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ill_uminate
25.10.2005, 14:52
KOSTENLOSE BEATS

Elektronisches aus Österreich

Von Felix Knoke

Der österreichische Radiosender FM4 macht Freunde von guter Musik jenseits des Mainstream glücklich. Auch im Netz ist der Sender seiner Zeit voraus: Schon seit fünf Jahren betreibt er ein Musikportal, auf dem Künstler ihre Musik veröffentlichen können - als MP3 und fürs Publikum gratis.

In Österreich ist die Welt noch gut. Da gibt es die Alpen, da gibt es Kaffeehäuser und ein günstiges Studium ohne Numerus Clausus. Und in Österreich gibt es einen Radiosender, der Musikfans aus dem benachbarten Ausland empört fragen lässt: Warum gibt's so etwas nicht auch bei uns? Der Radiosender heißt FM4 und ist das Jugendradio des österreichischen Rundfunks ORF.

Soundpark: Alternative zum Kampf um den Vertrag
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Soundpark: Alternative zum Kampf um den Vertrag
FM4 spielt Musik ohne Anbiederungsverdacht, spricht mit den Hörern auf Augenhöhe und hat sich seit dem Start vor fast elf Jahren zu einer Institution entwickelt. Und ganz nebenher entwickelt FM4 ein erfolgreiches Zusatzfeature nach dem anderen. Das FM4 Frequency-Festival zum Beispiel, oder den Literaturwettbewerb FM4 Wortlaut. Und eben auch den FM4 Soundpark, der am 26. Oktober - dem österreichischen Nationalfeiertag - sein fünfjähriges Bestehen feiert.

"Die Labellandschaft in Österreich ist nicht so gut. Wahrscheinlich deshalb haben wir all die Demotapes von labellosen Bands bekommen", sagt Clemens Fantur, einer der Soundpark-Verantwortlichen bei FM4. Um dem kreativen Potential eine alternative Plattform zu bieten, schuf man auf der FM4-Website den Soundpark. Musiker und Bands können dort ihre Musik veröffentlichen und mit Kollegen in Kontakt treten. Workshops, Remix-Wettbewerbe und Hilfestellungen aller Art sollen Musiker fördern, ihre Projekte voranzutreiben.

Radiosender FM4: Ohne Anbiederungsverdacht
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Radiosender FM4: Ohne Anbiederungsverdacht
Besonders gute Soundpark-Stücke schaffen es auch ins Radioprogramm. "Das ist ein großer Unterschied von uns zu anderen MP3-Websites. Airplay gibt's nur bei uns!" Fantur, selbst Musiker, kann so auch auf regelrechte Soundpark-Erfolgsgeschichten verweisen: Bands wie TNT Jackson, Garish oder Wedekind schafften es durch das Angebot ins Radio, auf Sampler - und unter anderem deshalb eben auch auf interessierte Labels.

Der Soundpark funktioniert, zeigt Musikern eine Alternative zum mühseligen Kampf um einen Plattenvertrag. 3600 Musiker haben sich bereits angemeldet, 15.000 Lieder, schätzt Fantur, stehen kostenlos auf den ORF-Servern. Mitmachen kann jeder, auch wenn die Registrierung wegen des großen Erfolgs schon mal ein paar Wochen dauern kann. Täglich gehen vier neue Stücke online, die auch auf der Startseite angekündigt werden. Per Podcast kann man sich diese Stücke auf den MP3-Player schicken lassen.

Ganz nebenbei löst der Soundpark ein Problem, das besonders in Deutschland hitzig diskutiert wurde: die Deutsch-Quote im Radio. Auf FM4 stammt, nicht zuletzt dank Soundpark, über ein Drittel der Musik von deutschsprachigen Musikern. Damit spielt FM4 zwar noch etwas weniger deutschsprachige Musik als der ORF-Schlagersender, aber deutlich mehr als das "Hitradio Ö3", das typische, erfolgreich-öde Formatradio. Aber wie klingt der Soundpark? Eine kleine Auswahl, a walk in the soundpark...

Ratzfatz - Auf Indien mias ma hin

Nur ein Spaß, aber ein gut gelunger ist die Ethnopop-Parodie "Auf Indien mias ma hin" der Studiobesitzer Ratzfatz. Österreichische Mundart trifft auf Ethno-Kitsch, perfekt inszeniert und professionell produziert - großer Spaß!

TNT Jackson - Ratterbit

Sie selbst sagen, kleinbuchstabig: "als die drei boys von tnt jackson des gegenseitigen haareschneidens und modetratschens müde wurden, war man von der idee seinen persönlichen status durch musikmachen aufzuwerten, begeistert. mit dem bandnamen tritt man in die reihe mit anderen großen familienmitgliedern wie cindy, michael und der gleichnamigen martial-arts heldin aus den 7Ts. musikalisch gilt: jeder spielt alles respektive was er will, hauptsache rotzig kommt das teil." Und rotzig ist Ratterbit allemal.

Bodhii - Days to Come

Akkustisch und verträumt, schöner Sommerstrand und Cocktail - wer Jack Johnson sagt, fliegt raus aus der Strandburg! Auch der Soundpark fand Bodhii mit Days to Come so gut, dass er fürs Soundpark Remastering ausgewählt wurde. Rudi Ortner von FM4 nahm sich zusammen mit dem Künstler des Songs an und polierte ihn mit professionellem Sound-Equipment und einem echten Piano auf. Markus 'Bodhii' Brandstetter hat mittlerweile seine Debut-EP herausgebracht, auf dem auch andere Perlen (z.B. Summer State of Mind) aus dem Soundpark zu hören sind.

Civil Noise Pollution - Disarm

"The Killer in me is the killer in you" - unsterblich, die von Billy Corgan herausgeschmachteten Zeilen aus dem Smashing-Pumkins-Hit. Und oh Wunder, Civil Noise Pollution haben in ihrer höchst melancholischen Electropop-Version tatsächlich noch etwas Neues aus "Disarm" herausholen können.

Konsorten™ - Am Freitag

Was den Hamburgern "Kid Alex" ist, sind den Wienern die "Konsorten™": abseits von Genretunneln, irgendwo zwischen Electropop, Disco und Breakbeats. Mit "Lang Auf" gelang ihnen sogar ein veritabler Hit - doch der bekommt mit "Am Freitag" einen zweiten Discohammer zur Seite gestellt: Supercheesy Fistelchor, bratzige Synthies und die unschlagbare Zeile "Am Freitag hab ich mein Mädchen verlor'n - an ein Techno-Sound-System".

Garish - Soundpark Studio 2 Sessions - Draussen fischt im Eis

Weitaus ernster und besonnener als die "Konsorten™" gehen da Garish ans Werk. Die haben zwar eine Plattenfirma und touren auch kräftig durch den deutschsprachigen Raum - dem Ruf zur zweiten Soundpark Studio 2-Session wollten sie sich dann aber doch nicht widersetzen. Stefan Trischler, auch Soundpark-Verantwortlicher bei FM4: "Wir laden Bands ein, ihre Songs bei uns im großen Rundfunkstudio vor Publikum neu einzuspielen, idealerweise in etwas anderer Form, das heißt in reduzierter (das Unwort ungeplugged) oder erweiterter (Streicher, Percussions...) Besetzung. Diese Sessions werden dann in voller Länge ausgestrahlt und ausgewählte Songs gibts als MP3-Compilation." Ein Beispiel dafür ist "Draußen fischt im Eis".

Demograffics - Devotion

Der Soundpark kann auch HipHop. Um genau zu sein: richtig viel HipHop. Fast 450 HipHop-Künstler sind gelistet. Eine der Crews: Demograffics, eine deutsch-amerikanische Kooperation, deren tighter Track "Devotion" unter anderem deshalb so professionell klingt, weil's eben Profis sind.

Einige, vor allem in Österreich etablierte Bands nutzen den Soundpark als zusätzliche Promo-Plattform. Sind aber auch selbst aktiv, kommentieren andere Songs und bieten eigenes Material zum Remix an. "Die Künstler haben alle ein enormes Vertrauen in uns und die anderen User", meint Fantur. "Vielleicht ist ja genau das, was den Soundpark und FM4 ausmacht: die wissen, dass ihre Musik bei uns in guten Händen ist."

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http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,381399,00.html