So scharf schiessen Smif N Wessun

Nachdem in den letzten Wochen Konzerte zufälligerweise immer auf einen Donnerstag gefallen waren, war dieses Mal ausnahmsweise der Mittwoch dran. Glücklicherweise hinderte dies gut 250 Hip Hop Connaisseurs nicht daran, an diesem Abend ins damit sehr gut gefüllte Exil zu pilgern. Und da man vom Exil aus für einmal auf eine Vorgruppe verzichtet hatte, mussten sich diese nicht Mal lange gedulden, bis die Werbeträger einer der grössten amerikanischen Waffenhersteller gegen 10 Uhr die Bühne betraten.

Int. Rap

Leider wurden sie dabei nur von Dj Jeffology, seines Zeichens Mitglied der tschechischen Band „Champion Sound“ (welche u.a. auch bereits mit Black Moon auf Tournee waren) hinter den Turns unterstützt und nicht, wie im ersten Teil der Tour, von der gesamten Band. Aber weil es sich bei Smif N Wessun um einen der erfahrendsten Liveacts, welche momentan Hip Hop Bühnen unsicher machen, handelt (Tek und Steel bringens zusammen immerhin auf ein halbes Jahrhundert Bühnenerfahrung) fiel deren Abwesenheit letzten Endes gar nicht so gross ins Gewicht. Auch wenn es für Leute wie dem Autor, welche Smif N Wessun schon mehrmals live gesehen haben, natürlich eine  willkommene Abwechslung gewesen wäre. Immerhin sorgte Dj Jeffology für einen (beinahe) historischen Moment. Bei einem der ersten Songs (leider ist dem in die Tasten Hauenden nicht mehr präsent bei welchem) begleitete er die zwei Rapper mit einer Querflöte. Ausgerechnet eine Querflöte. Dem Instrument, welches von allen Instrumenten wohl am meisten mit schwul assoziiert wird. Dieses Bild: eines der machohaftesten Hip Hop Duos der Geschichte wird von einer Querflöte begleitet, was für ein herrlicher Anblick. 

Später begleitete er sie bei ihrem wohl grössten Hit „Wrekonize“ auch noch mit dem Saxofon. Bei diesem Song zeigte sich auch, dass die beiden Brooklyn Legenden nicht die schlechteste Entscheidung getroffen hatten, als sie sich für eine Karriere als Rapper und nicht als Sänger entschieden haben. Erinnerte ihr „I Shine, you shine“ Singsang am Schluss des Songs doch eher an eine misshandelte Katze als an menschlichen Gesang.

 Ansonsten liessen Tek und Steel nicht viel anbrennen. Die Playlist steht so wohl schon seit mehreren Jahren und Zeit um diese zu üben hatten sie, wie bereits erwähnt, zur genüge. So wird diese Show sicher nicht als die progressivste in die Annalen des Exils eingehen aber das erwartete auch niemand im Publikum. Wer im Jahr 2018 an ein Smif N Wessun Konzert geht, weiss ganz genau was ihn bzw. sie erwartet und er weiss auch, das diese genau das liefern werden. Nicht umsonst gelten die zwei Knarren, neben Onyx, als einer der zuverlässigsten Liveacts der Golden Era, Wu Tang, ich schaue in eure Richtung! (Ok, GZA und Meth mal ausgenommen)

Immerhin, ein Zückerchen in Form von zwei neuen Tracks des im Januar erscheinenden Albums „The All“ (welches vollständig von 9th Wonder produziert sein wird) hatten sie auch noch mit Gepäck. Ein abschliessendes Urteil, ob die Welt das wirklich gebraucht hat, sollte man sich erst erlauben, wenn man das ganze Werk mal fundiert durchgehört hat, aber es wäre vermessen zu behaupten, dass sich die beiden neuen Songs besonders hervorgetan hätten. Wenns dann so weit seien wird, kannst du dir es sicher bei Artcore Radio mal anhören.

 

 

Fotos: https://www.instagram.com/all_has/