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emm
04.06.2009, 10:50
Es ist Zeit für die Welt bewegende Prosa, meine Damen und Herren. Nachdem ich es in letzter Zeit relativ ruhig habe angehen lassen in Sachen grossartigen Bloggings, komme ich heute zurück wie*Röhrchenjeans*vor ein, zwei Jahren und Savas auf jedem Album. Und für meine 25 offiziellen Leser*warte ich mal wieder*auf mit allem, was das Herz begehrt, nämlich (nein, nicht mit Hass!) einer grossartigen Story, grossartig verfasst und verpackt, quasi wie eine, ähem, Tänzerin in der Polterabendstorte. Jedenfalls muss ich Ihnen folgende Geschichte erzählen, die sich gestern abend ereignet hat und die natürlich wahr ist. Los geht’s:

- Wie bei jedem Mensch auf der Erde ist es auch bei mir langsam Zeit für die Sommerfigur. Sie kennen es ja: Zuviele schöne Abende mit Chips, Mövenpick-Glacé und einem Mädchen im Arm auf der Couch (was kann ich dafür, wenn der Horsewhisperer endlich im Free-TV kommt?!?), zu viele ebenso schöne Abende mit den Jungs im Weissen Schaf, zu viele schöne Abende mit Hands Solo in irgendwelchen Zürcher Clubs, haben der Modellfigur des kleinen Rappers arg zugesetzt. Ich meine, Echtrede, in letzter Zeit habe ich mich figurmässig gefühlt wie der Bulle von Tölz in fett, nur nicht ganz so berühmt. Ergo: Abhilfe tat Not. Also ging ich in die alte Muckibude, mal wieder.

- Dort angekommen musste ich aber feststellen, dass ich in Sachen Cardio wenig Auswahl hatte: die verdammten Laufbänder waren besetzt, 99% der anderen Ausdauer-Geräte ebenfalls. Ich hatte die Wahl zwischen dem (oberschwulen) Stepper (schon beim Schreiben kriege ich Krämpfe!) und dem verhältnismässig heterosexuellen Fahrrad. Klar, Toni Rominger steht trotz (oder gerade wegen) der guten alten Francine

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nicht gerade unbedingt für gemischtgeschlechtliche Liebe, aber es ist alleweil besser als die Alternative. Emmster steigt also aufs Rad und kurbelt los, imitiert dabei wacker die Hans-Jucker-Stimme, nennt sich selber Piotr Ugrumov,

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kündigt Angriffe “aus dem Feld” an, schart Wasserträger um sich und bezeichnet sich verständlicherweise als sympathischen Weissrussen.* Was man halt so tut.

- Voller Hass Vorfreude für die nächsten 45 Minuten checke ich meinen legendär gut bestückten (no pun intended) iPod Touch nach hervorragender Musik. Es ist völlig klar, dass ich auf dem Fahrrad nicht irgendwelchen behinderten*90er HipHop (am besten was mit Message, LOL!) hören kann, da die Scheisse ganz einfach zu langsam ist. (Sidenote: 90er Hip Hop ist irgendwie immer zu langsam, nicht nur auf dem Fahrrad. Muss ich mir unbedingt mit Tag-Stift auf meinen Rucksack schreiben.) Ich gucke also mal, was ich da so an Mixshows mit mir führe, und*da ich den Dat-Cheese-Mix (http://dacockpit.blogspot.com/2008/07/dat-cheese.html)*vom alten (”thirty is the new twenty“? I don’t think!)*Hands Solo schon so oft gehört habe, dass ich von meiner 30-GB-Harddisk nur noch 15 gebrauchen kann, weil’s an dieser einen Stelle ein Loch in die Platte gebrannt hat, krame ich weiter durch die Crates und finde (ja, genau!) die Prooflistening-Version vom in Bälde (am 22.6. für Euch Agendafetischisten!) erscheinenden LUX- Uptempo Urban Soul Mix. Gut genug für die jetzige Gelegenheit, denke ich mir, schalte also um und*melde meinen*Wasserträgern, ich brauche Windschatten, ich sei bereit, “ein oder zwei Kränze” nach oben zu schalten. Sie sagen: Okay, Piotr. Ich sage:

- Ich wollte eigentlich gleichmässig in die Pedalen treten. Die Mashups in meinem Ohr aber zwingen mich zur Beschleunigung. Nirvana kombiniert mit irgendwas, und das nach gefühlten 30 Sekunden des Mixes. Ich stelle fest: okay, hier geht’s ab, und frage meinen Mannschaftsarzt nach*einer Möglichkeit*zu ambulatem Blutdoping.

- Langsam aber sicher kriegen es die Leute um mich mit der Angst zu tun:*es laufen*Dave Guetta und der alte Flo Rida, der Emm kurbelt inzwischen mit über 100 km/h durch die Muckibude, die anwesenden Leute haben längst mit dem Training aufgehört und gucken nur noch verstört rüber, was dieser sympathische Weissrusse mit seinem Fahrrad anzustellen gedenkt. Der Hometrainer hüpft im Kreis, meine Radfahrergesten stossen grösstenteils auf Unverständnis, mein Wasserverlust gibt Zinédine Zidane einen Lauf für sein Geld. Aber: Keine Zeit für Ästhetik, ich muss hier*eine Tour*gewinnen.

- Wir kommen in die Bergetappe. Beruhigend: Eric Prydz ist auch im Mix drin. Ich steige aus den Pedalen und schwinge mich hoch zur Alpe d’Huez, das ganze schneller als Marco Pantani in seinen feuchten Träumen. Die beiden Schwestern auf Moto 1 kommen kaum mehr mit, sie filmen aus inzwischen 30 Metern Distanz, Jucker am Mikrofon kriegt Keuchhusten und trägt eine Halberregung mit sich herum, so schnell bin ich unterwegs. Dass ich daneben noch Zeit finde, mit den mir immer wieder in den Weg springenden Zuschauern einen kurzen Schwatz zu führen, spricht für mein Lungenvolumen.***

- Oben angekommen. Bergpreis. Bjarne Riis, was geht? Wo bist Du, Miguel Indurain?*Zabel,*Du blöde Sau, Dir nehme ich heute das grüne Trikot weg. *Jetzt schnelle Abfahrt. Dazu muss gutes Dope her. Move Shake Drop von und mit Pitbull, Yves La motherfucking Rock und Bob Sinclair bringen mich nahe an die Schallmauer. Ich nehme die Kurven*so, wie ich die Pussycat Dolls nehmen würde (genau, zwei auf einmal, LMFAO!)*und headbange dazu schlimmer als die Kiddies an dem CNN-Konzert im Dynamo, an dem ich Vorgruppe war. Das KANN gar nicht gut enden. Mein Fitness-Fahrrad raucht inzwischen. Also,*nicht Kents oder so, sondern vom Treten.*

- Ich beschleunige wie ein Affe*auf den Geraden in den Serpentinabschnitten*der südfranzösischen Alpen (Sidenote: wie kann man sich*solche Ausdrücke überhaupt merken? Ich gucke zu viel fern. Naja, wenigstens nicht Gossip Girl!) und merke, wie ich auf wundersame Art und Weise nicht mehr schneller werde. Das kann*nicht sein, denke ich mir, und versuche,*trotz allem noch einen Zahn zuzulegen. Ich windmühle wie ein Blinder herum, dann kommen Edwin Bird und Missy Elliott**um die Ecke, auch das noch, der Mash ist so krass und so gut und so sexy und so UNERREICHT IN DIESEM LAND, dass ich die Zähne zusammenbeisse. Der Schweiss läuft von der Stirn, zum Glück trage ich ein Stirnband von der Raiffeisenbank,*da bin ich froh, das hilft und ist nebenbei total finanzkrisenverträglich, ich hole mir aus dem Mannschaftswagen neue isotonische Getränke, stehe auf und beschleunige ein letztes Mal.

- Es passiert: ein lauter Knall. Ich habe die Schallmauer durchbrochen*so*fest in die Pedale getreten, dass ich durch die Erhitzung*des Hometrainers die Bodenplatten des Fitnessstudios durchbrannt habe.*Gedanklich immer noch in der Abfahrt von der Alpe d’Huez, bemerkte ich, dass*ich in neuer, wenig vertrauter Umgebung gelandet bin, nämlich einen Stock tiefer. In der Damendusche. Nach dem Damenfussballtraining oder so, offensichtlich. Grosses Gezeter und Mordio, ich sitze auf dem Fahrrad, Gesichtsfarbe wie damals Iccordo (rechts im Bild)

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bei Viktors Spätprogramm (ja, genau, Dr. Tomato), ich werde von drei Kampflesben aufgebrachten Sport- und-Psycho-im-Nebenfach-Studentinnen vom*Hometrainer gezerrt, windelweich geprügelt, mit den Ausdrücken Lustmolch, Sexgrüsel und Haschisch-Jesus (warum das denn?) bedacht und vor den Rektor der Uni zitiert. Der entlässt mich gleich, erhebt ausserdem Klage und wettert mir hinterher, ich sei das grösste Schwein seit der Erfindung des Schweines. Was geht, R. Kelly.

- Wrap-Up: Okay, natürlich ist das*so alles gar nicht wahr. Ich war nicht in der Damendusche. Ich war nicht mal auf dem Fahrrad. Herrje, ich habe nicht mal zugenommen sondern bin still luxuskörpering it up big time. Ausserdem gehe ich jetzt eher joggen, da das Wetter gut ist. Aber wenn ich vom Joggen zurückkehre, dann - das können Sie mir glauben - sehe ich tatsächlich aus wie Dr. Tomato. Und schuld, und auch das stimmt, ist tatsächlich der LUX - Uptempo Urban Soul Mix, denn das Ding ist so catchy und uptempo und so treibend, dass ich letztes Mal bei einem Langstreckenlauf den Pass zeigen musste, weil ich aus Versehen bis zur Staatsgrenze gelaufen*bin. Deshalb, meine Damen und Herren: bereiten Sie sich vor, sowas haben Sie noch nie gehört. Und vergessen sie nciht:*Sie kriegen das alles gratis. Also seien Sie wenigstens dankbar*und verbreiten Sie das Ding anständig. Nicht so halblächerlich wie die Schweinegrippe.

Wir danken.

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Original Ansicht des Artikels (http://www.renne.ch/archives/1343)