Prinz Pi live im Winterthurer Salzhaus – Alles nach Plan?

Der Berliner überrascht mit einem etwas ungewohnten Zeitpunkt mit einer Tour und besucht das Salzhaus. Fans der ersten Stunde kamen auf ihre Kosten.

DE-Rap
LivePrinz PiSalzhaus

Der Zeitpunkt dieses Konzerts im Salzhaus oder gar der ganzen Tour erscheint ein wenig speziell. Der Release des neusten Albums liegt nun schon etwas mehr als zwei Jahre zurück und – dies hatte Friedrich Kautz, wie Prinz Pi mit bürgerlichem Namen heisst, schon lange angekündigt – noch in diesem Jahr sollen gleich zwei neue Alben erscheinen. Anlass dazu gibt Prinz’ 40. Geburtstag. Zwei Alben werden es deshalb, da eines unter dem Pseudonym «Prinz Pi» und das zweite als «Prinz Porno» erscheinen werden. Als «Prinz Porno» wurde er bekannt und erst nach etwa sechs Jahren, ersetzte das etwas massen- und öffentlichkeitstauglichere „Pi“ die elternerschreckende Bezeichnung. Umso spezieller also, dass er noch kurz vor Veröffentlichung ebendieser beiden Werke den Tourbus besteigt und seine guten alten Klassiker zum Besten gibt.

 

 

Ich denke, ich bin nicht der Einzige, wenn ich sage, dass ich kurz vor 21 Uhr für einen Augenblick etwas verwirrt oder erstaunt war. Angesagt als Support-Act war Gozpel, welcher ebenfalls aus Berlin stammt. Nun kam da also einer auf die Bühne mit Baseballcap, zierlichem Brillengestell mit grossen Runden Gläsern und einem dezenten Bart – die Ähnlichkeit zum späteren Hauptact war auf den ersten Blick verblüffend gross. Als wäre dies nicht schon genug, ist auch seine Stimme ziemlich nahe an der des Prinzen. Dies ist ihm selbst auch durchaus bewusst, denn zwischen seinem Set ging er auch kurz darauf ein. Gozpel erlangte vor allem durch Rap am Mittwoch breitere Bekanntheit. Trotzdem ist er wohl in der Schweiz noch keinem grösseren Publikum bekannt. Er sorgte für gute Stimmung, war gut drauf und Winterthur hatte Freude.

Prinz Pi betrat knapp eine halbe Stunde nach dem Ende von Gozpels Einstimmung die Bühne. Wie Anfangs schon angetönt, merkte man schnell, dass hier für Jeden was dabei war. Seien es neuere, radiotauglichere Tracks wie zum Beispiel 1,40m und Letzte Liebe oder ältere Tracks wie Elfenbeinturm oder der live immer funktionierende, melancholische Track über Laura. Prinz Pi war gut gelaunt, was in seinem Leben nicht immer der Fall war. Es ist kein Geheimnis, dass er ab und an mit schweren Depressionen zu kämpfen hat. Auch an diesem Freitagabend, dem 4. Oktober 2019, sprach er dies an. Ob dies nun zur Show gehört – was sehr gut sein kann – oder nicht, sei dahingestellt. Nichts desto trotz gaben diese immer wieder kurzen Einblicke in sein Leben, die Entstehung und Hintergründe zu den Songs dem ganzen Konzert etwas Persönliches.

 

 

Die Bühne war klein und es waren insgesamt nur vier Musiker auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Zum einen E-Rich für die Backings, ein Bassist, der Herr für die Tasten und natürlich Pi selbst. Es war also ein kleines Setup – angepasst an die Winterthurer Location eben, die ja auch nicht so gross ist. Pi, der es gewohnt ist, vor riesigen Mengen zu spielen, genoss es aber, wieder einmal die einzelnen Gesichter der Fans zu sehen und so die Nähe zu spüren. Die Stimmung war super und es gab fast nichts zu bemängeln. Einzig die Frage tauchte auf, ob er seine Setlist wieder einmal etwas «erneuern» sollte. Sie hat zwar alles, was es braucht, jedoch fänden sich in Pi’s Gesamtwerk sicher auch noch andere Klassiker als die bereits oben erwähnten. Dies werden jedoch wohl nur diejenigen bemängeln, welche schon in den letzten zwei bis drei Jahren auf Konzerten des Berliners waren. Für alle anderen, für welche dieses eine Konzert das einzige war und für die nächste Zeit auch bleibt, war es genau das Richtige.

 

 

Ist die immer grössere Vernetzung der Welt durch die sozialen Medien Fluch oder Segen? Der schnelle Austausch von jedwelchen Daten nur positiv? Darüber kann man lange diskutieren und auch vor diesem Konzert, stellte ich mir für einen kurzen Augenblick genau diese Frage. Vor dem Beginn seiner Tournee postete Prinz Pi auf den bekannten Kanälen die gesamte Setlist, inklusive Zugaben. Auch da gibt es wohl Stimmen dafür und Stimmen dagegen. Persönlich ist aber für mich einer der Reize von Konzerten genau diese eine Vorfreude auf das Ungewisse, das «Werweissen», welche Songs gespielt werden würden, ob der persönliche Favorit zu hören ist. Zum Glück kann man sich aber trotzdem noch nicht ganz auf die geposteten Inhalte verlassen. Das erste Stück der Zugabe war nämlich dennoch eine Überraschung. Just genau an diesem Freitag veröffentlichte Friedrich Kautz eine Single namens «Heimweg»– und präsentierte diese sogleich auch das erste Mal einem Schweizer Publikum.

 

 

Das Konzert neigte sich langsam dem Ende zu. Zum Schluss gab es aber mit «Generation Porno» und «Gib dem Affen Zucker» nochmals zwei Tracks, um komplett durch zu drehen. Der Abend war gelungen und die Zuschauer erholten sich mit einem Lachen auf den Lippen von den beiden letzten Liedern, die vom ganzen rumspringen in der Hitze einiges an Kraft gekostet haben.

Nun freuen wir uns auf die kommenden Alben, welche Ende Oktober erscheinen sollten. Spätestens dann sollte wieder genügend Material vorhanden sein, um etwas frischen Wind in die Setlist zu bringen.

 

Fotocredits: Tatjana Etter