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HAPPY RELEASEDAY: Manillio / Raf Camora / Samson Jones / Royce Da 5’9

Heute erscheint mit „Kryptonit“ von Manillio ein Schweizer Rapalbum, welches mit Sicherheit ganz oben in der Hitparade landen wird. Evenutell können wir sogar in ein paar Tagen über einen weiteren Platz 1 Künstler aus der Schweiz berichten (dies wäre nach Breitbild, dann bereits die zweite Nr. 1 für Schweizer Rap im aktuellen Jahr). Aus unserem Nachbarland erscheinen heute zudem die Alben „Ghost“ von Raf Camora und „Angekommen“ von Samson Jones. Aus Amerika kommt mit dem neuen Album von Royce Da 5’9 eine weitere „MUSS ICH HABEN – Platte“.
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Lauryn Hill – Zwischen Zermatt Unplugged und Open Air Frauenfeld

Man sagt, um eine Legende zu werden, muss man jung sterben. Lauryn Hill ist zwar nicht tot, aber musikalisch hat eine der wohl besten Sängerinnen der Welt schon mehrere Nahtod Erlebnisse durchlitten. Die Geschichte wurde schon hundertfach erzählt und muss an dieser Stelle nicht gross aufbereitet werden. Die Frontfrau der Fugees schrieb vor bald 15 Jahren mit ihrem einzigen Solo Studio Album „The Miseducation of Lauryn Hill“ Musikgeschichte. Grammies, viele Superlative und noch mehr verkaufte Platten folgten. Was danach geschah, soll hier nicht weiter breitgeschlagen werden. Aber Fakt ist, dass sich viele Fans und Liebhaber ihres dazumals neu zusammengemischten Souls von ihr abgewendet haben. Zu viele Negativ Schlagzeilen, zu viele wirklich schlechte Auftritte und leider kein „richtiges“ Album mehr von Ms. Lauryn Hill. Und darum blieb einfach dieses eine Album, ein legendäres, das aber nie bestätigt werden konnte, auch wenn, oder gerade weil die Meinungen über ihr MTV Unplugged Werk weit auseinander gehen.
Sechs Kinder, einige Ups und viele Downs später also stand sie wieder einmal in der Schweiz auf der Bühne. Über die Gründe kann spekuliert werden. Hat sie Schulden? Oder wirklich wieder Bock auf Tour zu gehen?
Die Macher des Zermatt Unplugged Festivals sind das Risiko eingegangen, mit der als Diva verschrienen Künstlerin zusammenzuarbeiten. Natürlich hat sie sich nicht an die Regeln gehalten. Unplugged war das Konzert zu keinem Zeitpunkt.
Aber sie ist gekommen. Auch wenn der Sound nicht gut war. Sie hatte Energie. Auch wenn die Songs umarrangiert wurden, ihre Stimme hat nicht nur geklungen, sie hat wieder Verzaubert. Und ja, bis heute ist sie die beste Rapperin. Punkt.
Eine Nacht später dann kam das Unerwartete: Ms. Lauryn Hill erschien an der Festival Jamsession in einem kleinen Club.
Nur sie, ihre Stimme, ihre Gitarre und performte zwei Songs. Und es blitzte wieder auf, das Verletzliche, das Rebellische, aber auch das Versöhnliche.
Und darum darf man wieder hoffen, auf ein gutes Konzert am Open Air Frauenfeld, auf ein weiteres Album, auf ein Comeback!


Foto: Ramon Stauffer

Red Bull BC-One – City Cypher, Zürich

Obwohl Zürich einen der ersten Sommertage des Jahres erlebte, pilgerten die Zuschauer zahlreich ins Dynamo für den Red Bull BC One City Cypher. Sie werden es nicht bereut haben, erlebten sie doch einen hochstehenden Wettkampf mit 32 B-Boys, aus dem Art One als Gewinner hervorging. Doch auch dessen Finalgegner Base sowie die Halbfinalisten Sonle und Rawb dürfen sich als Sieger fühlen – sie alle haben sich das Ticket für das Schweizer-Finale in Biel gesichert.

Die aus den B-Boy-Koryphäen Gassama (FR), Freeze (SE) und Crazy (CH) zusammengesetzte Jury hatte keinen einfach Job zu verrichten, war doch das Niveau bereits in den ersten Runden des im K.O.-System ausgetragenen Wettkampfs hochstehend und die Battles häufig sehr knapp. Die Teilnehmer waren dann auch gleicher Meinung wie Halbfinalist Sonle der erklärte, dass man die besten Moves nicht für die entscheidenden Runden zurückhalten kann: „Ich spare nie etwas auf, denn das erste Battle ist das Wichtigste. Gibt man nicht sein Bestes, fliegt man schon in der ersten Runde raus.“

Einen langen Atem und die Fähigkeit, sich von Runde zu Runde zu steigern, stellten Rawb und Base unter Beweis, die sich im ersten Halbfinal duellierten. Die zwei Zürcher kennen sich in- und auswendig, da sie beide die Crew Stylize repräsentieren, die vor allem im Showbereich aktiv ist und Elemente aus Stepptanz, Jazztanz und B-Boying kombiniert. Der bereits seit zwölf Jahren aktive Base setzte sich schliesslich durch, was für ihn eine besondere Befriedigung darstellte, da er letztes Jahr bereits in der ersten Runde ausschied. Nach dem Wettkampf erklärte Base: „Meine Stärken sind Freezes, am Wichtigsten ist es mir aber meine Person und meinen Charakter beim Tanzen auszudrücken. Egal was deine Stärken sind, du musst lieben was du machst und fühlen was du tanzt, es bringt nichts einer Mode zu folgen.“ Bei Rawb hielt sich die Enttäuschung in Grenzen: „Ich kam ohne Erwartungen an die Vorentscheidung und was ich heute erreicht habe bedeutet mir sehr viel, was nun kommt ist Zugabe.“

Im zweiten Semifinale traf Art One auf Sonle, den letzten Vertreter der mit zahlreichen Mitgliedern angereisten Ghost Rockz Crew, die Tänzer aus verschiedenen Kantonen und neun Nationalitäten vereint. Sonle liebt es sich bei Wettkämpfen zu messen und seine Strategie ist es, auf die Moves des Gegners einzugehen und diese auf seine Art und Weise noch besser zu machen. Das war dem 24-Jährigen, der bereits seit elf Jahren tanzt, in den Runden zuvor stets geglückt, gegen Art One reichte es knapp nicht. Dieser verfolgt seine sehr ähnliche Strategie, indem er versucht die Attacken des Gegners zu kontern und zu übertrumpfen. Besonders wichtig ist ihm das Freestyle-Element: „Man kann viel Zeit darin investieren, Moves und Techniken zu lernen, doch für mich geht es hauptsächlich um das Gefühl. Im Idealfall macht man einen Move, den man noch nie gemacht hat und auch danach nie mehr bringt. Ich komme mit Schritten und Ideen an ein Battle, es ist aber gut möglich, dass ich im Wettkampf etwas völlig anderes mache. Das hängt immer vom Gegner und dem Beat ab.“

Vier Tänzer machen den ersten Schritt in Richtung Rotterdam

Das Finale begann mit einer Schrecksekunde: Gleich bei seinem ersten Move verschätzte sich Base und traf dabei seinem Gegner. Er habe den Sprung zu weit gezogen und zudem sei weniger Platz vorhanden gewesen als in den Runden zuvor, da die Zuschauer bei der Entscheidung möglichst hautnah dabei sein wollten erklärte er danach. Davon liessen sich die beiden Kontrahenten aber nicht irritieren und lieferten in der Folge einen ausgeglichenen Schlagabtausch auf hohem Niveau. Die Jury kürte schliesslich den 27-jährigen Art One, der ein Neuenburg eine Breakdanceschule leitet, zum Sieger. Wie knapp es war bestätigte auch der glückliche Gewinner: „Wir sind hier nicht beim Kunstturnen, es werden keine Punkte für bestimmte Moves vergeben. Eine andere Jury hätte womöglich anders entschieden.“ Auch Base zeigte sich als fairen Verlierer: „Natürlich wäre es cool gewesen zu gewinnen aber hier im Final gewesen zu sein bedeutet mir schon viel.“

Alle vier Qualifizierten betonen, dass sie die fünf Wochen bis zum Wettkampf in Biel für intensives Training nutzen wollen. In Sachen Erwartungen stapeln sie eher tief: Sonle nennt das Halbfinale als sein Ziel und Base meint: „Es ist schwierig zu sagen, was ich von Biel erwarten kann. Natürlich will man immer gewinnen aber an das Europa-Finale in Rotterdam verschwende ich noch keine Gedanken.“ Mit dem verdienten Selbstvertrauen des Siegers formuliert Art One seine Ambitionen deutlicher: „Es ist mein Ziel, nach Rotterdam fahren zu können. Ich gehe nicht nach Biel, nur um dabei zu sein. Es wäre mir eine Ehre die Schweiz und vor allem meine Crew Deep Trip repräsentieren zu können, denn ohne sie wäre ich niemand.“

Den ersten Schritt in Richtung Rotterdam oder gar ans Weltfinale in Rio de Janeiro hat das Quartet nun gemeistert. Vorerst müssen sie sich nun mit den vier Besten der Vorausscheidung in Neuchâtel, den beiden Vorjahresfinalisten sowie sechs Wildcard-Empfängern messen. Spannung ist am Red Bull BC One Cypher am 2. Juni in Biel bereits jetzt garantiert!

Text: Fabian Merlo
Fotos: Stev Bonhage / Red Bull Contentpool

V.A. (Schweiz) – „vo de stross is härz“ (Schweizer Rap), ein pädagogisches Werkheft

1. Dieses Heft ist ein Missverständnis

Ich habe angeboten, eine Rezension über dieses Werkheft zu schreiben. Als HipHop-Praktiker und -nicht weniger – als HipHop-Theoretiker führe ich nun schon seit über zehn Jahren diese endlosen und trotzdem immer wieder unterhaltsamen, aufschlussreichen und meiner Meinung nach wichtigen Diskussion über Form, Inhalt, Sinn und Funktion von (Schweizer-)Rap-Musik.
Dass da nun einer kommt (der Autor und sein Team) und aus der Fülle aller möglichen und unmöglichen Darstellungen, Inhalten und Textgattungen des Rap ein pädagogisch wertvolles Lehrmittel zusammenzustellen versucht, mag man für naiv, vermessen oder gar für größenwahnsinnig halten. Vor allem möchte man sich dieses Unterfangen ansehen, man möchte sein Wissen, seine Haltung orten und diese kritisieren.

Die Autoren machen es einem einfach. Sie outen sich als Anhänger des so genannten “Conscious-Rap”, der hiesigen Szene besser bekannt als “Studenten-” oder “Blüemli-Rap”. Jener Rap also, der den Wertezerfall in der Gesellschaft, die Mühsal des Erwachsenwerdens, die Ungerechtigkeiten der Welt und viele andere negative Begebenheiten, die einem auf der Welt zustossen können, anprangert. Jener Rap, den man sozialkritisch nennt. Meist aus einer Opferperspektive heraus geschrieben, verleiht er dem Leiden eine Stimme.
Es ist nun nicht so, dass alle zwölf Tracks, die in diesem Heft besprochen werden, genau in dieses Schema passen würden. Damit würde man den darauf vertetenen Künstlern Unrecht tun. Einige Texte sind durchaus ironisch gebrochen, zeigen zwei Seiten einer Medaille oder setzen auf die Eigenverantwortung eines jeden einzelnen.
Trotzdem sind es zumeist Lyrics, die nur einen kleinen und dazu einen – sagen wir mal – ziemlich umstrittenen Teil der Gesamtheit an Schweizer Rap-Texten repräsentieren.

Das Missverständnis scheint mir vor allem darin zu liegen, dass die meisten Rapper nicht für ein Publikum außerhalb der Szene schreiben, sondern sich in ihren Tracks eben genau auf das Geschehen innerhalb der Szene oder innerhalb ihrer eigenen Umgebung fokussieren. Diese Texte sind sozusagen von Fachleuten für Fachleute geschrieben. Sie führen nonstop einen eigentlichen “inner-wissenschaftlichen” Diskurs über formale Aspekte des Rap, über eine Klarheit in der Haltung eines einzelnen Künstlers, über lyrische Treffsicherheit, über musikalische Könnerschaft, über die Eigenständigkeit eines Ausdruck-Stils, über das menschliche Verhalten innerhalb des HipHop-Universums, über den Aufbruch alter Muster, über den Respekt im Auftreten gegenüber anderen Künstlern, über den Umgang mit den anderen Elementen des HipHop, über die eigene gesellschaftliche Perspektive und über noch so vieles mehr. Gleichzeit reflektieren sie diese Aspekte für sich und ihre Umgebung, ihre Freunde, ihre Leute und ihre Familien.

Ich denke, nur unter Berücksichtigung von diesen allen Aspekten, kann man Phänomene wie Gangster-Rap, Battle-Rap, Dada-Rap etc. im Ansatz verstehen und sich darüber eine Meinung bilden.
Gleichzeitig gehört eine Auseinandersetzung mit genau diesen Aspekten meiner Meinung nach mit in’s Werk eines jeden HipHop-Künstlers, den sie zeigen seinen Platz in der Kultur und seinen Umgang mit der Kultur.
Dieser Teil wird im Werkheft “vo de stross is härz” zu einem grossen Teil vernachlässigt oder ganz weggelassen – man mag es den Autoren verzeihen – denn sie haben anderes im Sinn.
Dass die Autoren sich dieser Aspekte nicht ganz bewusst sind und sie deshalb nicht in die Schublade “inhaltlich wertvoll” stecken mögen – man mag es ihnen vorwerfen – denn genau sie machen einen grossen Teil jener Schule aus, die sich HipHop-Kultur nennt.

2. Dieses Heft ist ein Wagnis

Wechseln wir an dieser Stelle die Perspektive und fokussieren wir nicht mehr auf die HipHop-Szene, sondern auf die “Schul”-Szene. Denn für diese ist das Werkheft ausgearbeitet worden, diese soll es bereichern.

Wie oben schon erwähnt, werden in diesem Lehrmittel zwölf ausgewählte Songs von Künstlern wie Apache, Black Tiger, MC Rony, Shape, Bligg, Taz, Greis und Bligg vorgestellt. Einerseits werden die Songs auf einer CD angeboten, andererseits sind die Lyrics im jeweiligen Mundart-Dialekt und in der deutschen Hochsprache abgedruckt. Die Songs decken eine sehr breite Palette an Inhalten ab, die Künstler rappen über Drogen, Freundschaft, Alkohol, Selbstmord, Sexualtität, Gerechtigkeit, Auto-Raser, Konsum, Glauben und so weiter. Das Werkheft bietet nun zu jedem Song einen Vorschlag, wie man damit eine Lektion aufbauen könnte, gibt mögliche Ziele einer solchen an, erteilt Arbeitsaufträge und verweist auf weiterführende Themen und auf Web-Seiten oder andere Medien, die für die entsprechenden Inhalte interessant sein könnten.

Nachdem schon die einzelnen Künstler sehr gut porträtiert wurden, sowohl die Dialekt-Versionen, wie auch die Hochdeutsch-Versionen der Texte sehr sorgfältig und leicht lesbar dargestellt wurden und mit Hilfe des Fragenkatalogs ein gutes Text-Verständnis ermöglicht wurde, ist dieser Teil (der “Lektions-Aufbau“) nun das gelungene Kernstück dieses Heftes.

Die Autoren zeigen einen Weg, wie man mit seinen Schülern diese schwierigen Themen angehen kann und zwar in einer Art und Weise, die mir persönlich gleichzeitig als sehr mutig und doch verantwortungsbewusst erscheint. Sie bieten je nach Song, je nach Thema ganz verschiedenartige Techniken an, die dem einzelnen Schüler, seinen eigenen Grenzen und seiner persönliche Situation einen grossen Respekt erweisen. Auf einem Merkblatt “Rechte und Pflichten in der Team-Arbeit” wird zusätzlich darauf hingewiesen, dass einzelne Song ziemlich unter die Haut gehen können und vorgeschlagen, wie man damit umgehen soll.
Wie schon erwähnt, dieses Lektionen haben es meiner Meinung nach in sich und zeugen von einer Pädagogik, die den Jugendlichen einiges zutraut. So sind mir nach dem ersten Lesen das Erstellen eines persönlichen Sucht-Thermometers oder das Zusammenfügen der “32 Schritte (bis) zum Sex” in lieber Erinnerung.

Im letzten Teil des Heftes findet man die “Vertiefungen”. In der “Anleitung für eigene Rap-Lyrics” werden einige Reimarten und andere Stilmittel vorgestellt. Dieser Teil ist vielleicht etwas gar kurz geraten, könnte aber durchaus auch den einen oder anderen geübten Rapper inspirieren.
Des weiteren wird anhand des Bonus-Tracks aufgezeigt, wie gut eine Rap-Aufnahme mit wenigen technischen Hilfsmittel tönen kann – sozusagen als Motivation für eigene Produktionen.
Ein etwas grösserer Teil widmet sich möglichen HipHop-Tanz-Choreographien mit detaillierten Angaben für die einzelnen Songs. Diesen habe ich aufgrund meiner eigenen Bewegungs-Unfähigkeit gewissentlich überlesen.
Dann beweisen die Autoren ein weiteres Mal Mut und empfehlen einzelne Songs auch als Grundlage zur “Eltern-Arbeit”. Sie machen Vorschläge, auf welche Weise man bei Eltern anhand der Rap-Texte Verständnis für die Situation ihrer Kinder wecken könnte, wie die Schüler selber einen Song für einen Eltern-Abend vorbereitend bearbeiten könnten und suchen auch auf anderen Wegen die Diskussion mit den Eltern via Rap.

Das etwas über 100seitige Heft endet mit Anmerkungen über den Einsatz einiger Songs in der Schulsozialarbeit und drei Interviews mit im Heft vertretenen Künstlern.

3. Dieses Heft ist eine Bereicherung

Es mag – auch angesichts der grossen Diskussion, die der Ankündigungs-Thread im Aightgenossen-Forum ausgelöst hat – fast ironisch klingen, aber der hauptsächliche Wert dieses Heftes liegt meiner Meinung nach nicht am Fakt, dass hier zwölf CH-Rap-Songs besprochen und für den Schul-Unterricht aufgearbeitet werden. Diese Texte werden einfach als Grundlage genommen, sich mit seinen Schülern vertieft mit Themen und Schwierigkeiten des Lebens auseinanderzusetzen. Es könnten auch andere Texte sein: Gedichte, Prosa oder journalistische Texte. Es könnten auch Texte von schweizerischen Popmusikern sein oder Übersetzung von internationalen Songs.

Dass für dieses mutige und ausgezeichnet herausgearbeitete Lehrmittel Texte von Schweizer Rappern als Grundlage genommen wurden, ist in diesem Sinne als respektvolle Referenz zu deuten und sicher auch eine Annerkennung für die ganze Szene. Wieviel Inhalt ein Rap-Text zu bieten hat und wie weit man diesen mit ein wenig Phantasie weiterentwickeln und/oder im Unterricht anwenden kann – dies wieder einmal für Neuem zu erkennen, wird für manchen Rapper/HipHopper eine grosse Bereicherung sein.

Dass nun andererseits die Autoren mit ihrem Projekt einen noch tieferen Einblick in das Wesen und die Werte der HipHop-Kultur erhalten haben und weiter erhalten werden, mag auch für sie eine Bereicherung sein. Denn ohne Frage anerkennen sie, dass Rap mehr sein kann, als nur das Bearbeiten einen Themas in Reimform und dass die gesprochene oder gesungene Sprache an sich viele weitere Aspekte des persönlichen Ausdrucks beinhaltet, als nur das Verarbeiten von Problemen oder das Ausdrücken einer persönlichen oder gesellschaftspolitischen Meinung.

In diesem Sinne heisse ich die Autoren willkommen in der Welt des Rap, auf dass auch ihre Lehrer-Kollegen eintauchen mögen in diesen bedeutenden Teil der zeitgenössischen schweizerischen Poesie.
Nicht vergessen sollte man, dass sich die HipHop-Kultur selber als eine “lehrende” Kultur versteht und jeder Aktive darin seine ganz eigenen “pädagogischen” Ansichten hat.

Also, each one teach one!

“vo de stross is härz” (Schweizer Rap) ist ein pädagogisches Werkheft mit Audio-CD von David Büttler/Marcel Treier, rex verlag Luzern.

Montreux Jazz Festival – Live Sommer 2008: „Das hat mit einer Darbietung eigentlich gar nichts zu tun.“


Wie setzt man fremde Beats auf der Bühne um? Erykah Badu, Gnarls Barkley, N.E.R.D. und Macy Gray haben sich diesen Sommer auf Schweizer Bühnen darin versucht.

Die Schwingungen im Auditorium Stravinski in Montreux scheinen Erykah Badu sehr zu behagen. Wie von einer höheren Macht berufen, betritt sie die Bühne. Allein schon ihr Aufzug unterstreicht ihre Einzigartigkeit: Die Haare auf dem Kopf zu einer Art Kokosnuss zusammengebunden, die Augen brombeerfarben eingefasst, ein ultraweites Etwas von Kleid, hohe Schuhe. Spontan wechselt sie vom Souljazz zum HipHop zum klassischen R’n’B, veranlasst die Band mit einer Körperdrehung zu einem kurzen Wechsel zum Afrobeat und klopft dann ganz alleine einen rudimentären Beat auf ihrem immer bereitstehenden Drumcomputer. Darauf reagiert dann wiederum die Band. Irgendwo zwischendrin, gut verwoben mit der Improvisation und oftmals unterlegt von ganz anderer Musik, finden sich die Songs ihrer fünf Alben wieder. Badu durchtanzt an diesem Abend ihren eigenen Kosmos. Und führt dabei ihr Publikum. „Auf der Bühne geht es darum einen perfekten Moment zu kreieren. Jedes Konzert ist anders“, gibt sie später, umringt von Journalisten, zu Protokoll. „Viele meiner Stücke entstehen direkt auf der Bühne. Ich gehe beim Schreiben ähnlich vor wie ein MC beim Freestylen. Ich lasse die Beats laufen und improvisiere dazu.“ Steckt sie fest, kann sie mit einer Handbewegung die Band aktivieren.

So weit lehnen sich andere nicht zum Fenster hinaus. Dafür sind Pharrell Williams, Chad Hugo und Shay Haley vom Trio N.E.R.D. auf der Bühne schlicht zu wenig zu Hause. Auf der letzten Tournee haben sich Sänger Williams und Rapper Haley noch von der College-Rockband Spymob begleiten lassen, zur Tour zu ihrem dritten Album „Seeing Sounds“ haben sie nun eine eigene Band formiert. Die achtköpfige Truppe mit zwei Schlagzeugern vermag den Druck ihrer Studioproduktionen auf der Bühne akzeptabel zu reproduzieren. Musikalische Glanzstücke verbringt sie so allerdings nicht. Williams fehlt es an Ausstrahlung, Führungsqualität und Kraft in der Stimme. Deshalb bilden ihre energetischsten Nummern, die allesamt am Ende des Sets platziert werden, die Glanzlichter. Mit „She Wants To Move“ und „Everyone Nose“ und bringen sie Bewegung in die Halle und füllen die Bühne mit weiblichen Gästen.

Doch woran liegt es, dass sie als Band nicht das hohe Niveau ihrer aktuellen Platte erreichen? Vielleicht daran, dass sich Williams und Hugo als Produzentenduo The Neptunes mit ihren unzähligen Aufträgen verzetteln? „Wir sind N.E.R.D.. Das ist kein Nebenprojekt. Die Musik, die wir mit dieser Band machen, widerspiegelt uns selbst. Da könnte sogar Björk anrufen und nach Beats verlangen, wir würden diese Tour nicht unterbrechen“, sagt Pharrell leicht gereizt. Auch Sänger Thomas Callaway alias Cee-Lo Green ist sich sicher mit Gnarls Barkley genau auf dem richtigen Dampfer gesetzt zu haben. Er fühlt sich mit seinem Partner Danger Mouse seelenverwandt. „Ich bin ja selber auch Produzent, aber so düstere, dichte Beats wie sie Danger Mouse produziert, krieg ich einfach nicht hin“, sagt Callaway über seinen Partner, während er sich kurz vor ihrem Konzert am Jazzfestival Montreux auf dem Balkon seiner Suite entspannt. Auf der Bühne agiert der kraushaarige Produzent als stummer Musiker. Über seine alten Orgeln gebeugt trägt er mit schlaksigen Handbewegungen dazu bei, die an seinem Computer entstandene Musik adäquat umzuwandeln. Mühelos wirkt das. Für Cee-Lo ist die Umsetzung der Songs auf der Bühne ein kognitiver Akt. „Das hat mit einer Darbietung eigentlich gar nichts zu tun. Ich denke einfach laut. Ich durchlebe die Gefühle, die mich zu meinem Gesang veranlasst haben, jedes Mal wieder von neuem“, sagt Cee-Lo. Klar durchlebe man beim Singen eines Songs jedes Mal die Gefühle, die ihn verursacht haben. Das gehe gar nicht anders, sagt auch Macy Gray, die beim Interview im Künstlerrestaurant des Blue Balls Festivals schwer bei der Stange zu halten ist. Immer wieder driftet sie gedanklich ab. Als sie dann nach halb elf auf der Bühne des Luzernersaals steht und singt, äussert sich ihre Fahrigkeit vor allem in der Struktur des Sets. Das Konzert hat keinen erkennbaren roten Faden, besteht aus vereinzelten Berg- und langen balladesken Talfahrten. „Eigentlich wollte ich es so machen wie Kanye West und alle meine Lieder zu einer Geschichte arrangierten“, erzählt sie am Nachmittag. „Doch er ist er mir zuvorgekommen, und ich muss mir jetzt was Neues einfallen lassen.“ Das ist leider noch nicht geschehen.

Das Problem von Gnarls Barkley ist ein anderes: Eine Mehrheit der Zuschauer im vollen Auditorium Stravinski scheint wegen der kreativ versandeten Rockband Travis gekommen zu sein. Die Schotten spielen nach Cee-Lo und Danger Mouse in der gleichen Halle. Ein klarer Programmationsfehler. Als sich die Stimmung auch nach vierzig Minuten noch nicht sonderlich aufgewärmt hat, neckt Cee-Lo das Publikum mit spitzen Bemerkungen. Er sagt: „Es gibt einen Unterschied zwischen ‚am Leben sein‘ und ‚leben'“. Danger Mouse tut unbekümmert seine Arbeit. Vom Musikalischen ist die Darbietung nahezu perfekt. Showelemente oder auffällige Verkleidungen wie auf der letzten Tour gibt es nicht. Cee-Lo’s Stimme ist gewaltig, die kleine Band präzis. Am Herausragendesten gerät die akustische Version von „Transformer“. Ganz anders als auf der überdrehten, vom Beat beherrschten Aufnahme vom ersten Album „St. Elsewhere“, wird hier die Substanz des Songs freigelegt.

Nur ein einziges Mal sind während dem 80minütigen Konzert die Sounds eines Drumcomputers zu hören. Ansonsten klingt auf der Bühne alles stilecht alt, nach zeitlosem Motown Soul, psychedelischem Rock und den späten Sixties. Die langweiligste Nummer des Abends ist die zweite Zugabe: die gleichförmige Coverversion eines Songs, den niemand erkennt. In dieser Hinsicht beweist Macy Gray in Luzern viel mehr Geschmack: Erst ergänzt sie sich mit ihren beiden Backgroundsängerinnen hervorragend in einer Soulpop-Version von „Que sera sera“, dann offenbart sie mit dem Radiohead-Song „Creep“, dass ihre Stimme so rockig ist, dass man die knatternden Gitarren der Originalversion getrost weglassen kann. Überhaupt singt sie im Kontrast zu ihren schludrigen Bewegungen – ständig schleift sie den glitzernden Mikrofonständer hinter sich her – an diesem Abend sehr gefühlvoll und konzentriert. Und mit einer Polka-Party zum Schluss kann sie im KKL doch noch ein gewisses Feuer entfachen.

Am weitaus Besten hat Erykah Badu Publikum und Programm im Griff. Ihr Auftritt in Montreux war das beste Konzert, das die 37-jährige Texanerin je auf Schweizer Boden gegeben hat. So gut, dass sie sich ganz am Schluss des Abends zu einem unnötigen Supplement hinreissen lässt: Mit den Worten „Let the music speak!“ schiebt Festivaldirektor Claude Nobs die Sängerin gemeinsam mit den Musikern von N.E.R.D. nochmals auf die Bühne. Improvisierend reiht sie Reizwörter wie „Love“, „Freedom“ und „Peace“ zu einem unendlich langen Song aneinander. Und droht damit prompt den tollen Eindruck, den sie bei ihrem Abgang eineinhalb Stunden vorher hinterlassen hatte, zu zerstören. Beschränkung ist auch für Künstler in Höchstform eine wichtige Tugend.

Pras – „Ghetto Supastar: Zwei Versionen einer Geschichte“



Zur Entstehung von Pras einzigem richtigen Solo-Hit „Ghetto Supastar (That Is What You Are)“ von 1998 sind uns zwei sehr unterschiedliche Geschichten aufgetischt worden. Wahrscheinlich hätte uns Rusty „Joe Bananas“ Jones alias Ol’ Dirty Bastard noch eine dritte Version erzählt. Aber ihn können wir – im Gegensatz zu Prakazrel Samuel Michel und Wyclef Jean – dazu leider nicht mehr befragen.

Interview mit Pras, Baur au Lac, Zürich, 20.12.07


…Pras hat lange von seiner tiefen Verwurzelung in der HipHop-Kultur gesprochen, seiner Vorliebe für Mode, und ist dann auf aktuell vorherrschende kreative Misere zu reden gekommen. Vieles geschehe in dem Gewerbe heute auf unnatürliche, unorthodoxe Weise. Bei ihm sei das stets anders gewesen…

Pras: …Auch wenn es sehr seltsam scheint: Sogar als ich den Track „Ghetto Supastar“ mit Ol’ Dirty Bastard gemacht habe, geschah alles völlig natürlich. Er kam nämlich einfach irrtümlicherweise in meine Studiosession. Er dachte es sei seine Session und hörte den Beat. Er fragte: Was ist denn das? Whut the fuck is this? I gotta get on this! Er wusste nicht mal, was das war. Aber die Chemie stimmte. Da war nicht der Plan dahinter einfach unbedingt einen vom Wu-tang Clan auf meine Platte zu holen.

Ist er da wirklich irrtümlicherweise einmarschiert?

Pras: Ja. Er dachte er wäre in New York, obwohl wir in Kalifornien waren. Er kam rein und sagte: Was machst du in meiner Session? Ich habe dieses Studio gebucht! Er dachte, er wäre in den Unique Studios in New York. Frag mich nicht, wie er auf die Idee kam. In den Unique Studios muss man den Lift nehmen. Wir waren aber in einem Studio in L.A., in dem es gar keinen Aufzug gibt. Jedenfalls wollte er nicht mehr gehen. Nach einer Stunde Hin und Her haben wir ihm dann den Refrain vorgespielt. Er wollte dann gleich was aufnehmen. Er war ein verdammtes Genie! Erst schrieb ich meine Strophe, dann kam er dran. Er nahm eine Zeile auf, kam wieder aus der Gesangskabine und hörte sie sich an, dann ging er wieder rein und nahm die nächste Zeile auf. Am Schluss tönte es trotzdem wie ein zusammenhängend eingerappter Text. Crazy guy. Und weisst du was? Er nahm die Adlibs auf, bevor er überhaupt irgendeinen Reim geschrieben hatte. Normalerweise nehmen wir die Adlibs immer erst ganz am Schluss auf. Das war ein einmaliges Erlebnis, das sag ich dir.


Interview mit Wyclef Jean, The Cavendish Hotel, London, 06.09.07

…wir hatten über Lauryn Hill gesprochen („She really needs to see a psychiatrist“), und Wyclef hat davon erzählt, dass auch Pras mit seiner Situation nicht zufrieden ist.

Wyclef: Ich hab ihm auch jetzt wieder meine Hilfe angeboten. Ich hab einen Hit für ihn geschrieben, ich kann ihm auch einen zweiten schreiben. Jetzt wär’s sogar noch einfacher damit Erfolg zu haben.

Du hast „Ghetto Supastar“ geschrieben?

Wyclef: Klar. Ich und Jerry haben den Song geschrieben. Bassline, Hook, alles von uns. Ich hab auch Ol’ Dirty Bastard angerufen.

Pras hat erzählt, ODB sei per Zufall in seine Session in LA reingetrampelt und habe behauptet er sei in New York und habe das Studio gebucht!

Wyclef: Nein, ich hab ihn selbst angerufen. I had to make the record believable. Zu jener Zeit war es wichtig damit Glaubwürdigkeit zu erzielen.

Halt, halt, wieso erzählt Pras dann eine ganz andere Geschichte?

Wyclef: Keine Ahnung. Die richtige Geschichte zu dem Song geht so: Jimmy Iovine, der Präsident von Interscope, rief mich an und sagte, er habe einen alten Country-Song entdeckt, den er nun neu aufnehmen wolle. Seine Worte waren: Clef, du weisst wie man jemanden zum Star macht. Ich hab hier diese Sängerin namens Mya. Nimm mit ihr eine neue Version dieses Liedes auf und mach sie damit zum Star. Also bin ich mit Jerry ins Studio gegangen und wir haben Mya den Refrain einsingen lassen. Damals war Mya eine ziemlich lausige Sängerin. Wir haben sie jede Zeile einzeln einsingen lassen bis sie sass und dann alles gesampled. Die Gitarre, den Bass und das Drum Programming haben wir übernommen. Dann sollte Pras seinen Part aufnehmen. Aber der Song brauchte noch die Glaubwürdigkeit, die Positionierung, etwas Kantigkeit. Deshalb habe ich ODB angerufen. Wir haben uns dann in Kalifornien im Studio getroffen. Er lief gleich in die Booth und fing an auf seine einzigartige Weise rumzugurgeln und zu schreien.

Aha, er nahm zuerst die Adlibs auf!

Wyclef: Nein, er hat ein paar ganz verschiedene Teile aufgenommen. Ich hab das alles genommen und es so zusammen geschoben, dass es mehr oder weniger Sinn ergab. Genau wie RZA das immer gemacht hat. Das ist die wahre Geschichte!

Infos: Der Song „Ghetto Supastar (That Is What You Are)“ von Pras Michel feat. Ol‘ Dirty Bastard und Mya basiert auf dem leicht modifizierten Refrain des 83er Hits «Islands In The Stream» von Kenny Rogers und Dolly Parton. Das Original dieses Songs stammt von den Bee Gees. Den Beat haben Wyclef Jean und sein Kompagnon Jerry „Wonda“ Duplessis aus dem Track „Under The Influence Of Love“ des Love Unlimited Orchestra gebaut. Ausserdem wird in dem Song eine kurze Sequenz von „Get Up, Get Into It, Get Involved“ von James Brown verwendet.

F.R. – Royal Arena Festival 2007

Wir alle können selber beurteilen, wie ein Konzert auf uns gewirkt hat. Wie aber hat es der Künstler empfunden? Und was macht ein Künstler eigentlich vor und nach einem Konzert? F.R. – die Zukunft des Deutschen Raps – erzählt (schreibt) uns seine Erfahrung vom Royal Arena Festival 2007 in Orpund:

9:30 Uhr, Mövenpick Hotel in Essen. Klopf…klopf……Ich (gähnend): „Wer ist daaa?“ Cut Concept: „Zug fährt um 10.00 Uhr, wisst ihr, ne?“ Das kommt davon, wenn man sich auf den Zimmerpartner verlässt, zumindest wenn dieser Zwieback heißt, und genauso wenig an’s Wecker stellen gedacht hat wie man selber. Also doubletime-duschen, trippletime-Sachen-packen und ab in den ICE. Nach dem vierzigsten Mal umsteigen und ungefähr 6 Stunden Fahrt, kamen wir dann endlich im schönen Biel an. Wir traten schon letztes Jahr auf dem „Royal Arena Festival“ auf, und hatten besonders die Gastfreundschaft in guter Erinnerung. Auch dieses Mal wurden wir vom Bahnhof abgeholt, in die Pension gebracht, zum Catering gefahren, wo man für uns grillte, usw., usw… Wie soll man da bitte oft genug „Danke“ sagen?

Auf dem Festivalgelände angekommen rechneten wir ehrlich gesagt mit mehr Leuten vor der Bühne, aber die große Wiese vor der Bühne war fast wie leergefegt, trotz lokalem Schweizer Act. Das hat mir natürlich etwas Angst gemacht, aber als wir auf die Bühne kamen war tatsächlich auf einmal Crowd vorhanden. Von den Leuten kannten mich schätzungsweise 85% überhaupt nicht, aber trotzdem wurde es vor der Bühne immer voller, von Track zu Track, von Acapella zu Acapella, wobei ich situationsbedingt wirklich viel improvisiert habe. Es war ein gutes Gefühl zu sehen, dass das Publikum wirklich genaustens auf die Texte hört, und neben den viel gefeierten Acapellas auch die Aussagetracks einfach nur gefühlt hat. Aus diesem Grund kamen auch einige Schweizer nach dem Gig zu mir und sagten „Das hat mich berührt“. Hört man so offen ehrlich gesagt nicht so oft, wobei das natürlich ein großes Kompliment ist. Zwei Slots nach uns traten dann die Beginner auf (einziger Deutscher Act neben uns an diesem Tag)! Hammershow, wie immer, aber das Line-Up sollte noch geiler werden! Sean Price – Bombe, Dilated Peoples – sowieso Bombe, bin in letzter Zeit irgendwie Evidence Fan geworden. Headliner waren dann „La Coka Nostra“ mit Ill Bill, Everlast, usw… Das war eine Horde von weißen Rappern mit Totenkopf-Shirts, die brutal abgerissen haben. Beim letzten Track kamen wirklich ALLE Ami-Acts auf die Bühne und haben zusammen gefeiert. Wie geil ist das bitte? Sah man denn jemals auf irgendeiner Veranstaltung in Deutschland die verschiedensten Deutschen Camps miteinander auf der Bühne stehen? Community alda, da könnte man sich ‘ne Scheibe von abschneiden. Was für ein Wochenende, es ist jetzt 2:53 Uhr nachts und ich bin immernoch halb tot von der Zugfahrt, aber es hat sich gelohnt.. Wir kommen wieder, Schweiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiz! Spätestens nächstes Jahr nach Orpund!

HipHop Open – Suttgart – Sommer 2007

Nach einem Jahr unfreiwilliger WM-Pause fand am 21. Juli wieder das Hip Hop Open in Stuttgart statt. 13’000 Leute versammelten sich den ganzen Tag über im Cannstatter Reitstadion und feierten einen knapp 12-stündigen Hip Hop-Event der sich sehen lassen konnte.

Als ich um ca. 13.20 Uhr auf dem Gelände war spielte gerade Freeman von IAM der versuchte die Crew so gut es ging zu vertreten. IAM war wie an allen anderen Sommerfestivals wegen der Krankheit von Shurik’n nicht anwesend. Die Show war für Mittags nicht schlecht, obwohl natürlich die Highlights des Tages noch folgten. Alle Acts vor Freeman konnte ich mir nicht ansehen. Wäre ein bisschen viel verlangt gewesen aus der Schweiz ab 10.00 Uhr in Stuttgart zu sein. Von den Acts die am Morgen spielten gab es besonders von K.I.Z. ein sehr positives Echo auf dem Gelände. Die Spielzeit von ca. 45 Minuten pro Act war sehr knapp bemessen was mich aber nicht störte, sondern eher zur guten Abwechslung beitrug. Auch die Auf- und Abbauphasen waren nicht zu lange, so dass man sich selten langweilte. Sonst blieb einem ja immer noch die Möglichkeit sich bei den Foodständen oder Side-Events (Grafitti, Playstation u.a.) aufzuhalten. Boundzound schaute ich mir danach nur kurz an. Der Sänger der Gruppe Seeed war eher Fehl am Platz. Er konnte die Leute mit seinen Raggatunes nie auf seine Seite bringen. Als nächster war Dendemann dran, der in seiner gewohnten Art die Leute in den Bann ziehen konnte. Live mit Sicherheit einer der besten deutschen MC’s.

Danach kam D-Flame der Host des Festivals zusammen mit Scratch (Ersatz von Killa Kella) auf die Bühne. Scratch brachte die Leute mit seiner Beatboxshow zum kochen. Wirklich faszinierend wie Scratch bekannte Tracks ineinander vermischte und ein kurzes „DJ-Set“ inklusive Scratches beatboxte. Leider folgte danach meine persönliche Enttäuschung des Festivals. Die angekündigte Lady Sovereign hatte den Flieger verpasst und trat leider nicht auf. Als Ersatz sprangen die Puppetmastaz und die Spezializtz ein. Beide lieferten eine solide Performance.

Blumentopf ist nicht mein Ding, also liess ich sie für eine Essenspause aus. Zudem gibt über Blumetopf-Auftritte ohnehin schon genug Berichte. Live-Erfahrung haben die Jungs ja genug.

Danach kam das Highlight vieler Headz auf dem Gelände. Der legendäre Wu Tang Clan stand auf dem Pogramm. Als die Hände von 13’000 Leuten zu „W“ wurden lief es einem kalt den Rücken hinunter. Es hiess danach etwa eine Stunde Hip Hop to the fullest. Der Clan spielte die meisten Highlights aus dem grossen Repertoire. Live der wichtigste Member ist ganz klar Method Man. Er war der einzige, der auch den Draht zum Publikum fand. Mit seinem Überbanger Rockwilder, brachte er das Publikum zum durchdrehen. Die restlichen Mitglieder hielten sich eher im Hintergrund auf. Nach Tracks wie Cream, Bring da Ruckus, Shame on a Nigga, Wu-Tang Clan ain’t nuthing ta fuck wit oder Gravel Pit war man froh den ganzen Clan zusammen auf der Bühne gesehen zu haben. Natürlich denkt man in solchen Momenten besonders daran, wie schön es wäre, wenn ODB noch unter uns wäre. ODB wurde gegen Ende der Show aber gebühren gefeiert. Für viele Headz die nur des Clans wegen kommen sind, war der Tag danach zu Ende.

Als nächster hatte Jan Delay die schwere Aufgabe die Menge für sich zu gewinnen. Direkt nach Wu-Tang zu spielen ist sicher nicht das einfachste Erbe. Er meisterte es aber in gewohnter Manier. Mit seiner sehr Festivaltauglichen Show brachte er die Leute zum feiern. Das Repertoire war breit gefächert und seine Band in guter Laune. Als dann zum Schluss noch Das BO und Samy Deluxe auf die Bühne kamen wurde der Auftritt von Jan Delay definitiv zu einem Highlight des HH-Opens.

Nach etwa 11 Stunden Hip Hop Marathon warteten dann alle auf das Heimspiel vpm Freundeskreis. Max Herre, DJ Friction und Don Philippe liessen das Publikum dann auch nicht lange warten. Mit Esperanto enterten Sie die Bühne und reisten mit dem Publikum in die Vergangenheit. Als Unterstützung waren, wie auch an den Festivals, Afrob und Joy Denalane dabei. Bei Tabula Rasa kam dann auch noch Sekou für ein kurzes Gastspiel vorbei. Auch Cassandra Stehen hatte noch einen kurzen Gastauftritt. Nach Hits wie ANNA, Wenn der Vorhang fällt, Tabula Rasa oder Mit Dir war man von der Atmosphäre verzaubert, dass auch der Regen, der kurz nach Anna einsetzte, nicht störte. Besonders schön war die Hommage von Max Herre an Stuttgart, mit seinem Solotrack Erste Liebe. Mit leichtem Regen klang die Show aus und ein sehr gelungenes Hip Hop Open war Geschichte.