Review: CH-Acts am Openair Frauenfeld

Mit Vorfreude auf das Openair Frauenfeld blicken wir auf die letzten 5 Jahre des grössten Hip-Hop Festivals Europas aus Schweizer Sicht zurück.

CH Rap
Openair FrauenfeldOpenair Review

Vom 11. bis 13. Juli wird am Openair Frauenfeld wieder ordentlich Hip-Hop zelebriert. Das Line-Up der 25. Ausgabe erfährt mit 61 Live Acts eine noch nie dagewesene Grösse. Ganz zur Freude der CH-Rap Fans. Durch die erhöhte Anzahl der Acts erhalten CH-Künstler wie Luuk, Davey6000, Didi und andere die Ehre am grössten Hip-Hop-Festival Europas aufzutreten. CH-Rap musste jedoch einen langen und harten Weg bis zum diesjährigen OAF gehen.

 

Prozentualer Anteil der CH-Acts von 2009 bis 2019 (eigene Darstellung)

 

2015 – CH-Acts: 12.5%

Beginnen wir die Openair Frauenfeld Zeitreise mit der 21. Ausgabe des mittlerweile grössten Hip-Hop-Festivals Europas. Mit den Headlinern Kendrick Lamar, Nicki Minaj und A$AP Rocky lockte die Veranstaltung zahlreiche Hip-Hop Begeisterte nach Frauenfeld. Von den insgesamt 48 namhaften Acts waren sechs davon Schweizer Künstler. Auf dem offiziellen Festivalplakat waren ihre Namen aber nur klein gedruckt.

Auf der grossen Stage liessen gleich zwei Hip-Hop Kollektive die Herzen der CH-Rap Fans höher schlagen und was für welche: Eldorado FM, deren Album «Luke mir si di Vater» durch die Decke ging und der Klassiker aus der Hauptstadt – Chlyklass.

Auf der kleineren Bühne «La Fabrik» präsentierten die Luzerner Marash & Dave und Mimiks ihr Können und markierten 041 fett auf der CH-Rap Landkarte. Ebenfalls in «La Fabrik» traten die zwei Rap Urgesteine Kaiser & Dimitri, damals noch unter dem Namen Hobbitz, auf. Für den französischen Part der CH-Acts sorgte die Bieler Rap-Crew La Base & Tru Comers, welche die «La Fabrik» Stage richtig einheizte.

 

2016 – CH-Acts: 25.5%

Die Headliner vom 22. Openair Frauenfeld waren keine Geringeren als Macklemore & Ryan Lewis, 50 Cent, Major Lazer und J. Cole. Um auf dem offiziellen Festivalplakat CH-Acts zu finden, brauchte es im Jahr 2016 keine Lupe mehr. Manillio, der das Jahr davor noch zusammen mit Eldorado FM am Festival auftrat, die zwei Berner Lo & Leduc und die Bündner Hip-Hop Crew Breitbild, die im gleichen Jahr mit ihrem Album «Breitbild» Platz 1 der Schweizer Charts belegten, zierten das Plakat des OAFs 2016. Diese drei Acts feierten auf der Main Stage den CH-Rap.

Zwar kein Rapper, aber der CH-Reggaesänger Dodo erhielt ebenfalls die Ehre auf der Hauptbühne auftreten zu dürfen. Schweizer Reggae war wegen der «Startrampe» an diesem Festival mehr vertreten als CH-Rap. Die «Startrampe» des Openairs ermöglichte acht jungen Schweizer Talenten und Bands vor einem grösseren Publikum zu spielen, darunter Elijah, Etobasi und Pedestrians. Insgesamt traten 51 Acts am Festival auf, darunter 13 Schweizer Acts, von denen sind aber lediglich drei dem CH-Rap zuzuordnen. Magere Ausbeute für CH-Rap Fans, nichtsdestotrotz war die «Startrampe» eine schöne Idee.

 

2017 – CH-Acts: 13.7%

51 Acts auf 4 Stages, darunter Legenden wie Usher & The Roots, The Weeknd, Nas und G-Eazy, so lautete die Devise für das 23. Openair Frauenfeld. Auch dieses Jahr brauchten CH-Rap Lover keine Brille, um ihre Lieblingskünstler auf dem etwas unübersichtlichen Plakat zu finden. Gleich sieben Schweizer Acts traten auf, aus Hip-Hop Sicht eine Steigerung zum Vorjahr. JAS CRW, GeilerAsDu, Superwak Clique und der damals erst 18-jährige Nemo brachten die «Soul City» zum Beben, genauso wie die Moshpits, die durch Dawill & Nativ (S.O.S.) ausgelöst wurden.

Zwar war nur XEN angekündigt, aber er nahm seine Jungs EAZ und Liba von Physical Shock mit und lieferte eine unvergessliche Performance in der «Soul City» ab.

2015 noch auf der kleinen Stage – 2017 auf der grossen Bühne: Mimiks hatte als einziger Schweizer Rapper die Ehre, ganz oben zu stehen und wie! Ein ultimativer Beweis, dass 041 in der CH-Rap Champions League ganz oben mitspielt.

 

2018 – CH-Acts: 15.7%

Letztes Jahr übernahm der US-Konzern «Live Nation» die Aktienmehrheit des Openairs Frauenfeld. Da befürchteten einige CH- und Deutsch-Rap Fans eine Dominanz von US-amerikanischen Acts. Dies bewahrheitete sich, aber bei den Headlinern Eminem, J. Cole und Wiz Khalifa waren anfängliche Kritiker verstummt und das 24. Openair Frauenfeld restlos ausverkauft.

Unter den 51 Acts traten acht Schweizer Künstler auf. Das offizielle Festivalplakat ist wieder übersichtlicher und die CH-Acts erhielten dieselbe Schriftgrösse wie die Internationalen und das zu Recht: Nebst Tommy, Dez und CBN standen weitere bekannte CH-Rap Namen wie Knackeboul und die 041-Jungs Ali und EffE auf der kleineren «Soul City» Bühne. Für Abwechslung in der «Soul City» garantierten die Künstler Stereo Luchs, der mit seinen Dancehall Klängen für gechillte Vibes sorgte und die Genferin Danitsa mit ihren rhythmischen französischen Songs.

Das Highlight aus Schweizer Sicht waren ganz klar die Mainstage-Auftritte von Lo & Leduc, mit ihrem Rekordsommerhit «079» und von Physical Shock, denn die Zürcher Rap-Crew liess sich zwei goldene Schallplatten überreichen

 

2019 – CH-Acts: 18 %

61 Acts, Rekord. 11 Schweizer Acts – abgesehen vom Jahr 2016 mit der «Startrampe» – Rekord!

Hier ist für jeden etwas dabei: Sei es klassischer Hip-Hop mit deepen Texten von Luuk, Buds Penseur und Manillio – Trap-Songs mit Abrissgarantie von Cobee, Slimka und Pronto – oder etwas dazwischen, dafür mit viel Power und Herz wie die Songs von KT Gorique.

Dieses Jahr sind wieder zwei, auf gut Schweizerdeutsch, sackstarke Rapcrews aus Luzern und Zürich vertreten: Die Rede ist von Davey6000 und LCone von 041 und Didi von No Basic!

Für die Liebhaber der hochdeutschen Sprache kann Monet192 für eine nice Stunde sorgen.

Abgesehen von Manillio, treten alle CH-Acts dieses Jahr auf den kleineren Stages «Soul City» und «La Fabrik» auf. Hater können diesen Bühnen fernbleiben – vorbeischauen lohnt sich aber auf jeden Fall. CH-Rap Fans werden so oder so gemeinsam ein fettes Openair erleben dürfen und die Renaissance der Schweizer Hip-Hop Kultur ordentlich zelebrieren.