Johnny Rakete & Meister Lampe – Interview

Auf ihrer Tour beehrten uns der Rapper Johnny Rakete und der Produzent Meister Lampe im Kulturlokal Werkk in Baden mit zwei Hammer Shows. Wir waren vor Ort um ein Interview mit den beiden Künstlern zu machen.

DE-Rap

Wie ist die Nervosität vor einem Auftritt?

Johnny Rakete: Es ist immer ein gesundes Lampenfieber glaube ich. Klar halt einfach, dass du Respekt vor der Situation hast und du weisst, hey da sind jetzt Leute da, die haben bezahlt um mich zu sehen. Das ist das Ding, aber ich habe nicht mehr diese Art Lampenfieber von wegen, oh mein Gott ich habe jetzt Angst, dass ich es verhau, dass ich meine Texte vergesse oder dass ich irgendetwas nicht kann. Dafür mach ich das schon zu lange, da ist jetzt eine Souveränität da. Wenn ich jetzt etwas super Grosses spielen würde oder was Neues, dann ist es nochmal eine andere Sache, aber so ist eine gewisse Routine da.

Meister Lampe: Bei mir ist das relativ easy, kommt immer bisschen darauf an. Das ist glaube ich jetzt das erste Mal, dass ich im Aargau spiele und bei Prämieren ist man immer ein bisschen nervöser. Aber da ich kein Mic in die Hand nehmen muss, sondern hinter dem Pult sein kann, ist es meistens einfach und entspannt.

 

Wie bereitet ihr euch auf einen Auftritt vor?

Meister Lampe: Ich mit meinem altmodischem Kaffetäschen: Koffein, Koffein, Koffein. Ich bin auf jeden Fall immer nüchtern. Da ist für mich ein A und O. Ich habe da schon ein bisschen Angst vor dem Kontrollverlust. Ich kann das dann nachher nicht retten und sagen «hey DJ mach mal».

Johnny Rakete: Ich habe jetzt kein festes Ritual vor einer Show um ehrlich zu sein, also ich muss auf jeden fall einen Joint rauchen, tatsächlich geh ich voll ungerne nüchtern auf die Bühne. Kein Alkohol, höchstens ein Bier. Wenn ich getrunken habe dann passierts mir am häufigsten, dass ich Text-Hänger habe und deswegen versuche ich es da immer im Mass zu halten. Es ist jetzt nicht so, dass ich mich irgendwo in eine Ecke verkrieche, zwei Kerzen anzünde und kurz irgendeinen Gott anbete oder so. Sondern ich setz mich hin, trink einen Tee und rauche einen Joint und dann geht das voll in Ordnung. Ist jetzt kein grosses mystisches Ritual.

 

Woher hast du deine philosophische Ader?

Johnny Rakete: Ich glaube ich bin einfach ein Mensch, der viel nachdenkt über solche Dinge und dann habe ich Beats gefunden und angefangen im Takt laut zu denken und ich glaube, das ist letztendlich das Ding. Ich habe ein paar Semester Philosophie studiert und das hat keinerlei Einfluss gehabt. Ich denk halt einfach viel nach, es ist halt einfach so wie ich bin, ich kann das nicht erklären woher das kommt. Von Zuhause habe ich gelernt Sachen zu reflektieren und mein Dad hat immer sehr viel und offen mit mir geredet. Ich habe früh mitbekommen Sachen zu hinterfragen und das hat sich dann halt einfach in meine Musik mit reingezogen. Philosophie ist halt einfach denken.

 

Lieber Dokus oder Komödien?

Meister Lampe: Konsum von Komödien ist easier und man kann länger einfach mal so entspannt sitzen und schauen. Dokus finde ich aber auch geil, es gibt aber gewisse Komödien wie Monty Python die für mich einfach heilig sind.

Johnny Rakete: Ich hätte wahrscheinlich vor ein paar Jahren Komödien gesagt. Mittlerweile bin ich ein ganz, ganz, ganz grosser Doku Fan, weil es ist Bildung, egal wie du es sehen willst. Du guckst dir so eine Doku an und du weisst am Ende mehr. Ob es jetzt darüber ist, wie man Lampenschirme herstellt oder wie irgend so ein indigenes Volk seit 200 Jahren Affen köpft und draus trinkt, was auch immer. Aber du weisst es, ob es jetzt schlecht oder unnützes Grundwissen ist, aber irgendeinmal stehst du an einer Bar und führst ein Gespräch mit einer Frau und kannst sie nur beeindrucken, wenn du weisst warum sie diese Affen köpfen und aus den Köpfen trinken, dann weisst du es, weil du diese Doku gesehen hast. Deshalb all the way for Dokus.

 

Welche Themen beschäftigen dich gerade neben Rap?

Johnny Rakete: Japanische Popmusik aus den 80er. Ich war vor einem Monat oder so per Zufall auf YouTube und du weisst doch wie das passiert auf YouTube. Du landest von einem Video über 3 Klicks, plötzlich bei der Geburtsgeschichte von Adolf Hitler oder 10 Wege um Kekse vegan zu backen oder halt auf japanische Popmusik aus den 80er und ich bin da wahnsinnig krass drauf kleben geblieben. Dadurch dass ich viele Animes gucke ist mir die Sprache nicht fremd, aber irgendwie finde ich halt japanische Popmusik aus den 80er ist cooler als Popmusik aus dem Rest der Welt aus den 80ern. Deswegen trifft man mich sehr oft in letzter Zeit durch die Wohnung zu japanischer Popmusik tanzen.

 

Was erwartet uns in der Zukunft?

Meister Lampe: Wir sind fleissig an der Arbeit, vom Rockförderverein in Basel habe ich bisschen Fördergelder bekommen für das nächste Projekt. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen.

Johnny Rakete: Bei mir ist es gerade das Album mit HawkOne, das ist jetzt schon im Stadium, dass das die Songs so weit in groben Grundzügen stehen. Es muss halt noch alles ausgefertigt werden, bisschen perfektioniert, bisschen noch Späne schleifen und so aber ja 2019: Johnny Rakete & HawkOne Album auf jeden Fall im Fokus. 

 

 

 

Das Interview für aightgenossen.ch wurde von Yannick Wimmer & Beni Dötsch durchgeführt und transkribiert. Am 27.10.18 fand das Interview im Werkk in Baden statt.