Fanny Feigler, was findest du richtig hässlich an Zürich?

Fanny Feigler ist 23 und nimmt kein Blatt vor den Mund. Mit ihrem 1. Track «Nüchtern und Hässig» greift sie Zürich sehr persönlich an. Wir wollen wissen, was hinter diesem Song sonst noch steckt.

Int. Rap

Auf der Playlist des Hip-Hop-Podcasts «Rap’n’Burger» bin ich über den Track «Nüchtern und Hässig» von Fanny Feigler gestolpert. Ich war sofort fasziniert von der jungen Zürcherin und wollte mehr über sie erfahren. Wir haben uns also an einem regnerischen Mittwochabend an der Langstrasse für ein Gespräch getroffen.

 

 

Wer ist Fanny Feigler?

FF: Fanny Feigler kommt aus der Kollegengruppe. Einige Kollegen aus Basel haben das Wort «feigelbar» eingebracht, was soviel wie «f*ckbar» heisst und das fanden meine Kolleg*innen so lustig, das sie mich von da an Fanny Feigler nannten. Anfangs hat mich dies verständlicherweise gestört, aber mit der Zeit fand ich es dann doch noch witzig und so bin ich Fanny Feigler geworden (lacht). Und rappen wollte ich schon lange Mal probieren. Mit einigen Freunden haben wir dann spät in der Nacht den Track «FC Lambada» aufgenommen, der ein bisschen durch das Zürcher Nachtleben geistert.
Für den Solosong hatte ich das Glück, dass der Freund meiner Schwester selbst Produzent ist (AL Hug produzierte u.A. für Lil Xan) und ich Rotchopf schon seit Geburt kenne. Gemeinsam haben wir dann «Nüchtern und Hässig» gemacht und dann ging alles sehr schnell.

Gutes Stichwort. Über 2000 Spotify Klicks in einem Monat. Von wo kommt das?

Ah echt?! Ich habe selbst gar kein Spotify, aber ich denke, dass so die Hälfte von meinen Kolleg*innen kommt. (lacht)

Und die anderen Tausend?

Keine Ahnung. Zürich ist sehr klein und so zeigt man schnell mal etwas weiter. So streut es sich und wird irgendwie gross. Auch die Resonanz war super und ich konnte gleich den Song im Helsinki releasen und einige Bookings sind reingekommen.

Kann man Zürich nüchtern ertragen?

(lacht) Ich denke schon. Man darf jedoch, trotz des Tracks, nicht vergessen, dass Alkohol als Suchtmittel oft unterschätzt wird und einem schnell kaputt machen kann.

Was findest du richtig hässlich an Zürich?

Die Leute… und da will ich mich gar nicht rausnehmen. Hier sind vorne durch alles Freunde, aber sobald man sich umdreht wird gequatscht und es geht sehr schnell, dass man schlecht geredet wird.

Du rappst «Ich han Lüüt um mich ume und bin trotzdem ellei». Umschreibt die Zeile dieses Gefühl?

Nicht direkt. Vor knapp 2 Jahren ging es mir sehr schlecht und ich versuchte mich im Ausgang zu verstecken. Dort wo man auf cool macht und danach trotzdem wieder 3 Tage depressiv im Bett liegt. Es drückt aus, dass man noch so viel um einen herumhaben kann, wenn man nicht mit sich selbst zufrieden ist bringt das alles nicht.

Du hast eine Züri West Referenz auf dem Song? Wieso?

Das war nicht ganz mit Absicht. Auf einem Tinguely dä Chnächt Track habe ich mal ein Quote gehört (Anmerk. d. Redaktion: Backstage und WC «Ewigi Liste, nume für üs 2» ist angelehnt an Ewigi Liäbi von Mash) und fand dies sehr cool. Nach dem ich diese Zeile geschrieben habe ist mir dann aufgefallen, dass ich ja das gleiche gemacht habe. Meine Mutter hat mich jedoch schon vorgewarnt, dass wenn ich berühmt werde die mich verklagen könnten (lacht).

 

 

Was für Sound hörst du?

Mein Musikspektrum ist sehr breit. Durch meinen Vater wurde ich für Hard Rock und Klassik sozialisiert und momentan bin ich sehr auf dem Latintrap-Vibe. Rapmässig höre ich gerne Frauen wie Lady Leshurr, Snow tha Product, Doja Cat, die etwas mehr als Brüste und Sex zu erzählen haben.

Was willst du mit den Tracks vermitteln?

Ich will einfach kein Blatt vor den Mund nehmen. Die Message liegt vielleicht darin, dass man über seinen Schatten springen soll und einfach machen. Ich wollte schon sehr lange rappen, aber habe immer Angst gehabt das man sich lustig macht über mich. Dann habe ich es einfach gemacht und jetzt schreiben mir Mädchen, dass ich ihnen mit dem was ich mache Kraft gebe, da sie das ganze auch schon lange probieren wollten, jedoch immer Angst hatten nicht ernst genommen zu werden.

Und wie geht es weiter?

Ich bin fleissig am schreiben. Momentan arbeite ich mit Rotchopf an einem sehr persönlichen Song. Vor geraumer Zeit wurde ich das erste Mal stark verletzt und nun schreiben wir einen Song darüber. Ich aus meiner Sicht und er aus der Sicht eines Mannes. Ich kann ihn dir zeigen…

(rappt…) „nimmen mit hei. Er langt mer as Bei. Ich sege nei. Schlaf uf de Couch B*tch bin lieber ellei“

Den ganzen Song können wir hoffentlich schon bald in voller Länge geniessen. Wir schliessen das Aufnahmegerät und quatschen noch eine Weile weiter. Nach einem sehr intensiven Gespräch verabschieden wir uns und jeder verschwindet wieder im regnerischen, manchmal hässlichen, Zürich.