Kompromisslose Kreativität

Der Rapper Gabe hat am 11. Februar ein Album mit dem Namen Laferflockä released. Der kreative Titel hält sein Versprechen und man bekommt auf 11 Tracks überdurchschnittlich viel Hip-Hop geboten. 

CH Rap
Album ReviewGabeHeaven in Hell

Respekt vor der alten Schule

Die Zeiten von Luut & Tüütli sind bereits eine Weile her, aber noch lange nicht vergessen. So versteht es das Glarner Kollektiv Heaven in Hell Records (HiH) den Weg von Bandit, Shpoiz und DJ Aldäwaldä weiterzugehen, nein weiterzuleben. Exemplarisch dafür steht Gabes Remake des Tracks Findsch von Luut & Tüütli. Er haucht dem alten Flow neuen Inhalt ein und lässt dabei sogar Paddy (aka. Bandit) zu Wort kommen. Wer aber nur diesen einen Track hört, hat nicht verstanden, dass dies nur ein Einstieg in die Welt von Gabe ist. Den wer in diesem Zug sitzen bleibt, kommt mal mit nach Zürich und mal in einem Sabbatical mit um die halbe Welt.

 

 

Ein Clown mit Tiefgang

Mit viel Liebe und Leidenschaft kleistert Gabe seine Videos aus Bildern und Clips zusammen, mal witzig, mal verspielt, genau wie seine Musik. Ab und zu erklärt er die Punchline gleich selber direkt im Track oder singt ein Solo ein, bleibt dabei aber immer auch selbstironisch. Zuerst bringt er den Zuhörer zum Schmunzeln und dann zum Nachdenken.

 

Screenshot aus dem Videoclip: Gabe (HiH) – Stickers vu Glaris

 

Fast schon antizyklisch zum heutigen Mainstream Hip-Hop verbirgt sich auf dem Album nämlich ziemlich viel Gesellschaftskritik. Egal ob

  • Politik auf Wünschewievomwindeverweht „I allne Kantön werded d’Schranke erhöht… findes Glarnerland schön, aber wer entfernt in Näfels Basketballchörb?“, 
  • Umweltverschmutzung auf Stickers vu Glaris „Wer verchläbt ganz Glarus mit FC Züri Chläber?“,
  • Kriege auf Cyanid mit Gin “Chrieg im Usland mit de Ruag… Verehrti Schwiz, morde isch verbote, kokse isch verbote und jetzt gits en Querverglich.

    Klar wird en Kokser vo de Bulle gfiggt, aber sie sueched au sin Dealer und det liit de Underschied.”

  • oder das Schweizer Spiessertum auf Hurghada „Figg nomal etz schiessts mi ah ja, isch halt doch nöd s’gliche wie im Schwizerland“,

man findet viele gute Beobachtungen der heutigen Zeit.

 

Teamwork

Als wäre das alles nicht schon Hip-Hop genug, will Gabe mit seinem Track Glichgsinnte nur Leute vereinen. Da das Album Beats von insgesamt acht verschiedenen Produzenten hat, scheint ihm das bereits zu gelingen. 

 

 

Das zeitlose Werk Laferflockä kann man im Online Shop als Download kaufen oder falls man etwas Glück hat, findet Gabe in irgendeiner Schublade noch so einen mit Haferflocken verklebten USB-Stick mit exklusiven Instrumentals und Acapellas (siehe Titelbild). Ihn aufzuspüren ist allerdings etwas schwieriger, ja vielleicht eher ein Geduldsspiel. So oder so, unterstützt man mit jedem Kauf oder Klick kreativen Schweizer Rap. Denn das nächste HiH Projekt wartet bestimmt bereits in irgendeinem Studio auf irgendeiner Festplatte.