Earthgang Live – Der Moshpit ist rund

Earthgang beherrscht die Elemente wie es nur wenige auf diesem Planeten können. Aightgenossen hat sich von dieser Tatsache am letzten Dienstag im Plaza, Zürich selbst überzeugen lassen.

Int. Rap
DreamvilleEarthgangKonzert Review

Ich gebe es zu, im Vorfeld hatte ‘Mirrorland’, das dritte Album von Earthgang, bei mir keinen grossen Eindruck hinterlassen. Aber J.Cole wird die Jungs ja nicht grundlos unter Vertrag genommen haben und Live ist natürlich immer eine andere Disziplin, also ab ins stets professionelle Plaza. Während andere Bersucher draussen noch ein kleines Stückchen Natur in ein kleines Stückchen Papier rollten, schauten wir uns drinnen Innanet Jones und Wifisfuneral an, welche die Erdlinge auf der übernatürlichen WhatOnEarthTour begleiten (20 Konzerte in 26 Tagen!).

 

 

Nach den Support Acts wurde nochmals die Spotify Liste angeschmissen und so musste ich doch mit Erschrecken feststellen wie alt ein Jurassic 5 Track wirken kann, wenn man ihn nach einem Trap Banger bringt. Naja egal. Da wir nun aber an einem Earthgang Konzert waren, wollte ich mich auch kulinarisch auf den Abend einstimmen und so fiel nach einem etwas trockenen Falafel meine Getränkewahl auf einen fruchtigen Orangensaft, es war ja schliesslich auch Dienstag, auf Englisch Tuesday, aka. Juiceday. Und siehe an WowGr8 (aka Doctur Dot) kam sogar mit einer Pfirsich in der Hand auf die Bühne, welche er gütigerweise einem hungrigen Fan schenkte. Etwas später revanchierte sich wohl ein anderer Fan, denn eine Milchschokolade wurde auf die Bühne gereicht! Die Schweizer Dankbarkeit war allerdings auch nicht grundlos, denn die beiden Maschinen rappten ihre Parts mit unmenschlicher Präzision. 

 

Auch die Fans brachten den Boden zum beben! © Steve Hiestand

 

Das Konzert hatte alles, von feuchtfröhlichen Moshpits zu Fan Tanzeinlagen auf der Bühne, von Hip-Hop Händen zu ruhig-magisch-romantischen Feuerzeug Momenten und kurz war es im Saal sogar so still, dass man hätte meditieren können. 

Doch sofort kamen die Punchlines wieder mit ähnlicher Geschwindigkeit rein wie die Flügelschläge eines Kolibris, welche die Bühne auf beiden Seiten passend verzierten. Nennenswert hier die Line: „Dropping bars like I’m losing service.“ – Doctor Dot (Earthgang – This Side).

Beim zweiten Hören des Albums überrascht diese Komplettheit aber nicht mehr, den Earthgang vereint darauf Funk, Soul, Blues, Hip-Hop und natürlich Trap. Mirrorland ist wohl eher ein Werk dass man als ‚Grower‘ bezeichnen kann, also ein Album welches man sich ans Herz wachsen lassen muss. Earthgang sind einfach zu gross für nur eine Genreschublade und wohl so vielseitig wie die Erde selbst. Beim Tease für den Track Tequila war das Publikum dann leider auch kurz überfordert und der 3/4 Takt schien fast schon extraterrestrisch.

 

 

Aber irgendwie kam mir die Musik trotzdem enorm vertraut vor. Spätestens bei ‘Stuck’ fiel mir wieder ein dass Earthgang ja aus Atlanta stammen, genau so wie die ATLiens von Outkast und mit ihrem ehrlichen Sound wären sie damals wohl auch Teil der Dungeon Family gewesen. Johnny Venus könnte mit seinem farbigen Kleidungsstil auch locker mit Andre3000 mithalten. Ihre Outkast Einflüsse geben sie auch offen und gerne zu, wie ich gerade parallel aus einem Video Interview erfahre.

Zum Schluss des Konzerts war ich selber so überzeugt von der Gang, dass ich mir gerne den Merchstand etwas genauer angeschaut hätte, aber das war, vielleicht auch aus ökologischen Gründen, gar nicht möglich. Da dies aber wohl kaum mein letztes Earthgang Konzert war, wird sich diese Gelegenheit bestimmt noch bieten.

 

Johnny Venus links und WowGr8 rechts auf der Bühne. © M. Keller

Titelbild © M.Keller (Digitalmaler)