Aightgenossen Charts-Review: 2010 – 2019

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums von Aightgenossen blickten wir bereits auf die Schweizer Charts aus CH-Rap Sicht von 2000 bis 2009 zurück. In diesem Zeitraum erreichten insgesamt 41 Schweizer Rapper/innen mit 81 Alben eine Top 100 Platzierung. Wie die CH-Rap-History in den 2010er Jahren weitergeht, seht ihr hier im zweiten Teil des Aightgenossen Charts-Reviews – Nostalgie vorprogrammiert!

CH Rap
ChartsHistory of CH RapReview

Als ich den ersten Teil des Aightgenossen Charts-Reviews geschrieben habe, war die Welt noch in Ordnung und wir von Aightgenossen waren euphorisch bereit für das 20-jährige Jubiläumsjahr (sind wir natürlich immer noch). Der zweite Teil dieser Ausgabe steht leider unter einem düsteren Stern, da seitdem unsere Normalität durch die Corona-Welle wie weggespült zu sein scheint. Genau in diesen ungewissen Zeiten kann ein kurzer Trip durch die CH-Rap Geschichte für eine kleine Auszeit und Ablenkung sorgen. Somit schaltet die Welt kurz aus, bleibt zu Hause und gesund, gibt euch den Artikel, kramt eure Lieblingstracks von damals hervor und starten wir die Zeitreise durch die Schweizer Hip-Hop Galaxie!

2010
Um uns auf die Zeitreise einzustellen, hört ihr hier das Instrument des Jahres. Die Vuvuzelas prägten die erste Fussball Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden, bei welcher Spanien erstmals den WM-Pokal in die Höhe stemmen konnte. So, jetzt haben wir wieder etwas 2010-Feeling und können mit dem musikalischen Trip beginnen: Während die beiden Nr. 1 Platten von Bligg0816») und StressDes rois, des pions et des fous») aus dem vorherigen Jahrzehnt sich weiterhin in den Top 100 der Schweizer Charts hielten, gab Producer und Rapper SAD im Februar mit seinem zweiten Album «Smalltalk» (Höchstplatzierung: 58.) den Startschuss in die 2010er Jahre. Besser konnte das neue CH-Rap Jahrzehnt nicht beginnen, denn darauf sind viele Schweizer Rapgrössen, wie Breitbild, Manillio oder PVP, vertreten und macht Bock auf mehr. Das erste Top 10 Album dieser Dekade folgte einen Monat später und stammt aus der Feder von Bandit, mit «Zrugg id Zuäkunft» landete der Glarner auf Platz 8.
Apropos Top 10 – am 16. Mai waren gleich zwei CH-Rap Alben ganz oben mit dabei: Sens Unik veröffentlichte «Générations», mit dem letzten Best-Of Album der legendären Hip-Hop Gruppe aus Lausanne, welche sich im selben Jahr auflöste, erreichten sie den 3. Platz und gingen damit Gold. Vier Platzierungen darunter befand sich Steff la Cheffe mit ihrem Debütalbum «Bittersüessi Pille» und ist somit die zweite Solo-Rapperin nach Big Zis (2009), die den Sprung in die Schweizer Charts geschafft hat!
Die 2000er waren geprägt von den zwei Rapkantonen Bern und Graubünden – dieser Trend ging auch in diesem Jahr weiter: Die Bünder Rapgruppe Breitbild schoss mit ihrem mittlerweile vierten Studioalbum «Was für a Moment» im Sommer wie eine «Raketa» straight auf Platz 7. Der Sommer wird bekanntlich vom Herbst verdrängt, so auch die Bündner vom Berner Baze. «D’Party isch vrbi» (6.) ist der Name seiner ersten Top 10 Platte, aber die Party rundum Baze ist noch lange nicht vorbei, sondern nimmt langsam volle Fahrt auf.
Das letzte Top 10 Album des Jahres erreichte die Poleposition und ist, wenig überraschend von Bligg. «Bart aber herzlich» ist eine weitere Episode von Bliggs musikalischen Experimenten und nistete sich für 83 Wochen in die Schweizer Charts ein und erhielt vierfach Platin!

Weitere Alben vom Jahr 2010 sortiert nach Kantonen:
Basel: Griot («MiCH», 31.); BrandhärdBlack Box», 11.); TAFS («Gschwäll», 30.)
Bern: Tommy VercettiSeiltänzer», 19.)
Collabo: Dynamic Duo («Championsound», 79.)
Graubünden: GimmaUnmensch», 13.)
Zürich: LDDC («RimaSSafaR», 45.); Samurai («Legendär», 73.); Tinguely dä ChnächtBar», 66.)

Bilanz: 16 Alben in den Top 100 – davon 6 Alben in den Top 10

 

2011
Das Jahr 2010 brach mit 16 Top 100 und 6 Top 10 Alben alle bisherigen Rekorde aus den Jahren 2000 bis 2009. Jedoch wurde der Aufwärtstrend 2011 unterbrochen – 8 Top 100 und 3 Top 10 Alben, so wenig wie zuletzt 2004! Aber das sind letztlich nur Zahlen und macht diese CH-Rap Alben nicht minder hörenswert.
Aus Schweizer Sicht begann 2011 im Februar mit Gimma. Nach seinem letzten provokanten und aggressiven Album «Unmensch» wollte der Bündner wieder «Mensch si». Dieses Album hat einen ernsteren Ton und die Texte haben einen persönlichen und verarbeitenden Charakter. Damit holte sich Gimma den verdienten 6. Platz.
Mit zwar etwas mageren Chartplatzierungen gaben im Frühling Futurekids («Schebegeil», 93.) und die Zuger Brüder Fratelli-BIch & min Brüeder», 50.) den Ton an. Futurekids, die Weiterentwicklung von X-Chaibä, ist an und für sich nicht mehr dem klassischen Hip-Hop zuzuordnen, aber neben dem Club, Electro und poppigen Sound sind durchaus noch Rap-Elemente erkennbar. Klingt teils etwas hektisch aber ist in meinen Ohren ein spannendes Projekt.
Mit PVP und meiner Meinung nach eines der genialsten CH-Rap Albumcover starten wir in den Sommer. «Es geit» (4.) ist bis zum jetzigen Zeitpunkt das letzte Album des Berner Kollektivs und erreichten damit ihre erste Top 10 Platzierung.
Schliessen wir das Jahr mit etwas Französisch und dem erfolgreichsten CH-Rapper der 2000er Jahr ab: Nachdem «Renaissance» aus dem Jahr 2007 den 1. Platz und Doppelplatin erreichte, konnte das Nachfolgealbum «Renaissance II» beinahe an diese Erfolge anknüpfen: 1. Platz und Gold! Der Höhenflug des Lausanners ging im neuen Jahrzehnt also weiter.

Weitere Alben vom Jahr 2011 sortiert nach Kantonen:
Bern: Wurzel 5 («W5 – Remixes & DVD», 14.); Kutti MC («Freischwimmer», 19.)
Zürich: Phumaso / Smack / Fogel / Shocktraderz / DJ Jonez («Artikel 16», 45.)

Bilanz: 8 Alben in den Top 100 – davon 3 Alben in den Top 10

 

2012
Das etwas magere CH-Rap Jahr 2011 ist verstrichen, wie geht’s nun weiter? Nun ja, mit einem neuen Rekord: Ganze 18 Alben von unseren heimischen Rappern erreichten eine Top 100 Platzierung!
Am 22. Januar landete das zu diesem Zeitpunkt rein Zürcher Kollektiv Temple of Speed mit der zweiten Ausgabe von «10 Tracks» erstmals auf einer Chartplatzierung. Der Name ist Programm, 10 Tracks auf einer Platte, mit dem Ziel bei jeder weiteren Ausgabe einen weiteren Rapper dazu zu holen und innerhalb von 10 Tagen 10 Tracks zu produzieren. Auf «10 Tracks Vol. II» (72.) sind mit dabei: Sterneis, Tinguely dä Chnächt, Skor und EKR. Nur vier Monate später droppte Temple of Speed bereits die dritte Edition «10 Tracks Vol. III» (37.), auf welcher erstmals der Berner Baze zu hören ist. Von diesem Kollektiv ist die Produktivität von den zwei Rappern Skor und Baze besonders hervorzuheben: Noch im selben Jahr – und auch am gleichen Tag – kamen die Alben «Nacht» (14.) von Boys on Pills (Baze und Elwont) und «Clean» (81.) von MDMA (Skor und Steezo). Nach dem Message-reichen elektrolastigen Album von Boys on Pills machte es Baze im November noch allein – mit der Platte «Unger Strom» erreichte der stromgeladene Berner den 42. Platz.
Die Top 10 wurde dieses Jahr viermal geknackt und bleiben wir auch gleich in Bern: Knackeboul – zu der Zeit Moderator der Sendung «Cover Me» und «Knack Attack» – taufte sein erstes Top 10 Album nach seinem aktuellen Berufstand «Moderator» (8.). Neben Knack war auch Greis mit einem verspielten und facettenreichen Projekt am Start – nach den Soloalben «Eis», «2» und «3» erklomm Greis mit «Me Love» (6.) erstmals die Top 10.
Wechseln wir die Landessprache: Mit Liricas Analas und «Analium» (8.) war nach drei Jahren Abstinenz Rätoromanisch wieder in den Schweizer Charts vertreten. Mit Stress, in Zusammenarbeit mit Noah Veraguth und Bastian Baker, war auch Französisch in den Top 10 dabei. «Noël’s Room» ist der Name des musikalisch abwechslungsreichen und powervollen Albums, das kurz vor Weihnachten die Spitze der Charts erreichte.

Weitere Alben vom Jahr 2012 sortiert nach Kantonen:
Basel: PyroSchatteboxe», 89.)
Bern: Webba («Uswärts!», 63.); Yuri («Kopf über Wasser», 40.)
Collabo: Gimma & GerardToni Tell», 31.); Uslender ProductionSchwarzi Schoof», 17.); Phumaso / Smack / C.mEEOperation Megaphon», 16.)
Genf: M.A.MComme les jeunes», 27.)
Schwyz: C.mEE («[Ã]», 21.); Kingsize & O-Luv («Allstars», 96.)

Bilanz: 18 Alben in den Top 100 – davon 4 Alben in den Top 10

 

2013
Nicht nur die Anzahl der Top 100 Alben, sondern auch die musikalische Bandbreite der CH-Rap-Landschaft wuchs im Jahr 2012. Dieser Trend lässt sich auch im Jahr 2013 beobachten.
Das Jahr startete Diens, Mitbegründer der Berner Rap-Crew Wurzel 5, mit seinem ersten Solo-Album «Schwarzmale» und landete direkt auf Platz 6. Ebenfalls den 6. Platz erreichte einen Monat später Manillio mit «Irgendwo». Spätestens nach dieser Platte war Manillios Platz in der Schweizer Hip-Hop Szene gefestigt.
Der 12. Mai hatte es in sich: Gleich drei CH-Rap Alben belegten an diesem Tag eine Top 10 Platzierung! Steff la Cheffe machte mit «Vögu zum Geburtstag» das Rennen und erreichte die Poleposition. Auf Rang 4 machten sich die Jungs von Uslender Production mit «Zrug in Summer» bequem und zuletzt erreichten die Winterthurer Phumaso & Smack mit «Wurzle & Chrone» den 6. Platz. Bern, Luzern und Winterthur, zwei Rap-Crews und eine Rapperin an einem Tag – da schlägt das Hip-Hop Herz höher.
CH-Rap erhält immer mehr Medienpräsenz, unter anderem wegen Knackeboul und seiner Sendung «Knack Attack» auf dem ehemaligen Jugendsender joiz. Moderator, Aktivist, Beatboxer und Rapper Knackeboul veröffentlichte, nur ein Jahr nach seiner letzten Platte, «Picasso» (9.). Der Alleskönner erreichte damit zwei Jahre hintereinander eine Top 10 Platzierung. Auf dem besagten Sender joiz hörte ich zum ersten Mal «I de Schwiiz» von Skor – der gesellschaftskritische Text, der Beat und das Video geben zusammen einen genialen Track und ist definitiv eines meiner persönlichen Highlights dieses Jahres. «I de Schwiiz» ist auf Skors Album «Und Nachteil» (36.) zu hören.
Mit Bliggs abwechslungsreichem und drittem Nummer 1 Album in Folge «Service Publigg» neigt sich 2013 langsam dem Ende – aber noch nicht ganz: Vier Tage nach diesem Release schrieb SRF Virus mit seiner ersten Ausgabe des Bounce Cyphers und über 35 geladenen MCs am 14. November 2013 Schweizer Musikgeschichte.

Weitere Alben vom Jahr 2013 sortiert nach Kantonen:
Basel: TAFS («Landgang», 42.); L-MontanaBad Boy», 18.)
Bern: SAD («Update 2», 29.); Dezmond Dez («Verlornigs Paradies», 16.); FygeludiJesses!», 72.)
Graubünden: Cyphermaischter («Traumfänger», 57.); Milchmaa-ić», 17.)
Waadt: Stress («/Golden Greats/», 12.)
Zug: Fratelli-B («Mier macheds», 15.)
Zürich: FreezyRunawaykids», 52.)

Bilanz: 18 Alben in den Top 100 – davon 6 Alben in den Top 10

 

2014
Zwar sind dieses Jahr weniger Top 100 CH-Rap Alben vertreten, aber dafür erreichten 6 der 14 Platten die Top 10 und könnte sinnbildlich dafür stehen, dass Schweizer Hip-Hop immer mehr die breite Bevölkerung der Schweiz erreicht.
Beginnen wir im Januar mit Temple of Speed. «10 Tracks Vol. IV» schaffte den Sprung in die Top 100 nicht, dafür aber Kalmoo aus Basel in das Kollektiv. Mit «10 Tracks Vol. V» (10.) erreichte Temple of Speed mit dem Neuzugang und der musikalischen Bereicherung Stereo Luchs erstmals die Top 10.
2014 gab das Berner Duo Lo & Leduc «Zucker fürs Volk», darauf trifft lyrischer Pop auf Rap und dieses Konzept geht völlig auf. Das Album landete nicht nur auf dem ersten Platz, sondern war auch für ganze 98 Wochen in den Charts zuhause und erhielt Platin. Diese Platte hat ihre Popularität nicht zuletzt dem Track «Jung verdammt», welcher in den Radios auf und ab lief, zu verdanken. Am selben Tag dieses Releases kam auch «Mittwuch Nami» (5.) von Möchtegang auf den Markt. Möchtegang, bestehend aus C.mEE, den Gebrüdern Fratelli-B, Bandit, Phumaso und Smack, steht für kantonübergreifenden Hip-Hop und jeder einzelne Stil der Mitglieder trägt zu einem grossartigen Ganzen bei.
Und dann kam Mimiks. Das Aushängeschild der 041-Crew landete mit «VodkaZombieRamboGang» straight auf die 1. Dies ist der Beginn des Aufstiegs der Rap-Stadt Luzern und des Ausnahmekünstlers Mimiks. Mit dieser Platzierung stellte der Luzerner die im Dezember erschienene Platte des erfolgreichsten Rappers der 2000er Jahre in den Schatten: Stress’ Album «Stress» landete ‘nur’ auf Platz 3 der Schweizer Charts und ging Gold, aber konnte nicht an die Erfolge ehemaliger Alben anknüpfen. Das sind aber, wie man so schön sagt, Luxusprobleme, denn nur schon der Track «FUTUR» mit Mimiks, M.A.M, Arma Jackson und Lo & Leduc vereint die Stimmen des Jahres zu einem groovenden bilingualen Leckerbissen.

Weitere Alben vom Jahr 2014 sortiert nach Kantonen:
Aargau: NefewROTAH – Rise of the Antihero», 37.)
Bern: Kutti MC («Rebellion Alltag», 38.); HobbitzSchlicht & Ergrifend», 11.)
Collabo: Swiss Avengers («The Swiss Avengers», 94.)
Glarus: Bandit («Für immer», 11.)
Graubünden: Gimmalaya («Leeri Swimmingspools», 68.); FlynAve», 89.)
Zürich: Larry FIrgendöppis mit 2000», 42.); Freezy («Flugangst», 25.)

Bilanz: 14 Alben in den Top 100 – davon 6 Alben in den Top 10

 

2015
Dank des Grundgerüsts, welches die CH-Rap Urgesteine in den 2000er Jahren aufbauten und der wachsenden Akzeptanz des Hip-Hops in der Schweizer Bevölkerung stieg die Anzahl CH-Rap Alben ab 2015 fast schon explosionsartig an. So hatten wir 2015 24 Top 100 und davon 11 Top 10 Alben – beides bisher absolute Bestwerte. Und wie schon ein paar Mal in diesem Artikel starten wir das Jahr erneut mit Temple of Speed und ihrer neuesten Ausgabe der 10 Tracks («10 Tracks Vol. VI»). Mit Neuzugang Capo Cris konnten sie zwar nicht die Top 10 erreichen, aber hinterliessen wieder ein fettes Tape. ToS lässt uns bis heute auf neue 10 Tracks warten, somit können wir uns nur auf das Comeback freuen! Ein weiteres Kollektiv konnte 2015 Erfolge feiern: Manillio, Dezmond Dez, CBN und Tommy Vercetti als Eldorado FM. Mit «Luke mir si di Vater» konnten diese vier überragenden Rapper den 2. Platz für sich gewinnen. Apropos Rap-Crew und feiern – die Zuger Brüder von Fratelli-B konnten rund einen Monat nach Eldorado FM mit «Welt us» (3.) ihre erste Top 10 Platzierung zelebrieren. Und wenn wir schon bei Rap-Formationen sind, da haben wir dieses Jahr drei weitere in den Top 10 vertreten: Ganze sieben Jahre nach ihrer letzten Platte «Classicos» nahm die legendäre Berner Crew Chlyklass «Wieso immer mir?» in alter Frische und der gewohnten Qualität auf – so verwunderte es auch nicht, dass Chlyklass straight auf die Eins schoss. Eine weitere klassische Rap-Crew aus Basel bescherte uns in diesem Jahr nach über fünf Jahren Abstinenz: Brandhärd mit «Zuckerbrot & Peitsche» (4.) – die Hip-Hop-Herzen der älteren Tage schlugen in diesem Jahr höher!
Für frischen Wind sorgten die beiden Newcomer LCone und Ali, die unter den Fittichen des Producers und Rappers SAD gemeinsam die Platte «Inoue» droppten und gleich auf Platz 10 landeten – 041 ist angekommen! Und wie, auch EffE war dieses mit seinem Debütalbum «Pöstler» (8.) am Start und konnte auch sofort eine Top 10 Platzierung für sich gewinnen.
Der frische Wind nahm dieses Jahr auch eine etwas hässigere Gestalt an in Form von XenIch gäge mich», 4.), EAZEAZ», 6.) und S-HotRumble in the Jungle», 6.) an. Auch harter Rap findet Einzug in die Schweizer Top 10 und rundet die bisherige Entwicklung in meinen Ohren ab.
Trotz der neuen und vielversprechenden neuen Generation beendeten zwei Rap-Urgesteine dieses Jahr: Greis mit «Hünd i parkierte Outos» (4.) und Bligg, welcher mit «Instinkt» (3.) seine 20-jährige Karriere zelebrierte.
Dieses Gemisch an alteingesessenen Legenden und hungrigen Newcomern machte dieses Jahr musikalisch sehr spannend – und (Achtung Spoiler) dieser Aufwärtstrend wird die nächsten Jahre weitergehen!

Weitere Alben vom Jahr 2015 sortiert nach Kantonen:
Aargau: LirikChopfkino», 38.)
Bern: PeahD.M.S.», 16.); La Base & Tru ComersJusqu’à la mort», 36.)
Luzern: EMM x KackmusikkThank God It’s Monday», 17.); SoldiMoney Matter», 72.); MoskitoMaxilla», 71.); Kevjam & MeloBuebetraum», 66.)
Schwyz: ChekaaWKND», 46.)
Zürich: TexterWarte», 82.)*; JAS CRWThe Quest Of The Brave & Ambitous», 47.); Bobby BrookzAsura», 48.); Ruff x Limmitt («Schicksal», 44.); GsezhlosLeuebluet», 42.)

Bilanz: 25 Alben in den Top 100* – davon 11 Alben in den Top 10
*Aktualisiert

 

2016
Und weiter wächst die Zahl der gedroppten Top 100 CH-Rap Alben, so konnte sich die aufblühende Hip-Hop-Community 2016 auf 34 Alben freuen. Bereits im Januar machten zwei Rapper mit zwei Alben die Top 10 unsicher. Die beiden Covers bilden das ähnliche Prinzip ab: Eine schwarzweiss Fotographie von einem Mann, der sich ins Gesicht fasst. Die Inhalte der Platten unterscheiden sich dafür und bewegen sich beide auf Top-Niveau. Die Rede ist von Mimiks’ zweitem Studioalbum «C.R.A.C.K.» (2.) – darauf Tracks unter anderem mit Xen, Stress und Ali – und Knackebouls drittem Top Ten Album in Folge «Knacktracks», wessen Grossteil auf Reisen geschrieben und von ihm selbst produziert wurden.
Trotz des vollen Programms und weiteren sechs Top 10 Alben, die auf uns warten, möchte ich an der Stelle auf «1990» (52.) von Luuk verweisen. Der Zürcher Conscious Rapper landete mit dieser Platte erstmals eine Top 100 Platzierung. Auf «1990» ist unter anderem «Puff im Revier» mit EAZ zu hören und ist insgesamt ein lupenreines Hip-Hop Tape perfekt zum Kopfnicken. Mit einem weiteren Track von dieser Platte «Nord Dream$» feat. Manillio können wir die Brücke zum nächsten Top 10 Album schlagen: «Kryptonit» – Platz 1 und Gold – das bisher erfolgreichste Projekt des Solothurner Rappers Manillio und das zurecht, denn es bewegt sich lyrisch, musikalisch und inhaltlich auf erstklassigem Niveau.
Blicken wir in die Ostschweiz, dort warten die Bündner Rap-Crew Breitbild und der St. Galler CBN auf uns. Breitbild konnte nach 17-jähriger Bandgeschichte 2016 mit dem bis zum jetzigen Zeitpunkt letzten Album «Breitbild» den ersten Platz für sich gewinnen. Die Bündner Jungs haben die CH-Rap Geschichte mitgeschrieben und bescherten uns mit «Breitbild» eine harmonische Platte, die uns an vergangene Tage erinnern. CBN hingegen erreichte zum ersten Mal im Alleingang eine Chartplatzierung, mit «Tourist» belegte er Rang 10.
Es war viel los in der ersten Hälfte dieses Jahres, aber auch der Herbst hatte einiges zu bieten: Zum Beispiel in Form von Freezy «Us de Vorstadt» (8.), genauer gesagt aus Uster – nebst einigen unterhaltsamen Tracks ist vor allem «Als hettemer en Grund» feat. Mimiks und Ali hervorzuheben. Hervorzuheben ist ebenfalls Möchtegang. Nach dem Erfolg mit «Mittwuch Nami» releaste die selbsternannte ‘beschti Rapcrew’ «Campione» (2.). Die Jungs haben sich gefunden und hinterliessen ein 15-Stück starkes und gut durchdachtes Werk.
Mit einer etwas bizarren Geschichte beenden wir das Jahr 2016, und zwar mit der Crew GLB und ihrem Album «Turn up» (5.). Den Aarauern wurde Manipulation vorgeworfen, da sie angeblich Verkaufszahlen vorgetäuscht und sich so eine Top 10 Platzierung erschlichen hätten. Ich möchte mich an der Stelle nicht positionieren, da ich bis vor Kurzen nichts davon wusste, für die, die interessiert sind, können die Story hier nachlesen. Die Tracks der Platte bedienen sich der englischen Sprache und mixt Clubbeats mit Rap – spricht nicht unbedingt meinen Geschmack an, aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

Weitere Alben vom Jahr 2016 sortiert nach Kantonen:
Aargau: Chilli MariKaligula», 18.)
Basel: RapreflexElf», 68.); S-Hot («Auf jetzt», 12.); Levo RimeD («4057», 37.)
Bern: NemoClownfisch EP», 95.); JulianVerrisse», 23.)
Glarus: YTGriselda Blanco», 52.)
Graubünden: Liricas Analas («Banalitad», 17.); Gimma («Megaschwiizer», 41.); Giganto & MattiuUndas», 42.)
Luzern: EMM x Kackmusikk («Nitroglyzerin», 25.); VisuSex und Rösti», 70.); GeilerAsDuTurbo Mate & Kalaschnikow», 49.)
Schaffhausen: SulayaSHS», 27.)
St. Gallen: RabooseRaboose», 87.); Flows PowersEigentlich Normal», 49.)
Zürich: Milli54Himmel oder Füür», 11.); Reemo («Reemo», 44.); Maurice Polo («NRB [Nordringboulevard]», 20.); Can & ZH Beats («Endstation», 31.), DidiMorukmodus», 17.); EKR («Miss Tape», 28.); Dara DeepKrieg & Friede», 85.); JAS CRW («Swervin’», 89.); LXcellent07Zwible EP», 92.)

Bilanz: 34 Alben in den Top 100 – davon 8 Alben in den Top 10

 

2017
CH-Rap kletterte weiter den Berg rauf und schenkte uns 2017 sage und schreibe 48 Top 100 Alben! Das bisherige Rekordjahr begann in Bern mit Kaiser & Dimitri – damals noch als Hobbitz unterwegs – und ihrer ersten Nr. 1 Platte «Patina». Mit «Patina» präsentierte sich eines der dienstältesten Rap-Duos der Schweiz sich einmal mehr von ihrer freshesten Seite. Eine weitere altbekannte Stimme konnten wir auf «Bruchstück» von Baze hören. Zehn Songs mit einer Laufzeit von 50 Minuten und diese Minuten haben es in sich, die wuchtigen, philosophischen und eher dunklen Songs laden zum Nachdenken ein.
Eine andere Stimmung bietet das nächste Top 10 Album von Xen, EAZ und Liba «Physical Shock» (3.). Mit «Alé» sorgten die Jungs bereits im März für einen unvergesslichen Sommerhit und genauso brachten sie auch die ‘Soul City’ Stage am Openair Frauenfeld zum Kochen! Ebenfalls im März meldeten sich Lo & Leduc seit ihrem Erfolgsalbum «Zucker fürs Volk» 2014 mit «Ingwer und Ewig» (2.) einmal mehr lyrisch und musikalisch überzeugend zurück.
Der April stand dafür ganz im Zeichen von 041: Marash & Dave gingen mit «Gold» zwar nicht Gold aber landeten straight auf dem 7. Platz – Mimiks wäre nicht Mimiks, wenn er das nicht toppen könnte: Mit «Jong & Hässig Reloaded» erklomm er nicht nur die Spitze der Charts, sondern hinterliess ein zeitgemässes und topqualitatives Album, worauf seine 041-Crew und einige meiner bis heute noch favourite Tracks («Stormtrooper» & «Tüüfgarage») zu hören sind.
Mit «Grüezi Herr Blocher» machte Milli54 auf sich aufmerksam und mit «Secondo» (5.) landete der Dietiker erstmals in den Top 10, mit dem Ziel Ausländern in der Schweiz eine Stimme zu geben. Und wenn wir uns schon in Dietikon befinden: Xen brachte nach «Physical Shock» noch die EP «Dämone» auf den Markt und konnte mit dem 2. Rang seine beste Platzierung bis anhin feiern.
Eine grosse Abwechslung bereiteten uns Nativ und Dawill a.k.a. S.O.S. – sie veröffentlichten gleich zwei Alben «Akim» (2.) und «Imani» (3.). So klingt moderner CH-Rap, etwas trappig aber mit Message und Energy – so lautet auch die Devise, wo die Berner auftreten, gibt’s einen Abriss.
Ebenfalls voller Power ist das Debütalbum «Erol» von Ali, welches mit dem 5. Platz gekrönt wurde. Deepness trifft auf eine unglaublich kraftvolle Stimme, dies ist für mich Grund genug zu sagen, dass «Erol» für mich persönlich das stärkste CH-Rap Album dieses Jahres war – allen voran wegen dem Track «Handglenk», simple gesagt: einfach nur wow!
Für etwas gechilltere Töne sorgte Stereo Luchs mit «Lince» (8.), in der ganzen Platte steckt so viel Gefühl drin, bestes Beispiel dafür ist «Ziitreis»! Die Tracks rufen automatisch Sommergefühle auf – obwohl die Platte Mitte November erschien. Auf «Lince» ist auch Pronto zu hören, der Solothurner brachte mit seiner EP «Solo di nero» (28.) und seinem unverwechselbaren Mumble-Rap eine weitere Stilrichtung auf die breiter werdende CH-Rap Palette.

Weitere Alben vom Jahr 2017 sortiert nach Kantonen:
Aargau: Les5K», 48.); Lirik («Mana», 68.); Dope KidPhantom», 22.); Benji BonusEndlich»)
Basel: S-Hot («Back to the Roots», 18.); Kush KarismaBâlonce», 41.); Ferret & L.A.C.Nur wäg de Adlibs», 26.); Pyro («Rohkost», 66.); KrimeKrime Time», 16.); Sherry-OuStreber», 28.)
Bern: SAD («Ü», 67.); Jakko BratkoIgnorant», 19.); Mitch RecordsComing Soon», 80.)
Collabo: Shape & TReBeatsZwei für eine», 31.); Hawk & FreezeWiedervereint», 52.)
Genf: SlimkaNo Bad Vol. 1», 35.); Di-MehFocus Vol. 1», 40.); MakalaGun Love Fiction», 37.)
Graubünden: LIVChurer Gschichta», 79.)*; RennieRandnotiz», 16.)
Luzern: ElielHallelujah», 48.)
Schwyz: Chekaa («Calimero», 34.)
Solothurn: Lionaire.notFROMhere», 100.)
St. Gallen: Lumi & KikzTrip», 43.)
Zürich: Gsezhlos («1312», 28.); Luuk («Nirwana», 30.); BossnakHaram City 2», 12.); MC Hero («1x Räuber immer Räuber», 43.); Big BoysAfter Hours», 94.); Onkel AriSweet Helvetia Dreams», 33.); Sektion ZüriSummer für Summer»; 54.); PedroAcho», 59.); Don FuegoClub 27», 23.); Didi («Kunst», 21.)

Bilanz: 48 Alben in den Top 100* – davon 12 Alben in den Top 10
*Aktualisiert

 

2018
Wir schreiben das Jahr 2018 – mittlerweile koexistieren mehrere Plattformen rundum unseren heimischen Rapper/innen, wie beispielsweise Lyrics, darüber hinaus ist CH-Rap auch in Form des Bounce Cyphers zu einer feste Grösse im öffentlich-rechtlichen Radio SRF Virus geworden und ist ein jährliches Highlight. Schweizer Hip-Hop ist in der breiten Bevölkerung angekommen und wird nicht nur toleriert, sondern auch zelebriert. Dadurch erreichte der CH-Rap 2018 seinen absoluten Peak mit 57 Top 100 Alben! Von Boom Bap bis Trap, von Street Rap bis ‘Blüemli-Rap’ und von alteingesessenen Legenden bis hungrigen Newcomern war dieses Jahr alles vertreten. 2018 hatte eine unglaublich breite Palette, darum möchte ich an der Stelle meinen Senf nicht dazu geben – stattdessen geniessen: ihr findet, gleich nach diesem Satz, alle Rapper/innen sortiert nach Kantonen und Alben zum zu Hause anhören und geniessen – somit dreht die Boxen auf und feiert eine Homeparty!
Aargau (2): Lirik & Les («Acid King Dave», 35.); MondettoReminder», 13.)
Basel (7): Rohat46Baba», 88.); LafaHunger», 7.); E-LightDoppel 4 Dreysägs», 14); Brandhärd («1997», 13.); Skip24/7», 14.); Lafa («Dornacher Ecke Sämpi», 7.); MisandopeMomänt vo dr Zit», 49.)
Bern (12): 11ÄHie», 7.); Lo & Leduc («Update 4.0», 19.); S.M.D.Haute cuisine», 60.); La Base («Au-dessus des lois», 82.); Steff la Cheffe («Härz Schritt Macherin», 1.); Knackeboul («Asimetrie», 16.); Migo & BuzzPartys im Blauliecht 3», 4.); LandroNostalgia», 69.); Baze («Gott», 9.); Dawill («Moringa», 92.); Nativ («Baobab», 3.); Ben WhaleSonar», 94.)
Collabo (3): Chekaa x Eliel («Band», 8.); Dezmond Dez, Tommy Vercetti & CBN («Kaspar Melchior Balthasar», 1.); Tommy Vercetti & Ruck-PPolarlos EP», 29.)
Genf (1): Slimka («No Bad Vol. 2», 23.)
Glarus (1): Radical & YT («Vrenelisgärtli», 25.)
Graubünden (2): Sirius («Finamiras», 27.); Chris BluemoonZooM», 24.)*
Jura (1): Sim’sMême pas peur», 90.)
Luzern (5): EffE («KPTN HOOK, Vol. 2», 13.); EMM («Botox fürs Herz», 49.); LCone («Aaaschiss», 9.); Melo («Bubble», 9.); The Youngest («Phase EP», 63.)
Solothurn (2): Pronto («Europe», 68.); Manillio («Plus Minus», 5.)
St. Gallen (3): Monet192192», 59.); RonesGuns N Rones», 21.); Lumi & Kikz («Mood», 62.)
Wallis (1): KT GoriqueKunta Kita», 76.)
Zug (2): Fratelli-B («Per du», 3.); Weibello and the GangWolfgang», 11.)
Zürich (16): Onkel Ari («Codex», 12.); Tinguely dä Chnächt («Calvados», 30.); SemantikSonnhalde», 22.); Xellen7Go Fast», 66.); Bligg («KombiNation», 1.); MicTagebuech», 73.); Don Fuego («Memento mori», 8.); ZHAtmoZHphere», 82.); IsedManny Ribera Ep.», 77.); Ruff («Vo Nüt zu Was!», 23.); Phumaso & Smack («Quintessenz», 6.); MaestroDr. T», 24.); Luuk («Renaissance», 12.); Maurice Polo («Prettyfürimmer», 40.); MC Hero («Alles erlaubt», 78.); Kujtim («La vida loca», 92.)

Bilanz: 58 Alben in den Top 100* – davon 16 Alben in den Top 10
*Aktualisiert

 

2019
Der Hype rundum CH-Rap löste 2018 eine Welle der Begeisterung aus und motivierte viele junge Künstler, selbst das Mic in die Hand zu nehmen und eine Platte zu produzieren. 2018 war geprägt durch Diversität, so waren auch 13 Kantone im Rap-Game vertreten. Die breite Soundpalette und wöchentliche Releases führten aber auch zu einer Schnelllebigkeit der Musiklandschaft – dies schlägt sich in der Anzahl Wochen in den Charts nieder: Die meisten Alben aus 2018 waren lediglich eine Woche in den Charts vertreten. Nach der Flut kommt die Ebbe, so verringerte sich dieses Jahr auch die Anzahl Top 100 Alben von 57 (2018) auf 27. Man könnte meinen, dass die Selbstfindungsphase des CH-Rap langsam ein Ende gefunden hat und sich die qualitativ Besten durchgesetzt haben. Aber blieb die musikalische Vielschichtigkeit erhalten?
Kurz gesagt: Ja. Auf sprachlicher Ebene konnte Rätoromanisch, nach «Liricas Analas» und «Analium» im Jahr 2012, dieses Jahr in Form von Giganto und dem Album «Sault d’amur» (5.) ein Comeback in die Top 10 feiern. Mit Visu gewann die Top 10 einen weiteren neuen Künstler für sich. Auf der Platte «Libra» konnten wir einen erwachseneren und hässigeren Visu erleben, wobei er gleichzeitig seine humorvolle Art und seinen Wortwitz beibehalten hat. Und auf «Kartellmusig» konnten wir wieder eine altbekannte Stimme hören. Gimma landete mit seiner 10. Platte, für welches er sich drei Jahre Zeit genommen hat, auf Platz 10 und hinterliess uns ein besonderes Album.
Nebst klassischem Hip-Hop wurden auch andere Töne gespielt: So etwa ging es eher in die poppige Richtung mit «Hype» (5.) von Lo & Leduc, oder etwas moderner mit «King Lori» (2.) von der umstrittenen Rapperin Loredana. Die einen lieben sie, die anderen haten – eins muss man aber sagen, die Rapperin weiss wie man sich vermarktet. Kaum ein anderer Künstler polarisiert so wie die Powerfrau aus Emmenbrücke und konnte auch international senkrecht durchstarten. Wer Autotune feiert, konnte sich auf «Balance» (5.) von L Loko und Drini freuen. Die beiden Zürcher droppten ein zeitgemässes Album, welches in meinen Ohren vor allem Live für einen Abriss garantiert.
Bleiben wir gleich im Kanton Zürich: Xen hat immer «Meh welle» und durch dieses Feuer konnte sich der Dietiker als «Lieblingsrapper» etablieren. Gekrönt wurde seine Platte mit dem 4. Platz und mit «Nöd wie ich» konnte er darüber hinaus ein Feature mit der Deutschrap-Grösse Sido klarmachen.
Mit drei grossen Namen beenden wir dieses Jahrzehnt: Tommy Vercetti war 2018 gemeinsam mit Dezmond Dez und CBN auf der Eins und 2019 schaffte es der Berner erneut, aber diesmal im Alleingang: «No 3 Nächt bis morn» war nicht nur auf der Poleposition, sondern auch für 7 Wochen in den Schweizer Charts vertreten. Etwas ruhiger ist es um die Rap-Legende Stress geworden – fünf ganze Jahre mussten Fans auf ein neues Album warten. Mit «Sincèrement» (9.) meldete sich der Lausanner einmal mehr mit einer Top 10 Platzierung zurück. Und zu guter Letzt konnte Bligg ein weiteres unglaublich erfolgreiches Jahrzehnt mit einem Top 10 Platz abschliessen: Sein Album «Unplugged» umfasst die grössten Hits des Zürchers, wobei die musikalische Begleitung der Sängerinnen und Instrumente den Tracks mehr Würze und Tiefe verleihen – einmal mehr bewies Bligg von Pop bis Rap Stilsicherheit.

Weitere Alben vom Jahr 2019 sortiert nach Kantonen:
Aargau: Les («Sugo», 26.)
Basel: MorowDream Flow», 59.)
Bern: IroasBokeh», 48.); S.M.D. («Troum», 87.); Sa-VesJourney Home», 20.); Nativ & QuestbeatzAwful», 21.); Saimon DiskoUme», 11.)
Collabo: Danase & Tru Comers («Colt 45», 38.)
Genf: Di-Meh («Fake Love», 49.); Makala («Radio Suicide», 39.)
Glarus: YT («Gschicht schribä», 44.)
Luzern: EMM («Botox fürs Herz 2», 58.)
Nidwalden: Criga et ZRAÄ Fünkä zums i Brand setzä», 27.)
Zürich: Stereo Luchs («Off Season», 13.); Gsezhlos («#vibezh», 72.); Didi («Morukmodus 2», 13.); HainanHainan», 70.)

Bilanz: 27 Alben in den Top 100 – davon 10 Alben in den Top 10

 

Wir blickten auf ein sensationelles CH-Rap-Jahrzehnt zurück, welches jedes Hip-Hop-Herz höherschlagen liess. Von 2010 bis 2019 konnten insgesamt 178 Rapper/innen aus 18 Kantonen und in 3 Landessprachen mit 266 Alben eine Top 100 Platzierung erreichen – davon wurden 82 Platten mit einer Top 10 Platzierung geehrt, diese Zahl entspricht allen Top 100 Alben der Jahre 2000 bis 2009.
Einzig Italienisch und das Tessin gingen leer aus, aber mit den – wie Pablo am Cypher so schön sagte – ‚Rap-Psychopathen‘ Mattak, Limon Willis & Funky Nano hat der Südkanton grosse Hoffnungsträger, für mich eines der Highlights des SRF Bounce Cyphers 2020. Somit können wir uns nur darauf freuen, dass sich auch der italienische CH-Rap in den Charts etabliert.

Dieses Jahrzehnt hat zahlreiche neue Rapper/innen hervorgebracht – einige konnten sich beweisen und zu einer festen Grösse im CH-Rap entwickeln, andere wurden von der Schnelllebigkeit der Musikindustrie wieder verdrängt und vergessen. Nebst hungrigen und talentierten Newcomern bewiesen auch Rap-Legenden der alten Tage ihre unverwechselbaren Skills. Nach dem Peak von 2018 nahm die Zahl der Top 100 CH-Rap-Alben wieder stark ab, wobei sich von Jahr zu Jahr die Qualität verbesserte und die Vielfalt erhalten blieb.
Wie dieses Jahrzehnt nun begann, wissen wir alle. Unter der Corona-Krise leiden auch unsere heimischen Künstler. Wenn wir wollen, dass sich die Schweizer Hip-Hop Community weiter festigt und weiterwächst, dann müssen wir gerade jetzt unsere lokalen Musiker unterstützen.

In dem Sinne gönnt euch die Alben und bleibt gesund!

 

Quelle sämtlicher Chartplatzierungen: hitparade.ch