Tinashe – „Sie sagten mir ich würde es nicht schaffen“

Int. Rap

Den Traum vom Berühmtwerden haben viele doch nur wenige arbeiten so konsequent darauf hin wie Tinashe Jørgensen Kachingwe, welche die meisten wohl einfach unter ihrem Vornamen kennen. Schon in ganz jungen Jahren machte sie ihre ersten Schritte als Tänzerin, Model und Schauspielerin. In der Schulzeit fehlte sie dann immer öfter, weil sie mehr und mehr vor der Kamera stand. Mit der Zeit rückte dann aber die Musik verstärkt in den Vordergrund, ihre bislang letzte Rolle hatte sie bei der bekannten Sitcom „Two And A Half Man“ (sie spielte die süsse Celeste Burnett, die Freundin von Pummelchen Jake). Vor ihrer Solokarriere war sie Mitglied der Girlgroup The Stunners, die unter anderem mit Justin Bieber auf Tour ging sich aber 2011 auflöste. Danach ging die Sängerin den Weg, den man von vielen Rappern kennt: Tinashe machte sich mittels Mixtapes einen Namen und wurde schliesslich bei einem Major unter Vertrag genommen. Um ihre Mixtapes zu produzieren hatte sie sich ein Homestudio eingerichtet, in welchem sie ihre Songs aufnahm und teils auch selber produzierte, wobei atmosphärische und zeitgerechte R&B-Songs entstanden. Dies trifft auch auf ihr im letzten Herbst erschienenes Album „Aquarius“ zu, allerdings dank Major-Kohle in definitiv aufgepimpter Version. ScHoolboy Q, Future und A$ap Rocky sind als Gäste zu hören während grosse Namen wie Boi-1da, DJ Mustard, Stargate, DJ Dahi, Detail oder MikeWillMadeIt die Produktion übernahmen. Die eigene Handschrift der 22-jährigen ist noch zu erkennen aber gewisse erprobte Erfolgsformeln sind definitiv zu finden, ein DJ Mustard Beat bleibt halt ein DJ Mustard Beat. Die Kompromisse sollten sich aber auszahlen, „2 On“ mit ScHoolboy Q wurde zum Hit und auch „Aquarius“ schlug sich wacker. Nun gilt es auch den Rest der Welt zu erobern und so besuchte die Sängerin aus L.A. erstmals die Schweiz. Vor ihrem Konzert in Zürich trafen wir sie zum Gespräch.

Beinahe wäre es beim Interview mit Tinashe zu einer persönlichen Premiere gekommen: Nämlich das erste schriftliche Interview trotz physischer Anwesenheit. Nachdem uns der Tourmanager einige Zeit im unteren Stock des Tourbusses warten liess meinte er, Tinashe sei nun ready für das Interview aber ihre Stimme sei so angeschlagen, dass sie die Antworten niederschreiben würde. Block und Stift waren bereits gezückt doch schliesslich war dies Tinashe wohl auch zu blöd und sie diktierte ihre Antworten mit dünner Stimme in unser Aufnahmegerät.

Bei unserer Recherche haben wir festgestellt, dass du vor deiner Solokarriere schon so einiges gemacht hast. Unter anderem warst du Teil der recht erfolgreichen Girlgroup The Stunners. War es für dich trotzdem immer klar, dass du eine Solokünstlerin werden willst?
Ja das war immer klar für mich. Aber es war eine sehr gute Erfahrung. Ich konnte schon als 14-jährige auf Tour gehen oder in grossen Studios aufnehmen. Es war gut für den Moment aber es war immer klar für mich, dass ich eine Solokünstlerin sein will, das ist viel erfüllender.

Du hast vor einigen Jahren begonnen dein eigenes Homestudio aufzubauen. Wie viel Musik entsteht dort heute noch?
Die Mixtapes sind alle dort entstanden und für das Album waren es glaube ich drei Songs. Ich nehme weiterhin dort auf.

Für das Album hast du in grossen Studios in Los Angeles, Atlanta, New York, London und Toronto gearbeitet. Bevorzugst du es in diesen grossen Studios zu arbeiten oder doch lieber zuhause, wo du nach deinem eigenen Tempo arbeiten kannst?
Ich bevorzuge es in meinem Homestudio und ganz alleine zu arbeiten. Es gibt mir die Möglichkeit kreativer zu sein und es ist ausserdem viel bequemer. Natürlich ist dies aber nicht immer möglich, je nach dem mit wem ich arbeite.

Wie können wir uns denn dein Homestudio vorstellen?
Es ist nicht unbedingt wie man sich ein Studio vorstellt. Es ist in meinem Schlafzimmer und dort stehen die Speakers, Computer, PreAmps und das Mikrofon neben meinem Bett und dem Schrank. That’s it.

Ich habe gelesen du hättest ungefähr 100 Songs für „Aquarius“ aufgenommen.
Es waren sogar noch mehr.

Ist dies ein Zeichen für eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der Richtung des Albums oder einfach deine Arbeitsmoral?
Zum Teil hängt dies sicherlich mit meiner Arbeitsmoral zusammen. Andererseits habe ich wie gesagt zuvor alles selber aufgenommen und als ich begann mit anderen Leuten zu arbeiten, dauerte es einen Moment bis sie herausfanden, wer ich bin als Künstlerin und in welche Richtung ich mit meiner Musik gehen will. Einige der ersten Songs die entstanden reflektierten nicht wirklich mich also haben wir immer weiter aufgenommen.

„Aquarius“ vereint deiner Aussage nach die Essenz aller deiner vorherigen Projekte aber natürlich gäbe es auch eine Entwicklung. Wie würdest du diese beschreiben?
Die Produktion hat sich definitiv weiterentwickelt, da ich die Chance hatte mit wirklich grossartigen Produzenten zu arbeiten. Ich finde auch, dass das Album ein bisschen mehr Energie hat als die Mixtapes, es ist leuchtender.

Während den Aufnahmen hast du es vermieden die Musik anderer Künstler zu hören um nicht zu sehr beeinflusst zu werden. Würdest du sagen, dass du dein Ziel erreicht hast und das Album zu 100 Prozent dich widerspiegelt?
Es gab Einflüsse von den Produzenten oder dem Label aber abgesehen davon ist es ehrlich mir selbst gegenüber worüber ich sehr glücklich bin.

Inwiefern hatte das Label Einfluss auf das Endprodukt?
Politik halt…wie etwa mit wem man zusammenarbeitet auf einigen der Songs.

Hast du aus diesen über 100 Songs diejenigen für das Album ausgewählt oder war dies auch das Label?
Hauptsächlich ich selber.

Glaubst du, dass man noch gleich kreativ sein kann wenn man erfolgreich wird oder verändert sich dies durch den Druck?
Im Gegenteil ich glaube man wird noch kreativer weil man mehr Inspiration hat.

Denkst du das Berühmtsein hat sich im Vergleich zu früher verändert durch die sozialen Medien?
Die Leute sind heute praktisch ständig erreichbar und man muss viel mehr Inhalt liefern. Das Internet muss ständig mit Neuigkeiten gefüttert werden. In den Achtzigern konnte man alle zwei Jahr ein Album veröffentlichten und das war cool. Heute muss man aber ständig etwas Neues bringen.

Siehst du das nur positiv oder würdest du dir manchmal wünschen dir einfach zwei Jahre Zeit lassen zu können für ein Album?
Das wäre sicherlich nicht schlecht, diese neue Entwicklung muss nicht nur positiv sein. Aber es gibt für alles positive und negative Seiten. Das Internet hat mir eine Plattform gegeben.

Auf deinem Mixtape „Black Water“ hast du den Song „Ain’t Ready“ wo du davon erzählst, die Leute hätten dir gesagt du seiest naiv, weil du auf dein Herz und die Stimmen in deinem Kopf hörst. Musstest du das oft hören?
Ja, schon in der Grundschule und später auch in der Mittelschule. Sie sagten mir, dies sei nur Träumerei, fast niemand schaffe es berühmt zu werden und ich würde es nicht schaffen Erfolg zu haben. Meine Chancen seien unglaublich klein. Selbst meine beste Freundin sagte mir dies in der siebten Klasse. Ich dachte nur: „Bitch!“ Sie war danach nicht mehr meine beste Freundin (lacht).

Du hast ja schon sehr früh mit Modeln und Schauspielern begonnen. War es also schwierig für dich auf der einen Seite das normale Mädchen in der Schule zu sein und andererseits dies zu tun, wovon so viele Mädchen träumen?
Es war sehr schwer die Balance zu finden. Es hat mich entfremdet von meinen Freunden. Die Kids haben es nie wirklich verstanden, wenn ich nicht in der Schule war und meine Jobs machte. In der siebten Klasse, mit 13 oder 14 Jahren, begannen sie richtig eifersüchtig und gemein zu werden. Sie warfen mir sogar Sachen nach. Ich hatte keine wirklichen Freunde und kam mit meinen Mitschülern nicht klar, zumindest mit den meisten. Deshalb begann ich es zu hassen zur Schule zu gehen. Ich hatte das Gefühl nur meine Zeit zu verschwenden.

Inwiefern glaubst du an positive und negative Vibes und wie beeinflussen die deinen Erfolg?
Ich denke schlussendlich liegt alles bei dir. Du musst an dich selber glauben und sicher sein, dass es klappen wird. Wenn du es nicht tust wird es niemand sonst.

Du hast einen Song namens „Indigo Child“. Fühlst du dich so?
Irgendwie schon. Meine Definition davon ist es, ein Kind zu sein, dass nicht wirklich in die Vorstellungen der Gesellschaft passt. Ihre Vorstellung von dem was sie wollen ist eine andere und sie werden nicht wirklich akzeptiert auch wenn sie sehr kreativ und innovativ sind. So habe ich mich immer gefühlt.

Du hast kürzlich dein neues Video zu „Bated Breath“ veröffentlicht, in welchem du als Pilotin zu sehen bist die alleine in der Wüste strandet. Was ist genau das Konzept dahinter?
Der Song geht für mich darum, auf jemanden zu warten, der dich rettet oder einfach für dich da ist. Das sollte das Video repräsentieren in welchem jemand verloren und gefangen ist. In meiner Vorstellung war es der Mars aber man kann es natürlich auch als die Wüste sehen. Es soll dieses Gefühl widerspiegeln.

Wo steht Tinashe in zehn Jahren?
Sky’s the limit. Ich will weiterhin erfolgreich Musik veröffentlichen, auf Tour gehen und mich vielleicht auch wieder der Schauspielerei widmen. Ich wäre auch gerne ein Entrepreneur mit meinem eigenen Business.

Gibt es konkret auch schon Pläne für ein neues Album?
Ich arbeite daran aber ich habe noch keine genauen Vorstellungen wie es klingen oder heissen soll. Dafür ist es noch zu früh.

Interview: Fabian Merlo & Michele Costanzo

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