The Game – Abschiedsvorstellung?

Wo The Game draufsteht ist auch The Game drin. DJ Flamin Fingaz war wieder für seinen Artcore Radio Blog unterwegs.

Int. Rap
Born 2 RapGalvanikThe Game

Für sein erstes Konzert der neuangebrochenen Dekade verschlug es den Berichteschreiber nach Zug, denn The Game beehrte die Schweiz im Rahmen seiner „Born 2 Rap“ Tour nur für eine einzige Show am 17.02.20 in der Galvanik. „Born 2 Rap“ war ja als letztes Album seiner musikalischen Karriere angekündigt, entsprechend wäre diese Show auch die letzte, welche er in der Schweiz spielt. Wenn dem wirklich so wäre, dann hätte sich für den Verfasser dieser Zeilen an diesem unscheinbaren Montagabend ein Kreis geschlossen, war er doch vor Jahren bereits an The Games erster Show überhaupt in der Schweiz dabei (das dürfte wahrscheinlich im Jahr 2006 gewesen sein).

 

 

Fairerweise muss man jedoch anmerken, dass die Wettquoten, dass dies wirklich The Games letztes Album bzw. Tour ist, höchstwahrscheinlich sogar noch höher liegen, als die von einem Sieg eines demokratischen Kandidaten bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl dieses Jahr. Trotzdem, die Aussicht, neben dem ersten auch beim letzten Schweizer Konzert der Comptoner Legende dabei zu sein, machte diesen Abend für den Schreiberling schon zu etwas besonderem. Zusätzlich angeheizt wurde seine Vorfreude dadurch, dass The Game von einer Liveband unterstützt werden würde und dass das Konzert in der Galvanik stattfand, welche im Gegensatz zu den vergleichbaren Konzerthallen in Zürich, das Komplex oder die Halle 622, tatsächlich über eine taugliche Akustik verfügt. Dies zeigte sich bereits beim einpegeln der Instrumente auf der Bühne, als die Band mehrmals bekannte Westcoast Hymnen anspielten und diese bereits so dick klangen, dass sie damit den Mund des in die Tasten Hauenden noch wässriger machten.
Kurz vor 21 Uhr war es dann soweit und die Coyotes eröffneten mit nur knapp einer halben Stunde Verspätung auf die Marschtabelle die Show. Das auffälligste an ihrer Performance waren die herzigen Hundemasken, welche sie dabei trugen und weder zum Klangbild noch zu ihrem Auftreten passten. Im deutschsprachigen Rapraum wecken solche Masken natürlich zwangsläufig Assoziationen zum deutlich bekannteren Träger einer solchen und deswegen wirkt es eher amüsant und unfreiwillig komisch, wenn jemand dabei einen auf harten Macker macht.

 

Nein, hier rappt nicht Cro’s heimlicher Stiefbruder

 

Ansonsten kann man den rappenden Präriewölfen jedoch keine grossen Vorwürfe machen. Zwar wurden die meisten Songs Playback performt, nur scheint dies in der heutigen Rappergeneration so selbstverständlich zu sein, dass der Bleistiftschwinger ihnen den Einsatz davon nicht mehr wirklich verübeln kann (nachvollziehen kann er es selbstverständlich trotzdem nicht). Und bei der Hauptaufgabe des Masters of Ceremony, unterhalten, konnte er ihnen nicht wirklich viel ankreiden. Wie sie mit dem Publikum interagierten, es anstachelte und für The Game auf Betriebstemperatur brachte, wirkte sehr souverän. Gleichwohl verdarb es dem Schreiberling überhaupt nicht die Laune, dass sie nach einer Viertelstunde bereits wieder die Segel strichen.
Nach der obligatorischen, aber immerhin vergleichsweise kurzen Pause zwischen Voract und Mainact, erklangen nach weiteren 15 Minuten die Klänge des Intros von „Born 2 Rap“ und ein sichtlich gut gelaunter The Game legte los. Von der ersten Minute an bewies der Rapper aus der Stadt der Engel, dass er live schon noch mal ein anderes Kaliber darstellt. Wie er alleine mit seiner Präsenz die Bühne füllte und die Crowd einnahm, war schon grosses Kino. Zwar wurde er bei dem einen oder anderen Song auch per Playback unterstützt, jedoch rappte
er dabei mit so einer Wucht, dass man seine Vocalspuren nur hörte, wenn er mal aussetzte um nach Luft zu schnappen. Und da er bis auf wenige Ausnahmen, als er von den Coyotes unterstützt wurde, auf einen Back Up MC verzichtete, geht das auch völlig in Ordnung. Zusätzlich liess er sich nicht nehmen, ganze Parts oder den letzten Vers eines Songs Acapella vorzutragen.
Mit Fortdauer der Show konnte er allerdings nicht vollständig kaschieren, dass ihm immer mehr die Puste ausging. Geschickt nutzte er dies jedoch um die Textsicherheit des Publikums zu testen, in dem er die Parts immer wieder von der Crowd beenden liess. Das Zuger Publikum zeigte sich dabei erstaunlich textsicher (mit Ausnahme des Debakels bei 2Pac’s „Hail Mary“, bei dem er im Publikum einen Fan mit „Death Row“ Shirt ausgemacht hatte, welcher offensichtlich ausser den ersten Zeilen den Text nicht mitrappen konnte und vom Westcoastsongs Text Lehrer vor versammelter Crowd einen gründlichen Einlauf verpasst bekam). Dem zuträglich war sicherlich auch, dass The Game, nachdem er zu Beginn vor allem neue Songs zum Besten gab, im zweiten Teil der Show vermehrt seine Hits anspielte und dabei (fast) kein Wunsch ausliess (der Bleistiftschwinger vermisste einzig „Dope Boys“ und „Let’s Ride“). Erfreulich war ausserdem, dass er bei den Klassikern von „The Documentary“ jeweils auch die Parts von 50 Cent durchrappte und man so als Zuschauer und Zuschauerin in den Genuss des vollständigen Songs kam.

 

 

Zum Ende der Show brachte er selbstverständlich auch wieder den Game Klassiker „trink eine Flasche Hochprozentigen auf ex“, dieses Mal einfach (vermeintlich) eine Flasche Wodka statt wie früher (vermeintlich) eine Flasche Henny. Vermeintlich deswegen, weil ein Vögelchen bei einer früheren Gelegenheit dem Berichteschreiber gezwitschert hatte, dass es dafür eine Hennessy Flasche mit Eistee füllen musste. American showbiz at it’s best sozusagen. Letzten Endes spielt es aber keine Rolle, ob er nun Wasser oder Wodka geschluckt hat, für das Publikum stellt dies einen unterhaltsamen Abschluss dar, welcher entsprechend gefeiert wird und die gesamte Show davor lieferte er auf eindrückliche Art ab, so dass man guten Gewissens darüber hinwegsehen könnte (und sollte), wenn diese ganze Aktion nur gespielt gewesen wäre. Zumal es für seine Gesundheit sicherlich nicht abträglich wäre, wenn dem so gewesen wäre, was einem als Fan ja irgendwie auch nicht egal sein sollte.
Deutlich ambivalenter fällt dafür das Fazit zu dieser Show aus. Einerseits freut es einen ungemein, dass, wenn dies wirklich seine letzte Show gewesen wäre, diese so abging. Andererseits wäre es gerade deswegen mehr als schade, wenn man in Zukunft nie mehr bei so einer dabei seien könnte.

 

 

Text, Bilder und Videos von DJ Flamin Fingaz.

Mehr von ihm findest du hier: Artcore Radio Blog