Gabrielle – Mehr Mutter als Künstlerin

Int. Rap

Mit ihrer Single Dreams landete sie vor 20 Jahren einen Welthit und könnte heute – wie sie selber sagt, nur von diesem Song leben. Doch anstatt sich der ganz grossen Karriere zu widmen, die sie hätte einschlagen können, kümmerte sich die Soulstimme aus London um ihren Sohn und machte immer wieder mit Radiohits auf sich aufmerksam. Heute macht sie einfach das, was ihr Spass macht, unter anderem auf über 2000 Meter über Meer ein Konzert in intimem Rahmen zu geben oder mit den Topproducern Naughty Boy und Syience an neuem Songmaterial basteln. Wir haben die sympathische Künstlerin kurz vor ihrem Auftritt am Zermatt Unplugged Festival getroffen. 

Gabrielle, wie ist es für dich in so einem kleinen Rahmen zu performen?
Wenn ich ehrlich bin, ist es das, was ich am liebsten mache. Ich habe in so kleinen Locations mit Konzerten begonnen. Ich habe auch das Gefühl das die Musik, die ich mache am besten wirkt in einem solchen Setting.

Du warst ziemlich lange weg aus der ganzen Musikwelt. Wie ist es wieder zurückzukommen?
Mutter zu sein hilft mir, das ganze richtig einordnen zu können. Und das andere ist, aus meiner Perspektive bin ich nie richtig weg gewesen, obwohl das von aussen so gewirkt hat. Ich habe mir einfach immer sehr lange Zeit genommen, um wieder ein neues Album zu machen. Aber ich bin natürlich in einer enorm schönen Ausgangslage, in der ich mir rausnehmen kann, was ich machen will und was nicht. Ich liebe mein Leben, und habe es immer geliebt. Ich liebe es Menschen zu treffen und dabei Musik zu erschaffen. Was könnte ich mir mehr wünschen.

Du sagst, du kannst auswählen, was du machst und was nicht….
Ja, genau. Ich toure zum Beispiel nicht so viel wie das andere Künstler machen. Ich möchte nicht zu viel weg von zuhause sein. Das war immer schon so. Ich wollte mein Kind nie auf Tour mitnehmen und habe immer nur kurz getourt, natürlich nicht zur Freude meines Managements (lacht). Ich merke, ab einer gewissen Anzahl Konzerte, kann ich nicht mehr dieselbe Energie und Freude aufbringen, darum bin ich sparsam mit Konzerten.

Heute ist das sicherlich kein Problem. Aber war das für dich immer einfach, deine Familie der Karriere vorzuziehen? Man schliesst sich ja auch Türen damit?
Ich denke das hat auch mit dem DNA eines Künstlers zu tun. Es gibt solche Menschen, die können, ja müssen fast immer auf der Bühne und vor einer Kamera sein. Ich bin da glaub ich zu 0815 für ein solches Leben. Ich habe auch bald gemerkt, dass ich nicht auf Knopfdruck Songs schreiben kann. Ich muss in dieser kreativen Phase sein, die ich nicht heran zaubern kann. Vor allem, da meine Songs auch immer sehr persönlich sind. Ich bin glaube ich mehr Mutter als Künstlerin. (lacht)

Wie schaust du heute auf die Musikindustrie?
Mir ist natürlich bewusst, dass der Druck auf die Musiker und die Stars viel grösser geworden ist. Die Fans erwarten mehr, man muss immer präsent sein. Rihanna released jedes Jahr ein Album. Das ist unglaublich.

Kommen wir zurück ins 2015. Du arbeitest mit den Superproduzenten Naughty Boy und Syience an neuem Material. Was hat dich dazu gebracht, wieder neue Musik zu schreiben?
Ich war zufällig in einem Studio, wo eine Freundin am Recorden war, mit Syence, diesem Producer. Und zum ersten Mal seit langem hatte ich das Gefühl, das ich gerne dort stehen und singen würde. Mir gefiel sein Sound. Bevor ich’s wusste, waren Syience und ich am Songs schreiben und im Studio. Naughty Boy ist unabhängig davon für ein Projekt auf mich zu gekommen. Ich habe seinen Sound immer schon gemocht, vor allem auch die Produktion mit Emeli Sandé oder Sam Smith. Ich fühlte mich so geehrt, dass ich angefragt wurde. Und irgendwie hat das wieder ein Gefühl in mir geweckt. Die wollten mich wirklich noch? Dann wollte ich auch wieder starten. Dazu kam, dass mein Sohn jetzt 20 jährig ist und nicht mehr auf mich angewiesen. Es fühlte sich einfach richtig an.

Wie sieht es mit einem Album Release aus?
Ja, ich bin dran, bin am Schreiben und Ausprobieren. Aber eigentlich bin ich immer am Schreiben. Natürlich ist es schon etwas konkreter. Ihr werdet hören, wenn es soweit ist.

Was möchtest du mit deiner Musik hinterlassen?
Ich wünsche mir, wenn ich einmal gehe – hoffentlich noch lange nicht (lacht) – dass die Menschen in mir eine Künstlerin sehen, die Songs geschrieben hat, mit denen sie sich identifizieren können. Ich habe immer wieder Feedbacks von Fans gekriegt, die mir sagten, dass meine Songs ihnen durch schwere Zeiten geholfen haben. Es gibt für mich nichts Schöneres.

Interview: Patric Neeser

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