Milchmaa «-Muat» Albumreview

Nach acht Jahren ist der Bündner Milchmaa zurück und veröffentlicht sein zweites Soloalbum nach «-ić». Wie sein Vorgänger ist auch dieses Album sehr abwechslungsreich – musikalisch wie auch inhaltlich.

CH Rap
-muatAlbum ReviewMilchmaa

Überraschung zum Frühlingsanfang

Die Überraschung bei vielen – vermutlich schon etwas älteren – Hörern wird bei dieser Nachricht gross sein und Freude auslösen. Klammheimlich arbeitete Milchmaa an seinem neuen Album und veröffentlicht dieses heute, ohne zuvor Promo gemacht zu haben. Gut, wer den Instagram-Kanal von Milchmaa in den letzten Tagen und Wochen etwas verfolgt hat, der konnte sich denken, dass allenfalls etwas in der Pipeline ist und gestern bei SRF Virus liess er die Bombe dann doch noch kurz vor Release platzen und stellte sein neues Album vor. Für alle, die die Sendung verpasst haben und sich nicht auf den sozialen Medien tummeln, wird der Release dennoch etwas Überraschendes haben. 

 

Bild: Silvan Tomaschett

 

Er ist also zurück. Derjenige, der schon gut zwanzig Jahre lang in der Hip-Hop-Szene ist, Freestyle-Battles gewann und auch einer der Köpfe der Freestyle-Convention war. Ihn daher genauer vorzustellen, ist in Anbetracht dessen nicht mehr nötig.

 

Musikalisch abwechslungsreich, textlich gehoben

Wenn man sich wieder einmal die Zeit nimmt, um ein bisschen in der Vergangenheit zu verweilen und sich dann zurückerinnert, was vor acht Jahren war, dem wird sicher schnell bewusst, was in einem Leben und in der Welt in diesen acht Jahren alles passieren kann. Ist es da nicht auch extrem schwer, an ein Debutalbum anzuknüpfen, ohne etwas von seinem Flow, seinem ganzen Können eingebüsst zu haben? Milchmaa’s Antwort: Nein. Musikalisch ist «-Muat» sehr vielseitig. Vom Einstieg mit Trap, über Balkan Future Beats und Boom Bap bis hin zu teilweisem Elektropop ist alles enthalten – wie man sich dies von Goran Vulović, wie der Rapper mit bürgerlichem Namen heisst, gewohnt ist.

 

Eigentlich sind acht Jahre Pause im Musikbusiness gar nicht möglich – wenn man von der Musik zumindest teilweise Leben möchte oder in den Medien präsent sein will. Doch dies ist Milchmaa ziemlich egal. Er macht, was er will und wann er es will. Die Texte sind zum Glück auch weit weg von eingängigen und einfachen Reimen, sprich von Wortspielen, die man so nebenbei mitträllern könnte, wenn das Radio im Hintergrund läuft. Auch bei den Videos serviert Milchmaa gleich die volle Ladung. «Amuat» ist eines von gleich 5 Clips welche heute released wurden.

 

 

Um alles zu verarbeiten, geht es allenfalls eine Weile. Eine verfrühte Bewertung des Albums sollte man unterlassen, sprich eher nach dem zweiten oder dritten Mal Durchhören urteilen. Es sind Texte, die tief greifen, einen doch etwas gehobeneren Wortschatz voraussetzen und viele Referenzen zur Literatur beinhalten. Dies kombiniert mit Milchmaas ganz eigenem Flow, ist beeindruckend.

 

Wie er zum Beispiel auf Track Nummer 10 «SETI» sagt:

 

«…Stellt sich bi diar jetzt Verdruss ih, will du nüt verstohsch, kann di trösta, will das muass sii. Bhalta mini Hörerschaft bewusst klii, damit sich Inhalt als Perla entpuppt, muass er unter Verschluss sii…»

 

Diese Zeile hat mir zum einen Freude bereitet und mich zum anderen auch etwas erleichtert, da man dieses Album wohl noch etliche Male hören und man bei jedem weiteren Mal immer etwas mehr aufnehmen und verstehen kann – und wenn nicht, ja dann muss es halt eben so sein und diese Vorstellung finde ich etwas sehr Schönes. Der Exil-Bündner hofft auch, dass jemand, der seine Musik hört, bereit ist, sich damit auseinanderzusetzen und sich die Zeit nimmt, die Inhalte mittels Internetsuche aufzuschlüsseln.

 

Die Songs auf dem neuen Album drehen sich unter anderem um Migranten und Einwanderung («Subito», «Exponat») mit denen sich sicher Einige identifizieren können; den gefährlichen Umgang mit den sozialen Medien und unserer Welt («#undiarso»); Gesellschaftskritik und auch Wehmut. Erwähnenswert ist auch «Montenegro», sein wohl persönlichstes Lied auf dem Album. Es erzählt die Geschichte seines Gross- und seines Vaters. Die Erzählung ist so stark ist, dass sie Gänsehaut auslöst.

 

 

Hört euch das Album an, überzeugt Euch selbst. Eines ist klar: Auch wenn das dritte Album noch länger als acht Jahre auf sich warten lässt, wir warten gerne, denn es lohnt sich. Doch zuerst wünschen wir Milchmaa nun einen schönen Releasetag für sein Werk «-Muat».