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Check diesen Beitrag auf unserer richtiger Page in schönem Design unter : Preispolitik der Musikladenketten, oder: 12 Steps to destroy the Indie-Scene.


Nils
14.06.2004, 18:29
Hier soll dem werten Konsumenten einmal die Preispolitik der Musikladenketten wie WOM an selbigem Beispiel nähergebracht werden. Es soll klargemacht werden, dass weder Labels, noch Künstler (zumindest im Indie-Bereich) sich goldene Nasen verdienen.
Alle Namen wurden geändert.


Ich laufe also letzte Woche in eine WOM-Filliale und durchstöbere das "Black Music"-Regal. Was sehe ich dort? Die EP "XY" des Künstlers MC Untergrund zum Preise von 16,99?. Es ist eine EP, das möchte ich abermals angemerkt haben. Das schockte mich, also lief ich in den nahegelegenen Saturn, ich welchem ich sie für faire 11,99 fand. Ich kaufe ein Exemplar, bewege mich wieder in die WOM-Verkaufsstelle, um dem Verkäufer eine ihrer und meine gekaufte Saturn-EP zu zeigen. Meine Frage: "Können sie mir sagen, woraus der derartig differierende Preis resultiert?
"Das ist eine Aktion von Saturn!", ich: "Nein". Der Verkäufter holt den "Trumpf" aus dem Ärmel: "Die kostet im Ankauft 13,99!", ich: "Nein, ich habe Bekannte beim Label, welches diese CD herstellt.".
Eine weitere Antwort konnte mir nicht gegeben werden und ich zog leicht erzürnt ab.

Der Ankaufpreis der "MC Untergrund - XY"-EP beträgt 7,50 - für ALLE Abnehmer.

Ergo: "World Of Music" berechnet über 100% Gewinnzuschlag.

Noch leicht verstimmt rufe ich also beim Vertrieb an und bitte die Kontaktperson, doch bitte Druck bei WOM zu machen, da das so einfach nicht ginge.

Und HIER fängt der interessante Teil der Geschichte an:

Mein Ansprechpartner machte seine Ausbildung nämlich bei eben jener Musikladenkette WOM und gab mir einen Einblick in die Art und Weise, wie WOM a) seine Kunden betrügt und b) die Preise kalkuliert.

a) Beschwert sich ein Kunde über zu hohe Preise, wird die "Das Label vertreibt die CD so teuer"-Antwort gegeben, lässt sich der Konsument damit jedoch nicht abspeisen und macht größeres Geschrei beim Label/Vertrieb, welches/welcher dann eventuell noch aktiv wird und sich bei WOM meldet, so wird der Titel einfach aus dem Sortiment genommen.

b) Preiskalkulation im Hause WOM sieht wie folgt aus: Das Ziel ist es, Titel der großen Stars (Britney Spears, Robbie Williams, etc...) zu einem möglichst niedrigen Preis an den Mann zu bringen, um die Konkurrenz damit auszustechen. Indepent Labels und unbekanntere Künstler werden lediglich als "Special Service" angesehen. Da diese Titel sowieso nur von einer relativ kleinen Käuferschaft angenommen werden, wird auf diese Artikel eine (ungemein) hohe Gewinnpauschale geschlagen, um a) die Verluste aus den "Top-Themen-Preiskämpfen" zu kompensieren und b) den Ertrag zu maximieren.
Nach aussen hin wird dieser Preis dann mit Argumenten wie der schweren Beschaffung, oder des hohen Ankaufspreises entschuldigt - beides infame Lügen.
"Kleine Labels haben Vertriebe, welche schwerer zu erreichen sind" - welch Schande, dass die MC Untergrund-EP, genauso wie eine x-beliebige Beyonce Knowles-CD über "Sony Music" vertrieben wird.
Mehraufwand? Wo?

WOM belügt also seine Kunden, um den Gewinn zu maximieren und sie mundtot zu machen.

Wem schadet das?

Independent Labels rechnen mit dem Vorteil des niedrigen Preises, da in diesem Falle auch die Möglichkeit des "Mitnehmens auf Verdacht" besteht. Eine billige CD nimmt man auch mal mit, ohne sie genau zu kennen, oder sich zu 100% sicher zu sein - dieser Vorteil wird also (zugunsten des Verkäufers) zunichte gemacht.

Treue Fans schütteln den Kopf und Fragen sich "Ist der Junge übergeschnappt?" und lassen die CD entweder liegen, oder kaufen sie vollkommen überteuert.

Kleine Platten-/Musikläden können in dieser extremen Preisdrückerei nicht mehr mithalten, weil sie nicht die werbetechnischen Möglichkeiten haben, um die Allgemeinheit vom ECHTEN Preis der CDs zu informieren. Die altmodischen Plattenläden gehen also - Einer nach dem Anderen - über den Jordan, da die großen Ketten, durch ihre hohe Abnahmemenge ohnehin schon günstigere Einkaufspreise - aufgrund der Kundenrabatte - gemacht bekommen.

Denken wir dieses Szenario also allesamt konsequent zuende:

Die großen Ketten ringen sich im "Top 10-Kampf" nieder, die Preise der Indie-CDs steigen in's unermesslich. Erste Folge: Das Indie-Label als solches verschwindet, den "unbekannteren" Künstler wird die Basis zur Produktion ihrer Musik genommen.
Zweite Instanz: WOM, Saturn, Media Markt, etc. bringen sich in der Preisdrückerei auf ein derartig niedriges Niveau, dass es nicht mehr rentabel ist und die Preise auf einmal rapide ansteigen.
CDs werden dann wirklich teuer, Kunden werden hiervon abgeschreckt und die Musikindustrie fährt nicht nur niedrigere Gewinne, sondern horende Verluste ein.

Ein Endzeitszenario? Meint Ihr wirklich? Denkt lieber nochmal drüber nach!

Und dabei wollte ich an einem Samstagmittag doch nur eine CD kaufen gehen...

I_M_F
14.06.2004, 18:41
Das Elektronikartikel in dr Schwiz und im benochbarte Usland sehr dür sind isch bekannt. Finds au e Schweinerei das sich Grosskonzern üf chöschtä vo Chundä und chlinä Labels ä goldigi Nase verdienet.
Drum lueg i das i nit jedä fuck chauf (Xtina, Britney :rolleyes: :( ). Na ja, mir Konsumente oder Chlikünschtler chöne dodrgäge nit viel mache ussert ins Net goh (schad gits Napster nüm) oder wenn mä ä Fan vo öberem isch Cds glich chaufe.
M_F_G: I_M_F

rm
14.06.2004, 18:55
Naja, isch scho rächt e frächheit, bin au scho en berlin gsie und zum teil hets scho herti differenze.
Und wend si drufah schprichsch hends nöd mal d eier dir e richtigi antwort druf z ghä werum den das e so isch...

Urschk
14.06.2004, 19:54
Original geschrieben von Nils
[b]"MC Untergrund - XY"-EP

schlichwärbig?! :p tja, das isch haut business, spanends gebiet zum drinne schaffe, brucht nämlech no gribbs... :brille:

Early80s
14.06.2004, 20:03
Superbeitrag...sehr interessant

Der Preiskampf und der Fight ums Überleben und Gewinne nimmt immer komischere Formen an...Sehr traurig das Ganze...
Wundert mich wohin sich das ganze entwickeln wird...MP3 Prozesse,Legale Tauschbörsen...ect.

oli_mc
14.06.2004, 20:24
kann mich da nur anschliessen... sehr interessanter Beitrag.

Ja, ja, der Untergang der Musikindustrie, da kommt mir "Kake is at the Dampf" von den Beginnern in den Sinn:

"Denn in der Stadt war die übelste Straßenschlacht, weil die Musikindustrie grad massenhaft entlassen hat."

"Hauptsache es geht nicht um Demogelder und Signings. Denn er sei pleite wie Geier und CDs viel zu teuer und Platten machen das sei n‘ Spiel mit dem Feuer."

"Der Veranstalter rief an, alles ist gecancelt. Festivals und Touren, was auch für andere Bands gilt."

"Doch es kam viel krasser denn hunderte Engineers faselten irgendwas von wegen, dass dies das Ende wär. Und dann entsorgen sie mit bitterem Schmerz all ihr derbes Equipment, alles keinen Pfifferling wert."

Brain
14.06.2004, 22:19
1. vinyl chaufe

odr 2. chlini läde unterstütze (choscht vilicht e paar stutz me, aber wenns alli mache würde, würds sich lohne!)

PsyKez
15.06.2004, 17:32
ja schlussendlich fickts halt de "mc underground"...

musik tüür verchaufe isch wie männer is arsch ficke.
musik isch kunst und kunscht sött für möglichsscht all zuegänglich si !!!

PsyKez
16.06.2004, 17:12
ich will das downloade damit nid rechtfertige. ich ha nur das bild gse und denkt es passt ganz guet da ine
http://members.futureprojects.info/phonkie/ccc-runtergeladen.gif