Rapquotes: Dä Afang

Willkommen bei Rapquotes. Wenn das Universum nicht dazwischenfunkt und alles mehr oder weniger nach Plan läuft, solltest du ab sofort mindestens alle paar Monate hier eine neue Sammlung von Rap-Zitaten finden, die du einfach kennen musst. Und weil das extrem viele sind, kommt das Ganze fein säuberlich geordnet in thematisch zusammenpassenden Portionen daher.

Int. Rap
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Die Erste widmen wir pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum von Aightgenossen dem Teil von Rap, der in diesen 20-oder-so Jahren unser Lebensgefühl wahrscheinlich am deutlichsten geprägt hat: Äm Aafang, dänk! Und damit sind nicht nur die Anfänge von Schweizer Rap generell gedacht, sondern auch die Song-Anfänge selbst. Wir haben versucht, euch die 10 prägendsten und einprägsamsten CH-Rap-Anfänge aus den Jahren 1991 bis 2001 zusammenzustellen. Wie immer selektiv und ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Voilà.

 

„Ich bin ä Sprayer und ich spray woni will / Das isch ä Baasler Rap, drum los zue un sig still“

Frei nach dem Motto «Ehre, wem Ehre gebührt». In einer Zeit, in dem sogar hochdeutscher Rap extrem umstritten war und meistens als unpassende Imitation amerikanischer Trends abgetan wurde, war schweizerdeutscher Rap im Grunde genommen einfach nicht vorstellbar. Bis Black Tiger als Erster – Allererster – aller, aller Erster – doch einen schweizerdeutschen Track gemacht hat. Auch wenn das Lied für die meisten, die diesen Artikel heute lesen, weit von der Zeit entfernt ist, in der sie selbst Rap zu hören begonnen haben: Black Tiger hat damit das Fundament für vieles gelegt, was bis heute unsere Hörgewohnheiten prägt. Insofern der möglicherweise wichtigste Song-Anfang überhaupt im Schweizer Rap.
Black Tiger – Murder by Dialect (1991)

 

„Ich sitze im Dunkle, ich lige uf de Luur / Beobachte dich und warte rund um d’Uhr“

Ebenfalls eine Band, die schon ewig aktiv ist und die in Sachen Songtext vielleicht die Ersten, die so etwas wie Storytelling gemacht haben. Klarer Fall: bevor es den Begriff «Stalking» überhaupt gegeben hat, gab es schon talking of stalking. Übrigens: Wenn du Primitive Lyrics nicht kennst, kennst du zumindest als Zürcher wahrscheinlich die aus ihnen entstandene Nachfolge-Band Radio 200’000.
Primitive Lyrics – Uf de Luur (1995)

 

„I chill do im Studio / Wart uf de Spoo wo, sin Part muss rappe für die neu Dynamisch Duo“

So fängt der Song an, der vielleicht mehr als alle anderen auf dieser Liste das Lebensgefühl einer ganzen Rap-Generation geprägt hat. Mit ein wichtiger Grund dafür war ein damals ziemlich neuer Player im Schweizer Medienzirkus: Der Fernsehsender Viva Schweiz, der kurz vor dem Erscheinen des Clips auf Sendung ging. Eine Schweizer Hip Hop Crew mit eigenem Video-Clip am TV war im doch eher trockenen Medienangebot davor quasi undenkbar und entsprechend sensationell wirkte der Clip. So sassen 1999 jedes Mal, wenn es bei Viva wieder hiess «ich chlill do im Studio…», unzählige Hip Hop-Kiddies vor dem Videorecorder ihrer Eltern und haben mit dem Clip Hochzeitsvideos überspielt, Ferienerinnerungen und alles andere, was ihre Eltern so auf Videokassette hatten. So ging das damals.
Dynamic Duo – Vollkontakt (1999)

 

„Ich rap im Züri Slang / wärum? Will ich nöd in New York, sondern in Züri bang“

Wenn du irgendwo in der Nähe der mutmasslich arrogantesten Stadt der Schweiz aufgewachsen bist und älter als, sagen wir mal 25, bist du unmöglich an dieser Textzeile vorbeigekommen. Definitiv eine Textzeile, die prägend für eine ganze Ära war.
Gleiszwei – Muetersprach (1999)

 

„I bi dr Matt vo Bärn u die Stadt die gfallt mer / bis ids Alter“

Zumindest ausserhalb von Bern etwas vom Ersten, was man raptechnisch aus der heute so aktiven Berner Szene auf die Ohren gekriegt hat. Und es hat Lust auf mehr gemacht.
Hobbitz – Bärn (1999) – heute Kaiser & Dimitri

 

„Chreis 5 isch min Name und mis Änd isch nah / Fühl mi immer schwächer, bald chani nüme stah“

Was für ein Auftakt in einen Track voller Erinnerungen. Denn den Zürcher Chreis 5, über den hier gerappt wird, gibt es heute praktisch nicht mehr. Damals hiess Chreis 5: Kein Prime-Tower, kein Bluewin-Tower, keine Böötli im Fluss, keine Badewiese gegenüber dem Escher-Wyss, am Escher-Wyss-Platz selbst alles kaputt, Hipster gab es nicht und wenn doch, wurden sie sehr regelmässig ausgeraubt, keine Bonzenwohnungen hinter dem Kino, dafür noch ein paar vom Letten übriggebliebene Halbtote und ein geschätztes Dutzend kleine Shops mit FuBu-Klamotten und Duftseckli im Angebot. Stell dir einfach das heutige Schlieren auf THC statt CBD vor. Und so. Oder zieh dir einfach E.K.R.s Beschreibung rein.
E.K.R. – Chreis 5 (1999)

 

„Mach dich parat und schlief i dini Nike-Gortex / Montier Sony Headphones damit Sound i dim Ohr flasht“

Und dann ging man raus und traf sich, was sonst, 8i Bahnhof. Eine Textzeile, die ziemlich genau beschreibt, was so das tägliche Ritual war, damals als der Track rauskam. Die Hymne aller Bahnhofhängers.
Tafs – 8i Bahnhof (1999)

 

„Wie scho gseit… Zyt zum sich easy locker mache… Papierli füre neh… Eis iibröösmele…“

Tja. Noch so ein Songanfang, der ziemlich genau ein damals tägliches Ritual beschreibt.
Wrecked Mob – Easy (2000)

 

„Ey, scheiss druf was die Mamischiebers dänked, oder? Bouncemer de Track oder? „
„Ja, mir figged au druf, was die Mamischiebers uselönd, Mann.“

Wir haben die mutmasslich arroganteste Stadt der Schweiz in diesem Artikel schon mal erwähnt und der Track hier zelebriert diesen Status perfekt. Natürlich nicht ganz ohne Augenzwinkern, also sollte sich auch niemand angegriffen fühlen. Und falls doch: Bitte spring zurück zum Anfang dieses Abschnitts, um herauszufinden, was der Autor darüber denkt.
Samurai feat. Rokator – Supermega (2000)

 

„Ab hüt gits en Ufstand u Vorstadtkids gö nüm id Schuu / Säge nei zum Wahn u plane Izug ids Bundeshus“

Und so hat es dann nur zehn Jahre nach dem ersten schweizerdeutschen Raptrack ausgesehen. Der Einzug ins Bundeshaus lässt zwar noch auf sich warten, aber gebt uns nochmals zwanzig Jahre, liebe Aightgenossen, dann schauen wir nochmals.
PVP – Ufstand (2001)