Fonomoua – Knackeboul live im Sender

Genau 197 Tage nach dem letzten Konzert war es soweit. Der Berichteschreiber durfte ENDLICH wieder ein Rapkonzert besuchen um danach für euch in die Tasten zu hauen.

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Eigentlich war geplant gewesen, diese unfreiwillig lange Pause mit dem Besuch des Chlyklass Gigs vom 04. September im Exil zu beenden, was zweifelsfrei auch ein würdiger Rahmen gewesen wäre. Weil dieser jedoch ein weiters Mal verschoben wurde, sollte es nun halt der Abstecher von Knackeboul in den «Sender» im Rahmen seiner Velotour 2020 werden.

 

 

Und bei genauerer Betrachtung spricht sehr viel dafür, dass dies sogar die geeignetere Wahl für ein erstes Konzert nach der Corona-Zwangspause war. In Zürich eine sympathischere Location als das Lokal des GdS-Radio’s zu finden wird schwierig, eine grössere Rampensau als Knack im Schweizer Hip-Hop noch schwieriger und dies alles noch in sehr familiären Rahmen, Konzertherz was begehrst du mehr?

Als es kurz nach 22 Uhr losging, hatte es im «Sender» noch soviel Raum, dass sich die anwesenden Personen gar nicht für’s Contact Tracing hätten registrieren müssen, da es kein Problem darstellte, die Distanzregeln einzuhalten. Ein erfahrener Entertainer wie Knack lässt sich von so etwas natürlich nicht beeindrucken. Gut gelaunt und charismatisch wie eh und je begann er sein Set mit, nomen est omen, «Fonomoua», dem ersten Song seines neusten Albums «The Bananaspilt of Evil».

 

 

Begleitet wurde er dabei nur von DJ Matrat und seiner (wohl) am längsten andauernden Affäre aka. Gudrun. Der locker-flockige, laidbacke Lo-Fi Beat markierte einen idealen Auftakt für ein Konzert in so einem Rahmen. Dass er auch anders kann, bewies er gleich im Anschluss mit «Hautschnurre», einer auf einem treibenden Boombap Banger vorgetragenen Message an alle Identitären und Nationalisten. Weiter ging es mit «James Dean», einer musikalischen und textlichen 180º Drehung, bei der der Langenthaler beinahe singend, melancholisch über Schwäche und Selbstzweifel sinniert.

Allgemein fiel auf, wie breit das musikalische Spektrum auf «The Bananasplit of Evil» ist. Noch abwechslungsreicher war an diesem Abend nur noch seine Darbietung. Mehrmals bestimmte DJ Matrat, welcher von Knack den ganzen Abend nur mit seinem bürgerlichen Namen angesprochen wurde und dessen richtiger DJ Name der Bleistiftschwinger nur anhand des Konzertflyers in Erfahrung bringen konnte, mit seiner Beatwahl den nächsten Song. Ab und an wurde auch mal ein älterer Track eingebaut. Einmal sogar einen nie veröffentlichten, bei dem es nur um skinny Jeans geht (wieso der wohl nie veröffentlicht wurde…). Oder weil sich im Publikum auch Featuregast Noah Ferrari befand, wurde spontan entschieden, auch diesen Song zu performen. Und siehe da, es zeigte sich, dass die eine Hälfte des Pottcasts zwar ein extrem guter Freestyler ist, aber beim Textlernen offensichtlich noch Luft nach oben besteht, denn im Gegensatz zum biblischen Sportwagen war er bei seinen Parts alles andere als sattelfest. Fairerweise muss man aber auch anmerken, dass er dies davor auch angekündigt hatte. Und dann hatte natürlich auch Gudrun noch ihren grossen Auftritt. Zuerst als einfache Rumpelloop (O-Ton Knackeboul) Lieferantin zum freestylen, später als Loopmachine beim obligatorischen Beatbox Live Beat erstellen und zum Abschluss als Hauptdarstellerin beim «Gudrun-Roulette», bei welchem die Leute im Publikum eine Zahl ansagen und Knackeboul dann den unter dieser Nummer abgespeicherten Loop berappen muss (kleiner Tip des Autors, falls jemand der werten Leserschaft sich auch mal in dieser Situation befindet, wünscht euch die 69, er liebt es über diesen Loop zu freestylen). Nach 4 mal mehr mal oder weniger erfolgreich gemeisterten Versuchen und ziemlich genau einer Stunde Spielzeit waren wir am Ende dieses ersten Konzertes nach der staatlich verordneten Entschleunigung angekommen. Zwar hätte der Verfasser dieser Zeilen genauso wie auch weitere Personen in der Crowd nichts dagegen gehabt, wenn es noch weiter gegangen wäre und für den ehemaligen Mundartist wäre dies höchstwahrscheinlich auch kein Problem gewesen, aber wie heisst es so schön, man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Und so können am Schluss dieses Abends alle Beteiligte ein positives Fazit ziehen. Der Schreiberling erlebte einen gelungenen zweiten (Konzert) Saisonstart dieses Jahres, Knackeboul einen extrem entspannten Abend und für die Leute des Senders sollte die Rechnung zum Schluss auch noch aufgegangen sein, verdoppelte sich doch während der Show die Anzahl der Anwesenden. So kann und sollte es gerne weitergehen.

 

 

PS: je nachdem ob der Berichteschreiber plötzlich noch einen Anruf des Contact Tracing Teams des Kantons Zürich bekommt, könnte sich sein Resümee zu diesem Abend dann auch noch ändern 😉.