Saimon Disko – Ume Album Review

Die Sommerferien sind eingeläutet, das Thermometer klettert nicht selten über die 30 Grad-Grenze und die Badis sind voll. Man denkt sich kaum, dass in dieser relaxten Zeit irgendwer ein Album releasen könnte – mitten in der Festivalzeit. Doch Saimon tut genau dies und bringt am 19. Juli 2019 nach zwei Mixtapes sein Debutalbum in die Läden; oder besser gesagt unter die Sonnenschirme, in die Boomboxes und auf die Liegestühle.

CH Rap
Album ReviewUme

Von null auf hundert

Betrachtet man die Anzahl Follower auf Instagram oder Likes auf Facebook, die Saimon Disko angesammelt hat, könnte man denken, dieser aufstrebende Thuner sei noch eher unbekannt. Wer dies aber im Kopf hat, liegt definitiv falsch. Sein musikalisches Schaffen, seine Diskografie mag zwar eher noch klein wirken, wer sich aber in der Rapszene – insbesondere in der Freestyle-Rapszene – auskennt, für den ist Saimon ganz sicher kein unbeschriebenes Blatt. Vor fünf Jahren konnte er sich überraschend als spontanen Publikumsrapper für das Ultimate MC Battle 2014 qualifizieren und zwei Jahre später gewann er die inoffizielle Freestyle-Schweizermeisterschaft auch gleich gegen Acid T in einem Finale über drei Runden.

Anfangs Jahr hat er mit dem Song „Cortison“ schon einen ersten Vorgeschmack gegeben, was man in Zukunft von ihm für Musik erwarten kann. Gefeiert als Headbanger, ist dieser Track – oder besser gesagt die Message – in Tat und Wahrheit aber wohl eher das Gegenteil von festlicher und ekstatischer Stimmung.

 

Ein Werk mit grosser thematischer Bandbreite

Es ist ja wirklich so, meistens kann man im Sommer und während eben dieser Zeit, in welcher die Openairs und Festivals fast im Wochentakt beginnen und enden, keine Releases erwarten. Anfangs Jahr oder wenn der Herbst einzieht und die Blätter an den Bäumen ihre Farbe verlieren, dann hingegen schon. Man verbringt mehr Zeit an den Abenden zuhause und kann sich so entspannt der Soundanlage und neuen Klängen widmen – es ist nicht immer und überall „grill’n’chill“ angesagt. Umso schöner, dass Saimon Disko diese „Regel“ bricht und uns mitten in dieser Flaute ein Album präsentiert, welches sehr vielfältig ist. Es finden sich klassische Hiphop-Beats aber auch Trap ist vertreten. Und dies nicht zu knapp und unglaublich stilsicher. Disko hat eine grosse Bandbreite an Themen, die er anspricht. Sei es die Freundschaft, das unsäglich grosse Angebot in unseren Lebensmittelläden, von denen wohl gewisse Menschen auf dieser Welt nur träumen können oder auch das Angebot von offenen Türen, die die heutige Jugend hat. Die Frage dazu ist, ist das Fluch oder Segen – oder beides zugleich? Dies alles klingt nun sehr überlegt und schwer verdaulich, doch natürlich befinden sich auch Songs auf dem Album, die man ganz nebenbei hören kann und bei denen man sich unbeschwert fühlt. Mit der gleichnamigen Single und dem dazugehörigen Video „Ume“ zeigt sich der 26-jährige von seiner ruhigen Seite und appelliert an die Freundschaft und dass er gerne für seine Freunde da sei, wenn diese schwierige Zeiten durchleben.

 

 

Als man den Beginn des Refrains von Chopin das erste Mal hört, fragt man sich vielleicht, was der Titel des Tracks mit dem Inhalt zu tun hat. Da der ganze Song jedoch gespickt ist mit Wortspielen, begreift man beim erstmaligen Hören den Wortwitz sehr schnell und hat ein Schmunzeln auf den Lippen. Nur um eine Line davon zu nennen: „Kenne eine wo schafft bi Ikea, u drum chouf i mer e Schaft bi Ikea“. Das Lied Nummer 6 „Lost“ spricht davon, welchem grossen Überfluss die Menschen heutzutage ausgesetzt sind. Das Handy klingelt, ständig ist man online, hat tausende Freunde und doch keine richtigen. Ist ein bestimmter Zukunftsplan zurecht gelegt, wird einem klar, dass es noch unzählige weitere Möglichkeiten gäbe. Welchen Weg soll man denn nun um Himmels Willen einschlagen? Links, rechts oder doch besser geradeaus? „Jalan Tol“ (indonesisch für gebührenpflichtige Strasse) ist wieder etwas leichter, mit weniger Profundität. Man geniesst den Trap-Beat ohne gross nachzudenken. Ein guter Tune, um ihn im Auto zu pumpen. Und so ist es auf dem gesamten Werk ein auf und ab, man schwebt auf leichten Wolken und muss sich nichts dabei denken, um einen Track später wieder auf den Boden der Realität zurückzukehren und sich mit wichtigen Themen auseinanderzusetzen. Eine gute Mischung also.

 

 

Man muss Trap mögen

Das Cover erweckt der Gedanke, Shenlong wurde gerufen und mit den vor ihm liegenden Dragonballs will er uns allen einen Wunsch erfüllen – den, eines starken und abwechslungsreichen Musikalbums. Eines muss man aber im Hinterkopf behalten: Ist man nicht begeistert von Trap, wird es schwierig. Es kann nach mehrmaligem Durchhören am Stück auch schwerfällig und etwas nervig werden. Auch wenn es von den Songs her im Grossen und Ganzen viele verschiedene Facetten aufweist, wünscht man sich innerhalb der kleinen Kunstwerke manchmal etwas mehr Aussage. Dessen ungeachtet, sollte man die Boxen einmal richtig laut aufdrehen, den Nachbarn an einem Sonntagabend auf den Geist gehen und durchdrehen. Das Potential liefert es dazu allemal.