Didi – Morukmodus 2 Plattentaufe

Zwei Monate nach dem Albumrelease von «Morukmodus 2» wurde die Platte am 13. September 2019 im Exil Club getauft. Bei der Albumkritik wurde erwähnt, dass die Tracks für eine grosse Party sorgen könnten – nun folgt also der Test.

CH Rap
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Wenn man um 22.15 Uhr als stiller Beobachter einen Blick ins Exil geworfen hätte, wäre die anschliessende Erzählung davon sehr ernüchternd ausgefallen – ein wenig wie an einem langweiligen Abschlussball in der Schule, auf den niemand so richtig Lust zu haben scheint. Der Raum nicht mal bis zur Hälfte gefüllt, Einige standen an der Bar oder an den Wänden angelehnt. Die grosse Menge befand sich rauchend vor dem Club an diesem spätsommerlichen Freitagabend. DJ OB One versuchte die Leute in den Club zu locken und es schien so, als wäre er ein wenig genervt. Die Plattentaufe sollte doch nun durch Jamal begonnen und eingeheizt werden. Als es dann doch gelang, die Mehrheit vor die Bühne zu bewegen, kam Jamal und war «on fire». Die Aufgabe, als Support Act die Menschen in Feierlaune zu versetzen, klappte gut. Schon ein erstes Mal drehte das Publikum durch, tanzte und sprang und die Masse stiess sich von links nach rechts, von vorne nach hinten. Am Ende seines Sets skandierten die Besuchenden Didis Namen. Die Taufe konnte starten.

 

 

Kurz nach 23 Uhr war es dann soweit und Didi betrat die Bühne. Nach einem Intro ging es los mit «Tututu» und in soundtechnisch fliessendem Übergang fand man eine Masse mit zu Pistolen geformten Händen und dem Song, mit dem Didi wohl erstmals breitere Bekanntheit erlangt hat. Die Rede ist von «Frisch&Suber», welches man auf dem gleichnamigen und namentlichen Vorgänger «Morukmodus Mixtape» findet. Während dem Song wurden passend zu den Lines «…drü Schüss id Luft…» von der Bühne aus Konfettikanonen abgefeuert. Die Stimmung war «gross». An diesem Abend liessen Didi und seine Crew nichts vermissen. Es wurden Jägermeister-Shots verteilt, um der Hook bei «Füll nomal nah» gerecht zu werden: «Es bitzeli vo deet, bitzeli vo da. S’Glas isch wieder leer, also fülled nomal nah…» Wenn wir schon bei der Crew sind und alle «Fly», kann es nur mit dem Track mit dem gleichen Namen weitergehen – und die Crew oder zumindest ein Teil davon, darf natürlich nicht fehlen. Bossnak betritt für das Featuring die Bühne. Um die Leute ein wenig zu beruhigen und, dies sei hier schon vorweggenommen, sie nachher wieder zum Ausrasten zu bringen, folgten mit den Songs für seine Mutter und seinen «Bro» zwei ruhigere Tracks. Das Publikum war glücklich, die Stimmung grossartig, der MC vor Hitze klatschnass – klar, ein Pumatrainer gehört beim Horgener einfach dazu, ist wohl aber nicht das kühlste, was man auf der Bühne tragen kann. Etwa zur Halbzeit der Plattentaufe war das Oberteil logischerweise auch weg. Und bevor man dann wirklich wieder springen konnte, was das Zeug hält, folgte ein Song, welcher Didi mit den Worten ankündigte, es sei für ihn der wichtigste Song auf dem Album. Er bat für «Gift» um etwas Ruhe, was beim aufgedrehten Publikum aber schwierig war.

 

 

Nach «Push» war es dann endlich soweit. Der Moment, auf den wohl alle gewartet haben. Das Baby konnte getauft werden. Didi wurde beschenkt mit einem eingerahmten Exemplar seiner CD. Champagner wurde geköpft, in die Menge gespritzt und die CD mit Rum Cola übergossen. Ein paar Konzertbesucher kamen auch noch in den Genuss, «Morukmodus 2» zu ergattern, welche verteilt und ins Publikum geworfen wurden. Hach, war das schön. Stellt euch nur mal vor, die Musik gäbe es in ein paar Jahren nur noch digital – es würde viel Schönes wegfallen, also besser nicht daran denken und den Gang in die Musikgeschäfte auf sich nehmen. Nun ging es Schlag auf Schlag und irgendwie hatte man das Gefühl, der Lärmpegel der glühenden Menge nähme nie mehr ab. Denn nach dem Highlight ist bekanntlich vor dem Highlight. Wie Anfangs erwähnt, fehlen durfte an diesem Abend nichts. Ali betrat die Bühne, «Legacy» wurde gespielt. Und als würde man es nicht schon spüren, dass alle hier sind, krachte nun «Ume» durch die Boxen. Man hätte es annehmen können, nach dem ganzen Aufmarsch von Jamal, Bossnak und Ali. Nun war also auch noch der Gast des Songs, Mimiks, höchstpersönlich auf der Bühne. Die Party fand seinen Abschluss, in dem die ganze No Basic-Crew auf die Bühne steppt, «Gangsht» und «In Farbe» zum Besten gaben – es wurde in der Menge sogar noch einen Kreis gebildet, in dem die Rapper mitten im Publikum «performten». Ganz zum Schluss durfte das Foto mit der ganzen Crew und den Zuschauern im Hintergrund natürlich auch nicht fehlen.

Die Albumkritik hatte erwähnt, dass «Morukmodus 2» wohl live mit den satten Beats für eine richtig grosse Party sorgen könnte. Nun kann man also mit gutem Gewissen feststellen: Dem ist so. Didi, sowie die gesamte Crew, haben das Zeug zum totalen Abriss.

 

 

Fotocredits: Tim Schilling