kann mich an ein Interview mit Casper erinnern zur Zeit als „XOXO“ erschien. Er erzählte mir damals, dass sie eigentlich endlos an der Musik hätten weiterarbeiten können, da es halt etwas anders ist mit Musikern im Studio zu sein als nur auf Beats zu rappen. War das bei euch ähnlich oder habt ihr schnell gemerkt, wann ein Song alles hat was er braucht?
Beides. Eigentlich weiss man das schon, trotzdem hört man wieder viele Dinge die man verändern könnte, wenn man einen Song mal einen Monat liegen lässt. Wir haben wirklich lange an den Sachen gearbeitet und uns hart die Kante gegeben. Irgendwann habe ich die Deadline ausgerufen und gesagt bis dann und dann muss das Master abgegeben werden. Als erste Reaktion kam von den Produzenten natürlich die Aussage, sie bräuchten mehr Zeit. Wir hätten sicherlich noch weitermachen können aber gleichzeitig ist es sehr wichtig, irgendwann einen Punkt zu machen. Die zusätzlichen Ideen kann man ja dann vielleicht auf einem nächsten Projekt umsetzen. Ich denke diesen Punkt haben wir in einem guten Moment gemacht als schon klar war wohin die Reise geht.

Mit Claud hast du in der Vergangenheit schon viel gearbeitet, die Beatgees hingegen waren bislang noch nie an einem deiner Alben beteiligt. Wie bist du auf die Jungs gestossen?
Ich habe viel mit dem Sänger Chima gearbeitet. Wir sind sehr gut befreundet und haben zusammen auch das Lary-Albumprojekt auf den Weg gebracht. Für sein erstes Album bekam er von seinem Management den Kontakt zu den Beatgees, welche dann die ersten fünf Tracks seines Albums produziert haben. Ich wusste also schon wer sie sind und kannte zum Beispiel ihre Arbeit mit F.R., persönlich hatte ich aber noch nicht mit ihnen gearbeitet. Chima brachte sie dann für die Arbeit mit Lary ins Spiel und so traf ich sie in Berlin in ihrem Studio, wo wir an der Musik von Lary arbeiteten. So lernten wir uns kennen und es war sehr schnell klar, dass wir uns sehr gut verstehen, sowohl menschlich wie auch musikalisch. Wir haben uns immer extrem viel Musik vorgespielt und wir feiern wirklich die gleichen Sachen. Als der Gedanke kam wieder Musik zu machen, war für mich schnell klar, dass ich das mit den Jungs machen möchte. Claud aufgrund der ganzen Historie und weil ich finde, dass er einfach ein scheiss Genie ist und die Beatgees genau so. Obwohl ich noch nie mit ihnen gearbeitet hatte an einem meiner Alben war ich sicher, dass sie genau den Nagel auf den Kopf treffen können.

Im Interview mit VisaVie hast du von einer Playlist erzählt, die so ein bisschen der Ausgangspunkt für den Sound der Platte war. Was war da so drauf?
Wenn die Platte draussen ist werde ich diese Playlist für die Nerds, die das nachhören wollen, wohl noch veröffentlichen. Darauf zu finden sind zum Beispiel Miike Snow, weil ich sehr mag wie die mit Upright Pianos umgehen, ihre Arrangements gestalten oder mit Marching Drums arbeiten. Ein paar Sachen von Woodkid waren dabei wegen den Arrangements zwischen den kleinen und grossen Momenten und auch der Art wie die Drums klingen. Dann auch eine englische Indieband namens WU LYF, die einen sehr speziellen Sound haben, der mich krass geflasht haben. Weiter ein Künstler wie How To Dress Well der sehr krass mit atmosphärischen Elementen arbeitet, sehr reduziert und trotzdem unglaublich gross und der meiner Meinung nach sehr beseelte Musik macht. Dann auch verschiedene Chillwave Produzenten wie Washed Out oder Active Child. So im grossen und ganzen hat sich alles in diesem Bereich bewegt mit eher neuen Formen von Musik, die so in den letzten fünf, sechs Jahren immer mehr aufgekommen sind. Diese Künstler die ich aufgezählt habe gab es halt alle vor zehn Jahren noch nicht. Genauso wenig gab es Genres wie Chillwave und diese Bedroom-Producer, die mit ihrer Musik einfach Grenzen sprengen indem sie zum Beispiel Indie- mit Soulelementen verbinden. Ich habe eine Radiosendung bei Eins Live und da spiele ich jede Woche neue Musik und genau solche Sachen liefen dort über Jahre. Solche Songs habe ich gespielt, weil mir das am besten gefallen hat und so war es auch klar, dass das die musikalischen Einflüsse sein müssen für das Album.

Wer deine Radioshow gehört hat wird also weniger überrascht sein wenn er „Uns“ hört?
Das kann sein. Wenn man sich wirklich dafür interessiert kann man auf der Website des Radios die Playlists meiner Show zurückverfolgen. Wenn man sich dort durchackert wird man schon wiederkehrende Elemente finden.

Ich denke man ist kein Prophet wenn man behauptet, dass „Uns“ die Meinungen spalten wird und du natürlich auch automatisch mit anderen Künstlern verglichen wirst, was ja sogar jetzt schon der Fall ist. Diese Konkurrenzdenken und die Kritik gehörten zu den Gründen, wieso du den Spass verloren hast. Denkst du, dass du nun gewappnet bist dich dem wieder auszusetzen?
Das werden wir sehen (lacht). Das ist natürlich eines der Experimente auf die ich mich gerade einlasse. Aber ich denke schon, dass ich dafür gewappnet bin. Ich bin ja auch nicht mehr 21 Jahre und ein bisschen ruhiger. Ich weiss, dass das alles nicht das Ende der Welt ist und es schlussendlich alles nur Meinungen sind. Die meisten Leute machen sich leider nicht die Mühe mal ein bisschen zu forschen und sich die Radioshow oder meine musikalische Historie dezidiert anzuhören. So würden sie schnell merken, dass es keinerlei Inspiration von anderen deutschen Künstlern benötigt, auf meine musikalischen Ideen komme ich von selber. Ich finde es schon fast ekelhaft das sagen zu müssen aber wenn sich die Leute mit meiner Musik von früher beschäftigen, werden sie merken, wo bestimmte Sachen herkommen und ob man dort nicht vielleicht sogar den Blueprint dafür finden kann, was in der deutschen HipHop-Szene vier, fünf Jahre später bei anderen Künstlern auch passiert ist. Viele der momentanen Künstler haben das Rad nicht erfunden, ich genau so wenig. Aber ich habe ein absolut reines Gewissen, da ich während meiner ganzen Karriere nie bei irgend jemandem etwas geklaut habe. Das wird es auch nie geben, da ich es überhaupt nicht nötig habe und mit grossartigen Menschen arbeite die sehr inspirierend sind und auch eigene Ideen habe ich ein paar. Wenn man mir unterstellt ich würde andere kopieren (Anm. er spricht den Vergleich mit Casper an) nervt mich das schon ein bisschen, weil es einfach nicht stimmt. Schlussendlich kann ich aber nichts daran ändern und wenn jemand bock darauf hat mich scheisse zu finden, wird er auch immer Gründe dafür finden. Sei es nur ein Satz in einem halbstündigen Interview oder eine Kleinigkeit auf dem Album. Es bringt schlicht nichts jemandem etwas erklären zu wollen, der dich eh schon scheisse findet.

Wenn man die Meinungen nicht spaltet interessieren sich die Leute wohl auch einfach nicht für einen.
Ich habe auch gar nichts gegen Kontroversen. Es ist tatsächlich besser wenn die Leute darüber sprechen als wenn es einfach allen egal wäre. Das ist dann eine gewisse Relevanz.

Die Relevanz ist auch nicht ganz unwichtig, weil du das Album selber herausbringst und du dafür einen sechsstelligen Betrag in die Hand genommen hast. Ist es nicht schwierig gleichzeitig der Künstler zu sein und zwangsläufig auch der Businessman, der ein gewisses Risiko trägt?
(überlegt) Ja ist es schon. Der Faktor Geld ist weder in die eine noch in die andere Richtung ein ausschlaggebender Punkt. Die ganzen Deals sind so gestrickt, dass selbst wenn sich die Platte nun wirklich nicht gut verkauft niemand Bankrott geht. Ich glaube wir haben es ganz gut geschafft smarte Verträge aufzusetzen. Es geht ja auch nicht nur um Geld sondern um Zeit. Ich habe zwei Jahre das Album produziert anstatt andere Dinge zu machen. Das ist zwar kein Geld das man direkt ins Album investiert aber Geld das man nicht verdient. Wir haben alle sehr viel Herzblut reingesteckt und natürlich hoffen wir, dass sich das Teil richtig gut verkauft und alle mit einer guten finanziellen Belohnung für ihre Arbeit nach Hause gehen. Ich habe zwar viele Exceltabellen und bin über die Zahlen informiert aber zum Glück bin ich wahrscheinlich ignorant genug, als dass ich mich davon zu sehr beeinflussen lasse.

Aber gerade wenn man wie du ein Album in den Händen hat, das definitiv das Potential hat viele Leute weit über die Rap-Fans hinaus zu erreichen, weckt das doch irgendwie Erwartungen oder nicht?
Eigentlich eher Wünsche und Gedanken. Und ja ich bin auch der Meinung, dass das Album das Potential hat sehr viele Leute anzusprechen. Das Potential ist da aber ich kann nicht mehr tun als das Album so gut wie ich es kann zu machen und dann mit Leuten wie dir darüber sprechen und davon erzählen, wodurch es verbreitet wird. Hinzu kommt im Rahmen der Möglichkeiten Promotion und Marketing. Am Ende des Tages bleibt es aber eine Lotterie. Man tut sein Bestes und dann kommen so viele andere Faktoren. Was für Musik ist sonst gerade präsent, kriegen es die Leute auch mit und so weiter. Auf viele dieser Faktoren hat man keinen Einfluss. Man kann sich so gut es geht vorbereiten aber dann muss man auch einfach passieren lassen. Ich trage Sorge, dass es gut kommt aber ich mach mir keine Sorgen. Ich kann ja eh nix daran ändern (lacht). Ich mache meine Arbeit gewissenhaft aber ich kann ja niemanden dazu zwingen sich das Album anzuhören oder zu kaufen, das muss einfach passieren. Ich bin aber zuversichtlich, dass es die richtigen Leute irgendwie erreichen wird. Wie viele dies dann in Zahlen sind werden wir sehen.

Wie du gesagt hast findet auf „Uns“ kein grosses Rap-Massaker statt. Nun habe ich aber gesehen, dass du auf dem Bonustrack „3 Kings“ des kommenden Kool Savas Albums gemeinsam mit Tone zu Gast bist. Bekommt man darauf wieder eher den spittenden Curse zu hören?
Ja und nein. Lass dich überraschen!

Interview: Fabian Merlo