PRhyme: Den Vibe von früher wiederbeleben

PRhymeDie erste Zusammenarbeit von Royce da 5’9“ und DJ Premier datiert auf das Jahr 1999 und das Resultat davon lautet auf den Namen „Boom“ – ein bis heute gern gespielter Track. Über die Jahre blieb die Connection von Detroit nach Brooklyn bestehen und resultierte in zahlreichen weiteren Songs. Letztes Jahr erfüllte sich dann der von vielen Fans gehegte Traum eines kompletten Albums. Royce und Premo schlossen sich zur Gruppe PRhyme zusammen und veröffentlichten das gleichnamige Werk. Eine dritte Person die entscheidend zu dem Album beitrug war Adrian Younge. Alle Tracks von „PRhyme“ basieren auf Samples des momentan überaus gefragten Produzenten und Musikers. Natürlich kann man sich die Frage stellen, ob diese Zusammenarbeit nicht schon viel früher hätte erscheinen sollen. Zumindest Royce würde dies deutlich verneinen. Seit gut drei Jahren hat er dem Alkohol abgeschworen und so präsentiert er sich momentan wohl tatsächlich in der Form seines Lebens. Auch Premier hat die Herausforderung einzig Musik eines Künstlers zu verwenden hörbar gut getan. Die Langeweile, die sich in den letzten Jahren immer mal wieder in seine Produktionen eingeschlichen hat, ist auf „PRhyme“ nicht zu finden. Die beiden gestandenen Herren, doch auch schon 38 beziehungsweise 49 Jahre alt, erleben also tatsächlich nochmals einen weiteren Frühling ihrer Karriere. Dass bereits verschiedene Projekte anstehen die dafür sorgen sollen, dass dieser weiter anhält, verrieten sie uns beim Interview am Openair Frauenfeld.

Royce, wie ich gelesen habe soll es ein Freund von dir gewesen sein, der vorschlug ein komplettes Slaugherhouse-Album basierend auf Samples von Adrian Younge’s Musik zu machen. Wie kam es von dieser Ursprungsidee zu dem Album, welches wir heute als „PRhyme“ kennen?
Royce da 5’9“: Viele Dinge spielten eine Rolle, allen voran die Terminplanung. Es ist einiges schwieriger vier Personen zu koordinieren. Als klar wurde, dass es aufgrund von terminlichen Gründen mit Slaughterhouse nicht klappen würde, rief ich Premo an und fragte ihn, was er davon halte, wenn wir dies zu zweit durchziehen würden. Dies machte für mich am meisten Sinn nur schon weil es viel weniger Zeit in Anspruch nimmt.

Premo, du hast natürlich über deine ganze Karriere hinweg mit Samples gearbeitet. Machte es für dich einen unterschied dieses Mal nur Samples von einem Künstler zu verwenden?
DJ Premier: Es war schon anders aber so ab dem dritten Song hat sich alles wie von alleine zusammengefügt. Der erste Song war „PRhyme“, danach arbeiteten wir an „U Looz“ und darauf folgte „Courtesy“. Diese Songs klangen zwar alle unterschiedlich aber trotzdem hörte man die Musik von Adrian Younge heraus. Mein Ziel war es Adrian zu beeindrucken, das war eigentlich der schwierigste Teil für mich. Es ist seine Musik aber umgesetzt mit meiner Art zu produzieren. Royce und ich wollten ihm am Ende ein Album vorspielen, das ihn beeindruckt und mit dieser Mentalität gingen wir an die Produktion, was schliesslich zu diesem guten Resultat geführt hat.

Gibt es andere Künstler bei denen du dir vorstellen könntest ein ganzes Album nur mit deren Samples zu produzieren?
Premier: Ich mag David Axelrod sehr (Anm. ein US-Musiker, den Premier bereits für „Shake This“ von Royce gesampled hat). Er ist einfach grossartig und hat einen völlig verrückten Style. Bei ihm könnte ich es mir vorstellen. Es war eine sehr gute Erfahrung mit Adrian und ich freue mich darauf, PRhyme Konzerte mit Adrian und seiner Band zu performen.

Ihr arbeitet schon viele Jahre regelmässig zusammen. Wieso denkt ihr ist nun der richtige Moment gekommen für ein ganzes Album, auf welches die Fans im Prinzip schon seit Jahren warten?
Royce: Es war klar, dass diese Zusammenarbeit früher oder später passieren würde. Der Zeitpunkt war insofern perfekt weil Premo gerade ein Zeitfenster offen hatte und ich zwischen verschiedenen Projekten ebenfalls Zeit hatte. Wir hatten soeben das Slaughterhouse-Album vollendet und ich überlegte mir, was mein nächster kreativer Schritt sein soll: ein neues Soloalbum oder ein Projekt wie dieses. Zum Glück stimmte das Timing, so dass ich nun das Projekt mit Premo machen konnte.

Du hast gesagt: „I want people to appreciate the fact that we didn’t compromise / In order to try to change the way that people digest music.“ Würdest du sagen, dass die Leute das zu schätzen wissen und auch die Musik wieder bewusster hören?
Royce: Ich denke schon. Wir bekommen nur gute Rückmeldungen und zwar für das ganze Album und nicht bloss für einzelne Songs. Kurze Alben scheinen momentan der richtige Ansatz zu sein und unser Album ist definitiv eines, dass man reinschieben und Anfang bis Schluss durchhören kann. Das Album dauert nur rund eine halbe Stunde, es nimmt also nicht zu viel Zeit in Anspruch. Wir vergleichen es jeweils mit Episoden von einer TV-Serie. Du schaust dir eine Folge an, das dauert auch nur ungefähr eine halbe Stunde, und danach willst du mehr davon. Genauso verhält es sich mit unserem Album. Ich würde also sagen wir haben unser Ziel definitiv erreicht.

Ihr sprecht sehr oft von der Balance, die im Rap fehlt. Wenn ich daran denke, dass wir momentan populäre Künstler wie Kendrick Lamar, J. Cole oder Joey Bada$$ haben finde ich persönlich, stand es schon schlimmer um die Balance. Wie seht ihr das?
Premier: Es gibt viel gute Musik da draussen. Wie du gesagt hast Kendrick Lamar, J. Cole oder auch A$ap Rocky. Er hat immerhin einen Song mit Mos Def auf seinem neuen Album. Er ist Pretty Flacko und dann bringt er den Original Pretty Flacko und Mos Def legt los. Das ist ein Zusammentreffen von zwei Generationen. Auch im Untergrund gibt es viele gute Musik. Dann gibt es Festivals wie dieses, welches alles zusammenbringt von Ludacris über PRhyme zu Travi$ Scott bis zu The Roots. Das ist eine wunderbare Vielfalt mit Künstlern, die alle auf ihre Weise einen guten Job machen, wie zum Beispiel auch C2C.
Royce: Es war definitiv schon viel schlimmer und ich denke HipHop ist gerade in einer sehr guten Position. Die kommerziellsten Künstler momentan sind Lyricists und mehr kann man als Fan eigentlich gar nicht erwarten.

Du sagtest jedes Projekt welches du machst, sei eine Reflektion PRhyme_Adrian Youngeder Zeit, in welcher es entstand. Wie würdest du deinen Gemütszustand während der Entstehung von PRhyme beschreiben?
Royce: Als wir mit dem Album begannen war ich erst seit rund zwei Jahren nüchtern. Ich wollte ein Projekt machen, dass wie eine Reintroduction klingt und die Zeit reflektiert, in welcher ich mit Rap begann. Damals bei den Open Mic Club Nights als es sich nur um das MCing drehte. Ich wollte ein ganzes Projekt aufnehmen, welches diese Zeit reflektiert als ich 17, 18 Jahre alt war. Es drehte sich weder um eine kommerzielle Single, noch einen Song für die Clubs oder die Girls. Einzig um Bars, Beats und Raps so wie damals, als mich nichts anderes interessierte. Diesen Vibe wollte ich mit dem Projekt wiederbeleben.

Dass hier einzig Raps und Beats im Vordergrund stehen hört man dem Album an. Auf deinem ersten Album oder später auch mit Eminem oder teils Slaughterhouse gab es gelegentlich auch Ausflüge in Richtung Mainstream. Wirst du wieder versuchen eine noch grössere Masse zu erreichen oder liegt der Fokus vorderhand auf Raps und Beats?
Royce: Im Grunde genommen werde ich einfach alle verschiedenen Projekte weiterverfolgen. Mit Slaughterhouse sind wir auf einer grösseren Plattform (Anm. Shady Records) und diese ermöglicht es uns Songs zu machen, welche die Massen in einer bestimmten Art erreichen. PRhyme ist ein Projekt welches dafür gedacht ist Untergrund zu sein. Also nutze ich diese Plattform auch genau dafür. Mein Solostuff schliesslich kann ein Mix aus all diesen verschiedenen Plattformen sein. Was ich als Solokünstler auf keinen Fall tun werde ist mich selber auf irgendeine Art einzuschränken oder mich in eine bestimmte Schublade pressen zu lassen. Diese verschiedenen Brands, zu welchen ich gehöre, nutze ich um auf verschiedenen Ebenen mit den Fans zu kommunizieren.

Wenn wir schon von deinen verschiedenen Projekten sprechen: Die Leute warten schon ziemlich lange auf das Slaughterhouse-Album und ebenso auf eine neue Soloscheibe von dir. Gib uns ein Update!
Royce: Die Aufnahmen des Slaugherhouse-Albums sind so gut wie beendet. Just Blaze mixt gerade die Songs also ist es sehr wahrscheinlich, dass dies als nächstes erscheinen wird. Ich hoffe, „Glass House“ wird im Frühherbst in die Läden kommen. Momentan arbeite ich an meinem Soloalbum. Einen Grossteil der Arbeit habe ich bereits gestemmt aber ich werde sicherlich weiterhin hie und da einen weiteren Song aufnehmen. Ich will mir mit dem ganzen Prozess Zeit lassen vor allem da ich weiss, dass das Slaugherhouse-Album zuerst erscheinen wird. Mein Plan ist es zuerst mit Slaugterhouse zu veröffentlichen, dann mein Album nachzuschieben und dann ein weiteres PRhyme-Album. Dies alles wenn möglich in ziemlich kurzen Abständen. Sobald Premo wieder ein offenes Zeitfenster hat können wir damit beginnen und wir wissen aus Erfahrung, dass wir nicht viel Zeit benötigen werden. Das fühlt sich auch gar nicht wie Arbeit an, viel eher wie Freizeit.

Dann können wir also festhalten, dass PRhyme definitiv eine Gruppe ist und nicht bloss ein Projekt?
Premier: Auf jeden Fall!

Premo, dich könnte ich wohl nach dutzenden Projekten fragen wie zum Beispiel den angekündigten Alben mit Jakk Frost, KRS One oder Pete Rock.
Premier: Ich hörte einen Song von Jakk Frost mit Malik B, der auch Teil von The Roots ist, namens „Beard Gang Initiation“. Der Track hat mich umgehauen und auch ihre Einstellung gegenüber der Industrie ohne nur zu Haten. Wir trafen uns und es war klar, dass wir zusammenarbeiten. Ich hatte einen Beat herumliegen den er mochte und daraus wurde „Dope Boy Talk“. Der Song hatte einen guten Buzz und als nächstes erschien ein Freestyle namens „Spoiler Alert“ über den Beat von „Form Of Intellect“ vom „Step in the Arena“ Album. Darauf flowt er genau so wie ich das hören will. Wir werden also weiterhin gelegentlich Songs für die Strasse releasen. Das NYGz Album wird dieses Jahr endlich erscheinen und ausserdem habe ich das MC Eiht Album als Executive Producer betreut. Das Album „Which Way Iz West“ wird sowohl über mein Label Year Round Records wie auch über sein Label Blue Stamp erscheinen. Es wird ein verrücktes Album mit Features von B-Real, Kurupt, Big Mike von den Geto Boys, Lady Of Rage oder Bumpy Knuckles. Ich habe drei Tracks darauf produziert der Rest stammt von Brenk Sinatra.

Und was geht mit dem Album mit Pete Rock?
Premier: Ich habe ihm die ersten beiden Singles gegeben und nun ist er an der Reihe. Wir werden beide je die Hälfte der Scheibe produzieren. Momentan überlegen wir uns welche Künstler wir darauf haben wollen aber das werden wir noch nicht verraten.

Interview: Fabian Merlo

Int. Rap
DJ PremierInterviewPRhymeRoyce da 5'9"