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strikk
25.07.2005, 18:56
Ich kick mal part I bis III.

u.a.w.g.

:)

1. Wissen Sie in der Regel, was Sie hoffen?

2. Wie oft muss eine bestimmte Hoffnung (z.B. eine politische) sich nicht erfüllen, damit Sie die betroffene Hoffnunf aufgeben, und gelingt Ihnen dies, ohne sich sofort eine andere Hoffnung zu machen?

3. Beneiden Sie manchmal Tiere, die ohne Hoffnung auszukommen scheinen, z.B. Fische im Aquarium?

4. Wenn eine private Hoffnung sich endlich erfüllt hat: wie lange finden Sie in der Regel, es sei eine richtige Hoffnung gewesen, d.h. dass deren Erfüllung so viel bedeute, wie Sie jahrelang gemeint haben?

5. Welche Hoffnung haben Sie aufgegeben?

6. Wieviel Stunden im Tag oder wieviele Tage im Jahr genügt Ihnen die herabgesetzte Hoffnung: dass es wieder Frühling wird, dass die Kopfschmerzen verschwinden, dass etwas nie an den Tag kommt, dass Gäste aufbrechen etc.?

7. Kann Hass eine Hoffnung erzeugen?

8. Hoffen sie angesichts der Weltlage:
a. auf die Vernunft?
b. auf ein Wunder?
c. dass es weitergeht wie bisher?

9. Können Sie ohne Hoffnung denken?

10. Können Sie einen Menschen lieben, der früher oder später, weil er Sie zu kennen meint, wenig Hoffnung auf Sie setzt?

11. Was erfüllt Sie mit Hoffnung?
a. die Natur?
b. die Kunst?
c. die Wissenschaft?
d. die Geschichte der Menschheit?

12. Genügen Ihnen die privaten Hoffnungen?

13. Gesetzt den Fall, Sie unterscheiden zwischen Ihren eigenen Hoffnungen und den Hoffnungen, die andere (Eltern, Lehrer, Kameraden, Partner) auf Sie setzen: bedrückt es Sie mehr, wenn sich die ersteren oder wenn sich die letzteren nicht erfüllen?

14. Was erhoffen Sie sich von Reisen?

15. Wenn Sie jemand in einer unheilbaren Krankheit wissen: machen Sie ihm dann Hoffnungen, die Sie selber als Trug erkennen?

16. Was erwarten Sie im umgekehrten Fall?

17. Was bekräftigt Sie in ihrer persönlichen Hoffnung?
a. Zuspruch?
b. die Einsicht, welchen Fehler Sie gemacht haben?
c. Alkohol?
d. Ehrungen?
e. Glück im Spiel?
f. ein Horoskop?
g. dass sich jemand in Sie verliebt?

18. Gesetzt den Fall, Sie leben in der grossen Hoffnung ("dass der Mensch dem Menschen ein Helfer ist") unnd haben Freunde, die sich dieser Hoffnung nicht anschliessen können: verringert sich dadurch Ihre Freundschaft oder Ihre Hoffnung?

19. Wie verhalten Sie sich im umgekehrten Fall, d.h. wenn Sie die grosse Hoffnung des Freundes nicht teilen: fühlen Sie sich jedesmal, wenn er die Enttäuschung erlebt, klüger als der Enttäuschte?

20. Muss eine Hoffnung, damit Sie in ihrem Sinn denken und handeln, nach Ihrem menschlichen Ermessen erfüllbar sein?

21. Keine Revolution hat je die Hoffnung derer, die sie gemacht haben, vollkommen erfüllt; leiten Sie aus dieser Tatsache ab, dass die grosse Hoffnung lächerlich ist, dass Revolution sich erübrigt, dass nur der Hoffnungslose sich Enttäuschungen erspart usw., und was erhoffen Sie sich von solcher Ersparnis?

22. Hoffen Sie auf ein Jenseits?

23. Wonach richten Sie ihre täglichen Handlungen, Entscheidungen, Pläne, Überlegungen usw., wenn nicht nach einer genauen oder vagen Hoffnung?

24. Sind Sie schon einen Tag lang oder eine Stunde lang tatsächlich ohne jede Hoffnung gewesen, auch ohne die Hoffnung, dass alles einmal aufhört, wenigstens für Sie?

25. Wenn Sie einen Toten sehen: welche Hoffnungen kommen Ihnen belanglos vor, die unerfüllten oder die erfüllten?

(max frisch, tagebuch 1966-1971, suhrkamp)