Jurassic 5: „Noch immer hier zu sein ist ein Segen“ (Interview)

Jurassic 5_LogoNächstes Jahr ist es tatsächlich schon zehn Jahre her seit das letzte Jurassic 5 Album „Feedback“ erschienen ist. Ein Jahr später, also 2007, gaben sie dann die Trennung bekannt. Sechs Jahre sollte es dauern bis sich die Gruppe wieder zusammentat und zwar inklusive DJ Cut Chemist, der die Crew bereits früher verlassen hatte. Die Fans waren natürlich begeistert und dies sicherlich auch, weil die Trennung nicht gerade zu einer Flut von Soloreleases führte. Mit Abstand am aktivsten war Chali 2Na, DJ Nu-Mark war ebenfalls an einigen Projekten beteiligt so zum Beispiel seinem Album mit Slimkid3 von Pharcyde. Die Solokarriere von Cut Chemist stockte hingegen, Akil war einzig hier und dort als Gast zu hören und dass sich Zaakir aka Soup und Marc 7 zu der Crew Portable Payback zusammentaten verpassten wohl auch die meisten J5-Anhänger. Wer nach der Reunion auf viel neues Material gehofft hatte wurde enttäuscht. Der im Mai 2014 releaste Track „The Way We Do It“ (auf einem Beat von Heavy D) bildet die einzige Ausnahme. Ansonsten konnte man sich einzig an den, auch nach vielen Jahren Pause, noch immer grossartigen Live-Qualitäten der Band erfreuen. Herauszufinden ob sich dies bald ändert war einer der Gründe, wieso wir uns beim Royal Arena Festival mit Chali 2Na und Akil zum Interview trafen.

„Taking 4 emcees and make them sound like 1“ ist der Slogan von Jurassic 5. War diese Chemie nach sechs Jahren sofort wieder da oder hat es viele Proben gebraucht?
Chali 2na: Es hat sich ein bisschen wie zwei angehört. Nein ich mache nur Spass. Ehrlich gesagt war es wie beim Fahrradfahren – du vergisst nicht wie es geht auch wenn du es viele Jahre nicht gemacht hast. Wir trafen uns zur ersten Probe, die vielleicht fünf Tage dauerte, und die Chemie war nach zwei Tagen bereits wieder da. Wir gingen die Show mehrere Male durch und ab dem zweiten Tag hat es wieder gepasst wie früher. Wir können dies wirklich mit geschlossenen Augen im Autopiloten-Modus. Was nun aber hinzukommt ist, dass jeder von uns seine eigenen Erfahrungen gesammelt hat, die er mit einfliessen lässt. Kleine Dinge, welche die Show bereichern.

Jay Z hatte einst eine Liste seiner besten Alben aufgestellt. Wenn ihr dies mit euren vier Releases machen müsstet, wie würde dies aussehen?
Akil: Ich würde sagen „Power In Numbers“ stände zuoberst dann „Quality Control“ und schliesslich „Feedback“. Nun habe ich aber natürlich die EP vergessen.
C: Sorry wenn ich dich unterbreche aber ich würde es so formulieren. Die natürliche Progression, die man auf unseren Alben zu hören bekommt, gibt das Ranking eigentlich vor. Zuoberst auf der Liste würde ich daher die EP setzen aufgrund all dem was wir bis zu diesem Punkt investieren mussten und was die „Jurassic 5 EP“ uns danach alles ermöglicht hat. Eigentlich machten wir nur vier, fünf Songs zusammen, daraus ergab sich dann der Vertriebsdeal in England und darauf basiert alles, wofür J5 heute steht. Von diesem Punkt aus wurden die Alben immer besser bis wir uns dann für diese Pause entschieden (lacht).

Eure erste Single „Unified Rebelution“ ist vor genau 20 Jahren erschienen. Hättet ihr jemals gedacht 20 Jahre später noch immer als Gruppe am Start zu sein?
A: Wir haben damals sicherlich keine Prognosen von uns gegeben. Erstmal hofft man, dass man 20 Jahre später noch am Leben ist. Dass wir die Chance haben noch immer hier zu sein ist ein Segen und wir nehmen es einfach wie es kommt. Wir können dankbar sein denn es gibt so viele Gruppen die gekommen und wieder gegangen sind. Selbst in der Zeit in der wir weg waren kamen Gruppen auf und verschwanden wieder. Wir haben das Glück sechs Jahre von der Bildfläche zu verschwinden und jetzt zurück zu sein als Headliner.Jurassic 5_2015

Wenn wir gerade von Gruppen sprechen: Kürzlich las ich einen interessanten Artikel in welchem es darum ging, dass die erfolgreichen Musiker heutzutage zu einem grossen Teil Solokünstler sind. Auch im Rap sind die momentan bekanntesten Protagonisten Soloacts und wenn es noch Gruppen gibt dann sehr selten, so wie bei euch, mit DJ. Denkt ihr, dass auch im HipHop die Crews aussterben könnten?
C: Wir machen uns über dies auch schon eine Weile Gedanken. Kürzlich sprach ich mit Chuck D ebenfalls über dieses Thema und er war auch der Meinung, es gäbe immer weniger Crews. Vielleicht irre ich mich aber ich denke es kommt zurück beginnend damit, dass sich Leute für gemeinsame Alben zusammentun. Vielleicht ist es nur für ein Album aber sie arbeiten zusammen.
A: Vielleicht wird der N.W.A. Film auch etwas auslösen. Heute gibt es eher lose Gruppierungen oder Labelmates, die sich für Compilations zusammentun. Aber es ist schon etwas anderes ein Teil eines Kollektivs oder einer wirklichen Gruppe zu sein. Auch wenn es Duos sind wie Eric B. & Rakim oder Premo und Guru, bei denen es nur einen Rapper gab, sind es trotzdem Gruppen. Und dann gibt es natürlich Beispiele wie uns, Run DMC oder die Fat Boys. Wie du richtig sagst verschwindet dies immer mehr und ich sehe das als ein Spiegelbild der Welt, in welcher viele sehr Ichbezogen sind.
C: Du hast vollkommen recht, die Technologie macht dich zu einem Solisten.
A: Es ist überall so: in der Gesellschaft, der Musik oder auch im Sport. Wir sprachen früher von den Lakers oder den Bulls, heute sind es LeBron oder Kobe (Anm.: LeBron James und Kobe Bryant). Dies zeigt doch wie es um die Harmonie auf dieser Welt bestellt ist!

Seit eurer Rückkehr habt ihr viel Zeit zusammen auf der Bühne verbracht, wart ihr aber auch öfters zusammen im Studio? Ausser „The Way We Do It“ ist bislang ja noch nichts erschienen…
C: Nun, wir sind nicht unbedingt der Meinung uns dazu äussern zu müssen (lacht). Vieles ist am Laufen und wir überlegen uns genau was wir als Nächstes tun sollen. So Gott will werdet ihr die Früchte dieser Arbeit bald zu hören bekommen. Das ist das einzige was ich wirklich sagen kann.
A: Es bringt nichts einfach etwas zu releasen nur damit man etwas veröffentlicht hat. Wie die Leute die Musik konsumieren ist nicht mehr so wie vor zehn Jahren. Wann warst du das letzte Mal in einem CD-Laden?

Das kommt schon gelegentlich vor denn ich kaufe noch CD’s oder Vinyl. Aber zugegeben häufig online.
A: Die meisten Leute machen nicht mal das sondern laden es sich herunter. Heute ist es viel weniger greifbar wie man die Konsumenten erreichen kann und wo diese ihre Musik beziehen. Wir müssen also sehr strategisch vorgehen wenn wir wieder etwas rausgeben wollen. Es nützt nichts einfach etwas zu releasen und dann zu hoffen, die Leute würden irgendwie davon erfahren. Wenn du einen Song ins Netz stellst hat das eine Haltbarkeit von zwei Tagen und bald ist es vergessen, weil es eben nicht greifbar ist wie eine Platte oder eine CD.

Interview: Fabian Merlo

French Montana: „Lose It“-Video mit Rick Ross & Lil Wayne

French Montana spannt uns mit seinem kommenden Werk „Mac & Cheese: The Album“ gehörig auf die Folter. Mit der Veröffentlichung der prominent besetzten Single „Lose It“ sollte der Weg nun aber geebnet sein. Dieser wurde produziert von Kanye West während Rick Ross und Lil Wayne als Gäste zu hören sind.

Nun ist das Video zu diesem Blockbuster-Song erschienen und in bester Gucci Mane Manier drehen sie in diesem richtig schön durch

Wann „Mac & Cheese: The Album“ erscheinen wird ist jedoch weiterhin nicht bekannt.

Silla: Das Video zum Mammutmix von „Die Letzten ihrer Art“

Auch wenn in Deutschland ständig irgendwelche Beefs am laufen sind wird auch gerne immer wieder Unity symbolisiert zum Beispiel mit sogenannten Mammutmixes, wo dann halb Rap-Deutschland auf einem Song zu hören ist.

Einen solchen hat nun auch Silla veröffentlicht und zwar zu dem Song „Die Letzten ihrer Art“, ein Song der auf seinem diesen Freitag erscheinenden Album „Vom Alk zum Hulk“ zu finden sein wird.

Neben Silla sind auf dem Beat von Menju auch Lakmann, BOZ, Crackaveli, Said, Basstard, Amar, RLS, RAF Camora, MoTrip, JoKa, King Orgasmus One, Herzog, B-Tight, Blokkmonsta, Credibil, Solo (439), Blut&Kasse, Instinkt, Bizzy Montana, Hayat & Matondo zu hören. Auch wenn es wohl einer organisatorischen Meisterleistung bedurfte ist es gelungen alle Beteiligten auch für ein Video zu gewinnen.

20syl: „Ich brauche die Kontrolle um kreativ zu sein“ (Interview)

20sylGut möglich, dass der Name 20syl auch heute noch vielen kein Begriff ist. Dabei hatte er massgeblichen Einfluss auf – ich behaupte das jetzt einfach mal – einige der besten europäischen Alben der letzten zehn Jahre. Seine ersten Releases hatte der Kreativkopf aus dem französischen Nantes als Rapper und musikalischer Kopf der Live-Rap-Band Hocus Pocus. Ihre drei Alben „73 Touches“, „Place 54“ und „16 Pièces“ hatten einen ganz anderen Sound als man es sich ansonsten aus Frankreich gewöhnt ist und überzeugten mit so viel Soul und Funk, wie man es sonst in Europa nur selten zu hören bekommt. Mit ihren fantastischen Liveshows überwanden sie ausserdem mühelos jegliche Landes- und Sprachgrenzen. Nach den unzähligen Konzerten mit Hocus Pocus war es dann an der Zeit für das erste Album mit C2C. Als Teil dieser DJ-Crew war 20syl vier Jahre in Folge zum DMC-Weltmeister gekürt worden und 2006 kam auch noch ein ITF-Titel dazu. Mit ihrem Album „Tetr4“ gelang es ihnen Turntableism auf eine musikalische Ebene zu befördern, die sich sogar als überaus radiotauglich herausstellen sollte. Wiederum folgten zahllose grossartige Liveshows. Parallel zum internationalen Erfolg mit C2C begann er über Soundcloud immer mehr Remixes zu veröffentlichen. Aus dem Teamplayer 20syl wurde ein Solokünstler. Verständlich hatte er doch bereits seinen beiden Crews massgeblich den musikalischen Stempel aufgedrückt. Seine Remixes fanden ebenfalls weltweit Anklang, so dass immer mehr US-Blogs über seine Musik zu berichten begannen. Mit den beiden EP’s „Motifs“ und „Motifs II“, auf denen er unter anderem mit Oddisee und Fashawn arbeitete, konnte er sich endgültig als Produzent etablieren. Als Rapper bekam man das Multitalent nur noch selten zu hören, so zum Beispiel auf Shuko’s Album „For The Love Of It“ auf zwei Songs an der Seite von C.L. Smooth respektive Evidence. Auch wenn 20syl das selber wohl nie so direkt formulieren würde, nun ist die Zeit gekommen wo er sich seiner eigenen Karriere widmet damit die Welt endlich Notiz nimmt von einem der besten und vielseitigsten Producer der letzten Jahre. Ob dies mit einem eigenen Album oder Produktionen für andere Künstler geschehen wird, wollte der ruhige Franzose beim Gespräch in Frauenfeld noch nicht wirklich verraten. Schlussendlich kann es aber eigentlich nur eine Frage der Zeit sein bis 20syl in der obersten Produzenten-Liga ankommt. Kendrick Lamar kann er auf alle Fälle schon zu seinen Fans zählen.

Auf deinem Youtube-Kanal gibt es ein sieben Jahre altes Beatmaking-Video. In diesem sieht man, wie du zwar schon verschiedene Instrumente verwendest, schlussendlich aber alles mit der MPC einspielst. Inwiefern hat sich dein Art zu Produzieren seither verändert?
Unterdessen verwende ich die MPC nicht mehr oder nur noch sehr sporadisch. Grundsätzlich arbeite ich nur noch mit dem Computer und Software. Ich verwende aber immer noch viele richtige Instrumente wie Fender Rhodes oder Drums. Es ist mittlerweile so einfach mit der Software Samples zu choppen, dass die MPC im Vergleich sehr Old School wirkt und ich war auch nie der Meinung, die MPC habe einen speziellen Sound höchsten vom Groove her. Wenn du weisst welchen Sound du willst, kannst du ihn auch mit der Software kreieren. Ich vermisse die MPC also nicht wirklich.

Arbeitest du aber weiterhin so, dass du die Instrumente, die du einspielst, zuerst choppst und dann neu einspielst?
Das schon nur geschieht dies mittlerweile über das Keyboard oder den Controler. Da ich nicht jedes Instrument wirklich gut beherrsche, spiele ich vieles ein und zerschnipple es dann in kleine Teile, die ich dann im Computer bearbeite.

Wenn jemand dich als musikalischer Kopf von Hocus Pocus kennt aber nicht weiss, dass du Teil von C2C bist, ist er womöglich überrascht über den Sound deiner neuen Projekte. Bist du einverstanden wenn ich behaupte, dass die Sachen auf den „Motifs“-EP’s näher bei C2C als bei Hocus Pocus sind?
Ich bin mir nicht sicher. Es ist wohl eher ein guter Mix zwischen beiden Bands. Ich würde sagen meine Erfahrungen mit Hocus Pocus treffen auf die Einflüsse von C2C. Wenn mich jemand nur für meine Arbeit mit Hocus Pocus kennt ist der gestiegene elektronische Einfluss vielleicht verwirrend. Für mich ist es wichtig mich zu entwickeln, ich kann nicht für immer Rhodes über Drums einspielen. Es ist mir wichtig zu experimentieren.

Für mich ist es sehr schwer herauszuhören was auf den neuen Produktionen eingespielt ist und was auf Samples basiert. Wie ist das Verhältnis ungefähr?
Es ist das Konzept von „Motifs“, dass die Leute sich fragen, was nun eingespielt und was gesampled ist. Ich versuche stets eine Balance zwischen beiden Seiten zu finden, ebenso zwischen elektronischen Elementen und organischen. Ich will diese beiden Welten zusammenbringen.

Jetzt haben wir bislang nur über die Produktion gesprochen du bist aber auch Rapper und DJ, du machst die Artworks und drehst auch noch Videos. Irre ich mich oder ist 20syl ein Kontrollfreak?
(lacht) Das ist nun das dritte Interview in welchem ich das höre. Aber ja, so bin ich wohl. Ich brauche es die Kontrolle zu haben und kreativ zu sein. So arbeite ich und auf diese Weise finde ich die nötige Balance in meinem Leben. Ich wache am Morgen auf mit dem Ziel etwas Neues zu kreieren. Am einen Tag ist es Musik an einem anderen etwas Grafisches. Ich muss alle diese verschiedenen Dinge ausprobieren um die richtige Balance zu finden. Das mag manchmal schwierig sein für die Leute mit denen ich arbeite, da ich in alle Aspekte involviert sein will, aber ich denke so funktioniert es für mich am besten.

Auf der aktuellen EP „Motifs II“ hast du nun einen weiteren kreativen Aspekt hinzugefügt man hört dich nämlich auch Singen. Hast du diesbezüglich Ambitionen oder betrachtest du das eher als ein zusätzliches Instrument für deine Tracks?
Schwer zu sagen, denn es ist nicht wirklich kalkuliert, es geschieht einfach spontan. Ich versuche aus und probiere das, was ich das Gefühl habe es könnte passen. Erst habe ich die Vocals nur als Platzhalter aufgenommen mit dem Gedanken, ein Gast könnte dies dann übernehmen. Doch irgendwann kam ich an den Punkt wo ich für mich befand, dass es so funktioniert und keine Features nötig sind. Es ist sehr natürlich geschehen, ohne dass ich es geplant hätte. Generell habe ich sehr frei an den EP’s gearbeitet. Es ist nicht wie ein Album mit welchem man eine komplette Geschichte erzählen will. Die EP’s sind mehr eine Ansammlung von Songs, die ich über die Zeit produziert habe und die ich dann zu einem Projekt bündle. Es kann sechs Monate oder zwei Jahre dauern, vielleicht produziere ich 100 Tracks und release nur fünf davon. Doch dieses Mal war es mir wichtig schnell wieder etwas draussen zu haben.

Wie gesagt bist du in vielerlei Hinsicht ein sehr kreativer Mensch. Gibt es etwas im kreativen Bereich das du nicht kannst aber gerne beherrschen würdest?
Sehr, sehr viele Dinge. Zum Beispiel im Videobereich oder auch in Sachen Videogames. Jeden Tag schaue ich mir Video über neue Technologien an um neue Sachen zu lernen und auszuprobieren. Schlussendlich versuche ich mich aber auf die Musik zu fokussieren, das gibt auch schon genügend zu tun.

Du hast nun wie erwähnt die zwei „Motifs“-EP’s veröffentlicht. Nun wäre es doch eigentlich an der Zeit für ein Album?
Ich weiss es noch nicht. Es gibt viele verschiedene Projekte an denen ich arbeite. So zum Beispiel ein Rap-Album gemeinsam mit Mr. J. Medeiros von The Procussions. Er rappt und ich produziere die ganze Musik. Im Moment haben wir 10 Songs fertig und diesen Monat werden wir die nächsten aufnehmen. Gut möglich, dass es erst nächstes Jahr erscheinen wird aber bis jetzt klingt es schon sehr vielversprechend und wir haben sehr viel Spass bei der Produktion.

Mal angenommen irgendwann kommt trotzdem ein Album von 20syl was würde es werden? Ein Produceralbum oder würde man dich auch als Rapper zu hören bekommen?
Ich denke nicht, dass man mich als Rapper hören würde. Das ist reserviert für Hocus Pocus. Es wäre wohl ein sehr musikalisches Album mit ganz unterschiedlichen Inspirationen. Aber wohl kaum ein Produzentenalbum wie man es im HipHop kennt wo ein Beatmaker ganz viele Gäste ins Boot holt. Es wäre wohl eher das Album eines Musikers wie zum Beispiel ein Flying Lotus es macht.

Mit C2C hast du in den USA gespielt und zuletzt haben viele internationale Blogs deine Musik aufgegriffen. Würdest du mit diesem Album auch versuchen die USA ins Visier zu nehmen?
Das ist eine Frage die ich mir ebenfalls stelle. Momentan ist es so, dass meine Community auf den sozialen Netzwerken in den USA grösser ist als in Frankreich primär wegen meinen Remixes. Diese Leute kennen weder Hocus Pocus noch C2C was sich ziemlich komisch anfühlt. Sie nennen mich auch Twenty-syl (lacht). Ich habe aber noch keinen fixen Plan, ich mach einfach Musik und schaue was als nächstes geschieht. Ein Album ist momentan nicht geplant aber vielleicht werde ich eine Liveshow auf die Beine stellen. Ich arbeite an einem experimentellen Projekt mit einer interaktiven Skateboardrampe, welches der Grundstein für eine Liveshow sein könnte.

Kürzlich hast du auf Twitter die Geschichte erzählt wie du Kendrick Lamar treffen und ihm Beats vorspielen konntest. Kannst du die für uns nochmals wiedergeben?
Kendrick war in Paris für Promo und für einen Videodreh. Sein Label rief mich an und fragte ob ich für ihn als DJ in einem Club auftreten und dabei meine Beats spielen könnte. Offenbar mag er was ich mache und wollte auf meinen Beats rappen. Natürlich sagte ich zu und ging zu dem Club wo wir uns trafen. Ich spielte fünf Beats für ihn und er rappte darüber. Nach der Show war er dann aber leider schnell verschwunden. Leider hatte ich keine Zeit mich länger mit ihm zu unterhalten da er mitten im Videodreh war und nur kurz in den Club kam für das Showcase.

Er kannte also deinen „Sing That Shit Remix“?
Offenbar, das Label hat mir das so mitgeteilt.

Du hast ja in den letzten Jahren zahlreiche Remixes von sehr unterschiedlichen Künstlern angefertigt. Was ist deine Motivation aus bestehenden Songs etwas Neues zu erschaffen?
Für mich ist es wie eine Übung, mein Beatmaker-Training. Manchmal höre ich einen Song im Radio oder im Internet der mich inspiriert. Ich habe sogleich eine Idee und versuche sie aus. Als Beispiel der Remix von ScHoolboy Q: Ich habe mir MTV Rap Fix angeschaut und hörte seinen Freestyle. Ich habe das Video gerippt und daraus den Remix gebaut. Erst danach habe ich realisiert, dass dies ein Part von seinem Album war, welches dann schliesslich nach dem Remix veröffentlicht wurde. Für mich ist es wie ein Spiel und auch die Möglichkeit, den musikalischen Horizont zu erweitern wenn ich beispielsweise King Krule oder Rihanna remixe, was nicht wirklich die Musik ist, die ich mir normalerweise anhöre. Durch meine Remixes bringe ich sie in mein Universum.

Es geht also mehr um die Herausforderung als darum, dass du den Song auch wirklich magst?
Ich mag vielleicht nicht den ganzen Song aber zumindest ein Teil davon inspiriert mich. Ich sehe es als Herausforderung und es muss auch stets sehr schnell gehen. Ich arbeite eine Stunde daran und danach stelle ich es ins Internet und schaue was geschieht.

Kürzlich veröffentlichte dein Label On and On Records eine Compilation mit unterschiedlichen Beatmakern. Wie siehst du die Instrumental- oder Beatscene aktuell?
Ich denke es ist grossartig, es gibt so viele talentierte Beatmaker da draussen und dies in jedem Land. Dank Soundcloud wird ihre Musik der Welt vorgestellt. Praktisch jeden Tag kann man neue Styles entdecken und das ist sehr inspirierend. Gleichzeitig versuche ich mein eigenes Ding zu machen und mich nicht zu sehr davon inspirieren zu lassen. Ich würde sagen die Beatscene ist die momentan kreativste Szene überhaupt.

Welches sind momentan deine Lieblingsproduzenten?
Ich würde sagen einige der Künstler auf der Compilation wie Tayreeb oder Monk aus Frankreich oder auch Mr. Carmack und Esta und alle anderen von Soulection. Natürlich auch etablierte Namen wie Flying Lotus oder auch DJ Premier, den wir zuvor gerade auf der Bühne gesehen haben.

Letzte Frage: Denkst du wird es jemals wieder ein Album von Hocus Pocus geben?
Ich denke schon. Wir müssen einfach den richtigen Weg finden. Zudem brauche ich genügend Ideen als Texter, den man darf nicht vergessen, dass ein Hocus Pocus Album für mich gleichbedeutend ist mit einem Soloalbum als Rapper. Das braucht viel Zeit und momentan liegt mein Fokus auf dem Produzieren. Wenn ich morgens aufwache habe ich nicht als erstes das Bedürfnis Raps zu schreiben. Aber ich muss jeden Tag Musik machen, momentan ist dies halt eher das Produzieren. Vielleicht ändert sich dieser Fokus dann irgendwann wieder. Es ist nichts geplant aber ich bin offen für alle Ideen. Womöglich muss man auch das Konzept von Hocus Pocus überdenken, so dass ich eher auf der Produktionsseite tätig sein kann und die Vocals von Gästen kommen. Hocus Pocus & Friends quasi.

Interview: Fabian Merlo

PRhyme: Den Vibe von früher wiederbeleben (Interview)

PRhymeDie erste Zusammenarbeit von Royce da 5’9“ und DJ Premier datiert auf das Jahr 1999 und das Resultat davon lautet auf den Namen „Boom“ – ein bis heute gern gespielter Track. Über die Jahre blieb die Connection von Detroit nach Brooklyn bestehen und resultierte in zahlreichen weiteren Songs. Letztes Jahr erfüllte sich dann der von vielen Fans gehegte Traum eines kompletten Albums. Royce und Premo schlossen sich zur Gruppe PRhyme zusammen und veröffentlichten das gleichnamige Werk. Eine dritte Person die entscheidend zu dem Album beitrug war Adrian Younge. Alle Tracks von „PRhyme“ basieren auf Samples des momentan überaus gefragten Produzenten und Musikers. Natürlich kann man sich die Frage stellen, ob diese Zusammenarbeit nicht schon viel früher hätte erscheinen sollen. Zumindest Royce würde dies deutlich verneinen. Seit gut drei Jahren hat er dem Alkohol abgeschworen und so präsentiert er sich momentan wohl tatsächlich in der Form seines Lebens. Auch Premier hat die Herausforderung einzig Musik eines Künstlers zu verwenden hörbar gut getan. Die Langeweile, die sich in den letzten Jahren immer mal wieder in seine Produktionen eingeschlichen hat, ist auf „PRhyme“ nicht zu finden. Die beiden gestandenen Herren, doch auch schon 38 beziehungsweise 49 Jahre alt, erleben also tatsächlich nochmals einen weiteren Frühling ihrer Karriere. Dass bereits verschiedene Projekte anstehen die dafür sorgen sollen, dass dieser weiter anhält, verrieten sie uns beim Interview am Openair Frauenfeld.

Royce, wie ich gelesen habe soll es ein Freund von dir gewesen sein, der vorschlug ein komplettes Slaugherhouse-Album basierend auf Samples von Adrian Younge’s Musik zu machen. Wie kam es von dieser Ursprungsidee zu dem Album, welches wir heute als „PRhyme“ kennen?
Royce da 5’9“: Viele Dinge spielten eine Rolle, allen voran die Terminplanung. Es ist einiges schwieriger vier Personen zu koordinieren. Als klar wurde, dass es aufgrund von terminlichen Gründen mit Slaughterhouse nicht klappen würde, rief ich Premo an und fragte ihn, was er davon halte, wenn wir dies zu zweit durchziehen würden. Dies machte für mich am meisten Sinn nur schon weil es viel weniger Zeit in Anspruch nimmt.

Premo, du hast natürlich über deine ganze Karriere hinweg mit Samples gearbeitet. Machte es für dich einen unterschied dieses Mal nur Samples von einem Künstler zu verwenden?
DJ Premier: Es war schon anders aber so ab dem dritten Song hat sich alles wie von alleine zusammengefügt. Der erste Song war „PRhyme“, danach arbeiteten wir an „U Looz“ und darauf folgte „Courtesy“. Diese Songs klangen zwar alle unterschiedlich aber trotzdem hörte man die Musik von Adrian Younge heraus. Mein Ziel war es Adrian zu beeindrucken, das war eigentlich der schwierigste Teil für mich. Es ist seine Musik aber umgesetzt mit meiner Art zu produzieren. Royce und ich wollten ihm am Ende ein Album vorspielen, das ihn beeindruckt und mit dieser Mentalität gingen wir an die Produktion, was schliesslich zu diesem guten Resultat geführt hat.

Gibt es andere Künstler bei denen du dir vorstellen könntest ein ganzes Album nur mit deren Samples zu produzieren?
Premier: Ich mag David Axelrod sehr (Anm. ein US-Musiker, den Premier bereits für „Shake This“ von Royce gesampled hat). Er ist einfach grossartig und hat einen völlig verrückten Style. Bei ihm könnte ich es mir vorstellen. Es war eine sehr gute Erfahrung mit Adrian und ich freue mich darauf, PRhyme Konzerte mit Adrian und seiner Band zu performen.

Ihr arbeitet schon viele Jahre regelmässig zusammen. Wieso denkt ihr ist nun der richtige Moment gekommen für ein ganzes Album, auf welches die Fans im Prinzip schon seit Jahren warten?
Royce: Es war klar, dass diese Zusammenarbeit früher oder später passieren würde. Der Zeitpunkt war insofern perfekt weil Premo gerade ein Zeitfenster offen hatte und ich zwischen verschiedenen Projekten ebenfalls Zeit hatte. Wir hatten soeben das Slaughterhouse-Album vollendet und ich überlegte mir, was mein nächster kreativer Schritt sein soll: ein neues Soloalbum oder ein Projekt wie dieses. Zum Glück stimmte das Timing, so dass ich nun das Projekt mit Premo machen konnte.

Du hast gesagt: „I want people to appreciate the fact that we didn’t compromise / In order to try to change the way that people digest music.“ Würdest du sagen, dass die Leute das zu schätzen wissen und auch die Musik wieder bewusster hören?
Royce: Ich denke schon. Wir bekommen nur gute Rückmeldungen und zwar für das ganze Album und nicht bloss für einzelne Songs. Kurze Alben scheinen momentan der richtige Ansatz zu sein und unser Album ist definitiv eines, dass man reinschieben und Anfang bis Schluss durchhören kann. Das Album dauert nur rund eine halbe Stunde, es nimmt also nicht zu viel Zeit in Anspruch. Wir vergleichen es jeweils mit Episoden von einer TV-Serie. Du schaust dir eine Folge an, das dauert auch nur ungefähr eine halbe Stunde, und danach willst du mehr davon. Genauso verhält es sich mit unserem Album. Ich würde also sagen wir haben unser Ziel definitiv erreicht.

Ihr sprecht sehr oft von der Balance, die im Rap fehlt. Wenn ich daran denke, dass wir momentan populäre Künstler wie Kendrick Lamar, J. Cole oder Joey Bada$$ haben finde ich persönlich, stand es schon schlimmer um die Balance. Wie seht ihr das?
Premier: Es gibt viel gute Musik da draussen. Wie du gesagt hast Kendrick Lamar, J. Cole oder auch A$ap Rocky. Er hat immerhin einen Song mit Mos Def auf seinem neuen Album. Er ist Pretty Flacko und dann bringt er den Original Pretty Flacko und Mos Def legt los. Das ist ein Zusammentreffen von zwei Generationen. Auch im Untergrund gibt es viele gute Musik. Dann gibt es Festivals wie dieses, welches alles zusammenbringt von Ludacris über PRhyme zu Travi$ Scott bis zu The Roots. Das ist eine wunderbare Vielfalt mit Künstlern, die alle auf ihre Weise einen guten Job machen, wie zum Beispiel auch C2C.
Royce: Es war definitiv schon viel schlimmer und ich denke HipHop ist gerade in einer sehr guten Position. Die kommerziellsten Künstler momentan sind Lyricists und mehr kann man als Fan eigentlich gar nicht erwarten.

Du sagtest jedes Projekt welches du machst, sei eine Reflektion PRhyme_Adrian Youngeder Zeit, in welcher es entstand. Wie würdest du deinen Gemütszustand während der Entstehung von PRhyme beschreiben?
Royce: Als wir mit dem Album begannen war ich erst seit rund zwei Jahren nüchtern. Ich wollte ein Projekt machen, dass wie eine Reintroduction klingt und die Zeit reflektiert, in welcher ich mit Rap begann. Damals bei den Open Mic Club Nights als es sich nur um das MCing drehte. Ich wollte ein ganzes Projekt aufnehmen, welches diese Zeit reflektiert als ich 17, 18 Jahre alt war. Es drehte sich weder um eine kommerzielle Single, noch einen Song für die Clubs oder die Girls. Einzig um Bars, Beats und Raps so wie damals, als mich nichts anderes interessierte. Diesen Vibe wollte ich mit dem Projekt wiederbeleben.

Dass hier einzig Raps und Beats im Vordergrund stehen hört man dem Album an. Auf deinem ersten Album oder später auch mit Eminem oder teils Slaughterhouse gab es gelegentlich auch Ausflüge in Richtung Mainstream. Wirst du wieder versuchen eine noch grössere Masse zu erreichen oder liegt der Fokus vorderhand auf Raps und Beats?
Royce: Im Grunde genommen werde ich einfach alle verschiedenen Projekte weiterverfolgen. Mit Slaughterhouse sind wir auf einer grösseren Plattform (Anm. Shady Records) und diese ermöglicht es uns Songs zu machen, welche die Massen in einer bestimmten Art erreichen. PRhyme ist ein Projekt welches dafür gedacht ist Untergrund zu sein. Also nutze ich diese Plattform auch genau dafür. Mein Solostuff schliesslich kann ein Mix aus all diesen verschiedenen Plattformen sein. Was ich als Solokünstler auf keinen Fall tun werde ist mich selber auf irgendeine Art einzuschränken oder mich in eine bestimmte Schublade pressen zu lassen. Diese verschiedenen Brands, zu welchen ich gehöre, nutze ich um auf verschiedenen Ebenen mit den Fans zu kommunizieren.

Wenn wir schon von deinen verschiedenen Projekten sprechen: Die Leute warten schon ziemlich lange auf das Slaughterhouse-Album und ebenso auf eine neue Soloscheibe von dir. Gib uns ein Update!
Royce: Die Aufnahmen des Slaugherhouse-Albums sind so gut wie beendet. Just Blaze mixt gerade die Songs also ist es sehr wahrscheinlich, dass dies als nächstes erscheinen wird. Ich hoffe, „Glass House“ wird im Frühherbst in die Läden kommen. Momentan arbeite ich an meinem Soloalbum. Einen Grossteil der Arbeit habe ich bereits gestemmt aber ich werde sicherlich weiterhin hie und da einen weiteren Song aufnehmen. Ich will mir mit dem ganzen Prozess Zeit lassen vor allem da ich weiss, dass das Slaugherhouse-Album zuerst erscheinen wird. Mein Plan ist es zuerst mit Slaugterhouse zu veröffentlichen, dann mein Album nachzuschieben und dann ein weiteres PRhyme-Album. Dies alles wenn möglich in ziemlich kurzen Abständen. Sobald Premo wieder ein offenes Zeitfenster hat können wir damit beginnen und wir wissen aus Erfahrung, dass wir nicht viel Zeit benötigen werden. Das fühlt sich auch gar nicht wie Arbeit an, viel eher wie Freizeit.

Dann können wir also festhalten, dass PRhyme definitiv eine Gruppe ist und nicht bloss ein Projekt?
Premier: Auf jeden Fall!

Premo, dich könnte ich wohl nach dutzenden Projekten fragen wie zum Beispiel den angekündigten Alben mit Jakk Frost, KRS One oder Pete Rock.
Premier: Ich hörte einen Song von Jakk Frost mit Malik B, der auch Teil von The Roots ist, namens „Beard Gang Initiation“. Der Track hat mich umgehauen und auch ihre Einstellung gegenüber der Industrie ohne nur zu Haten. Wir trafen uns und es war klar, dass wir zusammenarbeiten. Ich hatte einen Beat herumliegen den er mochte und daraus wurde „Dope Boy Talk“. Der Song hatte einen guten Buzz und als nächstes erschien ein Freestyle namens „Spoiler Alert“ über den Beat von „Form Of Intellect“ vom „Step in the Arena“ Album. Darauf flowt er genau so wie ich das hören will. Wir werden also weiterhin gelegentlich Songs für die Strasse releasen. Das NYGz Album wird dieses Jahr endlich erscheinen und ausserdem habe ich das MC Eiht Album als Executive Producer betreut. Das Album „Which Way Iz West“ wird sowohl über mein Label Year Round Records wie auch über sein Label Blue Stamp erscheinen. Es wird ein verrücktes Album mit Features von B-Real, Kurupt, Big Mike von den Geto Boys, Lady Of Rage oder Bumpy Knuckles. Ich habe drei Tracks darauf produziert der Rest stammt von Brenk Sinatra.

Und was geht mit dem Album mit Pete Rock?
Premier: Ich habe ihm die ersten beiden Singles gegeben und nun ist er an der Reihe. Wir werden beide je die Hälfte der Scheibe produzieren. Momentan überlegen wir uns welche Künstler wir darauf haben wollen aber das werden wir noch nicht verraten.

Interview: Fabian Merlo

Your Old Droog: „Hauptsache es ist dope“ (Interview)

Your Old DroogDas Internet ist nicht nur die Quelle für allerlei Informationen, es ist auch der perfekte Nährboden für Gerüchte, die sich in Windeseile verbreiten. So geschehen als plötzlich eine EP des Rappers Your Old Droog (Droog ist russisch und steht für Freund) auftauchte. Einige waren sich sicher dahinter ein geheimes Projekt von Nas, der mit heruntergepitchter Stimme rappt, zu erkennen. Gewisse Parallelen zum God Son sind zwar nicht von der Hand zu weisen, sowohl stimmlich wie auch von der teils sehr komplexen Reimstruktur, doch schon bald sollte sich herausstellen, dass es sich bei Droog um einen Rapper mit ukrainischen Wurzeln aus Coney Island, Brooklyn handelt. Die Vergleiche mit Nas dürften ihm, so schmeichelhaft sie auch sein mögen, bald auf die Nerven gegangen sein. Auf „Wall Flowers“ vom neuen Statik Selektah Album gibt er aber auch zu, dass sie seiner Bekanntheit nicht unbedingt geschadet haben: „To the point that when I came out, they thought I was someone else. Ain’t planned it like that, but it helps.“ Geholfen hat sicherlich auch, dass er schon bald nach der EP eine aufgestockte Version als Album sowie die „Kinison EP“ veröffentlichte und seinen Namen damit endgültig etablierte. Nach Tracks mit Künstlern wie Prodigy von Mobb Deep, Sean P, Larry Fisherman (Mac Miller) oder Royce da 5’9“ ist nun seine neue EP „The Nicest“ erschienen. Geht es so weiter mit seiner Karriere, war dies nur ein kleiner Schritt auf seiner Mission mit dem Ziel Storytelling und dope Rhymes wieder endgültig zu etablieren. Wir trafen Your Old Droog nach seiner Show am Openair Frauenfeld zum Interview.

Ich denke die meisten haben erstmals von dir gehört als du die „Your Old Droog EP“ veröffentlicht hast und die ganzen Gerüchte losgingen. Nur ein bisschen mehr als ein Jahr später spielst du bereits hier am grössten HipHop-Festival Europas. Für viele mag es den Anschein erwecken als wärst du aus dem Nichts aufgetaucht, was man sich aber nur schlecht vorstellen kann wenn man sich deine Musik anhört. Erzähl uns ein bisschen von der Zeit bevor du von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurdest!
Ich habe schon vor langer Zeit mit dem Reimen begonnen. Das war zu der Zeit als ich noch in die Schule ging und es drehte sich einfach um den Spass. Ich bin über die Jahre drangeblieben, habe irgendwann damit begonnen Songs aufzunehmen und mich stetig verbessert. Irgendwann traf ich endlich die richtigen Produzenten und dann kam die EP. Ich blieb auch nicht so undercover wie die Leute vielleicht denken. Ich habe zwar noch nicht gross auf mich aufmerksam gemacht aber ich war da draussen.

Auf „Loosey in the Store With Pennies“ sagst du: „Wanna know my plan b? No plan b“ . War für dich also immer klar, dass du früher oder später diesen Weg einschlagen wirst?
Ganz genau, wenn auch nicht seit immer. Aber irgendwann habe ich mir das überlegt und mir wurde klar, dass es dies ist was ich zu tun habe.

Du warst also schon länger davon überzeugt, dass es möglich sein würde?
Eigentlich schon, selbst als ich noch nicht wirklich gut war. Ich habe an mich geglaubt.

Du kommst aus Brooklyn, aus Coney Island um genau zu sein. Coney Island liegt ziemlich ausserhalb. Musstest du damals ins Zentrum von Brooklyn gehen oder gab es auch in deiner Hood eine aktive Szene?
Wie gesagt spielte sich für mich vieles zuerst in der Schule ab. Später war ich dann in verschiedensten Borroughs von New York unterwegs. Du hörst von jemandem der rappt und denkt er sei besser als du also fährst du hin. Hauptsächlich war ich in Brooklyn, Harlem und der Bronx unterwegs. In Queens allerdings eher selten.

Meiner Meinung nach ist deine Musik für die richtigen Rap-Fans. Ohne es jetzt als Untergrund bezeichnen zu wollen, Mainstream ist es sicherlich nicht. Planst du dies so beizubehalten oder könntest du dir auch vorstellen dich gegenüber einer grösseren Masse zu öffnen?
Mir genügte es bereits, als einige meiner Homeboys und irgendwann auch einige Leute die ich nicht kannte, fanden ich sei gut. Damit hatte ich eigentlich meine Erwartungen schon erreicht. Aber natürlich will ich mir nicht selber ein Limit setzen und mich mit dem zufrieden geben. Meine Musik soll erhältlich sein aber ich mach weiterhin Tracks für Leute, die wirklich zuhören. Es ist kein Untergrund sondern Musik für Leute die es wirklich lieben Rap zu hören.

Du sagst ja auch, du wollest Storytelling zurückbringen oder „dope rhymes are back in style“. Denkst du, dass sich Rap unterdessen wieder in diese lyrische Richtung bewegt?
Ich denke wir brauchen noch viel mehr davon. Rappin about rap is corny. Irgendwann kann man nichts anderes tun als noch eine Punchline anzuhängen. Das wird auf Dauer langweilig. Es geht darum Geschichten zu erzählen, interessant zu sein und Neues zu bringen. Solange jemand seine Geschichte erzählt und dies von Herzen kommt ist es dope.

„Your kids is rapping like it’s 95 an era where they weren’t even alive.“ Stört es dich, dass gewisse junge Künstler sehr von den 90ern inspiriert sind?
Nein, solange es dope ist ist es mir egal. Das war keine Kritik sondern eher eine Beobachtung. Ich bin manchmal auch nostalgisch bei Sachen, die ich selber gar nicht erlebt habe. Solange es sich für die Künstler richtig anfühlt habe ich kein Problem damit. Ich mache meiner Meinung nach keine Musik die nach den 90er klingt auch wenn das einige behauptet haben. Vielleicht teilweise von dem Drum-Patterns aber sonst eigentlich nicht.

Du würdest also nicht behaupten, deine Musik sei von den 90ern beeinflusst?
Beeinflusst sicherlich aber es ist genauso von den Sachen der 2000er-Jahre beeinflusst und Musik die danach kamen.

Ich kann mir dich nur schlecht auf einem Trap-Beat vorstellen.
Ich könnte das da ich vielseitig bin. Es ist aber nicht wirklich mein Ding und würde sich daher nicht richtig anfühlen.

Auf deinen bisherigen Projekten hast du mit denselben Produzenten gearbeitet und teilweise bist du selber auch in den Production Credits vermerkt. Wie kann man sich dein Einfluss auf die Beats genau vorstellen?
Ich sitze zwar nicht selbst an den Maschinen und programmiere die Beats aber ich habe Einfluss auf Dinge wie das Arrangement. Ich nehme einen Beat und konstruiere daraus einen Song. Genau so wie ein Beatmaker nach Samples sucht, suche ich in den Beatordnern von ihnen nach Songs.

Bislang arbeitest du vor allem mit El RTNC und DJ Skizz. Zuletzt hörte man dich aber auch auf Beats von Marco Polo oder Statik Selektah. Wirst du weiterhin mit deinem Team arbeiten oder hört man dich zukünftig vermehrt auf den Beats von anderen Producern?
Ich arbeite mit jedem der dope ist. Ich lasse mich nicht einschränken auf einige Namen.

Gäbe es denn einige Traumkollaborationen?
Rein aus nostalgischer Sicht wäre das Alchemist. Früher haben wir viel über Instrumentals von ihm gerappt und unterdessen habe ich einige Beats von ihm bekommen. Ich bin auch als Gast auf seinem Gangrene-Projekt zu hören.

Oder auch DJ Premier, mit dem du ja gerade auf Tour bist?
Ja das ist verrückt mit Premo und auch Royce auf Tour zu sein! Das sind beiden Künstler deren Musik ich schon lange höre.

Im Interview mit der Juice von Februar sagtest du, dass ungefähr 10 Songs mit Beats von Marco Polo herumliegen. Ist ein Projekt mit ihm in Planung?
Wir haben definitiv viele Joints aufgenommen. Aber ich veröffentliche keine Songs nur weil ich sie habe. Bevor ich die erste EP veröffentlichte, hatte ich sicherlich 70-80 Songs. Viele davon waren zwar gut aber nicht auf dem Standard den ich erreichen will.

Nun hast du eine neue EP mit dem bescheidenen Titel „The Nicest“ angekündigt (Anm. diese ist unterdessen erhältlich)…
Der Titel kommt daher weil ich ein netter Kerl bin. Ich halte alten Frauen die Türe auf und helfe ihnen die Einfkaufstüten zu tragen.

Es geht also nicht um deine Rap-Skills?
Alles dreht sich um sie! Wenn man die EP genau hört findest du die Message, dass es sich nicht immer darum dreht der Niceste zu sein. Ich will den Leuten zeigen, dass ich Songs machen kann. Ich habe das zwar schon zuvor bewiesen aber ich habe das Gefühl, die Leute verstehen noch nicht ganz was ich mache.

Sind nach „The Nicest“ bereits weitere Projekte in Planung?
Ich arbeite an verschiedensten Dingen. Es soll sicherlich auch bald wieder ein ganzes Album geben. Auf meinem ersten Album hatte es viele verflucht lange Verses drauf, mit denen ich beweisen wollte was ich kann und die Leute sollten wissen wer ich bin. Nun will ich ein richtiges Album konstruieren.

Auf der „Kinison EP“ gibt es viele Rock-Referenzen aber abgesehen von einigen Samples hat es musikalisch nicht viel mit Rock zu tun obwohl du sagst, sehr von Rock beeinflusst zu sein. Könntest du dir auch vorstellen etwas in diese Richtung zu machen?
Wenn es sich richtig anfühlt sofort. Es ist mir egal ob es Rap oder Rock ist, Hauptsache es ist dope.

Hörst du denn mehr Rock oder Rap im Moment?
Eigentlich gerade eher klassischen Jazz.

Würdest du sagen Jazz hat auch einen Einfluss auf deine Musik, zum Beispiel in Sachen Arrangements?
Absolut! Schon auf meiner EP gab es viele Einflüsse von Jazz oder generell gesagt von Musik, die es schon lange vor Rap gab.

Interview: Fabian Merlo

Genetikk – “ Ambivalenz ist immer da“

Genetikk ist ein Erfolgsprojekt. Die Jungs von GNKK gingen mit „Achter Tag“ in allen deutschsprachigen Ländern auf die Eins. Ob im Büro nach dem Release getanzt wurde und wie es war, frei nach „Mal es in die Wolken“, als sich Sikk und Karuso das erste mal im Studio gegenüber standen, du erfährst es hier.

Am Release von Achter Tag wurden die Läden in Deutschland, Österreich und der Schweiz gestürmt. Was war bei GNKK los an besagtem Tag?
Karuzo:
Wir haben gefeiert. Nicht dass das Album auf die Eins geht aber dass wir die ganze Arbeit hinter uns hatten. Wir waren alle zusammen in unserem Basement und liessen es uns gut gehen.

Könnt ihr das einfach geniessen oder kommt da nicht der „Es muss weiter gearbeitet werden“-Vibe auf?
Sikk:
Dieser Vibe ist bei uns ja eigentlich immer da.
K: Als Beispiel: letztes Mal sassen wir zusammen und hörten Musik, dabei ist dann ein Live-Performence-Element entstanden. Wir bringen „Liebs oder lass es“ auf dem „New York“- Instrumental von Jay Z. Wenn wir zusammen hängen passiert sowieso immer irgendetwas das Einfluss auf Genetikk hat. Es gibt kein Abschalten.

Eure Masken schützen eure Person von vielen Rap Superstar Pflichten, nicht aber vor Interviews und Fotoshootings, geniesst ihr das oder nervt euch das?
K:
Lieber so als ohne Masken.
S: Wir haben einfach keinen Bock auf diese Superstar-Schiene. Deshalb haben wir die Masken gemacht. Wir wollen den Fame nicht.

Man merkt euch diese Ambivalenz an wenn ihr Interviews gebt. Oftmals seid ihr nicht die begeistertsten Interviewpartner.
K:
Ja wenn es gut gemacht ist und alles passt, können wir auch mal locker ein Interview geben. Manchmal ist es halt einfach anstrengend. Die kommen dann so und stellen alle die Fragen, die sie halt stellen müssen, ist ja auch in Ordnung – aber nervt natürlich auch. Ambivalenz ist immer da, das Leben ist ambivalent. Man hat Hochs und Tiefs, kein Mensch ist nur gut oder nur schlecht man hat immer beide Seiten in sich, das macht das Menschsein auch aus. Deswegen gibt es natürlich auch mal Wiedersprüche. Man muss halt mit beiden Seiten leben und zu allem stehen was man ist.
S: Das Ding ist halt auch, dass wir uns nicht gerne erklären. Wir lassen die Werke lieber für sich selbst sprechen.

Ein Werk das für sich selbst stehen kann ist „Wünsch dir was“. Die Anschlussfrage drängt sich aber auf was wünscht sich Genetikk noch?
K:
Ganz ehrlich eigentlich sind wir schon wunschlos glücklich. Es gibt keine materiellen Dinge, die unbedingt her müssen. Das Einzige was man sich halt wünscht ist Gesundheit für die Familie. Am besten für alle Menschen. Ganz ernst gemeint: Weltfrieden.

Das sind Wünsche für eine perfekte Zukunft. Bei „Mal es in die Wolken“ rappt Karuzo von der Vergangenheit von den verschiedenen „ersten Male“. Wie wars als Sikk und Karuzo das erste Mal miteinander im Studio standen?
S:
Das war cool, zwar lange her, zehn Jahre oder so. Lief halt alles noch ziemlich amateurhaft ab.
K: Aber das Energielevel war immer schon da. Als wir den ersten Song aufgenommen hatten, der war natürlich kompletter Rotz, dachten wir wir sind die Kings. Wir haben uns von Anfang an als die Krassesten überhaupt gefühlt.
S: Nur hat keiner die Platte gekauft damals. Das ist der einzige Unterschied. Sonst ist noch alles gleich.
K: Ja genau, das Feeling ist heute noch genau das gleiche wie damals als wir das erste Mal zusammen im Studio waren.

Interview: Emanuel Ernst

Chefket – „Ich habe keine Zeit meine Energie für Negativität zu verschwenden“

Es gab Zeiten als Chefket keine Wohnung hatte, im Studio übernachtete und bei Kollegen geduscht hat. Unterdessen sieht dies einiges anders aus und man darf ihn zu den verheissungsvollsten Rappern Deutschlands zählen. Wir sprachen am Touch the Air ausführlich mit dem Berliner Live MC über Auftritte, sein kommendes Album „Nachtmensch“ sowie Respekt und Toleranz.

Interview: Emanuel Ernst

Chefket im Interview am Touch the Air by Radioindustrie on Mixcloud

Chakuza – „Ich kann inhaltlose Musik nicht vertreten“

„Ich kann nichts anfangen mit dem inhaltslosen Scheissdreck der gerade erfolgreich ist.“ Klare Worte spricht Chakuza im Interview am Touch The Air. Chakuza machte einen offensichtlichen Wandel durch. Sein neustes Werk „Exit“ unterstreicht diesen Fact. Wie sich sein kommendes Album anhören wird und was anders wird mit dem Älterwerden der Österreicher nahm bei uns Stellung.

Chakuza im Interview am Touch the Air by Radioindustrie on Mixcloud

LCone & Ali & Sad – die faulsten Rapper der Schweiz

Grosse Namen hätten sie mittlerweile alleweil, Ali und LCone, doch auf ein Release der vielversprechenden Talente wartete man bisher vergeblich. Bis sich SAD einschaltete und die zwei „faulsten Rapper der Schweiz“, wie sie sich selbst betiteln, mit ästhetischen Instrumentals dazu brachte, zum Stift zu greifen. Resultat ist das Album „Inoue“, welches ab dem 05.06.2015 im Handel ist und durch seine Vielseitigkeit besticht. Wir trafen LCone und Ali zum Interview.

Ali & LCone im Interview by Radioindustrie on Mixcloud