4 Fragen an La Nefera

La Nefera zählt zu den erfolgreichsten Female MCs in der Schweiz. Wir haben sie gefragt wie sie zu den neuen vom Bund bekanntgegebenen Lockerungen steht, was ihr in dieser Zeit am meisten gefehlt hat und von was ihre heute erschienene neue Single «Cuerpo y Alma» handelt.

CH Rap
4 Fragen anCorona VirusCuerpo y AlmaLa Nefera

Unsere neue Rubrik «4 Fragen an…» hat sich dieses mal einem Female MC-Talent gewidmet. Die Rede ist von keiner anderen als La Nefera. Die in Basel wohnhafte Latina erzählt uns über ihre Erfahrungen als Frau in der CH-Rap Szene und ihre neu erschienene Single.

 

Wie stehst du zu den neuen Lockerungen vom Bund bezüglich des Corona Virus und wie bist du bis jetzt mit dem ganzen umgegangen?

Naja, ich habe mich gewundert, warum Versammlungen nur für 30 Personen gestattet sind, Veranstaltungen aber bis 300 Personen möglich sein werden. Es stellen sich mir mehr Fragen als Antworten. Aber ich denke in den nächsten Wochen werden wir aus der Situation schlauer werden.

Grundsätzlich gut. Obwohl, ich muss ehrlich sagen, dass mich die Anfangszeit sehr bedrückt hat. Ich hatte auf Ende 2019 meine Stelle gekündigt um mich mehr der Musik widmen zu können. Da hat mein Herz schon sehr geblutet als die Konzertabsagen reingeflattert sind. Aber ich konnte mich schnell fangen und habe mich dem Musikschreiben gewidmet. Das hat gut getan.

 

 

Was hat dir während dieser Zeit am meisten gefehlt?

Als erstes meine Leute umarmen zu können. Aber ich versuche alles aus einer positiven Perspektive zu sehen. Die Zeit hat uns gelehrt, was wirklich wichtig ist im Leben: Die Gesundheit und seine liebsten Mitmenschen. Zweitens die Bühne. Ich bin ein Bühnenmensch. Konzerte spielen hat mir sehr gefehlt. Das habe ich vor allem gemerkt, als wir vor einigen Wochen ein Innenhofkonzert spielen durften. Ich war danach sicher drei Tage «high» von den Glücksgefühlen. Es ist so schön, wenn mindestens so viel Energie zurückfliesst, wie die, welche wir beim Spielen aussenden.

 

Du bist ein Female MC. Wie nimmst du die Szene als weibliche Rapperin war und welche Erfahrungen hast du gemacht?

Vergleichsweise mit früher sind heute einige Frauen aktiv. Das freut mich sehr zu sehen. In Relation mit dem Anteil an männlichen MCs sind wir aber immer noch untervertreten. Zur Anfangszeit fand ich es mühsam in der Szene Fuss zu fassen. Ich musste mir einige diskriminierende Sprüche und Gesten gefallen lassen. Aber ich habe dies als Ansporn gesehen, um es den Menschen zu zeigen. Heute fühle ich mich respektiert. Grundsätzlich ist es in der Musik wichtig, dass Musikschaffende eine Vision haben. Im besten Fall, ein Team, von Menschen, welche die gleiche Vision teilen. Dadurch wird er/sie unbesiegbar. Eine klare Vision und die Bereitschaft 100% zu geben, werden ihn/sie ans Ziel bringen.

 

 

Heute erscheint deine neue Single „Cuerpo y Alma“ was heisst das übersetzt und von was handelt der Track?

«Cuerpo y Alma» heisst übersetzt Körper und Seele/ Geist. Ich habe mich beim Song von der jetzigen Zeit inspirieren lassen. Und das umfasst nicht nur die Corona-Krise. Bereits davor hatten sich weltweit revolutionäre Bewegungen geformt, welche für ihre Interessen (Menschenrechte, Klimaschutz etc.) auf die Strasse gingen und das vorherrschende System in Frage stellten. Das endete in den meisten Fällen in der Aufsplittung der Gesellschaft in mindestens zwei verhärtete Fronten, welche die Gegenseite verteufelten. Die Entmenschlichung der «Gegnerischen Seite» kann ganz üble Sachen verursachen. Ein sich wiederholender Teufelskreis, welcher wir in der Menschheitsgeschichte immer wieder beobachten können. Da stellt sich die Frage, wie wollen/ sollen/ können wir revolutionäre Veränderungen herbei rufen ohne Menschen zu Opfern fallen zu lassen. Da gibt es zwei ausschlaggebende Punkte, einerseits die Macht des Wortes und anderseits Solidarität und Empathie. Ich bin der Meinung, dass wir die Welt heilen können, wenn wir bei uns starten. Deshalb sag ich im Song, wir brauchen heilende Reime, welche unsere Venen durchdringen und uns entgiften. Dies mag im ersten Moment sehr romantisch klingen. Aber jede Person kennt mindestens einen Song, welchen ihn/sie durch eine schwere Zeit geholfen hat. Mit dem Song will ich Mut machen zur Veränderung und für mehr Solidarität, Empathie und Dialog appellieren. Und dass meine Worte neue Perspektiven und Möglichkeiten im Kopf eines anderen Menschen entstehen lassen.