Royal Arena 19 Recap – Freitag

DJ Flamin Fingaz war wieder für seinen Artcore Radio Blog unterwegs, genauer gesagt am Royal Arena Festival in Orpund vom 16.-17. August 2019. Er hat die Erlebnisse etwas wirken lassen und berichtet für uns nun ausführlich von den Highlights, aber auch den Enttäuschungen des diesjährigen Open Airs. Wir beginnen mit dem Freitag.

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Konzert ReviewopenairRoyal Arena Festival

Nachdem der Berichteschreiber bei der letztjährigen Ausgabe wegen der Anreise mit dem Privatwagen verkehrsbedingt die ersten Konzerte verpasst hatte, zeigte er sich dieses Jahr gewillt, es besser zu machen. Und überraschenderweise erwies er sich für einmal nicht als lernresistent (dies ist die Ausnahme, welche die Regel bestätigt) und so betrat dieser an diesem Freitag nach einer ruhigen und stressfreien Anfahrt mit dem Zug bereits gegen 15 Uhr das Festivalgelände. Da die erste Show erst auf vier Uhr angesetzt war, blieb noch genügend Zeit, ein wenig übers Gelände zu latschen, ein paar Hände zu schütteln und sich zu akklimatisieren. Auch dieses Jahr machte das Wetter dem Namen des Festivals alle Ehre und zeigte sich an diesem Freitag von seiner königlichen Seite. So stand der Verfasser um 16 Uhr tiefentspannt vor der noch sehr sanft bevölkerten Hauptbühne und wartete, dass Sa-Ves die diesjährige Ausgabe eröffnen würde.

 

SA-VES © Nando Aerni

Es erwies sich als sehr cleverer Schachzug, zur Eröffnung einen Lokalmatador aufzubieten. Wie man anhand der vielen Sa-Ves Shirts und Caps im Publikum unschwer erkennen konnte, verfügte der Wahlbieler bereits über eine ansehnliche Anzahl loyaler Fans, welche vor der Bühne schon für ordentlich Betrieb sorgten. Diesem wird dies sicher moralischen Auftrieb gegeben haben, denn eigentlich hätte er an diesem Freitag nach England ans Begräbnis seiner Oma reisen sollen. Er wird mit Sicherheit schon einfachere Entscheidungen in seinem Leben zu treffen gehabt haben, deswegen sei ihm auch aus Sicht eines neutralen Zuschauers nochmals versichert, es war die richtige Entscheidung. Erstens, die Gelegenheit auf so einer grossen Bühne zu stehen, kommt so schnell nicht wieder und viel wichtiger, Sa-Ves hat die Chance genutzt und seine Duftmarke hinterlassen. Mit viel Elan, Spielfreude und auch Charisma sorgte er für einen sehr gelungenen Einstand ins Royal Arena 2019. Da wird auch Oma Sa-Ves, wenn sie von oben zugesehen hat, stolz auf ihren Enkel gewesen sein.

 

LUUK © Nando Aerni

Auch im Anschluss setzte man seitens der Organisatoren (zurecht) weiter auf einheimische Qualität. Gut, bei Luuk geht man als Veranstalter kein grosses Risiko ein, hat dieser sich doch in den letzten Jahren als einer der absoluten Qualitätsgaranten im Schweizer Rap etabliert, welcher auch live jeweils nichts anbrennen lässt. Diesen Ruf untermauerte er auch mit seiner Performance am Royal. Unaufgeregt aber immer souverän und fokussiert spulte er unterstützt von zwei Backup MC’s sein Programm ab und liess zu keiner Sekunde auch nur ansatzweise das Gefühl aufkommen, das sei keine Herzensangelegenheit mehr für ihn. 

 

 

Im Gegensatz zu früheren Auftritten hatte er diesmal jedoch keine Armada an befreundeten MC’s dabei, was die ganze Sache jedoch nur noch familiärer machte. Und ganz liess er sich dann trotzdem nicht nehmen diese Plattform auch noch ein paar Homies zu bieten. Zusammen mit Knackeboul gaben sie einen noch unveröffentlichten Song zum besten und mit Ryler Smith performten sie den gemeinsamen Track „Renaissance“ vom letztjährigen, gleichnamigen Erfolgsalbum und sorgten dafür, dass der Moshpit Hunger der fanatischen Turnupfraktion im Publikum ein erstes Mal gestillt wurde.

Apropos Turnup, nach Luuk’s Auftritt blieb ein kurzes Zeitfenster um schnell zur Beatstage rüber zu huschen und mal kurz bei Cobee’s Performance reinzuschauen. Der in die Tasten Hauende kam gerade rechtzeitig um mitzuerleben, wie der Berner Shootingstar der Crowd mit „Redlight“ einen exklusiven Vorgeschmack auf kommende Musik gewährte. Und eins muss man dem bleichgesichtigsten (ja Stereo und Danase, da könnt ihr noch lange behaupten)  unter den Schweizer Rappern lassen, wie man eine Crowd anheizt und das letzte Bisschen aus ihr rauskitzelt, das hat er schon verdammt gut im Griff. Kunststück, wenn man vom momentan besten Schweizer Liverapper lernen kann. Bevor der Schreiber zurück zur Hauptbühne kehrte, wurde er bei Cobee’s Smashhit (Trink mit mir) noch Zeuge des bis anhin grössten Moshpits des Wochenendes. Klar, nach bisher zwei Acts brauchts noch nicht soviel dafür, aber dieser war auch übers ganze Festival gesehen sicher unter den Top 10 (zumindest von denen, welche der Autor mitbekommen hat). Es war wirklich beeindruckend zu sehen, wie die Leute vor der Bühne völlig durchdrehten (da würde A$AP Rocky grad neidisch werden, aber dazu später noch mehr).

 

Blasser Rapper, gar nicht blasse Show. © Jonathan Vallat

Der Grund wieso der Verfasser dieses Berichts rechtzeitig zurück zur Hauptbühne wollte, findet man im Auftritt von Clear Soul Forces. Für ihn waren diese 4 Jungs aus Detroit einer der Geheimtipps und er wollte unbedingt sehen, wie sie sich live schlugen. Und sie enttäuschten ihn nicht. Was diese darboten war eine Mischung aus Rap Performance, Kampfsport und Action Theater. Bei einem ihrer bekanntesten Songs (von Hits kann man leider in ihrem Zusammenhang noch nicht reden) „They Shootin“ knallten sie sich auf der Bühne symbolisch ab. Oder sie klauten sich gegenseitig das Mic, wenn der nächste den Part übernahm. Allgemein überzeugten sie mit einer unbändigen Liveenergie. Da wurden Bandmitglieder huckepack getragen, Karate oder Capoeira ähnliche Moves vorgetragen und auf der Bühne hin und her getigert als wäre dies ihre einzige Stunde Auslauf pro Tag. Am beeindruckendsten war Ilajide, seines Zeichen Rapper und gleichzeitig auch Produzent der Formation, welcher immer wieder hinter dem DJ Pult stand, um per Controller die Beats live anzuspielen um darauf wie ein Derwisch über die Bühne zu irrlichtern, seine Parts zu rappen und dem Publikum einzuheizen. Definitiv eines der Highlights des diesjährigen Royal Arena.

 

Clear Soul Forces © Nando Aerni

Nach diesem Feuerwerk kam es dem Bleistiftschwinger nicht ungelegen, dass fürs erste eher wieder ein ruhigerer Act angesagt war. In der Beatstage hatte sich The Alchemist angekündigt, welcher definitiv nicht für brachiale Partyhymnen bekannt ist. Bereits im Vorfeld hatte sich der Verfasser überlegt, was ihm beim Auftritt des Beat Alchemisten wohl erwarten wird. Schliesslich handelt es sich bei ihm um einen durchaus respektablen Rapper (was er vor einigen Jahren auch schon eindrücklich unter Beweis gestellt hat), bekannt ist er jedoch in erster Linie als Produzent. Da am gleichen Abend auch noch Freddie Gibbs auftreten sollte, hatte sich der Schreiberling ganz leise Hoffnungen gemacht, dass dieser auch bei Eminems Tour DJ vorbeischauen würde und sie den ein oder anderen Track ihres gemeinsamen Projektes „Fetti“ performen würden. Nun, nicht nur wurde diese Hoffnung relativ schnell im Keime erstickt, sondern ganz allgemein die Erwartung, das Alchemist das Mikrofon für mehr als nur zum anheizen der Zuhörerschaft in die Hand nehmen würde. Es sollte ein stinknormales „ich spiele meine Beats an und labere ein bisschen darüber“ Set werden. Immerhin pimpte der Kalifornier dieses noch mit den Originalsamples der jeweiligen Beats auf, welche er davor noch kurz anspielte. Trotzdem, was den Reiz ausmacht, ein paar Beats einfach ab Konserve live an einem Festival zu hören, wird der Verfasser dieser Zeilen wohl nie verstehen. Deswegen ging es nach den ersten paar Songs wieder zurück zur Hauptbühne, wo der Auftritt der französischen Combo Hocus Pocus um das musikalische Multitalent 20Syl bereits im vollen Gang war.

 

Alchemist verliess diesen Platz leider nicht. © Jonathan Vallat

Unterstützt von einer beeindruckenden Band (u.a. mit 3 Livebläsern), einem seiner Kollegen von C2C hinter den Plattentellern und von seinem Partner in Crime bei AllttA am Mic (welcher genau gleich wie der verstorbene MCA von den Beastie Boys klingt) zauberten sie eine Show aufs Parkett, welche sogar den Berichteschreiber als erklärten Franz Rap Skeptiker zu Begeisterungsstürmen hinreissen liess. Es kommt halt auch nicht oft vor, dass sich der Rapper mit dem DJ an den Turntables abwechselt und an diesen eine genau so gute Figur abgibt wie der DJ. Oder das sich der DJ mit dem Gitarristen ein Battle, wer den geilsten Riff draufhat, liefert. 

 

 

Allgemein war der DJ besser in die gesamte Performance eingebunden als DJ Babu bei den seinen Auftritten mit den Dilated Peoples. Für den Autor, welcher ja selber auch DJ ist, waren diese in dieser Hinsicht (den DJ in die Liveshow einbinden) bis anhin immer das Nonplusultra gewesen. Und als wären dies nicht schon genügend Highlights gewesen, erlebte er bei dieser Performance auch zum allerersten Mal ein Talkbox live in Action (für diejenigen, welche sich nichts unter dem vorstellen können, eine Talkbox ist eine Art Synthie, bei welchem man den Klang der Stimme mit diesem modulieren kann und ähnelt vom Klang her entfernt an Autotune. Im Hip Hop fand die Talkbox vor allem in den G-Funk Tracks der frühen 90er Verwendung). Es fehlte nicht viel und er wäre in Freudentränen ausgebrochen.

 

Hocus Pocus © Nando Aerni

Im Anschluss war der in die Tasten Hauende gespannt auf den Auftritt von Nas Zögling Dave East. Schaffte es dieser auf seinen Tracks mit seiner imposanten Stimme jeweils eine aussergewöhnlichen Dichte und Intensität zu erzeugen. Was dann aber folgte könnte auch eine Step by Step „Wie ruiniere ich meinen guten Eindruck am effektivsten“ Anleitung darstellen. Step 1: Komm ja nicht auf die Idee, deine Songs live zu rappen, da man sie ja genausogut Playback laufen lassen kann. Step 2: Widme deine Show dem verstorbenen Nipsey Hussle und spiele während deinem Set nicht nur ein Song von ihm, sondern im Minimum zwei um ein bisschen Zeit zu überbrücken (danach ist der Autor geflüchtet, gut möglich, das er sogar noch weitere Songs gespielt hat). Step 3: Spiel bei Songs von dir, welche auch ein Feature beinhalten, dieses auch noch ab und rappe unbedingt auch dieses mit (auch wieder mit dem Ziel Zeit zu schinden). Da es sich bei Dave East eher um einen jungen Künstler handelt, hatte der Autor schon erwartet, dass der Auftritt vielleicht nicht gerade das gelbe vom Ei werden würde, aber dass es so schlimm sein könnte, hatte er sich ihn seinen kühnsten Träumen nicht ausmalen wollen. Derjenige, welche auf der Bühne am meisten abging, war der Tourmanager. Er rappte die Parts jeweils mit mehr Inbrunst als Dave East (einfach ohne Mic leider).

Deswegen brach der Bleistiftschwinger die Übung vor der Hauptbühne ab und begab sich wieder zurück zur Beatstage, wo Masta Ace zusammen mit Marco Polo die Menge zum toben brachte. Und das mit der Menge ist durchaus wörtlich zu nehmen, wohnten der Show doch sichtbar mehr Leute bei als bei Dave East vor der Hauptbühne. Es sollte jedoch nicht das letzte Mal gewesen sein, dass sich die Macher bei der Einteilung der Slots ein wenig verschätzt hatten. Obwohl Masta Ace explizit mit Marco Polo angekündigt war und sie ja gerade erst im Frühling ein gemeinsames Album releast hatten, spielten sie während der gesamten Show nur zwei gemeinsame Songs an.

 

 

Ansonsten spielte sich der New Yorker Veteran geschmackssicher durch seine Diskografie und gab von Born To Roll bis Acknowledge jeden seiner Hits zum Besten, was vom grössten Teil des Publikums honoriert und frenetisch gefeiert wurde. Der Autor für sein Teil hätte auch gut damit Leben können, wenn sie noch ein paar neue Songs mehr gebracht hätten, aber seis drum, bei diesem Showcase wurde immerhin tatsächlich gerappt.

 

 

Bis es in der Beatstage mit dem Konzert von Token weitergehen würde, blieb noch genügend Zeit für einen kurzen Abstecher vor die Hauptbühne, wo Deutschraps charismatischster Entertainer gerade seine Mätzchen abzog. So forderte SSIO seine Fans auf, zur Abwechslung mal einen dreieckigen Moshpit zu eröffnen, herrlich. Ansonsten kamen vom Mann mit der Nase keine grossen Überraschungen. Gewohnt selbstsicher cruiste er zwischen frauenverachtenden und selbstironischen Ansagen, um dazwischen mit absoluten Brettern jeden, aber wirkliche jeden Kopf vor der Hauptbühne zu nicken zu bringen. Da der Schreiberling SSIO im Gegensatz zu Token bereits mehrfach live bewundern konnte, ging es nach ein paar Songs bereits wieder zurück zur Beatsatge.

 

MASTA ACE (rechts) © Jonathan Vallat

 

Es hatte tatsächlich bis zur Show von Masta Ace gedauert, bis dem Verfasser effektiv aufgefallen war, dass die Akustik in der Beatstage in diesem Jahr erfreulicherweise bedeutend besser als letztes Jahr war. Ausgerechnet bei der nachfolgenden Performance war dies zwar ganz und gar nicht der Fall, jedoch lag dies zu 100% am DJ von Token und nicht am Soundsystem. Der in die Tasten Hauende stand grad neben dem Tontechniker und konnte mit ansehen, wie dieser fast verzweifelte und mehrfach versuchte darauf Einfluss zu nehmen, aber nichts dagegen unternehmen konnte. Im Anschluss an die Show sprach der Bleistiftschwinger diesen darauf an und dieser meinte nur, es habe an der Soundkarte des DJ gelegen. Zu alt oder sonstwie beschädigt. Auf alle Fälle irritierten die gesamte Show hindurch regelmässige akustische Artefakte und Ausfälle bei den Beats das Hörvergnügen. Aber auch sonst hinterliess der junge Amerikaner einen zwiespältigen Eindruck. So performte auch er seine Songs mit Vocals im Hintergrund, allerdings schrie er gleichzeitig seine Zeilen so laut ins Mic, dass dies nicht weiter auffiel. Auch sonst erwies er sich als hyperaktives Energiebündel, gegen das die Duracellhäschen wie alte Opis aussehen. Dies war allerdings gleichzeitig auch seine Achillesferse, denn so übermotiviert wie er war, rappte er zum Teil am Beat vorbei. Da kamen unweigerlich Erinnerungen an die legendäre erste Show von Joey Bada$$ vor Jahren im Exil hoch. Aber der jugendliche Übermut sei ihm noch verziehen, mit ein paar Jährchen Bühnenerfahrung mehr wird sich das schon einpendeln.

Definitiv ein paar Jährchen Bühnenerfahrung mehr brachten die nächsten Künstler auf der Hauptbühne mit. Dort war die Zeit endlich reif für den Auftritt von Madlib & Freddie Gibbs. Schlussendlich war dies die Show, auf welche sich der Bleistiftschwinger am meisten gefreut hatte. Allerdings spannte Madlib das Publikum zu Beginn noch ein wenig auf die Folter, denn zuerst spielte er ein kurzes DJ Set mit einigen seiner Beats. 

Danach war es aber soweit, eine der aktuell prägnantesten Stimme im Rapbiz enterte die Bühne. Zwar war die Stimme live nicht ganz so beeindruckend wie auf Platte, aber das machte Gangsta Gibbs locker mit seiner Präsenz weg. Es gibt nicht viele Rapper, welche so eine Aura ausstrahlen wie er. Wie er im zweiten Teil der Show oben ohne auf der Bühne stand, erinnerte stark an Tupac. Sowohl optisch als auch energetisch. Gut, über das energetisch kann der Autor nur mutmassen, aber zumindest stellt er sich das so vor. 

 

Is it Tupac or is it Freddie? © Florian Schneiter

Und trotzdem hatte der Prototyp Gangsta aus Gary Mühe mit dem Publikum zu connecten. Vermutlich prallten an diesem Abend zu unterschiedliche Lebenswelten aufeinander. Mit ziemlicher Sicherheit war auch der Slot ein wenig zu spät angesetzt. Madlibs Beats eignen sich nun mal nicht zum Turnup. Doch als alter Hase im Game hatte Freddie auch dafür eine Lösung parat. Was ist einer der kleinsten gemeinsamen Nenner von Hip Hop Heads weltweit? Richtig, die Abneigung gegenüber der Staatsgewalt. Und so brach er das Eis mit der wiederholten Aufforderung „Fuck Police“, welcher die Crowd natürlich ekstatisch nachkam. Rein raptechnisch aber überzeugte Gangsta Gibbs auf vollster Linie. 

 

 

Wie er ganz ohne Back Up locker flockig über die Beats spazierte und diese trotzdem dominierte war schon ausserordentlich. Nur sein Abgang war ein wenig schräg. Er hatte die Bühne schon verlassen, als er nach ein paar Minuten noch mal zurück kam und als Zugabe noch mal den Song „Crime Pays“ anspielte, wobei das Mic aber fast beim gesamten ersten Part nicht offen war. Und am Ende des Songs wurde er dann wieder vom Tourmanager von der Bühne gezerrt. Naja, muss man nicht verstehen und den Eindruck nachhaltig schmälerte der Vorfall nun auch nicht.

Als Headliner für den Freitag wurden die Pariser Legenden NTM gebucht, wobei dies eines ihrer letzten Konzerte überhaupt sei, da sie sich ja momentan auf Abschiedstournee befinden. Deswegen dachte sich der Bleistiftschwinger, obwohl er es ja schon fast gebetsmühlenartig wiederholt, dass er kein Fan von französischem Rap ist, er könnte sich ja mal anschauen, wie die Show wird. Und das Bühnenbild, welche für sie aufgebaut wurde, war wirklich beeindruckend.

 

Suprême NTM © Nando Aerni

Aber nach dem dritten Track ging ihm das kratzige Stimmorgan von Lord Kossity so sehr auf den Sack, dass er sich entschied wieder zur Beatstage zu wechseln, wo drü, zwei, eis… Nativ für ausgelassene Stimmung sorgte. Bei diesem war er diesen Frühling im Exil Zeuge geworden, was für ein Feuerwerk dieser live abbrennt. Und auch hier am Royal liess er sich definitiv nicht lumpen. Zwar legte er zu Beginn seiner Show mehr wert darauf seine Message rüberzubringen und war weniger auf Turnup aus, als bei seiner Show im Exil, aber Nativ wäre momentan nicht der Livegott des Schweizer Raps, wenn er im weiteren Verlauf der Show nicht das Zelt zum beben gebracht hätte. Und spätestens als ihm sein Psycho’n’Odds Buddy Buds Penseur für ein paar gemeinsame Songs unter die Arme griff, wars endgültig vorbei mit der Beschaulichkeit. Da wurden Leuchtfeuer gezündet, es fegten Moshpit Hurricanes durchs Publikum und auch Nativ liess es sich nicht nehmen für ein Part in die Crowd runterzusteigen. Ein fast schon zu kitschiger, aber selbstverständlich würdiger Abschluss eines mehr als gelungenen ersten Tages des Royal Arena 2019.

 

Nativ © Lucie Gertsch

Den zweiten Teil des Royal Arena Recap findest du hier.

Text und Videos von DJ Flamin Fingaz. Mehr von ihm findest du hier: Artcore Radio Blog