Royal Arena 19 Recap – Samstag

DJ Flamin Fingaz war wieder für seinen Artcore Radio Blog unterwegs, genauer gesagt am Royal Arena Festival in Orpund vom 16.-17. August 2019. Er hat die Erlebnisse etwas wirken lassen und berichtet für uns nun ausführlich von den Highlights, aber auch den Enttäuschungen des diesjährigen Open Airs. Weiter gehts mit dem Samstag.

CH RapDE-RapInt. RapRnB/Soul
Konzert ReviewopenairRoyal Arena Festival

Der zweite Tag in Orpund wurde mit einem Jiggaman Medley eröffnet. Der alte DJ Haudegen Platinum, welcher für Naomi Lareine den Live DJ übernahm, scheint ein ziemlicher Jay Z Fan zu sein, zumindest versuchte er die bereits anwesenden Heads mit einer Überdosis H to the Izzo aus ihrer Katerlethargie zu wecken. Macht ja irgendwie auch Sinn. Zuerst der King of New York und nachher La Reine aus Zürich. Oder so ähnlich. Und weils am Royal Arena Festival gerade so königlich zu und her ging, durfte King James von der Starter Gang auch nicht fehlen. Er übernahm für Naomi die Funktion des Einpeitschers. Das erinnerte dann stark an Funk Flex oder DJ Clue. Eigentlich ist der Autor ja ein grosser Fan von King James, aber in diesem speziellen Fall war es für seinen Geschmack definitiv zu viel Geschrei. 

 

NAOMI LAREINE © Jonathan Vallat

Vor allem da Naomi es gar nicht nötig gehabt hätte, verfügte sie doch über eine Stimme mit locker über dreimal so viel Power wie die von King James. Bis zu diesem Auftritt hatte der Bleistiftschwinger die junge Frau noch nicht auf dem Schirm gehabt, aber nach deren Performance kann er nur anerkennend nicken und den Hut ziehen. Wer Destiny’s Child Überhit „Say My Name“ über Designer’s Panda Beat covert und dabei gesanglich gegenüber den drei Schicksalskinder nicht abstinkt oder beim „Breathe“ Cover von Blu Cantrell diese stimmlich sogar aussticht, ist definitiv auf gutem Weg. Selbstverständlich stellte sie auch noch eigene Songs vor. Unter anderem gewährte sie einen exklusiven Einblick in ihre bald erscheinende Debut EP „Unchained“. Die eigenen Songs sind absolut state of the art, überzeugen mit modernem Soundbild und richtig tighten Produktionen. Das trifft jetzt nicht unbedingt den musikalischen Geschmack des Schreibers, eröffnet dafür aber um so mehr Potential auch international durchzustarten. Man kann gespannt sein, was da noch gehen wird.

Viel grösser könnte der musikalische Bruch nicht sein, denn nach Naomi Laraine gehörte die Bühne dem charismatischsten Street Rapper der Schweiz. Von klebrigem RnB zu staubtrockenen Sample Beats quasi. Da dies nicht das erste Mal in diesem Jahr war, dass der Schreiberling eine Show von Danase beiwohnen konnte, passierte während seines Gigs nichts, was ihn jetzt völlig aus dem Konzept gebracht hätte. In erster Linie überzeugte der Wiediker wieder mit ehrlichem Rap ohne grosse Show und Gimmicks direkt in die Fresse der Zuschauerinnen und Zuschauer. Dann war da selbstverständlich auch der obligatorische Gastauftritt von Homie Rios, um zusammen Vodka Mate zu performen.

 

DANASE © Nando Aerni

Aber er hatte sich auch noch die eine oder andere Sache darüber hinaus überlegt, um seine Show in Orpund zusätzlich aufzupeppen. So hatte er diesmal gleich zwei DJ’s dabei, welche sich hinter den Plattenteller abwechselten. Während DJ Boogieman dort für ordentlich Scratch Action sorgte, war Zürisläng Legende Sterneis für weitere Rap Action besorgt. Überdies spielte Danase dieses Mal sogar zwei bisher unveröffentlichte Songs aus seiner Zusammenarbeit mit den Tru Comers an. Aber das grösste Highlight aus Sicht des Verfassers war, dass er auch noch Luuk eingeladen hatte, ihren gemeinsamen Song „Schneewiis“ zusammen zu performen.

 

 

Und als letzte Überraschung gaben sich Nativ und Buds Penseur die Klinke in die Hand und konnten so auch noch auf der Hauptbühne einen Song von Psycho’n’Odds zum Besten zu geben. Nur schade, dass sie danach nicht auch noch einen der gemeinsamen Songs von der Trilogie von Sterneis & Danase angestimmt haben. Aber schön zu sehen, das man im Schweizer Rap zueinander schaut.

 

 

Die danach folgende Künstlerin fügte sich musikalisch bedeutend nahtloser ein als vorhin. KT Gorique war vor zwei Jahren DIE Entdeckung für den Schreiberling und seitdem muss man bei ihm schon beinahe von einem Groupie reden. Aber die junge Walliserin liefert auch wirklich jedes Mal, wenn sie live auftritt. Von dem her hätte sie sich dieses Jahr eigentlich bereits eine prominentere Stagetime verdient. Das Gute, KT Gorique befasst sich (vermutlich) gar nicht mit solchen Überlegungen, sie würde auch am Sonntagmorgen um 9 Uhr abliefern. Logisch macht sie das dann auch an einem Nachmittag, und wie. 

 

 

Diesmal zusätzlich von einem Live Drummer unterstützt, welcher nicht nur mit den Sticks eine gute Figur abgab, sondern sich gegen Ende des Showcases auch ein Mic griff und an diesem ebenso überzeugte. Daneben hatte sie auch noch eine weitere Rapperin eingeladen, wegen der nicht ganz so optimalen Akustik verstand Autor jedoch weder deren Namen noch in welcher Sprache diese rappte. Diese junge Lady flowte allerdings auch in so einem Affenzahn, dass es auch bei optimalen akustischen Verhältnissen schwierig gewesen wäre, sie zu verstehen. Tendenziell war KT Gorique’s Soundbild dieses Jahr eher moderner als bei ihren letzten Auftritten. So hatte sie auch ein, zwei Songs in petto, zu denen man pogen könnte. Allerdings müssen sich ihre Fans wohl zuerst noch daran rantasten, denn bei ihrem Auftritt war es das erste Mal, dass der Schreiberling mitbekommen hat, wie ein Moshpit missriet.

 

KT GORIQUE © Nando Aerni

Nach diesem beschwingten Auftakt vor der Hauptbühne war die Zeit jetzt reif für die erste Dislokation zur Beatstage. Eine vertrauungswürdige Gewährsperson hatte dem in die Tasten Hauenden empfohlen, den Auftritt von Starrlight ja nicht zu verpassen. Und zum Glück lässt dieser sich hie und da sogar etwas sagen, denn solche Momente, wie er ihn bei der Show der toughen Holländerin erlebte sind schlussendlich die Essenz von Festivalbesuchen. Davor noch nie etwas von dieser Dame gehört, stand er da und war ab ihrer Performance einfach nur baff. Man kann bei ihr durchaus von Heather B’s legitimer Erbin sprechen, nicht nur optisch sondern auch von der Art wie sie ihre Beats zerstörte. Eine Löwin, welche zwei Wochen nicht gefressen hat, wirkt im Vergleich dazu wie ein fette, satte Hauskatze. Und als wär das nicht schon genug, bewies sie, dass sie auch bei langsameren Beats mit hektischeren Hi-Hats überhaupt kein Problem hat, diese mit ihrem Flow in ihre Einzelteile zu zerlegen. Wow, genau für solche Erlebnisse lohnt es sich halt trotzdem, immer noch an Festivals zu gehen!

 

Heather B. back on Stage… STARRLIGHT © Jonathan Vallat

Nach dieser Endorphin Ausschüttung hiess es wieder marsch zurück an die Hauptbühne um noch möglichst viel von der Show von Umse mitzukriegen.

Für allzuviel hats dann nicht mehr gelangt, aber es genügte um festzustellen, was einen erwartet hätte. Für den Bleistiftschwinger war es wie eine Zeitreise zurück ins Jahr 1999 an seinen ersten Splash Besuch. Deutsche Reime, positive Message, zwei MCs, ein DJ und eine Crowd welche im Takt mit dem Kopf nicken und die Arme auf und ab bewegen. Es wurde richtig nostalgisch. Dass es halt nicht mehr 99 ist, merkte man daran, dass es Umse nicht so leicht gemacht wurde, das Publikum zum mitmachen zu bewegen. Seine Aufforderungen, den Refrain mitzusingen verpufften grösstenteils wirkungslos. Da nützte es auch nicht, dass der Urheber dieser Zeilen sich heldenhaft ins Zeug legte und voller Inbrunst mitsang (sehr zum Missfallen der Leute in seinem Umkreis, waren doch seine gesanglichen Fähigkeiten sogar noch bescheidener als die von Umse).

 

UMSE © Nando Aerni

Nach diesem Flashback war bereits wieder Ortswechsel angesagt, denn in der Beat Stage war eines der spannendsten Showcases des Festivals angekündigt. Die Bieler Rapurgewalt Buds Penseur und Boyoom Connectiv’s finest Melodiesinfonie haben sich für ein gemeinsames Projekt zusammengetan, welches sie hier am Royal zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit präsentierten.

 

MELODIESINFONIE © Lucie Gertsch

Zum Einstieg spielte Melodiesinfonie erstmal ein längeres, sehr funkyges und lateinsches? …latinoides? …(von Latin abgeleitetes) Beatset, welches voll in die Hüfte schoss und zum tanzen animierte. Wie immer beim Wahlzürcher natürlich alles per Handarbeit (da arbeitet jemand noch wirklich für seine Gage). Danach kam auch Buds auf die Bühne und präsentierte sich in bester Laune, verteilte hin und da ein bisschen Henny ans Publikum und riss mal schnell im vorbeigehen die Beat Stage ab. Für das, dass sie laut Eigenaussage erst vor zwei Tagen das erste Mal geprobt hatten, harmonierten die Bud Spencer und Terrance Hill des Schweizer Raps schon hervorragend auf der Bühne. 

 

Terrance Hill (l) und Bud Spencer (r) © Lucie Gertsch

Bud arrangierte die Beats per Handzeichen an Terrance live auf der Bühne und das klappte im Grossen und Ganzen wunderbar. Und wenn es einmal trotzdem ein Missverständnis gab, bügelte er dieses einfach mit einem Freestyle aus. Wie nicht anders zu erwarten, hatte das musikalische Baby dieses ungleichen Paars ziemlich wenig mit klassischem Bum-Tschack gemein und so konnten sich die vorderen Ränge der Crowd in endlosen Moshpit Orgien verausgaben. Getoppt wurde diese nur noch, als Nativ auch noch für einen kurzen Auftritt auf die Bühne steppte und sie zusammen zum dritten Mal an diesem Wochenende „Goodfellas“ anstimmten (wer den Preis für das meistgespielte Lied des Festivals abräumt, wär damit auch geklärt).

 

RAPPER BIG POOH © Nando Aerni

Zurück bei der Hauptbühne wurde der Schreiberling gerade noch Zeuge der letzten Songs von Rapper Big Pooh & Apollo Brown, aber viel ist nicht hängengeblieben (das kann jetzt positiv oder negativ ausgelegt werden). Einerseits wär da mal die Erscheinung von Rapper Big Pooh (dagegen wirkt Bud Spencer wie ein magersüchtiges Modell) und anderseits ihr Tribute an J Dilla, bei dem sie dessen Smashit „Fuck The Police“ anspielten. Das ist ja fürs erste überhaupt nichts aussergewöhnliches und kommt so wahrscheinlich fast tagtäglich irgendwo an einem Festival oder Konzert vor. Aber wenn man sich vorstellt, dass nachdem auf drei gezählt wurde Freddie Gibbs rausspringt und sein „Fuck Police“ vom Vorabend zum Besten gibt, dann muss man eben doch schmunzeln (wer das jetzt nicht versteht soll sich einfach schnell den Song reinziehen).

Um so mehr blieb von der Show des nächsten Artists hängen. Black Milk beweist schon seit Jahren regelmässig, dass er einer der besten Live Acts im Indie Hip Hop Bereich ist. Scheinbar ist dies am Royal aber nicht wirklich bekannt, denn es war fast ein wenig schockierend, wie wenig Leute nach dem Apollo Brown/Rapper Big Pooh Showcase nur geblieben waren. Gut, es hatte ganz leichter Nieselregen eingesetzt, aber der war so schwach, dass es nicht mal reichte das Shirt zu durchnässen. Tja, schlecht für die, gut für diejenigen, welche geblieben waren, so hatte man mehr Platz. Black Milk war auch dieses Mal mit seiner Live Band Nat Turner am Start, allerdings in einer leicht dezimierten Formation, bestehend nur aus Schlagzeug und Keyboard. 

 

BLACK MILK & NAT TURNER BAND © Nando Aerni

Dafür setzte sich Black Milk während der Show öfters mal hinter den Controller und spielte seinerseits Spuren der Beats live ab während er drüber rappte. Wie immer überzeugte der Detroiter mit einem äusserst diversen musikalischen Set, mit Ausflügen ins Techno, minutenlangen Improvisationen und einem Querschnitt durch all seine musikalischen Werke.

Beim nächsten Artist handelte es sich bereits um das zweite ehemalige Mitglied der legendären Juice Crew, welcher an diesem Jahr am Royal Arena auftrat. Deswegen hatte der in die Tasten Hauende im voraus auch die ganz leise Hoffung, dass eventuell Masta Ace während der Show von Big Daddy Kane die Bühne stürmen würde und sie zu zweit das legendäre „The Symphony“ zum Besten geben würden. Soweit kam es dann leider nicht, aber die Enttäuschung darüber hielt sich in ganz engen Grenzen, schliesslich war dies auch eine gar kühne Wunschvorstellung. Und schlussendlich dominierte sowieso die Erleichterung, dass sich der New Yorker Veteran in bester Spiellaune befand und offensichtlich gewollt war abzuliefern. Das Fiasko mit dem Auftritt eines anderen Crew Kollegen, Kool G Rap, vor zwei Jahren liegt dem Bleistiftschwinger offensichtlich ganz schwer auf dem Magen. 

 

Got the moves like… BIG DADDY KANE © Florian Schneiter

Gekleidet in einem weissen Anzug, mit dem er aussah als käme er grad vom Cast von Miami Vice, legte er von Beginn weg los wie die Feuerwehr und zog dieses Tempo bis zum Schluss durch. Gut, ob er es nach diesem Auftritt durch die Dopingkontrolle geschafft hätte, wollen wir jetzt lieber nicht wissen, aber der alte Mann fegte wirklich wie ein 20-Jähriger über die Bühne. Jedoch hampelte er nicht nur übermotiviert auf der Bühne herum, sondern überzeugte auch am Mic. Klar, on point und verständlich flowte er (zum Teil sogar Doubletime) über seine uptempo Beats. Vielleicht sollte man Token mal zu ihm in die Lehre schicken (was sagt das über die Kunst des Rappens aus, wenn doppelt so alte Herren über doppelt so schnelle Beats weniger Mühe haben diese live zu rappen als viele halb so alte auf halb so schnellen Beats der aktuellen Rapper Generation). Des Weiteren lag ihm offensichtlich auch etwas daran, den Besucherinnen und Besucher ein paar weise Ratschläge auf den Weg zu geben. Richtigerweise erwähnte er während einer der seltenen Pausen zwischen den Songs, das Hip-Hop bereits bedeutend älter als die Crowd hier am Royal sei (was hätte er wohl am Openair Frauenfeld gesagt) und das Hip-Hop nie so erfolgreich geworden wäre, wenn die Fans nicht auch immer die neu aufstrebende Garde supportet hätte. Deswegen sei es wichtig auch den J. Coles und Kendricks unsere Unterstützung zukommen zu lassen. Word, dem gibt’s nichts mehr hinzuzufügen. Dass er sein Tempo nicht ewig würde durchziehen können, war absehbar und so beendete er sein Set bereits nach knapp 45 Minuten. Angesichts der 51 Lenze, welche er mit sich herumträgt, sei ihm das verziehen. Und wie er es beendete. Während er noch den letzten Track am Mikrofonständer stehend performte, schritt eine Mitarbeiterin zu ihm rüber, hing ihm einen pimpigen Mantel um und setzte einen noch pimpigeren Hut auf, er beendet den Song, verabschiedet sich und ging von der Bühne. Bam, was für ein Abgang!

 

BIG DADDY KANE © Lucie Gertsch

Einige dieser aufstrebenden neuen Garde verausgabten sich zur gleichen Zeit in der Beatstage und so pilgerte der Schreiber im Anschluss zum wiederholten Mal dorthin zurück zur Show von YBN Nahmir (ok, das ist jetzt noch nicht gerade Level Kendrick oder J. Cole, aber wie sagte schon Big Daddy Kane, supporte auch die aufstrebenden Newcomer). Nahmir wurde dort noch von weiteren YBNs seiner YBN Gang unterstützt, aber von welchen genau liess sich für den in die Tasten Hauenden nicht wirklich nachvollziehen. Es herrschte allerdings auch ein Gewusel auf der Bühne, als hätte man in einen Ameisenhaufen gestochen. Das ähnelte vom Energielevel her der Show von Clear Soul Forces, nur hatten die YBNs dafür nur etwa einen Fünftel des Platzes zur Verfügung. Immerhin erbrachten sie den Beweis, dass auch Künstler aus der aktuellen Rapper Generation bei Live Auftritten nicht zwingend auf Playback angewiesen sind (ok wo genau der Unterschied zu Playback ist, wenn vier Rapper gleichzeitig den Text ins Mic brüllen sei mal dahingestellt). Trotzdem war diese Soundkulisse in ihrer grellen Lautheit zuviel für Bleistiftschwinger und so zog es ihn zurück an die Hauptbühne um sich wenigstens einen guten Platz für die Show von Tech N9ne zu sichern.

 

YBN NAHMIR © Jonathan Vallat

Bei dessen Show wurde er Zeuge eines zumindest auf diesem Level sehr, sehr seltenen Ereignisses, eine Hip Hop Show ohne DJ. Nachdem eine Stimme aus dem Off pathetisch verkündet hatte, dass nun der Auftritt des erfolgreichsten Indie Künstler der Welt folgen würde (wer misst das eigentlich?), schoss die Reimmaschine aus Kansas ganz in weiss gewanded und eine rote Maske tragend auf die Bühne und wütete dort bei den ersten Songs ganz alleine. Damit er sich auf dieser aber nicht zu einsam fühlt und am Schluss noch einen Koller davon tragen würde, wurde er ab dem dritten oder vierten Song noch von Homie Krizz Kaliko unterstützt. Zusammen boten sie in einer von A bis Z durchchoreografierten Show beste Unterhaltung, bei der jede Bewegung und jede Ansprache perfekt sass. Nach dem nacktem Chaos bei der vorangegangenen Performance der YBN Gang war diese Perfektion eine willkommene Abwechslung, dennoch bevorzugt der Verfasser schlussendlich ein Mittelding zwischen diesen beiden Extremen. Gleichwohl war es beeindruckend zu sehen, wie eingespielt die beiden Strange Music Söldner auf der Bühne agierten, Hut ab!

 

TECH N9NE © Lucie Gertsch

Und dann war die Bühne auch schon frei für den letzten Auftritt dieses Jahres. Wobei zuerst war sie gar nicht frei, sondern ein grosses, weisses Leintuch war über die gesamte Front gespannt und bedeckte vollständig die Sicht darauf. Dann erklangen die ersten Klänge von „A$AP Forever“ und A$AP stachelte aus dem Hintergrund die Menge an. Als dann der Beat einsetzte, fiel der Vorhang hinter einer Wand von spektakulären Rauchfontänen in sich zusammen und ein sich die Seele aus dem Leib schreiender A$AP Rocky kam zum Vorschein.

 

 

Leider wieder nur über Beats mit den Vocalspuren drauf. Was ist das nur für eine bescheuerte Unsitte, welche sich (vor allem) bei der jüngeren Rapper Generation etabliert hat? Was man Mr. SoSchnellWieMöglich immerhin zugute halten kann, er verausgabte sich zumindest vollständig beim hosten seiner Songs. Es war aber auch abseits von dem ein kontroverser Auftritt. Bereits vor dem zweiten Song hielt er den ersten erbeuteten BH in die Luft. Der Verfasser dieser Zeilen kann sich jetzt nicht erinnern, dass Mr. Rakim Mayers die Damen explizit dazu aufgefordert hätte, aber bis zum Ende der Show kamen noch gut und gern ein Dutzend weitere hinzu, welche er alle fein säuberlich aufsammelte und die längste Zeit wie ein Blumenstrauss mit sich herum trug. Böse Zungen könnten behaupten, dies sei der eigentliche Grund, dass er seine Songs nicht live rappte, weil er viel zu beschäftig mit dem war. Und dann war da noch die Sache mit seinem Moshpit Wahn. 

 

A$AP ROCKY © Noah Raaflaub

Der junge Herr aus Harlem war wirklich besessen davon, dass die Crowd möglichst grosse und möglichst wilde Moshpits vollführte. Das führte dann auch dazu, dass er Leute aus dem Publikum beleidigte, wenn diese seinen Aufforderungen seiner Meinung nach zu wenig nachkamen. Sind das die Folgen seines Knast Aufenthaltes in Schweden? Dass er nun immer möglichst viel Leute um sich versammeln will, weil er seitdem keine Einsamkeit mehr erträgt? Oder finden wir in seiner pathologischen Moshpitfixierung sogar die Ursache seines Ausrasters? Fühlte er sich gar nicht belästigt sondern hatte nur einen Fan wiedererkannt, welcher sich am Vorabend geweigert hatte mitzupogen? Fragen über Fragen. Aber selbstverständlich bot seine Show nebst dem auch genügend Highlights. So spielte er auch einige Songs seines legendären Debutmixtapes an, was besonders den in die Tasten Hauenden als Fan erster Stunde freute aber auch im Publikum für Begeisterungsstürme sorgte. Oder kurz vor Schluss spielte er mit „2 Piece“ einen brandneuen Track an, welcher definitiv Freude auf mehr machte. Und ganz zum Schluss bewies er mit einem astrein vorgetragenen Acapella Part, dass er es eigentlich gar nicht nötig hätte, seine Shows Playback zu fahren. Unter dem Strich, trotz allen Vorbehalten, definitiv ein würdiger Headliner Auftritt und ein angemessener Abschluss der Royal Arena Ausgabe 2019. 

 

A$AP ROCKY © Noah Raaflaub

Den ersten Teil des Royal Arena 19 Recap findest du hier.

Text und Videos von DJ Flamin Fingaz. Mehr von ihm findest du hier: Artcore Radio Blog