«Nume no Gschnell» EP – Rilla Interview

„Get out the way, stepped all uf d‘ Bühni und drucked nume play.“ Rilla redet im Interview über seine Ansichten bezüglich Rap. Dabei spricht er auch viel über sich selbst.

CH Rap
InterviewRillaSemantikStrike Beatz

In einem Coffeeshop (nur zu empfehlen) in der Zürcher Innenstadt treffe ich Rilla. Bei gemütlichem Hip-Hop und einem Grüntee erzählt der Rapper mir Song für Song wie seine neue EP zu Stande gekommen ist. In jeder seiner Antworten merke ich, wie stark er sich mit der Musik auseinandersetzt. Er versucht sie als Medium zu nutzen, um bei seinen Zuhörern etwas auszulösen. Das kann er wohl auch! Mit seinen 27 Jahren bringt er so einiges an Erfahrung und Selbsterkenntnis mit sich.
Nach dem Interview höre ich die EP noch einmal mit ganz anderen Ohren.

Rilla «Nume no Gschnell» EP Track by Track:

1. Bösi Zunge:
Als ich diesen düsteren Beat hörte, fiel mir direkt die Melodie dazu ein. Im Song geht es darum, wie schnell wir uns von falschen Sachen leiten lassen. Schlechte Einflüsse, von aussen oder auch von innen heraus, die einen veranlassen Fehler zu begehen. Meine Frage war: Was machen die bösen Zungen mit mir? Welche Erkenntnisse habe ich in meinem Leben schon dabei gewonnen?

2. MWM feat. Semantik (Videoclip):
«Ja de Papi hed de Blues und er bummst di weg.» Das ist voll Sema! Dann kam mir der Gedanke Sema einfach mal anzufragen für ein Feature. Er war dann auch sofort dabei und dann hat alles recht spontan und gut zusammengepasst. Auch der Skit war eigentlich nicht geplant. Das waren zufällige Aufnahmen, die Strike (Strike Beatz) dann so zusammengeschnitten hat.

3. Eusi Ziit:
Der stand lange recht auf der Kippe. Ich war nicht zufrieden damit und wir liessen ihn einfach mal auf der Seite stehen und haben an den anderen Songs weitergearbeitet. Später kam Rob mein Sound Engineer zu mir und meinte, ihm gefällt die Hook eigentlich recht gut. Wir haben dann alles noch einmal ein wenig angepasst. Jetzt bin ich doch sehr stolz auf das Ergebnis. Mir gefällt vor allem auch die Aussage darin.

4. Wer die Boys sind:
Ich bin ein riesen Fan von KomA und kenne ihn auch von früher. Wie er es schafft mit Charme und Witz eine Message zu verpacken und trotzdem kein Blatt vor den Mund zu nehmen, bewundere ich. Seine Texte und sein Flow treffen dich einfach.
Ich verbinde ihn mit Realness und deshalb geht es in «Wer die Boys sind» darum, was Rap überhaupt ist. Früher musste man sich am Mic beweisen. Wenn du das nicht konntest hiess es: «pass the mic!». Heute legt man viel Wert auf Melodie, das ist auch gut so. Aber man muss auch auf den Flow, die Message, die Ausstrahlung achten. «Get out the way, stepped all uf d’ Bühni und drucked nume play». Es kann nicht sein, dass man den ganzen Song auf Playback laufen lässt. Man sollte die Wurzeln und die Hip-Hop Kultur nicht vergessen.

5. Nume no:
Das war die Initialzündung für die EP. Ich war ein halbes Jahr nicht mehr wirklich dran und mit diesem Song hat es mich wieder voll gepackt. Du musst dranbleiben Junge, das ist das was dich erfüllt, was dich glücklich macht und dir Freude bringt.

 

 

6. Who am I:
Ein sehr persönlicher Track für mich. Aber doch auch sehr verallgemeinert, sodass ich in jedem etwas auslösen kann. Jeder soll sich damit identifizieren können. Aber nicht so, dass es einen runterzieht, sondern so, dass es einen pusht, einem etwas gibt, um daran glauben zu können. Wir haben ein gutes Leben in der Schweiz, das sollten wir nie vergessen.

 

Im Interview stelle ich ihm dann noch ein paar Fragen.

Beni: Auf dem Weg hierhin habe ich die EP nochmal gehört. Und es eignet sich ja wirklich gut, um während der Zugfahrt aus dem Fenster zu schauen, den Texten genau zuzuhören und dabei nachdenklich zu werden. Ist das dein Ziel?
Rilla: Du willst jeden mit deiner Musik berühren, aber es geht halt nicht. Jeder hat eigene Dinge, die ihn beschäftigen und eigene Sichtweisen auf die Dinge, aber ich versuche möglichst vielfältig zu sein, sei es bei den Themen oder beim Vibe der Musik.
Ich finde nicht, dass man meine Musik nur beim Zugfahren hören kann. Den einen Song kann man vor dem Ausgang hören, den anderen, wenn es einem scheisse geht.
Ich muss sagen, ich bin selbst noch ein wenig auf der Suche nach meinem Ziel. Ich habe schon einen Plan wo ich hin will mit meiner Musik, aber ob sie sich in fünf Jahren noch gleich anhört, weiss ich jetzt noch nicht.

Warum hast du angefangen mit Musik?
Ich habe mit 17 angefangen mit Rap. Damals ging es noch darum, den Harten zu markieren. Das mit der Message das kommt dann von Zeit zu Zeit immer mehr dazu. Das ist bei fast jedem Rapper so. Sido ist das perfekte Beispiel dafür. Wenn du vergleichst wie er früher gerappt hat und wie er heute rappt, das sind ganz andere Themen. Mit der Erfahrung und dem Alter wird man weiser und so auch die Texte. Man sagt dann vielleicht nur noch bei jedem zweiten Mal Bitch (lacht).
Je mehr ich mich mit Rap identifiziert habe, desto mehr habe ich gemerkt, dass es um die Community geht. Du erzählst Geschichten von dir und deinen Leuten, für dich und deine Leute. Ich bin kein Gangster, dann muss ich auch keinen Gangster-Rap machen.

Wie würdest du dich als Rapper beschreiben und gibt es einen vergleichbaren Rapper?
Ich sehe mich als jemanden, der schon Wert auf die Lyrics legt; auf das was ich schreibe. Auch, dass der Flow stimmt und der ganze Song einen roten Faden hat, an dem man sich orientieren kann. Auf Pausen lege ich auch viel Wert, um dem Song Struktur zu geben und dem Zuhörer auch Denkpausen zu geben. Es gibt leider nicht mehr viele Rapper, die auf all diese Dinge achten.
Mit wem ich mich vergleichen würde. Hmm, schwierig. Alles wurde schon mal gesagt, nichts ist neu. Aber es kommt darauf an, wie du es sagst oder rappst. Vom Flow vielleicht ein bisschen wie Steezo, vom Rapstil wie die Jungs von Prhyme Tyme von ihnen habe ich auch einen grossen Teil meiner Inspiration.

Mehr zu deiner Person neben dem rappen. «Who am I» – Hast du deine Antwort gefunden?
Es ist eine kontinuierliche Reise. Ich habe schon viel mehr zu mir gefunden als damals, bei meiner ersten EP 2017. Ich fühle mich wohl so wie es jetzt bei mir ist. Früher wollte man sich noch unbelehrt zeigen. Da kam ich auch auf falsche Bahnen. Aber diese Erfahrungen hat es auch gebraucht. Wie Nativ es jetzt in seinem neuen Track mit Buds Penseur sagt: «I bin no am aacho.»
Für mich ist immer wichtig sich selber Fehler zugestehen zu können, selbstreflektierend durchs Leben zu gehen und nicht immer nur von sich zu reden. Man muss sich nicht in jedem Satz selbst profilieren und den anderen in den Schatten stellen.

Was kann man von dir für die Zukunft erwarten?
Es läuft bereits sehr viel. Wir haben schon vor dem Release der EP am neuen Projekt gearbeitet. Das wird dann so gegen März/April 2020 fertig werden. Wir haben ein sehr cooles Projekt am Laufen. Ich weiss nicht wie viel ich jetzt schon verraten will (lacht). Ich weiss nicht, ob es so was schon mal gab in der Schweiz. Wir konnten unsere Ideen relativ gut umsetzen. Das Projekt wiederspiegelt sehr gut meine musikalische Phase von letztem Jahr. Ich habe gemerkt, ich bin wieder etwas besser geworden und das ist es, was einen pusht und vorantreibt.