Large Pro – AG – Diamond D – Sadat X im Exil

Aightgenossen war für euch beim leider viel zu kurzen Gastbesuch der New Yorker Oldschool mit dabei.

Int. Rap
AGDiamond DExilLarge ProfessorSadat X

Manchmal dauert es ein bisschen länger, bis der Funke springt, so ist das eben. Da stehst du irgendwo in der Crowd an einem Konzert, auf das du dich schon lange gefreut hast und obwohl du feiern willst, denkst du ständig, dass da doch noch mehr gehen muss. Seltsam eigentlich. Immerhin könnte das Exil für einen Zürcher Club ja ziemlich cozy sein: Nicht zu gross, nicht zu klein, bisschen schummrig, schicke Bar, gute Musikanlage. Ausserdem besteht das Publikum an diesem Abend zu einem grossen Teil aus übermotivierten Leuten, die sich wirklich darauf freuen, eine selten geballte Ladung Hip Hop Geschichte die Bühne rocken zu sehen. Leute, die nicht mehr jedes Wochenende an ein Konzert rennen können und dafür umso mehr Lust zum Feiern haben, wenn sie es dann doch mal tun. Super Voraussetzungen für ein Hammerkonzert mit einer entflammten Crowd eigentlich.

 

 

Aber als dann Large Professor, Sadat X, AG und Diamond D auf die Bühne kommen, bleibt die Stimmung verhalten.
Vielleicht liegt es daran, dass das, was die vier Rap-Urgesteine da auf der Bühne abliefern eben doch noch deutlich oldschooler ist als die Leute, die im Publikum stehen, vielleicht auch oldschooler als das, was einige erwartet haben. Denn Large Professor, Sadat X, AG und Diamond D machen keinen Boom Bap Rap, keinen 90er Jahre Golden Era Stuff. Was sie machen ist wirklich alt. Im Sinn von: 70er und 80er Jahre Rap oldschool. Denn die vier Herren da auf der Bühne waren schon da «bevor Big Pun big war, bevor Fat Joe fat war und lange bevor Eminem in 8 Mile auf meinen Scheiss gerappt hat», um es mit den Worten von AG zu sagen – der seine Parts mit einer Explosivität abfeuert und in Sachen Bühnenpräsenz ein vor New York Swagger triefendes Charisma an den Tag legt, das Large Professor als eigentlichen Headliner des Abends immer mal wieder in den Schatten zu stellen droht. Obwohl auch Pro und Diamond D ihre Parts dermassen präzis rappen, dass man manchmal zweimal hinsehen muss, weil einem sonst glatt den Verdacht beschleichen könnte, eine Playbackshow vorgesetzt zu bekommen.
Kriegt man aber ziemlich sicher nicht.
Und doch bleibt das Publikum ein wenig verhalten. Nicht komplett zurückhaltend, es gehen hier und da mal Hände nach oben, es wird nach manchen Tracks laut, wer Platz hat, tanzt bisschen – aber da würde noch mehr gehen.
Was stellenweise an der sehr grosszügig bemessenen Set-Präsenz von Sadat X liegen mag, über die sich eingefleischte Brand Nubian Fans zwar gefreut haben mögen, die aber durch Sadats oft sehr lange und manchmal auch etwas abgespaceden Parts nicht unbedingt zum bangen befeuert. Oder vielleicht auch daran, dass sich die vier Altmeister nicht dazu herablassen, die üblichen Publikum-Aktivierungsspielchen zu spielen: Mal zur Abwechslung ein Rest in Peace Big L hier. Was, nach gefühlten hunderttausend Konzerten wo das schon gemacht wurde, ehrlich gesagt erfrischend ist.

 

 

Die vier New Yorker machen stattdessen, was sich seit den ersten Rap-Anfängen in Harlemer Parks bewährt: Sie holen lokales Talent auf die Bühne und lassen drei Rapper aus dem Publikum dasselbe aus der Reserve locken. Und da, oder vielleicht auch kurz danach, springt endlich der Funke. Da ist Bewegung im Publikum, Feierlaune, man freut sich auf den Rest des…

 

 

Aber da ist auch schon Schluss. Denn im Exil hat man sich schon vor einiger Zeit aus relativ unbegreiflichen Gründen dazu entschieden, zwei Partys pro Abend zu veranstalten. Also wird pünktlich zum Aufkommen der Stimmung der Sound abgedreht und kurz darauf werden die Besucher dann ganz aus dem Club komplimentiert. Vielleicht war es ja auch das, was das Publikum die ganze Zeit über etwas gehemmt hat. Das Wissen, das man hier pünktlich um viertel nach zehn auf der Strasse steht, ist nun mal nicht der optimale Partymotor. Aber wozu soll man auch seinen Ruf als ehemals stimmungsvolles kleines Juwel der Zürcher Clubszene kultivieren oder zumindest restaurieren, wenn man stattdessen auch einfach Cash machen kann?
Schade.

 

 

Alle Bilder von Nikolaj Leu.