PVP – mehr als „Eifach Nüt“

Int. Rap

Die vier Jungs aus Bern haben endlich ihre erste Platte veröffentlicht! Nach vielen Gastauftritten, Featurings und einem erfolgreichen Soloalbum von Greis war es höchste Eisenbahn, dass PVP mit einem Album die Schweiz beglückt. Die etwas überdrehten Krust, Poul Prügu und Greis gaben sich die Ehre und liessen Aightgenossen.ch an ihrer gemeinsamen Kindheit sowie ihrer ausserordentlichen Liebe und Affinität zur Tierwelt teilhaben. Aber lest selber:

Wieso hat es so lange gedauert, bis ihr mit einer LP rausgekommen seid?
Greis:
Wir hatten verschiedene Sachen zu tun. Wir versuchten in verschiedenen Bereichen aktiv zu sein und haben lange Zeit vorgehabt, etwas mit Tieren zu machen. Zuerst haben wir an Tierstimmen gedacht. Doch dies missglückte leider. Doch auch in Alaska mit den Walen klappte es nicht. Das Live-Projekt, dass wir mit den weissen Tiger, die wir billig in Las Vegas erstanden, war leider schlussendlich auch nicht mit Erfolg gesegnet. Und so entschieden wir uns schlussendlich, ein Album ganz ohne Tiere zu machen. Aber trotzdem hat noch ein Lämmchen den Weg auf die Platte gefunden, dass dann tragischerweise von einem Bolzen niedergestreckt wird und auch ein Hirsch, der in den Schwitzkasten genommen wird, kommt vor…
Poul Prügu: …sowie ein Spannferkel.
Greis: Ja, so hat es eben doch etwas mit Tieren zu tun.
Krust: Der Zusammenhang ist halt nicht so ausgeprägt, wie wir es geplant hatten.

Könnt ihr es euch demzufolge vorstellen in einer Tierschutzorganisation mitzuwirken?

Greis: Es kommt drauf an, welche Tierschutzorganisation. Zum Beispiel für Crevetten wird sehr wenig gemacht. Die haben keine eigene Hilfsorganisation und sie werden zum Teil unter unmenschlichen Umständen gehalten. Darum mein Appell an euch: Save the Shrimps!
Poul Prügu: Wir sollten sowieso die Tiere mehr achten!


Doch zurück zu eurem Rapprojekt: Der Titel heisst: Eifach nüt! Wieso habt ihr einen solchen Titel gewählt?

Greis: Wir vermitteln gerne das Gefühl, als wäre das Ganze nichts für uns.
Poul Prügu: Wir haben das aus dem Ärmel geschüttelt als wäre es nichts.
Greis: Es ist halt einfach ein guter Titel. Der erste Track heisst ja „nüt“!

Krust: Der Witz ist, so mussten wir uns für kein Cover entscheiden, sondern konnten es schwarz belassen, was den Titel noch unterstreicht und ihm gerecht wird.

Widerspiegelt vielleicht der Albumtitel auch eure ironische Haltung zum Rap?

Greis: Nein, das kann man so nicht sagen. Viele MCs erzählen nur Scheisse und sagen danach: Weißt du, das war nur ironisch gemeint, wir nehmen das auf die Schippe. Wir meinen alles ernst. Wir hätten das Album auch dumm&ehrlich nennen können.

Doch gerade über den Rap selber gibt es einige kritische Worte.

Krust:
Wir nehmen einfach den Rap auseinander, und einzelne Teile, die Rap heutzutage einfach mit sich bringt, kritisieren wir. Das Hip Hop machen an sich lieben wir. Aber die Entourage, oder die Monde, die den Rap umschwirren, wenn man Hip Hop Protagonist ist, können nervig sein. Und ich denke, wir haben das auch ziemlich deutlich ausdifferenziert. Wir sagen nie: Rap oder ein Konzert geben ist Scheisse.
Greis: Weißt du, Rap ist immer noch eines der 17 Elemente des Hip Hop. Nein, es geht wirklich darum wie Krust das gesagt hat. Ich möchte das nur noch unterstreichen. Es ist wirklich genau so. Rap an sich ist verdammt geil, das geschlossene System, mit Aufnehmen, Konzert geben; du machst Rap. Aber alles drum und dran ist zum Teil ein wenig nervig. Darum gibt es auch viele Künstler die genau darum den Durchbruch nicht schaffen. Weil ihnen das Ganze zu mühsam ist. Und wir sind halt einfach eine Bastardenform von MCs. Wir wollen „de Föifer ond s Weggli!“

Was nervt euch konkret?

Krust: „Sell out“ kannst du eigentlich wörtlich nehmen!

Greis: Es nervt uns halt, dass ein riesen Geschiss um Rap gemacht wird!
Wenn du Graffiti machst, weiss niemand wer du bist. Niemand gibt dir Props und niemand lässt dich gratis an Konzerte oder Parties. Die ganze Aufmerksamkeit, die kann überaus positive Aspekte haben, aber es kann auch sehr mühsam werden. Einfach nur weil Rap jetzt eine Industrie ist. Wir können Rap auch artisanal machen. Also als Handwerk betrachten.
Poul Prügu: Es sind halt einfach Sachen, die ein Teil davon sind, die wir jetzt halt machen auch wenn es unangenehm sein kann. Aber der schöpferische Akt ist super. Man bekommt Props. Und zuviele Schmeicheleien tun halt auch nicht gut.

Warum dann das aggressive Flair zum Teil in euren Texten?

Krust: Wir haben das halt noch gerne. Das gehört vielleicht zum irrationalen das zum Leben gehört.
Greis: Und die Songs sind ja nicht böse. Es ist halt einfach unser Wortschatz, der sich aber, glaube ich, nicht gross von anderen Leuten unterscheidet.
Krust: Und wir haben uns dagegen entschieden, Wörter nicht zu gebrauchen, die Leute vielleicht halt abschrecken könnten.
Greis: ..oder die den Tieren Angst einjagen.
Krust: Wir wollten ein Album machen, dass wenn Kühe es hören, sie dann mehr Milch geben.
Greis: Aber eigentlich wollen wir noch einen Schritt weiter gehen und möchten Gruyère Käse mit unserer Musik beschallen. Dann wird er in viel kürzerer Lagerzeit rezent!
Poul Prögu: Emmi hat das Verfahren inzwischen patentieren lassen.


Gab es ein Konzept für euer Album? Oder ist es vielmehr eine Ansammlung von euren Texten?

Greis: Natürlich, es gab ein riesiges Konzept. Aber das ginge etwa anderthalb Jahre bis das jemand richtig begreifen würde!
Poul Prügu: Darum wäre es unmöglich, das Konzept auf wenige Sätze herunter zu brechen.
Krust: Und das Aha Erlebnis beim selber herausfinden ist natürlich viel grösser, wenn wir nichts verraten!

Greis: Wir haben eine grosse versteckte Message über sechzehn Songs verteilt. Aber du darfst dich nicht verkrampfen, sondern die Musik auf dich wirken lassen. Und der eigentliche Schlüssel zum Erfolg, dass man das Album 100%ig verstehen kann, ist, dass man es an verschiedenen Orten hören muss! Zuhause, beim Grillen, Beim Ficken, beim Velofahren!

Aus welcher Zeitspanne stammen die Songs?

Krust: Der älteste Song ist etwa ein Jahr alt, aber so die Hälfte der Songs ist in den letzten vier Monaten während der intensiven Produktionszeit entstanden.
Greis: Das ist unsere Frischegarantie!


Wie sieht euer konkreter Schreibprozess aus?

Poul Prügu: Meistens kommt halt jemand mit einer Idee und die andern geben ihre Einfälle dazu ein. Die Texte werden dann einzeln und für sich geschrieben. Weil jeder sein persönliches Konzept und Idee umsetzen muss.

Was wollt ihr dem Zuhörer mitgeben?

Greis: Schau, der Deal ist, wir machen Musik, die uns flasht und wir haben die Chance, dass wir das einem breiteren Publikum zugänglich machen können.
Poul Prügu: In erster Linie machten wir den Sound der uns gefällt, unserer Crew. Dann als zweites machten wir die Musik für unser näheres Umfeld. Wir haben jetzt das Glück, dass eine breitere Masse auf das anspricht. Das ist durchaus positiv!
Krust: Wir wollen nur unseren Ansprüchen gerecht werden, und wenn sich das deckt mit den Ansprüchen unseres Publikums, dann umso besser.
Greis: Trotzdem glaube ich nicht, dass das Album Gold geht in einer Woche, das wird schon etwa 10 Tage dauern.


Euer erster Videoclip wird der Song „Figg mit“ sein, den ihr mit Wurzel 5 auf dem Album performt. Was darf man bereits wissen?

Greis: Wir haben natürlich Tiere im Video, aber wir sind uns einig, dass keine Tiere ins Video kommen, die nicht in freier Wildbahn leben. Aber wir haben es gut mit den Tieren.
Wir haben schon einige Szenen gedreht, aber es gibt noch Sachen, wie gerade die Szenen mit den Faultieren, die noch „Work in progress“ sind. Oder auch mit der Anakonda, wie sie wächst…das dauert schon ein wenig! Trotzdem ist es uns ein Anliegen, dass man uns nicht reduziert auf unsere Affinität zu den Tieren.


Nach welchen Kriterien habt ihr die Featurings ausgewählt? Die meisten Namen haben einen eher niedrigen Bekanntheitsgrad?

Krust: Kalmoo wollten wir unbedingt draufhaben. Wir fanden ihn schon immer sehr talentiert und haben das Gefühl, er ist ziemlich underrated! Mit dem Featuring wollten wir der Schweiz zeigen, dass wir ihn eben wirklich gut finden. A-Man lieben wir einfach, weil er ein TopMC ist. Gaugehill ist eine junge Crew aus Bern. Phantwo und Poul Prögu sahen mal ein Konzert von den Jungs und waren restlos begeistert von ihrem Auftritt! Die wollten wir halt unbedingt featuren, vielleicht auch, damit wir etwas mit Bernern machen. Das Wurzel 5 Featuring liegt wegen Chlyklass eigentlich auf der Hand. Goldstein ist aus Oslo und das hat sich super ergeben. Er wollte bei uns zehn Schafe abholen von unserer Schafszucht. Bei den Vertragsverhandlungen ist ausgekommen, dass er auch rappt und da haben wir ihn mit ins Studio genommen!

Ihr seid ohne DJ und Producer unterwegs. Wie funktioniert das?

Greis: Wir sind halt sonst von guten Producers umgeben.
Krust: Wir nomadisieren quasi von fruchtbarem zu fruchtbarem Nährboden!
Poul Prügu: Es war halt schon vor allem Link, der die Verantwortung hatte auf der Produzentenseite, er hat die meisten Beats gemacht aber auch bei der Produktion das Ganze in der Hand gehabt.
Greis: Und Leute wie Dimos, Stern1 oder Tibner sind Menschen, mit denen wir immer wieder zusammenarbeiten. Und die gehören schon auch zur Familie. MXX sind Jungs aus der Romandie, die man in der Deutschschweiz noch nicht kennt, die aber sehr fette Beats machen. „Fründ u Find“ und „Ab id Schlacht“ sind Beats von ihnen. Merlin, vom Gaugehill ist auch mit drauf und Vasi darf man sicher auch nicht vergessen.
Poul Prügu: Schlussendlich sind es halt wirklich Leute aus unserem Umfeld, mit denen wir auch Party haben und es sich halt ergibt!
Greis: Wir hätten auch gerne zum Beispiel mit Lexx, Sad und Elwont etwas gemacht, aber das hat sich einfach nicht ergeben. Das sind Leute mit denen wir gerne zusammenarbeiten würden.
Krust: Live wird uns aber schon DJ Link unterstützen.


Ja, was kann man Live von euch erwarten?

Poul Prögu: Im Gegensatz zu PVP Konzert so vor zwei Jahren haben wir sicherlich schon mal mehr Konzept weil wir nun auch ein ganzes Set zu performen haben. Und sonst haben wir halt einfach mehr Erfahrung.

Stimmt es, dass ihr zusammen aufgewachsen seid?

Krust: Wir sind schon in den Kindergarten zusammen!
Poul Prügu: Ja, Greis und ich waren zusammen in die Schule gegangen und Krust und Phantwo haben sich auch schon im Kindergartenalter kennengelernt!
Krust: Im Endeffekt ist jeder Mal mit jedem zur Schule gegangen!
Greis: Es wird in Bälde auch eine Verfilmung unserer Kindheit geben, nicht mit Tieren, sondern mit Snoop Dogg in der Hauptrolle. Er wird den Charakter von Poul Prögu spielen!

Wer hat dann Hip Hop oder Rap in die Clique gebracht?

Krust: Wir sind eigentlich übers Breakdancen oder Graffitti zum Rap gekommen.
Poul Prügu: Rap war etwas, dass wir aus Joke oder Zeitvertrieb begonnen haben. Wir hatten nie ein Augenmerk, irgendwann eine Platte zu machen oder so.
Greis: Das hat sich dann ergeben, dass wir sogar ein wenig Cash verdienen!
Krust: Wir spielen auch im Fussballclub zusammen von dem her. Wir machen wirklich auch sonst viel zusammen.
Poul Prügu: Wir sind in dem Sinne einfach ein ehrgeiziger Freundeskreis, wenn wir etwas anfangen, dann wollen wir es uns gegenseitig beweisen, und so hat sich die Rap Sache langsam gesteigert. Und irgendeinmal kommt man an den Punkt, wo du sagen musst, so jetzt machen wir etwas Konkretes daraus!


Arbeitet ihr noch nebenbei?

Krust: Nur Phantwo arbeitet noch
Greis: Er ernährt uns alle!
Poul Prügu: Wir nennen ihn auch deshalb: Der Ernährer!
Poul Prügu: neben meiner Schafszucht, wo ich gerade den Osteuropäische Markt sondiere, studiere ich wie die andern zwei auch!
Greis: Sonst singe ich noch zu den Gruyère Käslaibe.
Krust: Ich verkaufe über E-Bay.
Greis: Aber wir trennen unser Käsegeschäft aber strikte vom Rapbiz! Sofern es geht.

Wie geht es weiter mit PVP? Was für Pläne sind im Umlauf?

Poul Prügu: Bei uns gibt keine fixen Pläne, aber sonst schon viele Projekte, die uns vorschweben. Ein Chlyklass Album sollte mal kommen. Alle von uns haben auch eher persönlichere Sachen, die wir realisieren wollen.
Greis: Es gibt sicher auch wieder ein PVP Album. Ob es eine EP, eine Maxi oder gar eine Maxi zu diesem Album sein wird, wird sich zeigen. Time will show!
Poul Prügu: Aber sicherlich werden wir in Zukunft auch wieder mehr grillen. Nach dieser Rapintensiven Zeit brauchen wir vielleicht auch wieder ein wenig Abstand für einige Zeit!